Nobelpreis für Antisemitismus?

Hat wiederholt üble antiisraelische Petitionen mitgetragen: Annie Ernaux (Foto:Imago)

Kaum war der französischen Schriftstellerin Annie Ernaux am Donnerstag der Literaturnobelpreis verliehen worden, wurden bereits Antisemitismus-Vorwürfe gegen die 82-Jährige laut. Wie die „Jerusalem Post schreibt, ist Ernaux Anhängerin der israelfeindlichen Organisation „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS), die Israel als angeblichen „Kolonialstaat” diffamiert und das Land wirtschaftlich, politisch und kulturell isolieren will. Der Bundestag hatte 2019 eine Resolution verabschiedet, die die BDS-Bewegung als klar antisemitisch einstuft. Personen oder Gruppen, die mit dem BDS sympathisieren, sollen in Deutschland etwa keine staatlichen Räume oder finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Ebenfalls 2019 unterzeichnete Ernaux mit über 100 weiteren französischen Künstlern einen Brief, der dazu aufrief, den in Tel Aviv stattfindenden Eurovision Song Contest zu boykottieren und von französischen TV-Sendern verlangte, die Veranstaltung nicht zu übertragen. Ein Jahr zuvor hatte sie bereits zu den Unterzeichnern eines Briefes gehört, der sich vehement gegen eine interkulturelle Zusammenarbeit Frankreichs mit Israel aussprach, weil dies dazu beitragen würde, das Bild des jüdischen Staates zu „beschönigen“. In einem weiteren offenen Brief schloss Ernaux sich einer Forderung nach Freilassung des Libanesen Georges Abdallah an, der 1982 wegen der Ermordung des US-Militärattachés Charles R. Ray und des israelischen Diplomaten Yaakov Bar-Simantov zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Die beiden Opfer wurden in dem Schreiben als „aktive Mossad- und CIA-Agenten“ bezeichnet, während ihr Mörder sich „für das  palästinensische Volk und gegen die Kolonialisierung“ engagiere.

Typisch linksintellektuelles Israel-Bashing

Und schließlich unterschrieb sie 2021 einen Brief gegen die Apartheid“, in dem die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen sowie auf Araber und Palästinenser aufgelistet wurden, die vorherigen Angriffe auf Israel jedoch mit keinem Wort erwähnt wurden. Es sei, hieß es in dem Schreiben, „falsch und irreführend, dies als einen Krieg zwischen zwei gleichberechtigten Seiten darzustellen. Israel ist die kolonisierende Macht. Palästina ist kolonisiert. Das ist kein Konflikt, das ist Apartheid“. Ernaux reiht sich damit nahtlos in den in der westlichen kulturellen „Elite“ geradezu obligatorischen Antisemitismus ein, der als „Israelkritik” verbrämt wird. Zudem ist Ernaux offensichtlich auch von der in ihren Kreisen so typischen Mischung aus Sendungsbewusstsein und absurder Selbstüberschätzung erfüllt. Als Reaktion auf die Preisverleihung erklärte sie: „Sie sollten wissen, dass das etwas ganz Großes für mich ist.“

Mit dem Erhalt des Preises trage sie nun auch die Verantwortung, ihren Kampf gegen Ungerechtigkeiten fortzusetzen. Dass sie zumindest reichlich fragwürdige Ansichten über Gerechtigkeit hat, hat sie mit ihrer eifrigen Beteiligung an teils unerträglichen Hetzbriefen gegen Israel hinlänglich bewiesen. Die Frage ist, ob die Verleihung der weltweit renommiertesten Auszeichnung ausgerechnet an eine Intellektuelle mit derartigen Positionen im Wissen um Ernaux‘ Haltung zu Israel erfolgte, oder ob diese dem Nobelpreiskomitee unbekannt waren. In letzterem Fall sollten die „Background Checks“ der Nominierten dringend verschärft werden.

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6 Kommentare

  1. Dann schaut mal, wer da so alles mit unseren Steuergeldern unterstützt wird ohne das die Öffentlichkeit davon erfährt https://www.ngo-monitor.org/reports/bundesdeutsche-organisationen-mit-einfluss-auf-die-zivilgesellschaft-im-arabisch-israelischen-konflikt/ obwohl etwas andres behauptet wird https://de.ngo-monitor.org/reports/deutschland-erklaert-bds-ist-antisemitisch/ Deshab wird man sich auch über die Nobelpreisvergabe nicht aufregen. Nach außen hui, nach innen pfui.

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  2. Es ist ein Skandal, dass es immer noch Journalisten gibt, die nicht gelernt haben zu unterscheiden zwischen der Judenfeindlichkeit, Anti-Israelismus, Anti-Zionismus und dem Antisemitismus. Zum Thema Antisemitismus noch etwas:
    Araber sind beispielsweise genauso wie die Juden ein semitisches Volk!

    Seit vielen Jahren wird jegliche Kritik an der israelischen Regierung sofort mit Antisemitismus in Verbindung gebracht.
    Israel darf in den westlichen Staaten nie kritisiert werden. Israel ist aber ganz sicher keine Musterdemokratie , das ist eine Tatsache!

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    • @ Vasco da Gama 8. Oktober 2022 Beim 20:34
      „Seit vielen Jahren wird jegliche Kritik an der israelischen Regierung sofort mit Antisemitismus in Verbindung gebracht.“

      Absolut richtig Ihr Kommentar!
      „Nobelpreis für Antisemitismus“? Nein, ich halte Frau Annie Ernaux nicht für eine Antisemitin: Es muss möglich sein, die israelische Besatzung in Palästina als menschen- und völkerrechtswidrig zu bezeichnen und entschiedene gewaltfreie Maßnahmen wie Kaufboykott zu fordern, ohne gleich dem unsäglichen Antisemitismusvorwurf ausgesetzt zu werden!
      Dazu gibt es ein bemerkenswertes Zitat von Norbert Blüm von 2002:
      „In Israel findet ein Kampf statt, bei dem offenbar keine Regeln und humanitären Rücksichten gelten, auch nicht die des Kriegs-Völkerrechts… Krankenwagen? Palästinenser müssen ihre Toten in Löchern vor der Haustüre verscharren, weil man sie nicht auf den nahen Friedhof lässt.
      Dann werden von Israel 5.000 Olivenbäume in palästinensischem Gebiet vernichtet… Was hat das mit Kampf gegen den Terrorismus zu tun? Das alles ist blindwütig – ein anderes Wort fällt mir hierfür nicht ein…
      Die Israelis kümmern sich einen Dreck um das, was die UN beschließen. Rückzug ihrer Trup-pen – abgelehnt. Eine UN-Untersuchungskommission nach Jenin – kommt nicht in Frage. Keine neuen Siedlungen mehr – seit dieser Abmachung sind Tausende Siedler hinzugekommen…
      Es geht um Morde und nicht um Worte. Ich kann in den Aktionen der israelischen Militärs keinen Abwehrkampf gegen den Terrorismus sehen – sondern nur Vernichtung…“
      Norbert Blüm in einem Stern-Interview aus Juni 2002
      Nach heutigen Einstellungen war also Norbert Blüm auch ein Antisemit…

      Apropos Norbert Blüm: Er gehörte zu den vier Unionsabgeordneten, die Brandts Ostpolitik unterstützten. Angesichts des grassierenden, erheblich geschichtsfälschenden Russen- und Putinhasses bräuchten wir dringend wieder einen solchen Politiker!

      • @brigbrei,es ging mir darum, die Doppelzüngigkeit des deutschen Bundestags aufzuzeigen. Man erklärt BDS für antisemitisch und distanziert sich, nur um hinten herum Organisationen, die BDS-nah sind, mit Steuergeldern zu unterstützen. Warum nicht klare Aussagen treffen und sagen, die BDS-Bewegung ist in Deutschland nicht willkommen und wird auch nicht monetär unterstützt oder öffentlich akzeptieren und unterstützen. Außerdem liegt es mit fern, mich über einen Konflikt oder wie man es sonst nennen will zu äußern, von dem ich nur aus der Presse erfahre. Es kann auch nicht sein, dass jede Kritik am Staate Israel als Antisemitismus gebrandmarkt wird, wie es genau so wenig sein kann, dass hier Al Quds-Demonstrationen, bei denen wirklich antisemitische Parolen gerufen werden, erlaubt sind. Es muss eine Lösung geben, die beide Seiten zufrieden stellt. Es ist eine Sache des guten Willens, die zwischen beiden Staaten erfogen muss, ohne Einmischung von außen. Man mag ber onald Trup denken, wie man will, aber er hat zur Befriedung zwischen den arabischen Staaten und Israel viel beigetragen.

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  3. Einfach Mal recherchieren, wer eigentlich ngo-monitor betreibt… Auf der er Seite selber erfährt man das bemerkenswerterweise nicht …

    Entweder Sie wissen das ohnehin und gehören dem Club als Helfershelferlein selber an oder Sie sollten sich besser bzw überhaupt mal informieren, bevor sie PR menschenverachtender Kreise verbreiten, die selber gegen gläubige Juden vorgehen – so, wie die faschistische israelische Apartheits-Regierung, der Mossad und die B’nai B’rith, die ADL etc etc etc

  4. Ich bin kein Helfershelferlein irgendwelcher Clubs und weiß dass NGO Monitor einen Sonderstatus bei der UN hat. Je nach Ansprechpartner findet jeder bei jedem ein Haar in der Suppe. wenn man das einmal lässt und ohne Vorurteile und Anschuldigungen in Gespräche geht kommt vielleicht Bewegung in die Sache.

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