
Die zweite Ausgabe des “Fiume-Magazins für Reinkultur“ setzt das ehrgeizige Projekt fort, neben der mutigen Herausgabe dieser gelungenen Zeitschrift selbst das dezidierte Wagnis einzugehen „rechte Ideen zu debattieren, ohne aus der Gegenwart zu fallen.“ Diese Formel hebt die fundamentale Bestrebung der Macher hervor, derartige Stimmen nie verstummen zu lassen – sowohl in der gedruckten Zeitschrift selbst als auch auf dem zugehörigen Online-Portal für die recht lange Interimsphasen (es ist geplant, vier Ausgaben im Jahr vorzulegen); ein großartiger Anspruch, der jedenfalls aufzugehen erscheint, und mehr noch ein notwendiger Anspruch in der Behauptung gegen die tonangebende linksliberale Spätmoderne, die die westliche Welt allzu lange geprägt hat.
Ohne ein bestimmtes literarisches Genre anzusprechen sollen im “Fiume-Magazin“ Gedanken und Texte in der Tradition des George-Kreises zu klassischer, deutscher Literatur und Philosophie dargeboten werden. Der Name “Fiume” wurde bewusst in Anlehnung an die gleichnamige nationalistisch-avantgardistischen Stadtkommune gewählt, die als unabhängiger Freistaat in der heute unter dem Namen Rijeka zu Kroatien gehörenden damaligen Stadt Fiume von 1920 bis 1924 bestand. Gegründet wurde sie von dem italienischen Dichter Gabriel D’Annunzio zusammen mit Angehörigen des Militärs. Ledio Albani, Gründer des Castrum Verlages, schrieb dazu im Editorial der Erstausgabe: „In Fiume lag etwas Improvisiertes, Schillerndes, Exzessives, eine seltsame Mischung aus Nationalismus, Avantgarde, Revolte und Karneval in der Luft. Diese Stadt zog nicht nur Patrioten an, sondern auch Abenteurer, Literaten, ehemalige Frontoffiziere, Futuristen, Exzentriker und politisch Suchende aller Colour.” Die Zeitschrift stellt sich in diese Tradition, ohne Historisches wiederholen zu wollen; vielmehr geht es um Verdichtung – „den Punkt, an dem Haltung, Stil, Denken und Werk in eine höhere Spannung treten“, um damit im Gegenwärtigen wieder einen Sinn für Ursprung, Form und kultische Mitte freizulegen.
Von Krah bis Schwärzel
In “Fiume II” eröffnet er nun den Reigen der darin enthaltenen 16 Beiträge, Essays und Artikel mit einem Frontalangriff auf die herrschende demokratische Selbstbeschreibung der Gegenwart, indem er „Herrenrechte“ reklamiert und durchaus provokant ausführt, dass Demokratie in diesem Sinne nicht als Endpunkt der Geschichte, sondern eher als erschöpfte Gewaltordnung anzusehen ist. Der Rechtsanwalt und AfD-Bundestagsabgeordnete Dr. Maximillian Krah appelliert in einem Gastbeitrag, „das Unvermeidliche zu tun, um am Ende zu gewinnen“. Nach den Jahrzehnten, in denen politisch praktisch nichts passiert ist und die Kunst des Aussitzens herrschte, kann ein Übergang in eine neue geopolitische Epoche nur in den Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz, im Trumpismus und in der Rückkehr imperialer Interessenspolitik gesehen werden. Krah schließt mit der Feststellung: „Rechts sein heißt, das Unvermeidliche zu erkennen und alles dafür zu tun, damit es eintritt.“
Der Schriftsteller Sebastian Schwärzel stellt die Frage: “Bleibt der Krieg für die moderne Gesellschaft ein unausweichliches, attraktives, vielleicht sogar notwendiges Narrativ?” Für die Zukunft werden Gegenwartskriege, Maschinenkrieg sein, die einen quasi permanenter Kriegszustand ermöglichen. In diesem Kontext sieht Schwärzel den Iran-Krieg nicht als moralisches Schauspiel, sondern als Symptom eines Europas das seine Sprache verloren hat. All dies sind komplexe Themen, die in der neuen “Fiume”-Nummer kenntnisreich behandelt werden, ohne finale Lösungen anzubieten – letzteres übrigens ganz bewusst, weil die sich ankündigenden Veränderungen noch sehr unterschiedlich ausgehen können.
Iddo Netanyahu im Interview
In dieser Rezension kann nicht auf jeden Beitrag der neuen Ausgabe eingegangen werden; zwei Themen müssen aber Erwähnung finden: Zum einen das Interview mit dem Schriftsteller Iddo Netanyahu, dem jüngsten der Netanyahu-Brüder, der in seinem großartigen Roman „Yonis letzte Schlacht“ eine historische Rekonstruktion der Befreiungsaktion in Entebbe nachzeichnete, die zwar 103 Geiseln das Leben rettete, bei jedoch sein ältester Bruder Yonis als einziger israelischer Soldat sein Leben verlor. Im Interview betont Iddo, dass die Leitlinien in der Darstellung der Befreiungsaktion für ihn nicht in trocknem historischem Beschreiben zu sehen sind, sondern dass er immer das Innenleben der Verantwortlichen und der damaligen Akteure im Blick behält.
In einem weiteren Interview führt Ledio Albanie das Gespräch mit US-amerikanischen Denker Curtis Yarvin, der 2008 unter dem Pseudonym Menicus Maolbug seinen „Brief an aufgeschlossene Progressive“ veröffentlichte und damit das das Denken über Staat, Ordnung und Demokratie revolutionierte. Yarvin passt exzellent zu “Fiume“, da er das Grundanliegen der Zeitschrift teilt, sich jedoch vor allem an „aufgeschlossene Progressive“ wendet und eben nicht nur an den kleinen Kreis der ohnehin Überzeugten adressiert. Die von ihm im Interview angesprochenen Thesen zeigen in der Tat eine große Übereinstimmung mit den Themenschwerpunkten des Magazins. Auch die sonstigen “Fiume”- Beiträge zu Kunst und Poesie sind durchweg lesenswert.
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Ein Kommentar
„Rechts sein heißt, das Unvermeidliche zu erkennen und alles dafür zu tun, damit es eintritt.“
Klingt so, als wolle man sich ein Fleißkärtchen bei irgendeinem Dienst verdienen oder als ob man „Alternativlosigkeit von rechts“ herbeibuchstabieren wolle? Und dann noch die Anknüpfung an den italienischen Faschismus und dessen Architektur (im Foto): das ist auch ausgelutscht – hatte casa pound schon vor Jahrzehnten. Oder soll das Werbung für Fendi machen?
P.S.:
Das historische „Fiume“ war offenkundig ein Resultat der ersten Kokainwelle in Europa (gerade auch in Italien – man lese div. Romane Pitigrillis) – geradezu erheiternd die biographischen Details vom führenden Fiumer „Guido Keller“ bzw. dessen „Programm“: Gruppensex, gerne mit Männern aber strikt vegetarisch. Das klingt doch alles sehr nach unseren linken Droglern von heute. Was daran als Vorbild für Konservative taugen soll: keine Ahnung. Mythen in braunen Tüten?