Palästina mich nicht voll!

Arabischer Israel-Hass und antisemitische Vorurteile prägen auch in Deutschland immer mehr die öffentliche Wahrnehmung des Judentums (Symbolbild:Shutterstock)

In diesem Jahr wird es in meinem Fenster um die Weihnachtszeit auch elektrisch leuchten – allerdings „auf jüdisch”: Für Chanukka habe ich mir eine LED-beleuchtete Deko gekauft, die ich Mitte Dezember in Stellung bringen werde. Bei uns auf dem Hof geht das problemlos, von den Nachbarn sind keine bösen Reaktionen zu erwarten; in einem linken Kiez oder Duisburg-Marxloh sähe das anders aus. Da wäre klar: Das ist kein religiöses, sondern ein politisches Statement – hier ist die jüdische Weltverschwörung am Werke! Übrigens empfinde ich es als positives Zeichen, dass man solche Deko-Artikel in Deutschland mittlerweile problemlos erwerben kann – das spricht nicht nur für einen vorhandenen Bedarf, sondern auch für eine Normalisierung des Zusammenlebens: Man muss sich nicht verstecken. Zumindest in einer „normalen“ Nachbarschaft nicht.

Deshalb ist es auch so wichtig, in der Debatte um Antisemitismus Ross und Reiter zu nennen. Wenn Juden wie diese Dame hier (siehe Twitter-Screenshot unten) Angst haben, ihren Davidstern offen zu tragen, kann ich das gut nachvollziehen, auch wenn mir bis auf die Verwicklung in nervenaufreibende Diskussionen bisher noch nichts Gravierendes passiert ist. Eigentlich sollte man als Jude gleichzeitig ein T-Shirt mit der Aufschrift „Palästina mich nicht voll!” tragen, denn der Stern wirkt auf manche Menschen wie ein Signal, ihre moralische Empörung über den Staat Israel auf den Träger auszukübeln, als hätten sie ihr Leben lang auf eine solche Gelegenheit gewartet. Ein sachliches Gespräch entwickelt sich daraus in der Regel nicht, denn hier treffen Welten aufeinander. Und ja: Spätestens nach der dritten Begegnung dieser Art legt man sich dann auch einen entsprechenden Abwehrpanzer zu -und denkt über einen Krav-Maga-Kurs nach. Bei Adam Sandlers „Zohan”.

(Screenshot:Twitter)

Gibt es Juden, die sich diesbezüglich gern in einer Opferrolle sehen? Schließlich machte der Fall Gil Ofarim vor einiger Zeit Schlagzeilen: Der weniger berühmte Sohn eines berühmten Vaters hatte einen Hotelangestellten fälschlich beschuldigt, ihn wegen seines Davidsterns nicht einchecken lassen zu wollen. Und das auch noch im Osten der Republik – da freute sich mancher Journalist schon heimlich ein Loch in den Bauch, das übliche „In Sachsen leben nur Nazis“-Fass aufmachen zu können. Ofarims Verhalten war schäbig – einerseits, weil ein Mann deshalb seinen Job verlor, aber auch, weil er all jenen, die Berichte über Antisemitismus für aufgebauscht halten, eine Steilvorlage bot. Das durfte auch die junge Frau oben in den Kommentaren unter ihrem Tweet erfahren, obwohl hat sie niemanden konkret beschuldigt hat. Leider gibt es bei jedem kontroversen Thema immer wieder Trittbrettfahrer, unabhängig von religiöser oder ethnischer Zugehörigkeit. Löst man Ofarims Verhalten aus dem jüdischen Kontext heraus, so steckt einfach nur Geltungssucht dahinter. Ein Nichtjude hätte sich eben ein anderes Reizthema gesucht.

Ob Schleudertrauma, sexuelle Belästigung oder Rassismus: Jedesmal, wenn dabei Lügner entlarvt werden, haben die danach wirklich Betroffenen einen schweren Stand. Es wird zum Augenroller-Thema – „Och nö, nicht schon wieder eine Debatte über Antisemitismus!” oder „Schmerzensgeld? Ich habe ihr Auto doch kaum berührt!”. Gerade beim Antisemitismus wird die Definition darüber, was denn nun welcher sei, seit Jahren immer schwammiger. Man muss sich als Jude durchaus bewusst sein, dass so mancher, der sich als Kämpfer gegen Judenhass geriert, das nicht zu unserem Schutz tut, sondern um seine eigenen Interessen durchzusetzen. Da wird ein falsches Wort aus dem Munde eines Nicht-Linken gerne einmal zum Skandal aufgeblasen und man gräbt nach Beweisen, ob der Redner nicht schon immer ein schlimmer Finger gewesen ist. Luisa Neubauer hat das mit Hans-Georg Maaßen praktiziert, jemandem, der sicherlich niemals jüdisches Leben in Deutschland gefährdet hat. Aber Maaßen war unbequem geworden, spätestens seit seinen Zweifeln an den Ereignissen von Chemnitz. Da wird so ein Bröckchen von den Medien gern aufgeschnappt. Auch eine Luisa Neubauer hat damit den Juden in Deutschland keinen Gefallen getan – denn der Vorwurf, Antisemitismus zu instrumentalisieren, wird letztlich wieder an uns kleben bleiben. Und: Falls er einmal berechtigt vorgebracht wird, nimmt ihn niemand mehr ernst.

Eine Frage der Selbstachtung

Verschweigen des importierten Antisemitismus auf der einen Seite, aber auch das ungefragte sich-Aufschwingen zum Anwalt des Judentums, um tatsächlich nur den politischen Gegner zu schwächen: Beides muss klar benannt werden, sonst ändert sich nichts. Das ist auch eine Frage der Selbstachtung. Mir ist es bis heute ein Rätsel, warum sich jemand wie Charlotte Knobloch von der Politik nach Belieben an- und abschalten lässt. Wenn man mich nicht über die deutsche Iran-Politik sprechen ließe, sondern nur zum Kritisieren der AfD ans Rednerpult holt, dann sollte ich mir überlegen, ob da nicht etwas faul ist. Vor allem, wenn erkennbar Sinn und Zweck der Übung ist, letztlich noch mehr Antisemitismus nach arabischer Art in das Land zu importieren, in dem ich lebe. Darüber täuscht auch die in Deutschland von den „Guten“ zelebrierte Erinnerungskultur nicht hinweg. Die mag für uns schmeichelhaft sein, nutzt uns aber rein gar nichts, wenn ein paar Straßen vom Berliner Mahnmal entfernt Hamas-Anhänger unter dem Schutz des Senats unseren Tod fordern. Liebe Mitjuden – da werden wir ordentlich hinters Licht geführt!

Ja, es gibt auch Antisemitismus unter Deutschen, wie auch die Kommentare unter dem obigen Tweet bewiesen. Und da sind tatsächlich Kraut und Rüben verloren. Diese Leute nerven uns genauso, wie umgekehrt viele Nichtjuden von den Friedmans und Knoblochs genervt sind. Es ist in diesem Falle ratsam, sich gegenseitig weitläufig zu umgehen um den Blutdruck zu schonen. Stattdessen sollten wir tatsächliche, alltägliche Gefahren ansprechen. Auch diese werden im Kontext der Dauerempörung über Rassismus, Sexismus und andere -ismen nicht mehr ernst genommen. Wenn zu viele Menschen „Löwe! Löwe!” rufen, wo keiner ist, nutzt sich im Alarmmissbrauch die begründete Wachsamkeit ab. Am Ende bleiben die tatsächlich Bedrohten auf der Strecke.

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8 Kommentare

  1. Sorry ! Mit diesem Beitrag haben sie sich für mich diqualifiziert !
    Ich bin kein Antisemit. Ich bin Christ. Aber ich sehe die Gründe für den Judenhass in den arabischen Ländern. Ich sehe den Hass den wir importieren und bereitwillig akzeptieren. Würde sich israel auf seine Grenzen zurückziehen und gäbe es eine Zwei Staaten Lösung wäre vielleicht noch etwas zu retten. So aber ist es aussichtslos !

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    • Israel hat sich bereits 2005 komplett aus dem Gaza-Streifen zurückgezogen – es hat nichts genutzt. Den Palästinensern ist auch mehrfach eine Zwei-Staaten-Lösung angeboten worden. Warum sehen viele Deutsche nicht, dass sowohl die Palästinensische Autonomiebehörde als auch die Hamas erst Ruhe geben werden, wenn Israel von der Landkarte gefegt ist?

      Den importierten Hass habe ich im Übrigen durchaus angesprochen und sehe es auch so, dass dieser von jüdischen Organisationen klar benannt werden muss.

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      • Da ist so einiges nicht richtig.
        Die Palis (so nennen die Israeliten die Palästinenser) bestehen darauf., dass ein Teil Jerusalems ihnen gehört. Das will aber Israel nicht anerkennen. Dazu sind Grenzanlagen nicht in Israel errichtet, sondern im Gebiet der Palästinender. Auch werden permanent Olivenhaine der P von militanten Isr. zerstört….. straflos! Auch nimmt man vielen Palis ihren Grund und Boden ohne Recht einfach weg.
        Verständlich also, dass die Palis auf die Israeliten nicht gut zu sprechen sind.

  2. Überall muss sich Deutschland reinhängen. Ob Iran, Syrien, Irak, Afghanistan und wir nehmen all die auf die angeblich für Freiheit sind und aus religiösen Gründen angeblich nach Deutschland, dem freisten Land der Welt zu kommen. Hier tragen sie Kopftücher, obwohl vor Jahren die Grüne Claudia Roth verkündet hatte, dass viele Frauen aus muslimischen Ländern nach Deutschland kommen, weil hier kein Kopftuchzwang herrscht. Doch ich muss feststellen, dass viele von den muslimischen Neubürgerinnen weiter Kopftuch tragen. Israel ist auch der Meinung, wir müssen viel mehr Kriegsflüchtlinge aufnehmen. Aber auch Israel hat sich da bis heute nicht klar positioniert. Die meisten Flüchtlinge kommen nun mal aus muslimischen Ländern außer momentan nun noch die armen Ukrainer.

  3. Zitat: „Gerade beim Antisemitismus wird die Definition darüber, was denn nun welcher sei, seit Jahren immer schwammiger.“

    In der Tat sollte man mindestens drei Aspekte unterscheiden, was unter „Antisemitismus“ verstanden wird bzw. zu verstehen sein sollte:

    Erstens: Aus religiösen Gründen gegen das Judentum. Dies ist eine historische Entwicklung, die man bereits vor 2000 Jahren kannte. U.a. darauf zurückzuführen, dass Juden jede Gemeinsamkeit (z.B. gemeinsames Essen) ablehnten und sich so isolierten. Diese Form dürfte selbst bei Mohammedanern und Christen heute – aus verschiedenen Gründen – kaum noch eine Rolle spielen. Aus diesem religiösen Antisemitismus (dabei sogar prägend: Luther) schufen die Nazis ihre Rassentheorie und damit die beabsichtigte Wiedergutmachung und Schuld in heutige Politik Deutschlands. Hier dürften die Reste eines „deutschen Antisemitismus“ zu suchen sein.

    Zweitens: Einstellung gegen die israelische/jüdische Siedlungspolitik und alles, was mit dem Staat Israel zusammenhängt. Dies unterscheidet deutlich den europäischen Antisemitismus vom arabischen.
    Diese Konfrontation steht heute oft im Vordergrund und wirkt sich auch auf andere Sichtweisen aus.

    Drittens: Viele Juden gelangten durch frühere Diskriminierungen (allgemeine Berufsverbote; aber Zugang zu Geldgeschäften und Handel) zu Reichtum und spielen bis heute in der Finanzwelt eine bedeutende Rolle. So wird ein Kampf gegen die Reichen und Superreichen auch schnell zu einem Kampf gegen Juden. Dies erklärt die Solidarität der großen Finanziers und Bankiers der USA mit Israel.

    Höchst interessant ist am Judentum, dass dort nach der Besiedlung Palästinas ( ab 1949) in den ersten Jahren sogar versucht wurde, ein jüdisches Rassenmerkmal zu entdecken. Man knüpfte also an die Rassenlehre an, die die Nazis mit ihrer Vernichtungspolitik verfolgten. Man wollte sich damit von den Juden des Ostens (Russland; Ukraine etc.) unterscheiden, um deren Einreisen nach Palästina zu verhindern bzw. zu erschweren. Wenig überraschend, dass man jedoch nichts fand, was einen Juden aus dem Westen von dem aus dem Osten oder von sonst einem anderen Menschen genetisch unterscheiden ließ. Das wurde folglich längst aufgegeben – ist aber dennoch bemerkenswert. Inwieweit jedoch noch eine Rassenlehre gegenüber den Palästinensern gepflegt wird, kann ich nicht beantworten. In jedem Fall wären diese ethnischen oder genetischen Aspekte genauso wenig aussagekräftig, wie die Unterscheidung zwischen Russen und Ukrainern.

    So kann sich jeder aussuchen, ob er sich als „Antisemit“ (ohnehin irreführend, da alle Menschen im Vorderen Orient diesem Menschentypus zuzuordnen sind) sieht oder sich nicht diesen „Anti-Gesichtspunkten“ anschließt.

    • Eine genetische Differenzierung dürfte nie gelingen: die heutigen Juden sind ein gnetisches Mischmasch aus allen europäischen Völkern. Es gibt auch solche mit afrikanischen Einmischungen.
      Deswegen (wegen der Vermischung aller Völker) ist ein Antisemitismus Blödsinn.

  4. Ob Jude, ob Muslim, ob Christ…. es ist Jacke wie Hose!
    Alle dieser Religionen sind geschaffen worden um seine Mitmenschen zu beherrschen und Macht über deren Vermögen zu haben.
    Der Judenhass der Muslime kommt (lt. dem Buch: die Söhne der Wüste)vom Mohammed, der als Junger Probleme mit einem Junden hatte. Also schließt es das in seine von ihm erdichtete Religion ein.
    Da sieht man, wie hochstehend die Philosophie Buddhismus ist. Es ist keine Religion, kennt keine Pfaffen, usw. Auch Hölle und Paradies ist dort unbekannt!

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