Pech für die Flutopfer, dass im Ahrtal keine Taliban regieren…

Frauen in Afghanistan (Foto: Von timsimages.uk/Shutterstock)

Man braucht keine große Phantasie, sich auszumalen, was geschehen wäre, hätten nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 in dessen westlichen Bündnispartnern Frankreich und Großbritannien Politiker das Sagen gehabt, wie sie heute bei uns Verantwortung tragen. Angela Merkel hätte zuerst eine Protestnote mitunterzeichnet, dann erst einmal hunderte Millionen humanitäre Soforthilfe in die besetzten Gebiete überwiesen, und wenig später hätte Heiko Maas erklärt, man müsse mit Hitler unbedingt reden, dürfe das Dritte Reich nicht isolieren. Nach „knallharten Verhandlungen“ auf neutralem Boden wären dann Wirtschaftshilfen und Unterstützungszahlungen geflossen – gegen die Zusage der Nazis, sie würden die Menschenrechte wahren, und selbstverständlich würden Juden weder verfolgt noch anderweitig diskriminiert. Goebbels, Ribbentrop & Co. hätten nach außen zugestimmt – und sich in der Reichskanzlei schlappgelacht, während ihre Mordmaschinerie unbeirrt weiter gewütet, ihr Sklavenstaat im Generalgouvernement und später in der Sowjetunion weitere Gestalt angenommen hätte.

Genau das erleben wir derzeit im Umgang mit den Taliban. Die Super-Appeaser und Hyperdilettanten, die heute am Ruder sind, übertreffen an Rückgrat- und Prinzipienlosigkeit alles, was es an politischer Feigheit und Inkonsequenz in der jüngeren Geschichte bislang zu verachten gab. Ein Ohnmachtspazifismus, der sich mit zynischer Doppelmoral paart, hat bereits gedanklich jede Bereitschaft ausgeschlossen, noch für irgendwelche Werte entschlossen einzutreten geschweige denn zu kämpfen. Barrack Obamas „rote Linie“, die inzwischen von jedem Regime beliebig übertreten werden können, sind emblematisch geworden für die westliche Außenpolitik.

Ohnmachtspazifismus und Doppelmoral

Eine besonders abstoßende Extradimension erhält insbesondere die deutsche Ruchlosigkeit im Überbordwerfen der eigenen moralischen Prinzipien, besieht man sich, wie zeitgleich mit Krisen innerhalb der eigenen Grenzen verfahren wird. Unzählige Bürger und Steuerzahler dieses Landes, die im Ahrtal und in den sonstigen betroffenen Kommunen und Gemarkungen ihr Hab und Gut verloren haben, müssen auch nach anderthalb anderthalb Monaten bangen, ob und inwiefern sie finanzielle Entschädigung erhalten. Die Menschen aus den Flutgebieten von bürokratischen Hürden, von ausbleibenden Zahlungen und Materiallieferungen trotz Zusagen. Nach wie vor sieht es aus wie in einem Kriegsgebiet. Ersthelfer müssen bis heute vergeblich darum betteln, dass ihnen der Dieselkraftstoff für ihre Gerätschaften erstattet wird, mit denen sie Räum- und Bergungsarbeiten verrichteten. Mit Ausnahme von wohlfeilen Wahlkampfauftritten im Katastrophengebiet, wo eine bräsige Merkel – in Gedanken wohl bei wichtigeren Fragen wie der moralischen und ökologischen Weltrettung – völlig an den Probleme der Menschen vorbei über den Klimawandel Schwurbelte, oder sich ihr Nachfolgekandidat Laschet vor laufender Kamera köstlich amüsierte, hielt sich die Politik dort auf schäbige Weise zurück.

Dafür dürfen die Flutopfer, wenn sie wieder Internetverbindung oder ein funktionierendes TV-Gerät, dann mitansehen, wie Merkel – plötzlich ganz unbürokratisch – 100 Millionen „Soforthilfe“ für Taliban-Afghanistan raushaut und Heiko Maas weit größere Summen in Aussicht stellt (nachdem er noch am 12. August getönt hatte, es würde „kein Cent mehr für Afghanistan“ fließen, „wenn die Taliban dieses Land komplett übernehmen„). Wenn die Taliban das Ahrtal erobert hätten, wäre dort vermutlich alles wieder piccobello.

Und das ist nicht alles: Deutschland tut, was es am besten kann: Sich vorführen und missbrauchen lassen – dass aber dann formvollendet und mit höchster Effizienz. 5.000 Afghanen werden in Windeseile ohne Überprüfung ins Land geholt, während, wie es treffend in einem Tweet dieser Tage hieß, die Hilfsanträge der Ahrtal-Betroffenen nicht einmal einen Eingangsstempel erhalten haben. Unter diesen, fast alles kräftige Männer, die sich bei der Evakuierung im darwinistischen Kampf um die wenigen Flugzeugplätze gegenüber Frauen, Kindern, Schwachen durchsetzen konnten (die „Seenotrettung“ lässt grüßen!) natürlich wieder, wie inzwischen feststeht, rund zwei Dutzend Schwerverbrecher, Gefährder, Kinderschänder, die schon einmal von hier abgeschoben wurden, nun aber mit dem Ticket „Ortskräfte“ auf ungeprüfte Behauptung hin nach Deutschland durchstarten konnten, plus eine Vielzahl identitätsloser „sans-papieres“, hinter denen sich allahweißwer verbergen könnte.

Deutschlands Kernkompetenz: sich vorführen lassen

Apropos sogenannte Ortskräfte: Merkel faselte vergangene Woche von „eher 10.000 bis 40.000“ als wenigen hundert Ortskräften – die angeblich alle als Unterstützer einer stationierten deutschen ISAF-Truppe mit maximal niedriger vierstelliger Mannschaftsstärke gedient haben sollen. Deutsche Politiker vom Bürgermeister bis zum Minister erklären ihre uneingeschränkte Hilfs- und Aufnahmebereitschaft. Die latente Botschaft dringt bis nach Kabul wohlverstanden: Kommet her nach Deutschland, ihr alle, die ihr mühselig und beladen seid – ich will euch erquicken! (Subtext: …und euch alle in Hartz-4 bringen). Belügt uns! Erzählt uns eure Geschichte, wir glauben sie! Ihr seid schließlich nicht aus dem Ahrtal, sondern vom Hindukusch – euch gilt unsere ganze Sorge! Die Frage, wie es zu diesem beispiellosen Politikversagen, dem unkoordinierten Abzug und der Zuspitzung in Kabul als Folge katastrophale Fehleinschätzungen überhaupt kommen konnte, gerät da in den Hintergrund; von einer juristischen oder parlamentarischen Aufarbeitung dieses Totalbankrotts gar nicht mehr zu sprechen. Was das Alarmversagen betrifft, das tapfere und leichtfertige Ignorieren von expliziten Warnhinweisen durch die Verantwortlichen, gleichen sich die westdeutsche Flutkatastrophe und das Afghanistan-Debakel auf beängstigende Weise.

Und die coronageschädigten Deutschen, nicht annähernd im Bilde über das Ausmaß des Abgrundes, auf dem sie sich volkswirtschaftlich zubewegen, können wie vor sechs Jahren mehrheitlich nicht genug kriegen. 47 Prozent der Teilnehmer einer repräsentativen Umfrage durch das Meinungsforschungsinstitut YouGov sprachen sich vergangene Woche für die Aufnahme einer „größeren Zahl afghanischer Flüchtlinge“ in Deutschland aus. Die grauenvolle Verirrung, das Elend der Welt nicht mehr durch Spenden, Aufbau- oder Entwicklungshilfe oder politische Zusammenarbeit zu lindern, sondern durch Aufnahme der betreffenden Menschen unter finaler Preisgabe und Zurücklassen ihrer Heimat, ist inzwischen Goldstandard im humanitären Repertoire des deutschen Bessermenschentums; um welchen kulturellen, demographischen, rechtsstaatlichen und ökonomischen Preis, das wird geflissentlich verdrängt.

Von Kabul nach Ramstein ins deutsche Sozialsystem

Die Aufnahmewilligen von Merkel abwärts dürften sogar noch schneller die Erfüllung ihrer Träume erleben als sie hoffen: Denn während sich die große Menschenwalze wohl noch mindestens einige Wochen, wenn nicht Monate über den Iran, Türkei und Balkan allmählich zu uns durchschlagen wird, gelangen aus den Reihen der von den USA geretteten und aktuell auf der Airbase Ramstein zwischengeparkten Afghanen schon die ersten auf deutschen Boden und stellen hier Asyl. Vorerst handelt es sich dabei angeblich nur um 90 Personen, die „auf eigene Faust“ das Flugplatzgelände und die dortige Zeltstadt verlassen haben. Doch da von den insgesamt laut Bundesinnenministerium bis Montag insgesamt nach Ramstein geflogenen 34.103 Menschen aus Afghanistan wurden bisher nur 20.943 in die USA weitergeflogen. Nach Insiderberichten von Beschäftigten ziviler Sicherheitsdienste „picken“ sich die USA angeblich Akademiker, Handwerker und leistungsbereite Flüchtlinge heraus, während sie den „Bodensatz“ zurücklassen – in der an Gewissheit grenzenden Erwartung, dass die Deutschen am Ende jeden aufnehmen werden, der bei ihnen Asyl begehrt.

Das rheinland-pfälzische „Integrationsministerium“ (so heißt es tatsächlich) bestätigte, man habe Kenntnis von der Tatsache, dass „evakuierte Personen um Asyl nachgesucht haben„. Welche Überraschung! Dass Heiko Maas‘ Bundesaußenministerium der „Welt“ gegenüber die Antwort schuldig blieb, inwiefern man dazu im Austausch mit den USA stehe, spricht Bände. Bei seinem heutigen Treffen mit dem US-Außenminister Anthony Blinken auf der Ramsteiner Airbase wird es wenn, dann vermutlich eher darum gehen, wieviele der „Problem-Afghanen“, von denen auf der Airbase (denselben Insiderquellen nach) schon wieder etliche für Unmut und Randale sorgen, die Deutschen den USA mal aus dem Rücken nehmen können – und bei sich unterbringen. Die Botschaft „Wir haben Platz“ dürfte auch in Washington dankbar aufgenommen worden sein. Sollte es dazu kommen, dass die per US-Shuttle über Zwischenstopp Katar und Usbekistan nach Deutschland geflogenen Evakuierten am Ende bei uns landen, hat es immerhin einen Nutzen: Die Flutopfer vom Ahrtal können dann mitverfolgen, wie schnell und unbürokratisch in diesem Land Unterkünfte, Wohnraum und Hilfsleistungen für Obdachlose  bereitgestellt werden können – vorausgesetzt, es handelt sich um Schutzsuchende aus Vorderasien oder Afrika.

5 KOMMENTARE

  1. Bei der ominösen Münchener Konferenz 1938 gab es ja nen berühmten Pazifisten Chamberlain (Friede für unsere Zeit). Den Briten sei’s gedankt, dass anschließend Churchill an die Macht kam. Frage: Wo bleibt heute der deutsche Churchill? Scholz, Laschet oder doch Baerbock? 😂😂😂

  2. Vermutlich will man die Deutschen durch solche Demütigungen so lange reizen, bis hier mal einer so richtig austickt – um dann gleich den ganz großen Reibach zu machen: Waffenbesitz ade, Polizeistaat juche.

  3. Bei Deutschen war schon immer Hopfen und Malz verloren. Sie haben in 2000 Jahren nichts begriffen, nichts gelernt, sich verarschen, ausbeuten und benutzen und verkaufen lassen, von den eigenen „Führern“, angefangen bei den Häuptlingen der damaligen Stämme bis heute. Daher rührt sicher ein großer Teil der German Angst, ständig im Stich gelassen zu werden. Das ist traumatisch.

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