
„Du hast Führungserfahrung!“, sagen sie. „Du kannst reden!“, behaupten sie, und sagen: „Du schreibst politische Artikel„. Und ich sitze da und frage mich: Haben die Leute eigentlich Tomaten auf den Augen oder eine extrem verzerrte Vorstellung davon, was man braucht, um in Berlin Karriere zu machen? Viele, selbst aus dem Familien- und Bekanntenkreis legen mir immer wieder nahe, ich solle doch endlich in die Politik gehen. Doch die Menschen, die mich dazu drängen, vergessen das entscheidende Detail: Ich leide unter einem fatalen Gendefekt namens Aufrichtigkeit. In der heutigen politischen Arena ist dieser Zustand in etwa so hilfreich wie ein Aschenbecher auf einem Motorrad. Es sieht nicht nur seltsam aus, sondern der fliegt einem bei der ersten scharfen Kurve direkt um die Ohren.
Das Elend beginnt bereits mit Mangelerscheinungen im Moralsystem – etwa beim fehlenden Korruptions-Gen. Während meine potenziellen Polit-Kollegen ihre moralischen Kompasse bereits beim Frühstück gegen hübsch verpackte Lobbyisten-Geschenke eintauschen, sitze ich da und erwarte ernsthaft, dass man Probleme löst, statt sie elegant unter den Teppich zu kehren. Mit einer solchen Einstellung kommt man im Berliner Betrieb nicht einmal bis zum Kantineneingang, geschweige denn in die Nähe eines Ministeramtes. Dort gilt, wer lösungsorientiert denkt, stört den Betriebsfrieden. Ein weiterer Knackpunkt ist mein Skelett. Mein altes geschundenes Rückgrat ist leider völlig ungelenk; es weigert sich beharrlich, die für den politischen Aufstieg notwendige 45-Grad-Neigung einzunehmen. Ich kann alles, bloß nicht buckeln – weder vor Parteivorsitzenden noch vor zahlungskräftigen Spendern.
Die Partei-Allergie: Ein Schwur für die Freiheit
Wer nicht bereit ist, bei jedem Windstoß seine Prinzipien wie eine Fahne im Sturm zu drehen, ist in der Politik schlichtweg eine Fehlbesetzung. Ich bin zu ehrlich. In einer Branche, in der „Transparenz“ meistens nur bedeutet, dass man durch das Lügengebilde der Kollegen hindurchsehen kann. Hier ist meine Ehrlichkeit geradezu geschäftsschädigend.
Man fragt mich oft: „Aber warum trittst du nicht wenigstens einer Partei bei, um intern etwas zu bewegen?“ Die Vorstellung allein löst bei mir einen Hautausschlag aus, der schlimmer ist als jede Berliner Koalitionsverhandlung.
Meine Unabhängigkeit ist mir heilig – und die opfere ich garantiert nicht für ein Parteibuch, das mich dazu verpflichtet, bei internen Abstimmungen gegen meine eigene Überzeugung die Hand zu heben. Ich habe meine Lektion gelernt. Vor Jahrzehnten, als ich noch jung und – sagen wir es euphemistisch – „optimistisch“ war, verirrte ich mich in eine Partei. Es war ein klassischer Jugendfehler, wie das erste Tattoo oder der Glaube an die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn. Mit 33 Jahren zog ich die Reißleine und trat aus. Der Moment, als ich die Mitgliedschaft kündigte, fühlte sich an wie eine Befreiung aus einer Sekte. Damals habe ich mir geschworen: Partei? Nie wieder! Ein Parteibuch ist für mich nichts anderes als ein staatlich beglaubigtes Geständnis, dass man das eigene Hirn an der Garderobe abgegeben hat.
Der Politbetrieb des Grauens
Und dann ist da noch die Sache mit dem Zuhören. Ich besitze die tödliche Fähigkeit, zuzuhören – ein absoluter Kardinalfehler! Wer zuhört, läuft Gefahr, die Argumente des Gegenübers tatsächlich zu verstehen. Und was passiert dann? Man könnte die eigene, mühsam vorgefertigte Meinung ändern müssen! Ein Albtraum für jede Fraktionssitzung.
Ich möchte mich auch schlichtweg nicht täglich mit Kriechern und Karrieristen umgeben, deren einzige politische Überzeugung darin besteht, ihren Dienstwagen zu sichern, während sie das „Volk“ nur aus der leicht distanzierten Perspektive der Rückbank kennen.
Mit 70 Jahren habe ich die DDR und die BRD überlebt – ich habe genug gesehen, um immun gegen Wahnsinn zu sein. Nun bin ich einfach zu alt, um mich von Social-Media-Beratern in peinliche TikTok-Tänze treiben zu lassen, nur um „nahbar“ zu wirken. Ich habe keine Lust mehr auf dieses peinliche Schauspiel, das durch ministerielle TikTok-Verrenkungen noch peinlicher wird. Nein, ich werde nicht regieren. Ich ziehe es vor, die Politik weiterhin von außen zu betrachten, zu kommentieren und mich köstlich über das Zirkusprogramm zu amüsieren. Loge statt Manege, heißt das Motto! Das ist nicht nur wesentlich gesünder für meinen Blutdruck, sondern schont vor allem mein Rückgrat. Wenn das Land untergeht, möchte ich zumindest das Privileg haben, mit einem Glas Wein auf der Terrasse zu sitzen und sagen zu können: Ich habe es euch damals schon gesagt – aber ich bin nicht schuld daran!
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5 Kommentare
Das machen Sie richtig Herr Volkmer und haben als authentischer „ OSSI“ den historischen Sprung erkannt :„ Vom Freiluftgefängnis in die Freiluftirrenanstalt. „
Hoch die Tassen!
🥳
Das Ziel des Lebens besteht nicht darin, einer Mehrheit anzugehören, sonderm sich nicht in den Reihen der Wahnsinnigen wiederzufinden (Zitat Mark Aurel).
Alles richtig gemacht, Herr Volkmer!
Quoten-Homo-Schwu**tel Spahn (CDU) ging jahrelang zu Treffen von Tech-Milliardär Peter Thiel
Der Unionsfraktionschef Jens Spahn hat an „Dialog“-Veranstaltungen des US-Milliardärs Peter Thiel teilgenommen. „In unregelmäßigen Abständen“ sei Spahn dabei gewesen, sagte eine Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion auf Anfrage: 2018 in Irland, 2019 in Italien, 2022 in Portugal, 2023 in Spanien und 2024 in Deutschland.
https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/jens-spahn-dialog-peter-thiel-treffen-100.html
Baerbock , Spahn und Macron waren früher in der Kaderschmiede des WEF !
Die Liste der Young Global Leaders
https://report24.news/baerbock-soll-kanzlerin-werden-gut-vernetzt-mit-soros-und-schwab/
Sie werden mir immer sympathischer, Herr Volkmer!