Posing mit Koffern von NS-Opfern: Erinnerungsspezialistinnen auf Reisen…

Posing mit Koffern von NS-Opfern: Erinnerungsspezialistinnen auf Reisen…

Linke dürfen sowas: Pietätlose Verhöhnung von Holocaust-Opfern durch SPD- und Grünen-Bürgrschaftsabgeordnete in Bremen (Foto:ScreenshotX/Bild)

Deutschland nimmt seine Erinnerungskultur bekanntlich sehr ernst, wobei das Motto “Wir haben aus unserer Vergangenheit gelernt!” flexibel ausgelegt werden darf. Vor allem links der Mitte hütet man eifersüchtig das Monopol über die erlaubten Anwendungsgebiete der moralischen Empörung; es wäre schließlich noch schöner, wenn sich jedermann nach Belieben durch aktuelle politische Ereignisse an den Nationalsozialismus erinnert fühlen dürfte!. Unstatthaft ist es etwa, bei Herbert Grönemeyers wütenden Ausbrüchen “gegen rechts” auf großer Bühne an die Sportpalastreden gewisser deutscher Propagandaminister zu denken. Wobei der abgehackte “Gesang” des politisch korrekten Künstlers vor meinem inneren Auge eher die Vorstellung wachwerden lässt, wie sich wohl ein singender Hitler am Klavier angehört hätte. Rein vom Klang her, selbstverständlich.

Aber das freilich ist ein unzulässiger Vergleich, da Grönemeyer ja einen festen Bestandteil der moralisch überlegenen “Zivilgesellschaft” darstellt, die über jeden Zweifel erhaben ist. Ein solches Etikett stellt einen Blankoscheck für jegliche verbale Entgleisung auch im ärgsten Nazi-Tonfall aus: Der “Rechte” darf nach Herzenslust als Ungeziefer, vereiterter Blinddarm oder – wie nach dem Scheitern des Verfassungsschutzes vor dem VG Köln von links geschehen – als Krebsgeschwür betitelt werden, welches man präventiv vernichten darf. Da kann man froh sein, dass diese Menschen nicht als Ärzte praktizieren: Magengeschwür? Da gibt es nur eine Antwort – eine radikale Chemotherapie muss her!

Der jüngste Fehltritt zweier Damen aus dem Bremer Senat böte nun also eine Steilvorlage, mit der maximalen Empörungsartillerie zurückzuschießen. Worum geht es? Bei einer Ausstellung mit persönlichen Besitztümern von Holocaust-Opfern schnappten sich die Bremer Abgeordneten Katharina Kähler (SPD) und Sahhanim Görgü-Phillip (Grüne) kurzerhand zwei Koffer aus dem Exponatsbestand, um damit für ein Feierabend-Selfie zu posieren. “Fertig für heute!” erklärten die Damen lächelnd, als seien sie ein wenig stolz auf sich, ihre tägliche Pflichtübung in Sachen Erinnerungskultur bravourös gemeistert zu haben. Immerhin wäre das ehrlich– denn bei Politikern wie etwa Frank-Walter Steinmeier drängt sich der Gedanke auf, sie hätten sorgsam trainiert, ihre Betroffenheit so lange in den Gesichtszügen einzubetonieren, bis sie im trauten Heim die Füße auf den Couchtisch legen und mit einem erleichterten Seufzer endlich ihr Feierabendbier öffnen können.

Warum müssen Gedenktage auch stets während der feucht-kalten Jahreszeit stattfinden? Immerhin hat der Seitenhieb auf die Opposition wieder gesessen und deren Vorschläge zur Verschärfung der Migrationspolitik in einen Hauch von Geschichtsvergessenheit getaucht. Die Nachfahren der damaligen Verbündeten der Nazis auf dem Holocaust-Ticket nach Deutschland zu holen – das hat schon eine gewisse diabolische Raffinesse! Zum Glück für die Steinmeiers greift in diesem Falle die “Wer sich durch was an den Nationalsozialismus erinnert fühlen darf, bestimmen wir!”-Regel. Das auf die dumme Dreistigkeit der beiden links-grünen Damen folgende Entsetzen erfolgte also erwartbar, da gegen eine ungeschriebene Regel verstoßen wurde: Man muss seine Betroffenheit echt aussehen lassen. Bei den nicht vollkommen Empathielosen stellt sich bei Ausstellungen, in denen die persönlichen Gegenstände von Verfolgten gezeigt werden, in der Regel automatisch ein gewisses Mitempfinden ein: Menschen brauchen einen “Anker”, der Einzelschicksale erfahrbar macht.

Denn Opferzahlen sind etwas Abstraktes. Das trifft nicht nur auf die Erinnerung an den Holocaust zu, sondern auf jedes geschichtliche Ereignis, welches unzählige Leben gekostet hat. Historisch ist es fragwürdig – und auch oft interessengeleitet – , die Opferzahlen von Bombardierungen, Unrechtsregimen oder Verfolgung rein statistisch gegeneinander abzugleichen und abzuwägen. Unter Linken ist es mehr als verpönt, Vergleiche zwischen Hitler und Stalin anzustellen, da dies als Verharmlosung des Nationalsozialismus gebrandmarkt wird – und sich im Nebeneffekt tatsächlich dazu eignet, den Stalinismus reinzuwaschen. Das ist ungefähr so logisch, als würde man behaupten, John Wayne Gacy könne kein Serienkiller gewesen sein, weil Jeffrey Dahmer schon als solcher eingestuft worden sei.

Ausstellungen in Bremen hingegen zeigen die Auswirkung von Verfolgung auf das Leben von Menschen, die gut die eigenen Nachbarn hätten sein können. In einer idealen Welt könnte das funktionieren, wenn sich nämlich Empathie noch auf ein spontan entstandenes Bauchgefühl stützen dürfte, das sich wiederum aus einem ehrlichen Umgang miteinander nährt. Allerdings werden heute auch Emotionen streng ideologisch durchreguliert; die Eignung als “Empathieempfänger” hängt längst von Faktoren wie etwa Gruppenzugehörigkeit oder sozialer Herkunft ab. In der Regel tun sich Ideologen mit dem Mitgefühl für einzelne Opfer schwer. So beklagte etwa der Leiter einer “Seenotrettungsorganisation” vor ein paar Jahren das Engagement eines ganzen spanischen Dorfes für ein verunglücktes Kind, da doch im Mittelmeer gleichzeitig unzählige Flüchtlinge ertränken. Das Konzept “persönliche Bindung” sagte diesem Mann nichts, während man selbst in die emotionale Trickkiste greift, um Bürger in eine vorgegebene Denkschiene zu lenken.

Der jüngste ZDF-Skandal um KI-generierte Videos mit von Trumps ICE abgeführten weinenden Kindern zeigte das nur zu deutlich. Der Schalter wird von Mitgefühl – etwa für straffällige Migranten, denen in ihrer Heimat harte Strafen drohen – in Windeseile auf völlige Anteilnahmslosigkeit für die Opfer dieser Straftaten umgelegt. Der Kofferskandal um Kähler und Görgu-Phillip stellt insofern nahezu ein Musterbeispiel der ideologischen Verfasstheit dieser “Zivilgesellschaft” dar – nur haben die beiden sich diesmal erwischen lassen; findet ein solcher “Fauxpas” in den eigenen Reihen statt, muss man sich also der Form halber empört distanzieren, während man im Grunde nur wütend ist, weil der Fehltritt nicht dem politischen Gegner passiert ist.

Erzwungene Erinnerungskultur erweist sich hierbei als vollkommen sinnentleert: Diejenigen, denen das Erinnern ein persönliches Anliegen ist, weil sie vielleicht selbst einen Teil der Familie verloren haben, müssen sich zu allem Übel dann auch noch mit vollkommen desinteressierten “Pflichtbesuchern” herumschlagen. Ein selten bedachter Aspekt: Den ehrlich Betroffenen wird die Konfrontation mit gelangweilten Politikern oder lärmenden Schülern aufgehalst, weil irgendjemand denkt, damit die Welt vor dem Faschismus retten zu können. Es wäre stattdessen ehrlicher, Orte des Gedenkens anzubieten, anstatt sie zum Pflichtprogramm zu machen. Dann verirren sich auch keine infantilen Politikerinnen mehr dorthin.

6 Kommentare

  1. An die Redaktion: bitte berichtigen Sie in der Überschrift des Artikels den peinlichen Schreibfehler.

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  2. Zwei Frauen mit alten Koffern ist ein Fall zur Entrüstung?
    Geht es im Artikel denn um Reliquienverehrung?

    „Hey, die Sandale eines Juden! Zeigt Ehrfurcht!“ (Frei nach dem „Leben des Brian“)

    Zusammengefaßt kann man sagen: Ein langer Artikel ohne verwertbare Information.
    Kein Erkenntnisgewinn.
    👎

  3. Oha! Zwei linke Hühner mit den Koffern verstorbener Juden.
    Ich weiß gar nicht, wie traurig ich gucken soll.

    Übrigens bin ich auf Reisen gern mit dem Koffer meiner verstorbenen Oma unterwegs. Sollte ich mich deswegen schämen?
    😜

  4. Ich kam mit meinen Eltern 1956 nach Deutschland. Wir wohnten damals ca. 30 KM von Ausschwitz entfernt. Meine Eltern, Jahrgang 1926, waren den ganzen Krieg über in Auschwitz im Freibad. Aber von „Geruchsbelästigungen“ haben sie nie etwas bemerkt!“ Das klingt für mich bis heute etwas seltsam, denn anscheinend hatten die NAZIs da wohl sehr gute Filter!