Pseudowissenschaftliche Analyse zur “Sprache der AfD”: Moral als Methode

Pseudowissenschaftliche Analyse zur “Sprache der AfD”: Moral als Methode

Deborah Kämper, SPD-Politikerin und Linguistik: Anti-AfD-Projektionen im wissenschaftlichen Tarnkleid (Foto:ScreenshotYoutube)

Es gibt Texte, die schon in ihrem Titel mehr versprechen, als sie im Korpus einlösen. Der Beitrag der habilitierten Philologin Deborah Kämper, Chefin der Jüdischen Gemeinde Mannheim, über „die Sprache der AfD“ in der “Jüdischen Allgemeinen” kündigt zwar eine linguistische Analyse an – doch tatsächlich erhält der Leser nur in äußerst geringem Maße sprachwissenschaftlichen Input, dafür aber umso mehr politische Zuschreibung, moralische Rahmung und historische Suggestion. Das ist nicht belanglos. Denn wer mit dem Nimbus der Linguistin auftritt, reklamiert wissenschaftliche Autorität. Kämper aber operiert vor allem mit Schuldnähen, moralischen Deutungen und ideologisch nur allzu vertrauten Kampfbegriffen. Sie betreibt keine saubere Analyse, sondern legitimiert ein bereits vorgefasstes Werturteil nachträglich mit akademischem Tonfall. “Statt methodischer Präzision und sprachwissenschaftlicher Differenzierung bekommt der Leser ein Sammelsurium aus Verdächtigungen, historischen Assoziationen und parteipolitischen Zuschreibungen”, moniert völlig zu Recht Bernhard Pepperl, seines Zeichens wissenschaftspolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion in Baden-Württembergs.

Kämpers Aufsatz ist insofern symptomatisch für einen ganzen Stil der Gegenwart: Nicht mehr die Frage steht im Mittelpunkt, was von wem konkret gesagt wurde, in welchem Kontext, in welcher Bedeutungsschicht, mit welcher pragmatischen Funktion und mit welcher belegbaren Wirkung; stattdessen schießen die Interpretationen und willkürlichen “Konnotationen“ des voreingenommenen Analysierenden ins Kraut. So auch hier: Kämper spannt ein ganzes Feld von Verdachtsbegriffen auf – Ethnonationalismus, Menschenfeindlichkeit, NS-Nähe, Hundepfeife, exterminatorisches Potenzial, aggressive Sprache. Diese Wörter sollen nicht präzise unterscheiden, sondern die moralische Gesamtwahrnehmung steuern. Das ist keine Linguistik, sondern politische Semantik, degradiert zum Kampfmittel. Gerade deshalb muss man mit einer einfachen Gegenfrage beginnen: Wo bleibt hier eigentlich die Sprachforschung? Wo findet sich hier eine genaue Analyse von Lexemen, Metaphern, Syntax, Registerwechseln, Textsorten, Sprecherrollen, Ambiguitäten, Ironiesignalen, Pragmatik und Perlokution? Wo wird an einzelnen Beispielen gezeigt, welche sprachliche Form welche Bedeutung tatsächlich trägt? Nirgends. Dafür referiert der Text moralistische Schlagworte, montiert monokausale Kontexte und zieht ideologische Folgerungen. Er arbeitet mit der Methode der politischen Aufladung, nicht mit der Nüchternheit einer sprachwissenschaftlichen Untersuchung. Man könnte auch sagen: Das Etikett „linguistische Analyse“ dient hier dazu, ein Sammelsurium politischer Propaganda wissenschaftlich zu adeln.

Mangel an intellektueller Redlichkeit

Dies beginnt bereits bei der beanstandeten Formel „Deutschland den Deutschen“. Der Text etikettiert sie umstandslos als Ethnonationalismus – und glaubt, damit schon das Entscheidende gesagt zu haben. Aber die eigentliche Frage wird umgangen: Ja, wem gehört es denn sonst? Den Amerikanern? Den chinesischen Investoren? Gar dem Brüsseler Verwaltungsapparat? Der Satz kann, je nach Kontext, gewiss völkisch, exklusiv oder aggressiv gelesen werden; er kann aber ebenso als Postulat der Rückbesinnung auf das Primat der Selbstbestimmung des Staatsvolks im eigenen Land – eigentlich eine verfassungsrechtliche Banalität – verstanden werden, als vielleicht schroffe, zugespitzte Formel demokratischer Selbstregierung: Dass die Gesamtheit der deutschen Staatsangehörigen  – wie jedes Volk sonst auch – selbstverständlichen den Anspruch auf politische Souveränität im eigenen Gemeinwesen hat. Wer diese Spannung gar nicht erst diskutiert, sondern das Wort „Ethnonationalismus“ wie einen Bannspruch verwendet, ersetzt Analyse durch Moralisierung. Und, ganz nebenbei bemerkt: Laut deutscher Rechtsprechung (zuletzt durch das Landgericht Oldenburg vom 12. Dezember 2024) ist der Satz “Deutschland den Deutschen“ selbst mit dem (dann tatsächlich ausgrenzenden) polemischen Zusatz “Ausländer raus” eine zulässige „wertende Stellungnahme“ und genießt als solche grundsätzlich den Schutz der Meinungsfreiheit.

Ähnlich unerquicklich verhält es sich mit dem Konstrukt der „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“: Dieser soziologische Gummibegriff gehört seit Jahren zum Lieblingsvokabular eines Milieus, das alles und jedes in eine verwaltbare Opfermatrix eintragen möchte. Der analytische Ertrag ist gering, der juristische gleich Null. Denn natürlich ist Politik stets gruppenbezogen: Sie spricht über Klassen, Milieus, Religionen, Nationen, Eliten, Minderheiten, Mehrheiten, Tätergruppen, Opfergruppen, Lobbygruppen. Wer jede scharfe Benennung von Gruppenphänomenen bereits in den Verdacht der „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ stellt, immunisiert ganze Themenfelder gegen Kritik. Aus einer soziologischen Beobachtung wird dann im Handumdrehen ein moralischer Deliktfall. Besonders bezeichnend ist, wie der Text das Verhältnis von Sprache und Handlung behandelt. Einerseits wird behauptet, es bestehe ein Zusammenhang zwischen Reden und Tun, zwischen sprachlicher Gewalt und physischer Gewalt. Das ist banal; selbstverständlich kann Sprache Handlungen begleiten, vorbereiten, rechtfertigen oder anheizen. Nur müsste man dann, wenn man intellektuell redlich sein will, denselben Maßstab allgemein anwenden. Bianca Deubel, die in Linden bei den Kommunalwahlen für die Linkspartei auf Listenplatz 2 kandidierte, twitterte: „Alle AfDler gehören in die Gaskammer“. Und die grüne Stadträtin Julia Probst aus dem bayerischen Weißenhorn veröffentlichte ebenfalls auf X einen Umfrage-Tweet, der den ganzen Ernst unserer spätliberalen Gegenwart sichtbar macht: Wortwörtlich schreibt sie „Organspenden an AfD-Wähler*innen? Nur bedingt zumutbar.“ Es folgte eine „ethische“ Ergänzung: “Wir sollten bei Spenderorganen genauer hinschauen, wohin sie gehen. Ich finde, das ist eine ethische Frage.” Solche sprachlichen Entgleisungen existieren, sie sind dokumentiert – und sie stammen gerade nicht aus dem “rechten” Raum. Wer also das Verhältnis von Sprache und Handlung problematisiert, darf nicht selektiv vorgehen. Sonst wird aus Sprachkritik eine parteipolitische Einbahnstraße.

Kontaktschuld als Schreibverfahren

Genau hier zeigt sich die Schlagseite von Kämpers Gesinnungsaufsatz: Sie führt etwa die Rechtsrock-Band „Kommando Freisler“ und deren antisemitische Texte an, als ließe sich aus der bloßen Existenz solcher Nischenentgleisungen eine Aussage über die AfD, die weder mit der Band noch ihrer Geisteshaltung irgendeine Nähe aufweist, ein argumentativer Mehrwert über die Sprache der AfD gewinnen. Was genau „Kommando Freisler“ mit der AfD zu tun hat, kann auch Kämper nicht sagen Wo ist die organisatorische, personelle oder kommunikative Verbindung? Der Text liefert keine, sondern operiert vielmehr nach dem Prinzip der atmosphärischen Übertragung: Irgendwo im rechten Spektrum gibt es etwas Abstoßendes – färbt es auf die Partei ab, um die es angeblich geht. Das ist nicht Analyse, sondern Engführung durch Kontaktschuld als Schreibverfahren. Nicht minder ärgerlich sind die Aussagen zur Terminwahl des AfD-Parteitags in Erfurt: Der Text deutet den 3. und 4. Juli 1926 – also den ersten NSDAP-Reichsparteitag in Weimar – als „Hundepfeife“ für das Datum des AfD-Parteitags hundert Jahre später. Dabei ist inzwischen längst bekannt, dass der Termin nicht aus einer obskuren Symbolpolitik der AfD hervorging, sondern von der Messe selbst vorgeschlagen wurde. Damit fällt die ganze Konstruktion in sich zusammen. Wer dennoch an ihr festhält, zeigt nicht analytische Schärfe, sondern den Willen, die AfD um jeden Preis zu skandalisieren.

Und wenn es wirklich schon als verdächtig gilt, dass ein politischer Termin in die Nähe eines “belasteten” historischen Datums fällt, dann müsste man mit derselben Aufgeregtheit fragen, warum die CDU Nordrhein-Westfalen ebenfalls am vergangenen Samstag ihren Landesparteitag abhielt, oder wieso ausgerechnet am 30. Januar 2027 der neue Bundespräsident gewählt werden soll – also am Jahrestag der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler? Der Skandal bleibt hier freilich aus – eben weil der Deutungsmesser nicht nach Regel, sondern nach Feindbildern ausschlägt. Die projektive Obsession, mangels realer Beweise für irgendeine NS-Geistesverwandtschaft im Trüben zu fischen und Symbole oder Andeutungen herbeizuphantasieren, ist grenzenlos. Dasselbe Verfahren begegnet uns auch bei der sogenannten „Lesart“-Debatte um Björn Höckes Formulierung vom „Denkmal der Schande“, die natürlich auch Kämper wieder aufwärmt: Sie behauptet mit gönnerhafter Sicherheit, Höcke und seine Anhänger wüssten „sehr genau“, was gemeint sei, und die offizielle Lesart sei nur Schutzbehauptung. Das mag man glauben; man mag es vielleicht sogar für wahrscheinlich halten. Aber gerade das wäre dann eine hermeneutische Streitfrage und kein wissenschaftlich gesicherter Befund. Sprache lebt immer von Polysemie, Kontext, Intonation und strategischer Offenheit. Wer aus Mehrdeutigkeit umstandslos Eindeutigkeit macht, betreibt keine Sprachbeschreibung, sondern politische Instrumentalisierung von Ambiguität. Mit anderen Worten: Der Text tut genau das, was er seinem Gegenstand vorwirft.

Deutung ohne Analyse

Auch bei „Alles für Deutschland“ zeigt sich dieses Problem der unsauberen Verallgemeinerung. Ja, historisch ist der Satz SA-belastet. Aber daraus folgt eben nicht automatisch, dass jedeVer-wendung dieser Wortfolge in jedem beliebigen Kontext als geheimer nationalsozialistischer Erweckungsmoment zu deuten wäre. Politik-, Rechts- und Sprachgeschichte sind hier eng, aber nicht identisch. Wer das rechtlich Belastete sofort in eine allumfassende politische Gesamtdeutung überführt, unterschlägt die Differenz zwischen juristischer Sanktion und totaler moralischer Wesensschau. Die Wortfolge „Alles für Deutschland“, so der Staatsrechtler Ulrich Vosgerau auf X, wurde seit etwa 1848 allgemein gebräuchlich und in der Weimarer Republik gerade nicht mit den Nationalsozialisten, sondern mit SPD-nahen Verbänden wie vor allem dem „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ – quasi die “Demokratierettungs”-Kampforganisation in der Weimarer Zeit und Vorläuferin der heutigen “Zivilgesellschaft” – in Verbindung gebracht. Es lässt sich also sagen, „AfD“ sei in der Weimarer Republik das Motto des SPD-Reichsbanners gewesen. Vosgerau verweist stattdessen auf das Motto der NS-Frauenschaft „Glaube, Hoffnung, Liebe“ und fragt: „Sollen jetzt vielleicht auch alle Pastoren verhaftet werden, die in der Kirche 1. Korinther 13, 13 vorlesen? Oder wird gleich der Apostel Paulus selber eingesperrt?

Und sein nicht minder prominenter Kollege Ralf Höcker verweist ebenfalls auf X darauf, dass nicht jeder Satz durch seine Verwendung zu einem Motto werde. Der Begriff habe somit wertenden Charakter, ist also eine Meinungsäußerung und daher Definitionssache. Damit stelle Höckes Aussage keine Tatsachenbehauptung dar, sondern eine Meinungsäußerung. Ganz ähnlich ist es im Umgang mit Alexander Gaulands „Vogelschiss“-Flapsus: Der Text präsentiert ihn als “Verharmlosung des Nationalsozialismus” – keine weitere Erklärung nötig, Punkt. Nun kann man Gaulands – vn ihm später selbst bereute – Formulierung geschmacklos oder politisch töricht finden; doch auch hier bestünde die eigentliche analytische Aufgabe darin, die Struktur des Gesagten zu untersuchen: Geht es um eine Relation im Längsschnitt von tausend Jahren Geschichte? Um eine bewusst provozierende Miniaturisierung? Um eine vielleicht als missglückt interpretierbare Pointe gegen einen Schuldstolz, der die ganze deutsche Geschichte auf zwölf Jahre zusammenschrumpfen möchte? Das alles wird gar nicht erst erwogen. Stattdessen genügt das Etikett. Die Deutung ist schon fertig, bevor die Analyse beginnt. Die Quantität der „12 Jahre” etwa zwischen 1401 und 1413, 1660 und 1672 oder 1888 und 1900 hätte niemanden empört. Nur der Spanne zwischen 1933 und 1945 ist, so das ebenso ungeschriebene wie unhinterfragbare Dekret, immer und überall eine immanente qualitative Komponente zu eigen, die jede in Äonen denkendere, objektivere Geschichtsschreibung, jede historische Einordnung verunmöglichen soll.

Gesinnungsphilologie statt Linguistik

Noch deutlicher wird der Mangel an Differenzierung beim Fall Matthias Helferich. Der Satz vom „freundlichen Gesicht des Nationalsozialismus“ wird in Kämpers Text als glatter Beweis affirmativer Nähe präsentiert. Dass Helferich die Äußerung später als ironisch oder sarkastisch verstanden wissen wollte, mg man ihm glauben oder nicht; man kann den Satz als dumme Pose, als kalkulierten Tabubruch oder als entlarvende Koketterie lesen. Aber wenn man eine sprachwissenschaftliche Analyse ankündigt, dann muss man gerade diese Ebene des Ironischen, Sarkastischen, Zynischen und Strategischen untersuchen, statt sie bloß moralisch wegzuwischen. Sonst betreibt man eben keine Linguistik, sondern Gesinnungsphilologie. Kämpers Text stellt außerdem die Zahl von den “28.000 Rechtsextremen in der AfD” als angebliche Tatsache, als harten Befund dar; doch tatsächlich ist schon die Form der Angabe verräterisch: Es handelt sich um eine Schätzung innerhalb des politisch-administrativen Verfassungsschutzberichts, nicht um eine individualisierte, gerichtsfeste Feststellung von 28.000 namentlich bekannten, konkreten Personen. Die Zahl des Regierungs-, pardon: Verfassungsschutzes soll einen gezielt beabsichtigten Eindruck erzeugen, nicht Erkenntnis sichern. Sie ist eine große, bedrohliche, publizistisch dankbar aufgegriffene alarmistische Zahl, die fachliche Präzision suggeriert – und genau deshalb wird sie so gern gehandhabt. Dabei kam sie grotesk willkürlich zustande; doch die unverschämte Rechnung, aus einem Personenpotenzial, einer Kategorisierung und einer Behördenlogik quasi einen biologischen Kern der Partei zu konstruieren, zeigt bloß, wie bereitwillig erwünschte Quantitäten inzwischen als Wahrheitsersatz dienen. Ich bezeichne das seit Jahren als Verwechslung von Relevanz mit Evidenz.

Überhaupt ist die politische Agenda von Kämpers Textes schwer zu übersehen. Die Autorin ist eben auch SPD-Stadträtin. Das macht ihre Analyse nicht automatisch falsch, doch es zerstört den Anschein jener neutralen, scheinbar lediglich wissenschaftlichen Vogelperspektive, den der Text rhetorisch kultivieren möchte. Man hat es hier eben nicht mit einer über den Parteien flottierenden Sprachwissenschaftlerin zu tun, sondern mit einer politisch situierten Autorin, deren Begriffswahl, Feindbildordnung und moralischer Kompass aus einem bestimmten Milieu stammen. Gerade deshalb wäre institutionelle Zurückhaltung nötig gewesen. Stattdessen jedoch bekommt man ein politisches Gutachten im Gewand wissenschaftlicher Objektivität.

Semantische Vorverurteilung

Das Entscheidende daran ist nicht einmal die AfD. Das Entscheidende ist die Methode. Eine Partei wird nicht präzise anhand ihrer Sprache untersucht, sondern durch die wirre Aufzählung von Bezügen, Assoziationen, Subkulturen, historischen Schatten und moralischen Stichworten in einen vorgeblich konsistenten Gesamtzusammenhang gestellt, der als selbsterklärend gelten soll. Was als „linguistische Analyse“ angekündigt wurde, entpuppt sich als politische Hermeneutik der Verdächtigung. Kämper arbeitet nicht mit sprachlicher Feinarbeit, sondern mit semantischer Vorverurteilung. Gerade deshalb muss man den Text durchaus nehmen – aber nicht als Analyse der AfD, sondern als Dokument eines intellektuellen Verfalls. Er zeigt, wie leicht heute Wissenschaftsetiketten genutzt werden, um politische Deutungswünsche zu adeln –und  wie bereitwillig Kontextualisierung und Ambiguität dort abgeschafft werden, wo sie den politisch verlangten moralischen Alarm stören könnten. Und er zeigt, wie eine bestimmte publizistische Klasse den Anspruch auf Analyse längst mit dem Willen zur Bekämpfung verwechselt.

Die eigentliche Gegenfrage lautet daher nicht, ob die Sprache der AfD unanfechtbar ist; natürlich ist sie das nicht. Jede politische Sprache ist angreifbar, untersuchbar, kritisierbar. Niemand musste sich etwa von SPD-Vizekanzler Sigmar Gabriel als “Pack” verunglimpfen lassen. Nein, die Gegenfrage muss lauten: Nach welchen Regeln wird kritisiert – nach denen der Wissenschaft, oder nach den Bedürfnissen einer moralisch aufgeladenen Parteipublizistik? Im vorliegenden Fall fällt die Antwort eindeutig aus: Hier spricht nicht die Linguistik, hier spricht ein politisches Milieu, das seine Feindbilder mit dem Anschein der Wissenschaft bewaffnet.

Tribunal statt Essay

Und genau deshalb wirkt Kämpers Elaborat am Ende auch nicht stark, sondern nervös. Die Autorin leidet letztlich am selben Dilemma wie alle Verfassungsschutzbehörden und NGO-“Gutachter“ in ihrem pausenlosen Bestreben, das Framing der AfD als “gesichert rechtsextrem” irgendwie zu objektivieren: Sie muss so viele Indizien zusammentragen, weil die eigentliche Analyse zu dünn ist. Sie muss Rechtsrock, Datumsidentitäten, Zahlenkulissen, NS-Echos, Mehrdeutigkeitsverdacht und moralische Großbegriffe aufrufen, weil die sprachliche Feinarbeit fehlt. Und sie muss ständig insinuieren, weil sie nichts zu beweisen findet. Das Ergebnis ist ein Potpourri der absurden Verdächtigungen, gesammelt von einer SPD-Politikerin, veröffentlicht als populärwissenschaftlich wirkender Essay – und gelesen als moralisches Tribunal pünktlich zum Erfurter Parteitag. “Wissenschaft lebt von Offenheit, methodischer Strenge und sauberer Trennung zwischen Analyse und politischer Wertung”, rügt AfD-Politiker Pepperl: “Wo diese Grenze verwischt wird, entsteht der Eindruck, dass Hochschulen und Forschungsinstitutionen zunehmend für parteipolitische Zwecke instrumentalisiert werden. Baden-Württemberg braucht Wissenschaftler, die Erkennt-nis suchen, nicht Aktivisten mit Lehrstuhlanschluss. Der Wissenschaftsstandort Mannheim darf nicht zum Schauplatz politischer Feindbildproduktion im Namen der Forschung werden.

Vielleicht wäre das die nüchterne, rechtsintellektuelle Antwort: Nicht die AfD-Sprache ist hier das aufschlussreichste Objekt, sondern die Sprache ihrer Gegner. Eine Sprache, die Analyse verspricht und Agitation liefert. Eine Sprache, die Linguistik sagt und Propaganda meint. Eine Sprache, die mit wissenschaftlichem Ernst auftritt und doch vor allem eines demonstriert: die Unfähigkeit, noch sauber zwischen Beschreibung und politischer Feindetikettierung zu unterscheiden.

10 Kommentare

  1. Dass Wissenschaftler – und solche die sich dafür halten – kein hohes Ansehen mehr genießen bei mir seit Corona muss ich nicht wiederholen. Zum vorliegenden Fall: Nicht nur Muslime sind keine homogene Gemeinschaft, auch die Juden sind es nicht. So kann der Zentralrat der Juden diametral zu den „Juden bei der AfD“ betrachtet werden. Juden in der AfD! Jawohl, es gibt eine Gruppe, siehe Buch „Was Juden zur AfD treibt“. Der Tenor ist eindeutig und erklärt auch die ständig falschen ÖRR-Behauptungen, dass der Antisemitismus wieder zunimmt im Lande, ohne aber zu erwähnen, dass die (muslimische) Migration hier ursächlich ist. Wenn der Antisemitismus eine Renaissance erlebt, dann nicht durch die sogenannten Rechten, was man tunlichst verschweigt, man will ja die eigene Dummheit nicht offenbaren, obwohl immer mehr es begreifen. Die neuen Faschisten, welche die Palästinenser als Gute einstufen und unterstützen, kommen im linken, rot-rot-grünen Gewand daher, wie es T.W. Adorno vorhergesehen hat.

  2. @Moral als Methode
    ja – und Verfassungsschutz (Innenminister ) und BND ( Bundeskanzleramt ) sollen gerade die Lizenz zum Töten des Gegners erhalten ( kinetische Mittel, Schußwaffen, Sprengstoffe, Gen-Spritzen, … )

    Es wird immer riskanter, hier noch politischer Gegner des Regimes zu sein !
    Untersteht dem Bundeskanzler: BND jetzt mit Lizenz zum Töten? Riskante Reform der Nachrichtendienste

    Ich habe nur die Befürchtung, das die das im Grunde längst machen und ihr Verhalten jetzt nur eine formaljuristische Legalität verschaffen wollen, weil sie befürchten, das die Lügen so vielfältig werden, das es nicht mehr unterdrückt werden kann !
    Wer erinnert sich noch an jahrelanges „Brunnenbohren und Mädchenschulen bauen“, bis es irgendwann vom Baron auf und davon doch noch als Krieg bezeichnet wurde. Wenn ich mich recht erinnere haben sie da auch die Gesetze geändert, so daß ihre Kriegstreibereien hinterher kein Verbrechen mehr war !
    Interessanteweise hat es aber auch bisher niemanden interessiert, das das Land seit Bosnien-Bombing mit unterschiedlichen Ausreden rund um die Welt im Krieg ist.

  3. Wie die Politik Beamte zu ihren Knechten machen will
    Aus Loyalität wird Gefügigkeit: Die jüngsten Fälle von politisch
    motivierten Strafen gegen unbequeme Staatsdiener entlarven, wie das
    Beamtenrecht im Kampf gegen Rechts missbraucht wird.
    https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2026/wie-die-politik-beamte-zu-ihren-knechten-machen-will/

    Wieder Gesinnungsgängelei: Hubig will keine Rechten als Schöffen
    Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) ist eine linke Überzeugungstäterin, die den Kampf gegen „Rechts“ ganz oben auf ihre politische Agenda gesetzt hat. Jetzt plant sie eine gesetzliche Verschärfung bei der Auswahl ehrenamtlicher Richter. Die Ministerin will damit „Rechtsextremisten“ den Zugang zu Schöffenämtern verwehren. Gegenüber den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland halluzinierte sie: „Der Rechtsextremismus ist die größte Gefahr für unsere Demokratie.“ Deshalb gelte: „Wer für die Justiz arbeitet, muß mit beiden Füßen auf dem Boden unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung stehen.“
    https://zuerst.de/2026/06/15/wieder-gesinnungsgaengelei-hubig-will-keine-rechten-als-schoeffen/

    Gesinnung der Richter und Unabhängigkeit der Justiz – Hubigs Schöffen-Pläne gefährden den Rechtsstaat
    Bundesjustizministerin Stefanie Hubig will verhindern, dass Extremisten als Schöffen Einfluss auf die Rechtsprechung nehmen. Die geplanten Verschärfungen sind jedoch überflüssig, und ein politischer Zugriff auf die Gesinnung von Richtern würde die richterliche Unabhängigkeit aushöhlen.
    https://www.cicero.de/innenpolitik/gesinnung-der-richter-und-unabhangigkeit-der-justiz-hubigs-schoffen-plane-gefahrden-den-rechtsstaat

  4. Sozialisten & Wissenschaft => OXYMORON!!!
    Ausserdem steht der senilen Trulla ihre Dämlichkeit ins Gesicht geschrieben…
    Meine jüdischen Freunde schämen sich für so etwas, bekommen geradezu Angst vor diesen Neo-Kommunisten.

    1. @I$lam =‘ Unterwerfung: Sogar als Nichtjüdin, aber als Deutsche und als Frau empfinde ich Fremdscham, wenn ich mir anhöre, was diese Moralikerin und etliche Kollegen oder Kolleg:innen von sich geben.

    2. @I$lam = Unterwerfung 7. Juli 2026 um 20:22 Uhr

      „Sozialisten & Wissenschaft => OXYMORON!!!“

      Tja, stellen Sie sich vor. In Der SOwjetunion gab es tatsächlich eigene einheimische Wissenschaftler. Und SIe waren keine Idioten. Vor allem im Bereich Militärtechnik .
      DIe US-Republikaner, ein Haufen von hirnamputierten Vollidioten, beahutpen, ja ständig, dass die SOwjetunion alle Militärtechnik aus den USA gestohlen hätten. Das sind alles Lügen. Eher umgekehrt: DIe USA hatten nach dem 2 WK viele Patenten aus dem Deutschen Reich entwendet (ist keine Fiktion, sondern historisch belegt) und konnten von deutschen Technologien und Militärwissenschaftlern profitieren. Und auch heute leben die USA nur dank der Rekrutierung von Wissenschaftlern aus dem AUsland, nur so können die Amis weiterhin in der Wissenschaft weiterhin ihre Führung behaupten.In den MINT-Fächern gibt es unter den einheimischen US-Amerikaner sehr wenige STudenten, die studieren (das sind AUssagen von führenden US-Rep. Politikern).
      Und auch wenn man sich beispielsweise die Schachspieler in den USA anschaut. Die sind fast alle außerhalb der USA geboren. Die wurden viel später, erst nachdem sie erfolgreiche Schachspieler geworden sind, in den USA erst später eingebürgert, damit sie unter der Flagge der USA für die USA spielen. In der SOwjetunion war es anders herum. Sie waren nicht auf die ausländischen Schachspieler oder auf ausländische Wissenschaftler angewiesen, da sie sehr gut darin waren eigene erfolgreich selbst im Inland auszubilden. Unter den Schachspielern waren die sowjetischen Schachpisler über Jahrzehnte führend in der Welt. Die USA konnten denen nicht Wasser reichen (eine kleine Ausnahme war nur der US-Schachspieler Robert James Fischer).

  5. NS-Nähe bei der AfD?
    Schauen Sie Sich mal den Haarschnitt einiger Spieler der „Nationalmannschaft“ an. DA können Sie NS-Nähe sehen.
    Sehen Sie aber nicht, richtig?

  6. Eine wissenschaftlich saubere Analyse hätte die Sprache ALLER Parteien mit der Sprache des 3. Reichs, dargelegt in Viktor Klemperers Werk Lingua Tertii Imperii, verglichen.
    Herausgekommen wäre da eher, dass das linke Spektrum überproportional der Nazisprache huldigt, was ja auch kein Wunder ist. Die Nazis waren auch nach ihrem eigenen Bekunden links, das rechte Bürgertum wsr ihnem verhasst.

  7. Die Frau kann gar nicht falsch liegen: das ist ein Universalgenie, größer und universeller als der Frankfurter Geheimrat: so um die 8 Aufsichts- und Beiratsmandate (in den unterschiedlichsten Branchen, aber nahezu alle in Mannheim), zeigen, dass wir es mit einer fabulösen Geistesgröße zu tun haben, bei meinem Filzhut! Eine Auserwählte! Da kann es gar keine berechtigte Kritik geben! Das Leibniz-Bubis-Axiom sagt uns, dass wir es mit der Besten aller möglichen Linguistinnen zu tun haben.

  8. Eindrucksvoller Beitrag. Ich bekam schon richtig Gänsehaut über die eitrigen Auswürfe von solchen Weibern, dass sind ja Beschreibungen aus der Hölle.
    Fazit: Überall tauchen sie jetzt auf, die glauben Experten zu sein um mit Krämpfen im Hirn nach dem Schwarzen unter dem Fingernagel gegen die AfD zu suchen. Da wird etwas fabuliert, dass kann man sich gar nicht ausdenken. Schon erstaunlich, was die z.B. dem Höcke alles andichten und als Maßstab für den Begriff „Nazis“ nehmen.
    Ich erinnere mich noch an den Nervenzusammenbruch der Linken und Grünen, wegen der „Fliegenschiss“-Äußerung von Gauland vor dem Bundestag. Dabei wussten alle, die noch Strom in der Kanzel hatten, wie es damals gemeint war.
    Alte geistig vermoderte Weiber aus Kultur, Wissenschaft und Politik – wenn möglich in 5.Generation noch Überlebende – welche Gülle sie daher ausschütten, weil die vom Zentralkomitee (welches auch immer) den geldwerten Auftritt bekommen, um pausenlos noch in letzter Minute die AfD in Misskredit zu reden…. unglaublich. Wie tief ist dieses Land gesunken. Das gibt es nirgendwo – nur hier im Roten Reich. Das sind doch keine Menschen, die haben einen Bypass vom Rektum zur Kopfhöhle und beim Öffnen des Kiefers kommt wässrige Scheiße raus.