Redaktionsnetzwerk Deutschland: Noten für renitente Kunstschaffende

Haltungsnoten für Künstler in der "Pandemie": Wie peinlich!

Redaktionskonferenz beim RND? (Foto:Imago)

Gibt es in Deutschland noch Künstler? – Ja, sie heißen aber nicht mehr so. Das sind heutzutage „Kulturschaffende“. Und das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) ist die Jury. Bei „Twitter“ sind Alexander Kissler die folgenden beiden, verräterischen Sätze aus dem RND sauer aufgestoßen: „In der Pandemie haben Kulturschaffende nicht immer das beste Bild abgegeben. Manche haben sich komplett aus dem gesellschaftlichen Konsens verabschiedet.

Kissler schiebt dann die rhetorische Frage nach, ob es Kunst im Konsens überhaupt geben kann und ob Künstler „Vollzugsbeamte des Mehrheitswillens“ seien. Natürlich nicht. Man braucht keine zwei Sekunden, um die Antwort zu finden. Das war auch nicht die interessante Frage. Interessanter wäre die Frage gewesen, welches Kulturverständnis jemand haben muß, der Haltungsnoten für „Kulturschaffende in der Pandemie“ vergibt. Steht „RND“ wirklich für „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, oder steht das Kürzel doch eher für „Rotes Netzwerk Deutschland“?

Die Roten und die Kultur

Eine kleine Wortsammlung im Zusammenhang mit Kunst: Atelier, Studio, Muse, Geist, Inspiration, Können, Künstler. Das klingt zugegebenermaßen etwas altmodisch heutzutage. „Moderner“ wäre folgende Wortsammlung gewesen: Kulturwerkstatt, Kulturfabrik, Kulturschaffender, Künstlerkollektiv. Kunst heißt heutzutage, „sich einbringen“ beim „Kunstmachen“. Der mindermusikalische Sangesheld aus der roten Kunstbrigade wurde nicht erst seit der Wiedervereinigung der deutschen Sozialisten zum „Liedermacher“. Der „Liedermacher“ ist im allgemeinen ein bekenntnisreicher und sendungsbewußter Mensch, der über ein ausgeprägtes „politisches Bewußtsein“ verfügt, meistens aber weder gut singen noch gut ein Instrument spielen kann. Als Gitarristen waren Wolf Biermann, Hannes Wader und Franz-Josef Degenhardt totale Luschen. Als Poeten waren sie nicht viel besser. Ein paar Akkorde „draufgeschafft“ und ein paar wohlfeile Parolen dazu gekrächzt – fertig war die rote „Kunst“.

Der Liedermacher zählt zu den Kulturschaffenden in der roten Kulturfabrik. Seine Lieder macht er in der Werkstatt. Unter Beachtung der gewerkschaftlich „erkämpften“ Arbeitszeitregeln für Kunstmacher, wahrscheinlich. Sein Wecker klingelt morgens um sechs Uhr, dann steht er auf, um zur Arbeit in die Werkstatt zu gehen, wo er dann ein Lied macht, während der vormalige Schreiner neben ihm Möbel macht und der Winzer im Garten vor der Kulturfabrik den Wein. In der roten Gesellschaft machen alle immer etwas, wenn sie sich einbringen beim Aufbau der „menschlicheren“ Gesellschaft, die immer auch „gerechter“ ist. Bessere Welt „und so“. Liedermachen, Weinmachen, Möbelmachen, Frisurenmachen in der „Haarwerkstatt“ – Lulu & Kacka machen auf der Kulturtoilette in der Fabrik. Das ist der Ort, an dem die kulturschaffenden Macher der Roten die Inspiration finden. Wer auf anderem Wege ein künstlerisches Resultat hervorbringt, dem ist mit Mißtrauen zu begegnen.

Das beste Bild

Der verhängisvollste Irrtum, dem Linke erliegen, wenn sie sich – weiß der Geier, aus welchen Gründen – zur Kunst hingezogen fühlen, ist der, daß sie sich für kompetent halten. Anders ist nämlich nicht zu erklären, daß sie sich zu der Behauptung versteigen, ein Kunstmacher habe nicht „das beste Bild“ abgegeben. In der Pandemie. Oder in der pandemischen Mehrheitsgesellschaft. Sie wüssten also, wie das „beste Bild“ auszusehen hätte, das der Kunstmacher gefälligst abzuliefern hat, weil sie als untalentierte Einfaltspinsel selber keines malen können. Linker Kulturkritiker kann man werden, ohne jemals einen anderen Fähigkeitsnachweis erbracht zu haben, als den, daß man einigermaßen dazu in der Lage ist, zwischen „gefällt mir“ und „gefällt mir nicht“ zu unterscheiden.

Bei roten Kunstkritikern wohlgelitten waren immer solche Gemäldemacher, die zum Beispiel überlebensgroße Porträts von Stalin, Honecker, Mao oder Ceaucescu in der Kulturwerkstatt zusammengepinselt hatten, um sie senkrecht auf zwei waagerechte Stangen zu montieren, die dann von mehreren, mit gesellschaftlichem Konsens bis über die Halskrause angefüllten Knallköpfen, bei Maikundgebungen, Gedenkmärschen und Siegesfeiern durch Karl-Marx-Stadt, Berlin, Bukarest oder Moskau getragen wurden. Expertise und Urteilskraft von braunlinken Kunstkritikern gingen sogar so weit, daß sie „entartete Kunst“ identifizieren konnten. Ihre rotlinken Brüder im Ungeist hatten nicht einmal das mehr nötig, weil sie unliebsame Künstler, die keine „besten Bilder“ abliefern wollten, lieber erschossen oder in den Knast steckten, bevor sie überhaupt dazu gekommen wären, „entartete Kunst“ anzufertigen. Beliebte Motive linker Kunstmacher waren immer irgendwelche jungen Leute, die mit stolzgeschwellter Brust, entschlossenem Blick und vorgestrecktem Kinn wehende Fahnen hochhielten. Ganz egal, ob Bild oder Skulptur: Die Heroen des linken Kunstverständnisses hatten immer etwas wahnsinnig Kämpferisches. Zukunft, vorwärts, nach vorne schauen, zur Sonne, zur Freiheit etc.pp. – immer kämpfend.

Das erklärt auch, warum Linke heute noch eine Vorliebe für das Verb „kämpfen“ haben. Es gibt praktisch keine ihrer zahlreichen Gerechtigkeiten, für die sie nicht kämpfen würden. Immer-immer-immer befindet sich der Linke im Kampf. Kampf für Radwege, Kindergartenplätze, Frauenquote, Planetenrettung, Impfgesundheit und Weltklima. Da besonders junge Linke häufig von einer gewissen Unselbständigkeit befallen sind, gilt für sie: Bevor es aufgeht in den Kampf, stärk´ ich mich mit Muttis Mampf. Dann geht es gestärkt hinaus auf die Straße, um in der Masse derer mit dem gesellschaftlichen Konsens mitzulaufen und am Straßenrand jedem Verwunderten, der das Schauspiel ungläubig bestaunt, zuzurufen: „Kampf! Kämpft mit!„. Nicht umsonst hieß ein literarischer Bestseller der Braunlinken „Mein Kampf“. Es wäre einmal eine statistische Auswertung zu der Frage interessant, ob die Grünen diejenige Partei sind, aus deren Reihen das Verb „kämpfen“ am häufigsten zu hören ist. Alles in allem befinden sich die Linken jedenfalls recht angriffslustig im „Kulturkampf“ mit ihrem Kulturkrampf. In diesem „Kulturkampf“ gibt es auch eine „Streitkultur“. Streiten, stritt, bestritten. Sensible, überaus feingeistige Beobachter der linken Sammlung zum Kampf bemerkten bereits vor einem halben Jahrhundert, daß die Kampfeslustigen praktisch alles bestreiten. Außer ihren Lebensunterhalt.

Das Rote Netzwerk Deutschland

Das stimmt aber so heute nicht mehr. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland ist der beste Beweis dafür, daß sich da viel zum Positiven geändert hat. Dortige Redakteure werden heute nämlich dafür bezahlt, daß sie Sätze raushauen wie den, daß die „Kulturschaffenden nicht das beste Bild“ abgegeben hätten. In der Pandemie. Und daß sie sich „komplett aus dem gesellschaftlichen Konsens“ verabschiedet hätten. Das berührt auch ihre größte Angst. Die größte Angst linker Redakteure ist es nämlich, selbst aus dem „gesellschaftlichen Konsens“ verstossen zu werden und bei der Minderheit zu landen. Zwar ist „Minderheit“ ein positiv besetzter Begriff für Linke, aber nur so lange, wie sie selbst jener Mehrheit angehören, die über Minderheiten schreibt. Ein wahrer Albtraum ist für sie, daß sie selbst einer Minderheit angehören könnten. Weil sie wissen, was ihnen blüht, wenn sie der „gesellschaftliche Konsens“ verläßt. Da müssten sie mutig werden. Das liegt ihnen aber überhaupt nicht. Wenn bspw. ein Amerikaner darüber nachdenkt, wie es einem linken Redakteur ergehen könnte, der sich nach Jahren der „Diskursbeherrschung“ plötzlich bei der Minderheit befindet, entfährt ihm nur noch ein „Boy-oh-boy„. Ein Deutscher sagt, wenn er sich einen solcherart verstoßenen Redakteur vorstellt: In dessen Haut möchte ich nicht stecken.

Deshalb ist es immer ein erfreuliches Zeichen, wenn linke Redakteure brunzdämliche Sätze schreiben. Solche Sätze sind Indikatoren. Je dämlicher sie sind, desto besser zeigen sie an, wie intensiv dem Linken die Flatter bereits geht. Da ist eine vielversprechende Tendenz zu beobachten. Eigentlich kann man sich gelassen zurücklehnen und sagen: „Der wird schon wissen, warum er hypermoralisierend seinen Stuß schreibt“. Und die letzte Lüge, die man von einem linken Redakteur hören wird, bevor er in einer der bunten und vielfältigen Arten von Versenkung verschwindet, ist: „Aber ich liebe euch doch alle!“. Dann lachen die vom Roten Netzwerk Deutschland Befreiten und werfen ihm im größten „gesellschaftlichen Konsens“ noch ein paar faule Eier hinterher. Ich selber werfe gleich zwei. Weil ich Blöde mit Sendungsbewußtsein absolut nicht leiden kann.

4 KOMMENTARE

  1. Anerkannt ist immer nur der, der den Machthabenden (Superreiche + Neuadel (Politiker) ) nach dem Mund redet. Alles andere sind Volkschädlinge Nazis, ….

  2. Erwischt…kam ich mir fast vor beim lesen der ersten Zeilen, vielleicht bin ich ja sogar rot geworden…Ach gää… Scho lang nimma!!! Ich bin, seit dem der ganze Scheiss ogfanga hod, quasi Doppelarbeitslos. Die Live-Mucke und, ich hänge gerne unterhalb von Dächern und mach da was fest, und später……. drunter ist da dann meistens ein Konzert o.ä.
    Jetzt bin ich wieder in einer „Branche“, die ich nicht mehr wollte…Capice!!! Aber so ist das Überleben halt 😉 als freier Bayer!!!
    Ich nehm kein Staatsgeld!!! Never!!!

    Und während des Lesens dacht ich mir schon, ich hab vorher nicht gschaut wer diese wunderbare Prosa(Bevor es aufgeht in den Kampf, stärk ich mich mit Mutti´s Mampf) mit uns teilt…Der Herr Erdinger, wer sonst!!!
    Es ist schon unglaublich, unfassbar, un…………… das irgendwelche Honks, die in Ihrem Leben noch NIE was ERSCHAFFEN haben, mit Ihren eigenen Kräften/Händen/Füßen… sich anmaßen über Irgendwas zu urteilen!
    Kritiker waren schon immer die Schlimmsten Charaktääre!!!
    99%-ig Frustrierte Menschen die über Ihre eigene Talent-losigkeit heimlich weinen und alle andern dafür schuldig sprechen…Ich kann da nur eins sagen( sorry for swearing: They shall all :Fuck Off and Die!!!)

    Mit respektvollen Grüssen z´Minga, da Django

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