Reichelts Entfernung zeigt Wirkung: „Bild“ ist wieder ganz auf Linie

Neues Axel-Springer-Verlagsgebäude (Foto:Imago)

Die Kurskorrektur bei Deutschlands größter und einflussreichster Zeitung und der ihr angeschlossenen Onlineformate ist fast abgeschlossen: Gut einen Monat nach der erfolgreichen Demontage des früheren Chefredakteurs Julian Reichelt aufgrund von Compliance-Verfehlungen ist die Zeitung glücklich in den Schoß des linken Mainstreams zurückgekehrt. Anscheinend war die rasche Rückführung auf den gewünschten Kurs die Kröte, die CEO Matthias Döpfner schlucken musste, um den gegen ihn angelaufenen Branchenshitstorm wegen seines BRD-DDR-Vergleichs zum Abflauen zu bringen. Ansonsten wäre er seinem Schützling Reichelt wohl in den Orkus der Untragbarkeit nachgestürzt.

Seither, vor allem in den letzten Tagen, zeichnet sich das Blatt durch eine bemerkenswerte Angleichung an die Impfkampagnenberichterstattung der sonstigen, regierungswohlgelittenen Leitmedien aus. Nach manipulativen Berichten über Intensivstationen, wo punktuelle und aus dem Zusammenhang gerissene Eindrücke, die ehrlicherweise selbstverständlich schon immer – auch vor Corona – hätten eingefangen werden können, war sich „Bild“ gestern dann nicht einmal fürs Wiederkäuen der bösartigen These „viele AfD-Wähler gleich stärkeres Infektionsgeschehen”, abgesichert durch eine bestellte Forsa-Umfrage, zu schade: „Wo viel AfD gewählt wird, verbreitet sich das Virus rasanter”, titelte die Zeitung reißerisch.

Sublimer Tenor auch hier: Wer die Falschen wählt, impft sich auch nicht und ist der wahre Gefährder. Bezeichnenderweise unterdrücken übrigens dieselben Medien, die begeistert auf diese volksverhetzende, grotesk oberflächliche Scheinkorrelationen aufspringen, echte Korrelationen, weil diese nicht ins eigene Watteweltbild passen: Etwa den überproportionalen Anteil von Migranten auf den Intensivstationen während der Dritten Welle im letzten Winter. Oder die deutlich geringerem Impfquoten bei Muslimen gegenüber Nichtmuslimen. Unter Reichelt, der konsequent Kurs gegen die weitere Vertiefung der gesellschaftlichen Spaltung gehalten hatte, wäre ein solches Schmierenstück, vor allem im Zusammenhang mit der freien Gewissensentscheidung Impfung, garantiert nicht erschienen.

Schmierenstücke und Scheinkorrelate

Auffällig ebenfalls, dass Filipp Piatov – letztes Jahr vom zur Hetzpostille mutierten früheren Nachrichtenmagazin „Spiegel” als „Reichelts Bluthund” diffamiert und mit antisemitischem Zungenschlag angeprangert – seit Reichelts Weggang deutlich seltener mit Leitartikeln und Kommentaren in Erscheinung treten darf. Piatovs maßnahmenkritische und investigative Beiträge hatten zuvor die falschen Prognosen, Widersprüche und 180-Grad-Kehrtwenden der Corona-Politik schonungslos aufs Tapet gebracht. Sowohl gegen erneute Lockdownmaßnahmen, einen drohenden (mittlerweile sogar allgemeinen) Impfzwang wie auch eine immer enthemmtere Kriegsrhetorik gegen Ungeimpfte hatte er sich vehement positioniert – und damit zur Hassfigur des neuen linken Impfpatriotismus gemacht. Ganz kaltgestellt ist Piatov zwar (noch) nicht, doch man sieht ihn seither nur unter ferner liefen. Gelegentlich darf er bei „Bild TV” auftreten, wo er eher wie ein Statist wirkt.

Bedauerlich, dass auch Springer-Hauptstadtchef Ralf Schuler auffällig schnell seinen Frieden mit dem zuvor heftig von „Bild” angegangenen inneren Merkelianer-Kreis gemacht zu haben scheint – und nun ganz unkritisch, im Stil einer PR-Agentur, über das Vorsitzteam von Kanzleramtschef Helge Braun berichtet, der als CDU-Chef kandidiert. Brauns Selbstcharakterisierung als „bodenständig und bürgernah” übernimmt „Bild” schon in der Überschrift und zitiert den Kandidaten, er werde die Union zu einer „Mitmach-Partei“ machen, in der „alle Strömungen als Stärke und nicht als Schwäche begriffen” würden. Kein Wort der Kritik über Brauns nicht eingetretene sommerliche Inzidenzprognosen, seine letztlich haltlosen Rechtfertigungen des letzten Dauerlockdowns und seine fragwürdige Rolle als Architekt des „Junta-Systems” in der Pandemie durch Verlagerung der politischen Macht weg vom Parlament hin zu klandestinen MPK-Hinterzirkelrunden.

Keine Frage: Mit der post-Reichelt-„Bild” ist nun endlich wieder Staat zu machen – auch für die Ampel. Es ist genauso gekommen, wie es kommen musste: Nachdem die Zeitung unter Reichelt zunehmend kritischer über die wirkungslose Impfkampagne, die Corona-Politik insgesamt, aber auch Klima- und Migrationspolitik berichtet hatte und dem Kartell aus Regierungs- und Serviceoppositionsparteien (letztere nun Teil der neuen Regierung) mehr und mehr zum Dorn im Auge geworden war, ist das Springer-Flaggschiff nun also wieder ganz handzahm.

Keine Fundamentalkritik mehr

Bild“ hat sich wieder eingereiht in den Chor der braven, artigen staatsloyalen Medien, die sich außer punktueller Alibi-Opposition auf Nebenschauplätzen und gelegentlichen Windhosen im Wasserglas zur Fassadenwahrung einer „unabhängigen” Presse nichts mehr trauen. Beziehungsweise – weil sich an den Schlüsselstellen deutscher Verlage und Sender nur noch journalistische Überzeugungstäter als Hauptschriftleiter halten können – keine Fundamentalkritik mehr riskieren.

Und sollten sie es eines Tages doch wagen (das haben nach Reichelts Menetekel jetzt wohl auch seine Nachgänger und Kollegen in anderen Verlagen kapiert), dann liegen bereits die Dossiers über irgendwelche als solche interpretierbaren Sexting-, Metoo-, Mobbing-, Kontaktschuld-, ja vielleicht sogar Rassismus-Verfehlungen aus der ferneren oder jüngeren Vergangenheit in irgendwelchen Schubladen griffbereit und warten nur darauf,  bei der nächsten erforderlichen Intrige als Munition zum Blattschuss auf säuberungsreife Freigeister dienen zu können. Da es Prinzipien wie Loyalität oder einen tieferen Ehrenkodex auch in dieser Berufsgruppe nicht mehr gibt, muss auch nicht lange nach aussagewilligen „Zeug*Innen“ gesucht werden, die sich irgendwann einst bei Beförderungen übergangen wähnten, nach Büroaffären verletzt oder eifersüchtig waren, sich verschmäht fühlen oder neidisch sind auf erfolgreichere Kollegen oder Vorgesetzten zürnen, mit denen sie noch eine Rechnung offenhaben.

Sie testieren dann erfahrungsgemäß alles, was zur beruflichen Vernichtung eines Dissidenten nötig ist. In dieser Hinsicht haben wir in Deutschland in den letzten Jahren viel von den USA gelernt: Jeder kann heute abgeschossen und fertiggemacht werden, egal wie begnadet er in seinem eigenen Job auch ist. Kompetenz, sogar funktionelle Unersetzlichkeit sind kein Schutz mehr; selbst die Fähigsten müssen zittern. Es braucht keine Leichen mehr im Keller. Kompromittierendes Gerümpel in der Abstellkammer tut es auch.

12 KOMMENTARE

  1. Soweit so ????
    Solange Hr Köppel als „Zuchtmeister“ (bitte positiv sehen) dabei ist, bin auch ich dabei!
    Beste Grüße

  2. An die WNZ Wetzlarer Neue Zeitung Leserbriefe – Betreff: Anti-Impfungs-Ärztin aus Braunfels bei Wetzlar

    nach-impf-fake-news-arztekammer-pruft-rechtliche-schritte Montag, 22.11.2021 – 07:36
    Nach Impf-Fake-News: Ärztekammer prüft rechtliche Schritte – Die Braunfelser Ärztin, die per Aushang in ihrer Praxis von Impf-Toten spricht, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Auch Ärzte und Patienten-Angehörige melden sich zu Wort. Von Christian Keller
    +
    Mein Text: Derweil werden nun die Ungeimpften und Impfverweigerer zum Schuldigen, Sündenbock der neuerlichen Lage-Verschärfung gemacht als neue gemobbte Minderheit, teils in aggressiven, faschistoid anmutenden Tönen wie vom Sozialschädling. Und bis auf ein bißchen BILD (wurde deswegen der Chefredakteur gefeuert??!) betreiben zu 90% die Medien der BRD, darin ähnlich gleichgeschaltet wie in NS und DDR, wie eifrige Aktivisten, devot-treue Parteisoldaten das Geschäft der offiziellen Corona-Politik, indem sie -mit minimal abgedruckhten kritischen Leserbriefen und unter Ausschluß anderslautender, widersprechender Experten wie Baghdi, Wodarg- das fragwürdige Narrativ der Merkelkratur verbreiten.

    Ich bitte um Abdruck! hjs. 22.11.2021 Frankfurt am Main

  3. … Und am Ende ist es wieder niemand nicht gewesen und keiner hat von nichts gewusst … Nichts Neues unter der deutschen Sonne also …

  4. In „AFD“Ländern soll es über den Winter wärmer werden,um mindestens 1,5 Grad!
    Was gleichbedeutend mit „grüner Weihnacht“ wäre.

    Pfuuuuuuuiiii deibel:-(

  5. Was waren das noch für innovative Studenten, die in den 60/70er Jahren Blätter und Auslieferungsfahrzeuge in helllem, heißen Licht aufgingen ließen.
    Heute, faule an der Gesellschaft und Politik uninteressierte Nichtsnutze, die vielfach dem
    Steuerzahler durch Bafög, etc. a.d. Tasche liegen, insbes. diejenigen vielen aus dem Bambussprottenland !

  6. da hat er aber Glück gehabt – früher hat man solche Häretiker verbrannt oder einen Schierlingsbecher gereicht!
    Er hat hoffentlich das Land verlassen – was nicht ist, kann sonst noch werden, so wie sich die Gesellschaft entwickelt !
    Das Land ist so tief gesunken, daß diese Zeiten nicht mehr weit sind !

  7. Das Merkel wird sich Busenfreundin Friede Springer zur Brust genomen haben …vielleicht auch beim Dinner ? Ach ja … wer liest überhaupt das ,,Wurschtblatt“…wegen der vielen Druckerschwärze taugts nicht mal als Klopapier

  8. Ich hatte die Bild nur wegen Julian Reichelt abonniert. Mir war schon zu Anfang klar, dass die Compliance-Anschuldigung ein Warnschuss war. Aber Reichelt sich nicht einschüchtern – also musste er gehen. Gerade in der Corona-Politik zeigt sich, dass die Bild inzwischen wieder voll auf Linie ist. Die Vereinigung der beiden Feindbilder „AfD“ und „Ungeimpfte“ war leider vorauszusehen. Selbstverständlich werde ich das Abo jetzt wieder beenden.

    Die Bild hat damit die Hetze gegen Ungeimpfte und gegen die AfD auf ein neues Level gehoben:

    https://aktuellezeitkultur.wordpress.com/2021/11/22/corona-hysterie-3-doppelt-genaht-halt-besser/

  9. Herr Reichelt hat sich von niemandem sagen lassen, was in der BILD zu stehen hat.

    Nun ist BILD zu einem Schrottblatt verkommen.

    Nur noch Trash.

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