Reichen unsere Opfer denn noch nicht?

Reichen unsere Opfer denn noch nicht?

Totgetreten, weil er schlichten wollte – und sein Killer muss nicht mal ins Gefängnis: der 2024 gestorbene Filipp aus Meinerzhagen (Foto:privat)

Chris kam raus (aus Castle Rock). Er schrieb sich mit mir zusammen für die College-Kurse ein und obwohl es schwer war, biss er die Zähne zusammen, wie er es immer getan hatte. Er ging aufs College und wurde schließlich Anwalt. Vorletzte Woche ging er in ein Schnellrestaurant. Gerade vor ihm gerieten zwei Männer in Streit. Einer von ihnen zog ein Messer. Chris, der immer der beste Friedensstifter gewesen war, versuchte, die Sache zu schlichten. Er wurde in den Hals gestochen. Er starb fast sofort.“ Diese Zeilen las ich vor über 40 Jahren im Nachwort der Stephen King-Novelle “Die Leiche”, die 1986 kongenial unter dem Titel “Stand By Me” verfilmt wurde. Sie packten mich am Nacken, diese Zeilen, damals – so mit 14, 15 – und ließen mich erst einmal nicht mehr los. Obwohl es ja nur eine Geschichte war. Doch selbst in meinen schlimmsten Albträumen hätte ich nicht damit gerechnet, eines Tages in einem Europa zu leben, in dem solche Taten immer wieder auch im wahren Leben passieren würden.

Ein 16-jähriger Junge steht an einem kalten Januartag 2024 am Skatepark in Meinerzhagen. Filipp S. ist kein Kämpfer. Er ist einfach nur ein Junge, der noch an das Gute glaubt. Als er sieht, wie zwei Gruppen aneinandergeraten, denkt er sich: “Ich muss dazwischengehen!” Er tritt vor, spricht ruhig, versucht zu deeskalieren – mit jener Zivilcourage, die wir unseren Kindern einmal beibringen wollten. Francesco D., ebenfalls 16, holt aus: Ein einziger Faustschlag trifft Filipps Schläfe. Er sackt zusammen. Und während der Junge hilflos am Boden liegt, treten andere zu. Filipp fällt ins Koma. Neun quälende Tage später steht fest: Der Junge hat es nicht geschafft. Er ist gar nicht erst wieder aufgewacht. Der Schlag des Boxers Francesco D. war so brutal, dass ein Blutgefäß im Hirn riss, was schließlich zum Hirntod führte. Seine Eltern, Schwester und Brüder eilen ins Krankenhaus, um den 16-Jährigen auf seiner letzten Reise zu begleiten. Bruder Wilhelm S.: “Ich war bis zum letzten Herzschlag bei ihm.

Kein einziger Tag hinter Gittern

Nun, mehr als zwei Jahre später, folgte das Urteil des Landgerichts Hagen: Ein Jahr Jugendstrafe auf Bewährung, dazu 80 Sozialstunden für Francesco D. Ein paar Tage zuvor war Filipps Bruder noch zuversichtlich gewesen: „Ich hoffe, er bekommt seine gerechte Strafe. Natürlich wird keine Strafe für mich gerechtfertigt sein, weil das bringt meinen Bruder nicht mehr zurück. Aber trotzdem muss irgendwas passieren.“ In der Tat, passiert ist etwas: Kein einziger Tag hinter Gittern für den Totschläger. Keine Strafe, die auch nur annähernd dem unermesslichen Verlust entspräche. Dem Täter drohten bis zu zehn Jahre – doch das Jugendstrafrecht, der Gedanke an die “Erziehung” eines Heranwachsenden, wog augenscheinlich schwerer als eine kaputte Familie, deren Herzen nie wieder heilen werden.

Dazu habe ich eine Frage: Reichen unsere Opfer denn nicht? Müssen wir den Müttern und Vätern, den Geschwistern auch noch ins Gesicht spucken, indem wir Täter so behandeln, als wäre ein zerstörtes Leben nur ein bedauerlicher Unfall? Seit 2015 reiht sich ein solcher Fall an den nächsten: milde Urteile, Bewährungen, Freisprüche trotz schwerster Gewalt – oft, wenn Täter aus kulturfremden Kreisen kommen und trotz Vorstrafen oder fehlender Integration immer wieder “eine weitere Chance” erhalten. Denken wir an die Silvesternacht 2015/16 auf der Kölner Domplatte: Hunderte Frauen wurden sexuell attackiert, es gab über 1.000 Anzeigen – doch am Ende standen nur drei Verurteilungen wegen sexueller Delikte.

Offenbarungseid des Rechtsstaats

Oder denken wir an die Gruppenvergewaltigung im Hamburger Stadtpark von 2020 (rechtskräftig 2025): Neun junge Männer – unter anderem aus Afghanistan, Syrien, Libyen, Ägypten, Kuwait und Iran – vergewaltigten eine 15-Jährige; acht kamen mit Bewährungsstrafen davon, nur einer musste tatsächlich ins Gefängnis. Und vergessen wir auch nicht die vielen Mörder, die für nicht schuldfähig erklärt wurden, die in Irrenanstalten sitzen, aus denen sie jederzeit als “geheilt” entlassen werden könnten. Die Liste ist lang – und jedes Mal dieselbe herzzerreißende Frage: Warum zählt das Leben unserer Kinder, unserer Töchter und Söhne, so viel weniger?

Filipp ist kein anonymer Fall in einer Statistik. Er war ein Sohn, ein Bruder, ein Freund. Ein Junge, der in der Sekunde, als er helfen wollte, alles verlor. Seine Eltern hielten seine Hand, als die Geräte verstummten. Sie mussten Abschied nehmen von ihrem Kind – für immer. Und jetzt sollen sie hinnehmen, dass der Schlag, der ihr Leben zerstörte, mit ein paar Sozialstunden und Bewährung “abgearbeitet” ist? Das ist keine Gerechtigkeit mehr, das ist ein Offenbarungseid des Rechtsstaats. Es schmerzt in der Brust – weil es schmerzen muss. Weil mit jedem solchen Urteil ein Stück Hoffnung stirbt – und zwar jenes Stück, das noch glaubte, Zivilcourage würde belohnt und nicht mit dem Tod und anschließender richterlicher Nachsicht quittiert.
Unsere Gesellschaft muss sich endlich fragen: Wie viele solcher gebrochenen Herzen ertragen wir noch, bevor wir aufwachen und handeln? Endlich aufwachen und handeln?!?

4 Kommentare

  1. Tja, Herr Flesch, die Leute sind aber wach! Leider gehen Vernunft, Verstand und Menschlichkeit zugunsten der kollektiven Multikulti-Geisteskrankheit immer mehr den Bach runter! Man kann offenbar zu jeder Zeit die Massen dumm, mobil und zu allen bereit machen – man muss der Schafsvolk nur tagtäglich schleifen und entsprechend umerziehen! So ging 1933, und so geht auch der nächste Untergang, der sich wohl Klima-Islam-Sozialismus nennt!

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    1. „Menschlichkeit“

      Definiere das Wort bitte mal.
      Kriege? Folter? Vergewaltigungen? Betrug? Erniedrigung?

  2. wenn grünlinke alte Politiker_innen den Spruch : das müssen Demokraten abkönnen,nun sind die halt da,dafür wünschen die auch noch frohes Fasten,für die Fachmesserarbeiter,die nicht mal von in BRD schon länger wohnenden Orientalen zurück gerufen werden können dürfen,wäre ja ein todes würdiges Religionsverbrechen.Die , Das, Kultur findet die Antifafront gaanz toll doll über uns kommen.Nach der Arbeit sber die brauchen ja unser Geld.