Rentenfrage: Jung wird gegen Alt ausgespielt

Rentenfrage: Jung wird gegen Alt ausgespielt

Wenn jeder Euro zählt: Lebenslang rackern für die Armut – oder ist das Rentensystem besser als sein Ruf? (Symbolbild:Pixabay)

Welches perfide Spiel wird mit der Jugend getrieben? Welcher Teufel reitet eigentlich unsere Medien und herrschende Kreise der Wirtschaft und Politik? Es war vor fünf Jahren im Jahr 2020, als eine Corona-Hysterie inszeniert wurde. Kinder wurden ihren Großeltern entfremdet, die Enkel würden sie im Fall des Kontakts mit ihnen eventuell auf dem Gewissen haben, weil die Alten im Fall einer Corona-Infektion als Todgeweihte galten. Wir Alten haben das Coronajahr leidlich überstanden; erst die beiden Folgejahre 2021 und 22 forderten mit den Impforgien ihren Tribut. Doch viele Jugendliche trugen von der umfänglichen Isolation von Schule und Freunden bleibende Schäden davon, sagen namhafte Psychologen, Lehrer und betroffene Eltern. Als der Corona-Spuk vorbei war, wurde die alte Leier wieder aufgefrischt, die Lebensweise der älteren Generation würde den Nachkommen steigende Meeresspiegel und vielerlei Katastrophen bescheren. Auch wenn sich die Prognosen der 1970er Jahre als falsch herausstellten, wird der Jugend weiterhin vermittelt, dass die Prophezeiungen trotzdem zutreffend wären, wenn wir weiterhin CO2 emittieren würden – was wir mit jeden Atemzug tun. Das Schüren von Angst geht so weit, dass sich einige Spezies als „letzte Generation“ betrachten.

Nun sind unsere Renten an der Reihe, welche die junge Generation einmal finanziell strangulieren würden. Tagein, tagaus müssen wir uns anhören, dass immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner aushalten müssten. Unser Rentensystem sei faktisch ein finanzielles Todesurteil für die Jugend. In einem meiner letzten Artikel widerlegte ich die Fließband-Behauptungen anhand der erhaltenen statistischen Kurzfassung der Deutschen Rentenversicherung. Dabei hob ich der besseren Vergleichbarkeit wegen auf das Bezugsjahr nach der Wiedervereinigung ab. Nachdem nun die 300-seitige Langfassung eingetroffen ist, beschränke ich mich nachfolgend auf die Entwicklung der letzten zehn Jahre, gegenüber den neuesten Zahlen. Eines vorweg: „Immer weniger Beitragszahler“ ist eine beharrliche Lüge. Und der Zuwachs an Rentnern liegt unter dem Zuwachs der Beitragszahler!

Es ist nicht so, wie wir denken sollen

Im Einzelnen: Die Anzahl der Beitragszahler wächst schneller als die Anzahl der Rentner. Von 2013 zu 2023 stieg die Zahl der aktiv Versicherten Beitragszahler von 36.193.892 auf 40.114.022, was 10,8 Prozent (!) ausmacht – nix „immer weniger“. Im letzten Jahr betrug der Zuwachs nur noch ein halbes Prozent, was der schwächeren Nachfrage nach Arbeitskräften geschuldet ist. An dieser Stelle auch zum Anteil der ausländischen aktiv Versicherten. Im gleichen Zeitraum von zehn Jahren stieg ihr Anteil von 11,1 auf 21,2 (!) Prozent. War dies dem Lockruf von Merkel zu verdanken? Mitnichten, denn nach Staatsangehörigkeiten werden die arbeitenden Ausländer von 1.107.078 Türken angeführt, gefolgt von 865.497 aus den Balkanländern, 629.911 Polen, 344.660 Italiener, 197.001 Griechen und 101.749 Spaniern. Syrer, Afghanen, Afrikaner und so weiter tauchen in der Auflistung der Seite 27 nicht auf.

Allerdings stieg auch die Zahl der Rentner, wobei die Rentenzugänge im Jahr 2024 um rund 24.000 abnahmen. Die „passiv Versicherten“, also die Rentner, nahmen im Zeitraum 2013 bis 2023 von 16.777.990 auf 18.374.343 zu, was einem Zuwachs von 9,5 Prozent entspricht. Das ist zwar nicht wenig, aber dieser Zuwachs liegt 1,3 Prozentpunkte unter dem Zuwachs der Beitragszahler. Falls der Zuwachs hauptsächlich im Niedriglohnbereich stattfindet, belastet das die Rentenversicherung nicht, weil kleinere Beiträge auch niedrigere Renten entsprechen. Übrigens werden auch für geringfügig Beschäftigte volle Beiträge abgeführt. Das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern beträgt aktuell rund 2,18 zu 1, vor zehn Jahren 2,16 zu 1. Anlass zur Panik? Aber künftig solle ein Rentner von nur noch einem Beitragszahler unterhalten werden? Vielleicht, wenn sich die Jugend von den vielen Weltuntergangspropheten verunsichern lässt und sich dem Babystreik anschließen – aus Protest gegen wen und was, oder aus echt verinnerlichter Angst vor der Zukunft?

Wie lauten seriöse Prognosen der weiteren Lebenserwartung?

Die Zahl der Rentner hängt auch vom Rentenzugangsalter und der Bezugsdauer ab. Ersteres hat sich durch die Heraufsetzung der Rentenaltersgrenze deutlich erhöht und die Rentenbezugsdauer stagniert seit 2021 bei 20,5 Jahre. Es ist nicht mehr so, dass die Menschen jedes Jahr um fast einen Monat älter werden. Das Sterbealter stagniert fast, über die Gründe darf spekuliert werden. Und wie sieht das Lebensende perspektivisch aus? Darüber gibt die „fernere Lebenserwartung“ Auskunft. Diese wird statistisch in Fünfjahres-Kohorten angegeben; maßgebend ist das Alter 65, etwa bei Rentenbeginn. Den Zenit der weiteren Lebenserwartung wurde gemäß der „Sterbetafel im Jahr 2018/20“ mit 17,78 Jahren bei Männern erreicht. Sie fiel 2021/23 aus bekannten Gründen auf 17,41 weitere Lebensjahr zurück und lag 2022/24 mit 17,56 Restjahren immer noch unter dem Wert von vor fünf Jahren. Bei Frauen ist derselbe Trend festzustellen, allerdings etwa drei Jahre später. Also, liebe Junge, habt keine Angst…. eure Alten sterben früh genug! Ihr müsst nur aufpassen, dass euch ein Krieg nicht wieder zurückwirft.

Von der südbadischen Regionalzeitung wird meine folgende Zuschrift ignoriert: „Es reißt immer mehr ein, dass amtierende Regierungen auch Angelegenheiten vorweg beschließen wollen, die eigentlich Sache der Nachfolgeregierung wären. So auch jetzt wieder, obwohl die Amtszeit des 21. Bundestags im Jahr 2029 endet, aber diese vorschreiben will, welches Rentenniveau auch 2031 ff. in der Amtszeit des 22. Bundestags gelten solle.

Künftige Finanzierung

Für ein Rentenniveau von nur 48 Prozent müssen wir uns eigentlich im internationalen Vergleich schämen. Auch andere Länder haben demographische Probleme und zahlen trotzdem höhere Renten. Die Rückkehr auf ein Rentenniveau von 50 Prozent wäre angemessen und finanzierbar. Dazu bedarf es zwar einer Beitragserhöhung von jetzt 18,6 auf über 20 Prozent – was es schon gab. Im Moment beträgt die Belastung für die Beschäftigten 13,3 Prozent, nämlich 9,3 Prozent in die Gesetzliche Rentenversicherung und 4 Prozent für Riesterverträge (seit 2010 zwischen 10 und 11 Mio.). Letztere entwickelten sich zu einem Milliardengeschäft für die Versicherungswirtschaft und Fondsanbieter (jährlich werden rund 2,6 Mrd. Zulagen vom Fiskus an sie überwiesen), für die Riester-Sparer nicht mehr unbedingt. Die Riesterrente konnte sich bei der Rendite bis 2005 sehen lassen, jetzt nicht mehr.

Effektiver wäre es, bei Verzicht auf das Riester-Sparen die Arbeitnehmerbeiträge zur Rentenversicherung auf 12 Prozent festzusetzen und die Arbeitgeberbeiträge bei 10 Prozent zu deckeln. Mit 22 Prozent Beiträgen von den Bruttoverdiensten wäre die Gesetzliche Rentenversicherung auf viele Jahre hinaus ausfinanziert und würde auf gesunden Beinen stehen. Ist der heranwachsenden Generation eigentlich bewusst, welche Belastung die Nachkriegsgenerationen auf sich nehmen mussten? Die Familien unterhielten mehr Kinder als heute, mit kaum einer Unterstützung, außer Kindergeld. Wir sparten uns das letzte vom Mund ab, um einmal in eigenen Wänden wohnen zu können. Diese Belastung muss die heutige Generation nicht mehr aufbringen, weil ihnen unser sauer abgestottertes Wohneigentum vererbt wird. Wenn sie sich in keinen Krieg hineinziehen lassen, brauchen sie nicht wieder Aufbaulasten wie nach dem 2. Weltkrieg tragen, und haben genügend für die eigene Altersvorsorge übrig. Aber Kinder haben sie nur noch die Hälfte, weil sie lieber ‚leben wollen‘. Die jetzt arbeitende und künftige Generation haben es leichter als früher und können problemlos höhere Beiträge zur Altersversorgung (und Pflegeversicherung) aufbringen. Was soll das Gejammere von der ‚Generationengerechtigkeit‘?

Medienkampagne fruchtet

Kapitalgedeckte Renten statt solche der Gesetzlichen Rentenversicherung? Wenn die junge Generation aber glaubt, ‚kapitalgedeckte‘ Renten seien nachhaltiger, kann sie nach unserem Ableben, wenn sie in Berlin alleine den Ton angeben, gerne ihr Glück versuchen. Ihren Volkswirtschaftsstudenten sei aber zuvor empfohlen, einmal die Entwicklung der Entstehung des Volkseinkommens anzuschauen. Der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen, die Basis für die Beitragseinnahmen der Rentenversicherung und die Größe des zu verteilenden Kuchens nimmt zu. Die übrigen Einkommen, darunter die aus Kapitalvermögen, die Basis zur Finanzierung ‚kapitalgedeckter‘ Altersvorsorge, nimmt dagegen ab. Eine Aktienhausse hält nicht ewig an, lehrten uns die Jahre 2008/09. Aber Nachrechnen scheint in unseren Universitäten nicht mehr großgeschrieben zu werden. Anmerkung für die BZ-Redaktion: Ich war einige Zeit freier Mitarbeiter für das Thema Altersversorgung im Wirtschaftsteil und war ein ausgewiesener Fachmann für Betriebliche Altersversorgung.“ Soweit der Wortlaut meines verschmähten Statements an die “Badische Zeitung”.

Doch die Kampagne der Medien, sei es im Rundfunk oder durch die Presse, fruchtet offensichtlich. Das vom HDI-Versicherer erhobene „Vertrauensranking“ kommt zum Ergebnis, dass sich das Vertrauen in die Alterssicherung seit 2021 ins Gegenteil verkehrt hat. Ohne eigene Wertung: 28 Prozent vertrauen Wertpapieren, privaten Lebens- und Rentenversicherungen 21 Prozent, Betriebsrenten immerhin 19 Prozent, der Gesetzlichen Rentenversicherung aber nur noch 17 (!) Prozent. Das ist das Ergebnis der jahrelang betriebenen Delegitimierung des Hauptstandbeines der Alterssicherung. Dahinter kann eigentlich nur die Macht des Finanzkapitals stecken, wozu nicht nur BlackRock gehört. Es liegt an der Jugend, ob sie deren Politik mehr Vertrauen schenkt als „alten Hasen“ im Metier der Altersversorgung.

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7 Antworten

  1. @Jung wird gegen Alt ausgespielt
    alte mafia-Regel : teile und herrsche !
    Wenn man keine Argumente hat und nichts taugt, kann man die anderen immer noch in Splittergruppen aufteilen und dann trotzdem herrschen !

  2. In der aktuellen Diskussion wird-auch von den versammelten Experten-sorgfältig ausgeklammert, dass die Sozialkassen von den Regierungen über Jahrzehnte zum Stopfen von Haushaltslücken missbraucht wurden. Zudem stellt niemand die Frage , weshalb das Rentenniveau in anderen Ländern ( Österreich, Niederlande, Luxemburg) mit ähnlichen Systemen statt lächerlichen 48 Prozent bei 80-90 Prozent liegt.

  3. Schon 1978, bei der naeheren Betrachtung der Rente im damaligen Westdeutschland, musste jedem Normalverdiener (ich lag seit 1968 ueber der Bemessungsgrenze) klar sein, dass man als Rentner seinen Lebensstandard unmoeglich erhalten koennte, bei der Demoskopie und der Rentenformel (damals gab es noch die sogenannte Halb-Deckung).

    Naja, da hab ich mich halt aus dem Staub gemacht, da ich im Alter nicht betteln aber auch nicht darben wollte….

  4. Danke Herr Künstle, klasse Artikel! Wenn man dann noch alle rausschmeißt, die nie eingezahlt haben, kann man das Rentenniveau 60% anpeilen. Aber, wie Sie richtig erwähnen, ist das von keiner der Kartellparteien gewollt. Schröder hat seinem Maschmeyer die Taschen gefüllt, CDU mit Riester klein angefangen und macht jetzt mit dem BlackrockMitarbeiter, verkleidet als Lügenkanzler weiter. Geld in private Finanzkonzerne schaufeln und den Bürgern erzählen, das ist wie immer alternativlos! Leider muss ich Ihnen sagen, dass die Jugend heutzutage zu dämlich ist das zu begreifen. Habe es mehrfach versucht zu erklären und vorzurechnen. Die denken wirklich FTE‘s sind sicher und man muss sich überhaupt nicht darum kümmern. Beste Grüße!

  5. Mit diesem Akt wird nur das alte römische Prinzip teile und herrsche ausgeführt auf das die Gesellschaft gespalten ist und die Großen ihre Ruhe haben und sich weiter bereichern. Hohe Diäten und Freibeträge die immer weiter steigen das ist wahrer Schaden sowie das unendlich Geld an Lobbys und NGOs fließt die aus Demokratie& Toleranzprojekten bestehen. Für Regenbogenpropaganda und Zahlungen an ehemalige Kriegsgegner ist genug da während zeitgleich mit billiger populistischer Hetze gegen einheimische Erwerbslose vorgegangen wird. Sendungen wie Hartz& Herzlich zeigen nur Deutsche meist mit Zahnlücken und vollem Aschenbecher auf dem Sofa vor der Glotze. Diese Darsteller sind keine Leistungsempfänger da sie ja vielleicht 20000-30000EU Jahreseinkommen haben nur um sich in der Öffentlichkeit zum Narren zu machen. Leider glaubt ja der Großteil der Schlafschafe diese Scharlatanerie sowie Volksvergiftungspropaganda in einem. In Wirklichkeit sind viele ALG2-Bezieher alleinerziehende Eltern, Chronischkranke, Leute aus Altersgründen ab Mitte 50, Aufstocker dank Lohndumping durch Herr Schröder und Frau Merkel die alles beibehielt und Hartz4 verschärfte auf das der Niedriglohnsektor weiter expandiert. Viele Empfänger gibt es auch an Randgebieten die sich kein Fahrzeug leisten können dank hoher Unterhaltungskosten und da es dort keine Vollzeitstellen gibt. Erikas Syrer und die Ampel-Ukrainer zeigt man selbstverständlich nicht da so die Zauberzahl 130 mit Volksverhetzung erfüllt wäre was dann den Produzenten und Darstellern ans Bein geht. Zufallsfunde wie Steuerhinterziehung, Drogenhandel oder pädophiles Material wären die Folge mit Medienecho auf das die Beschuldigten schnell gesiebte Luft für mindestens drei Jahre atmen. mfg

  6. Wir hatten mal eine Rente von 80 %, Eintrittsalter bis spätestens 65, ohne Besteuerung. In der Regel hatte man ohne Probleme sein Leben lang immer eine Arbeit gehabt von der man als Alleinverdiener seine Familie gut ernähren konnte. Wo ist das alles geblieben?

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