Rentenreform 2026: Das volkswirtschaftliche Problem mit der „Kapitaldeckung“

Rentenreform 2026: Das volkswirtschaftliche Problem mit der „Kapitaldeckung“

Sicher versorgt im Alter: Politische Irritationen und falsche Illusionen (Symbolbild:Pixabay)

In meinem Artikel von Montag zum Rententhema ging es um den Aspekt der Betrieblichen Altersversorgung zur Altersvorsorge. Dieser Beitrag ist nun dem grundsätzlichen Problem der kapitalgedeckten Altersversorgung gewidmet. Letztere wird immer mehr präferiert – auch, weil der deutschen Rentenversicherung ja gewissermaßen schon seit “ewig” der Tod prophezeit wird. Bereits 1985 verbreitete der “Spiegel” die Schlagzeile: „Dieses System ist bankrott!“. Die „Qualitätsmedien“, aber auch alternative Medien, führen als Beweis für diesen angeblichen Bankrott die Milliardenzuschüsse des Staates an die Rentenversicherung an. Dabei fließen etliche dieser Milliarden – rund ein Viertel – in versicherungsfremder Leistungen, die der Gesetzgeber nach und nach über die Jahre missbräuchlich auf die Rentenversicherung übertrug. Als Bismarck die Rentenversicherung einführte, betrug der Zuschuss noch 33 Prozent; 1957 legte der Gesetzgeber 30 fest, heute sind es rund 25 Prozent für allgemeine Leistungen, plus 5 Prozent für die Einführung und Gewährung von Kindererziehungszeiten.

Nun will der Staat vermehrt Zuschüsse für kapitalgedeckte Anlagen zur Altersversorgung leisten. Weil man Geld kaum doppelt verbraten kann (es denn, man hat das bei BlackRock gelernt), gehen solche Zuschüsse leider zu Lasten öffentlicher Investitionen, die dann zurückgefahren werden müssten. Bei Zuschüssen an die Rentenversicherung fließt dieses Geld umlagefinanziert im gleichen Jahr – nach dem Motto Steuern rein, Zuschuss raus – in den Wirtschaftskreislauf zurück. Die Zuschüsse sind besonders nachfragewirksam, weil Renten größtenteils wieder ausgegeben werden. Steuerfinanzierte Zuschüsse zur betrieblichen und privaten Altersvorsorge werden aber erst in durchschnittlich 30 Jahren (halbe Erwerbs- beziehungsweise Ansparzeit plus halbe Rentenbezugsdauer) oder sogar noch später wieder ausgegeben.

Weitverbreitete Irrtümer

Die Aktuare der Anbieter kapitalgedeckter Altersvermögen, die mit die Eigenleistungen und staatliche Zuschüsse aufgebaut werden, haben ein Problem. Sie sind nicht nur allgemeinen Schwankungen der Finanzmärkte ausgesetzt, sondern sie müssen kurzfristige Renditeerwartungen für Beiträge der letzten Jahre des Altersvorsorgesparens mit langfristigen Erwartungen frühzeitiger Vorsorgesparer unter einen Hut bekommen. Dasselbe gilt für die Sonderwünsche der Anleger – zum Beispiel „Nachhaltigkeit“, kein Geld für fossile Energiewirtschaft, nur „klimaneutrale Aktien“, keine Anteilsscheine von Firmen aus „Schurkenstaaten“ und so weiter. Nach der Einbehaltung von 0,5 Prozent (?) Provisionen für die Vermittler und 1,5 Prozent für die Fondsverwaltung und die Manager von BlackRock & Co., und unter Berücksichtigung der (von der Europäischen Zentralbank gewollten) Inflation von zwei Prozent, müssten sie auch langfristig eine Nominalverzinsung von mindestens 4 Prozent erwirtschaften. Damit haben die Vorsorgesparer aber nichts gewonnen, sondern nur Geld gewechselt. Eine Kapitalerhaltungsgarantie durch die Anlagegesellschaften wird deshalb immer seltener. Wenn doch, dann zu Lasten der Rendite wegen der Zusatzkosten der Kapitalabsicherung.

Es ist auch ein weitverbreiteter Irrtum, dass Geld, welches in Aktien und Fonds fließt, den tatsächlichen Wert der Aktiengesellschaften und anderer Anlagen erhöht. Der Realwert entspricht dem Wert der Neuemission (Ausgabekurs mal Anzahl der Aktien), wenn eine Firma an die Börse geht und Aktien erworben werden. Und dem zusätzlichen Wert bei einer späteren Kapitalerhöhung, solange auch das Anlagevermögen erhöht wird und die Aktie nicht „verwässert“ wird. Die ganzen Gelder, die in den Aktienmarkt fließen und die Kurse erhöhen, sind Scheingewinne, die erst bei einem erfolgreichen Verkauf realisiert werden; Näheres siehe hier: „Üblicherweise übersteigt die Marktkapitalisierung eines Unternehmens den Buchwert bei weitem, weil Unternehmen an der Börse danach bewertet werden, welche Gewinne von ihnen in Zukunft erwartet werden, nicht jedoch danach, inwieweit die aktuellen Vermögenswerte des Unternehmens seine Verbindlichkeiten und Rückstellungen übersteigen. Gibt es bezüglich der Gewinnerwartungen einer ganzen Branche zu optimistische Einschätzungen, dann kann die Marktkapitalisierung auch von kleinen Unternehmen sehr hoch sein; bei der Dotcom-Blase war dies der Fall.

Langfristig sind wir alle tot…

Auch bei Wirecard beruhte die Aktienhausse auf einem Luftschloss, sprich: auf Geld, das es nicht gab. Und auf solch einem Mechanismus soll das Geschäftsmodell für eine durchschnittlich 30 Jahren entfernten Zukunft gebaut, darauf also soll vertraut werden? Ist die „Kapitaldeckung“ dann überhaupt noch vorhanden? Ist dies nicht ein Kartenhaus, das zudem auf Sand gebaut ist? KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher wiegelte in einem Interview mit “meiner” hiesigen Regionalzeitung ab, man müsse eben „Altersvorsorge mit Innovation verknüpfen“ und der Anlagehorizont müsse nur lange genug sein. “Lange genug” ist das Stichwort: langfristig sind wir alle tot – und brauchen keine Altersversorgung mehr. Zum Abschluss eine Vergleichsrechnung zur Leistungsfähigkeit der beiden Systeme: Einmalig 1.000 Euro Beitrag in die Gesetzliche Rentenversicherung (entsprechend 5.376,34 Euro Bruttoverdienst) einbezahlt erbringt eine Jahresrente von rund 50,70 Euro (Bruttoverdienst durch Durchschnittsverdienst aller Versicherten mal Aktueller Rentenwert mal 12). Die Renten werden an die Einkommensentwicklung angepasst und dynamisiert. Bei 3 Prozent Erhöhung sind das etwa bei einem Rentenbeginn in 20 Jahren 91,57 Euro im ersten Rentenjahr. Bei 20 Jahren Rentenbezug wären das bei weiterer Dynamisierung von 3 Prozent – 1 Prozent über dem Inflationsziel der EZB –, insgesamt also 2.461 Euro Rente für den Beitrag von 1.000 Euro vor 30 Jahren.

Nun fragen Sie Ihren Politiker und Anlageberater, ob diese eine solche Ablaufleistung wie die Gesetzliche Rentenversicherung, einschließlich des vollen Schutzes bei Erwerbsminderung (!) und zusätzlich einer etwaigen Hinterbliebenenrente, für nur 1.000 Euro Beitrag garantieren werden?! Eine seriöse Bank würde für die bekannt vagen Offerten der Anbieter von Produkten einer kapitalgedeckten Altersversorgung wahrscheinlich keinen Cent Kredit gewähren…


Im nächsten Beitrag zum Thema wird es um die populistische Forderung gehen, die Beamten in die Rentenversicherung einzubeziehen und zu glauben, damit werde gut – und wie dieser Plan dennoch technisch umsetzbar wäre.

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3 Antworten

  1. Was soll das ganze Expertengedöns.
    Bis jetzt ist noch keine Regierung, egal welcher Gesellschaftsordnung mit dem Geld was die von den Bürgern eingetrieben hat, sorgsam umgegangen. Es hat es immer nur benutzt um die politischen Ziele der Regierenden durchzusetzen. Der Bürger ist immer der Gekniffene. Deswegen gab es, von mir, nie eine Mark freiwillig an den Staat oder Versicherungen. Anlagen fast immer gegen den Trent. geschäftlich und privat.
    Es dauerte eben mal über 30 Jahre bis sich die Rendite einstellte.
    Langfristig vorausschauen, privat und betrieblich, nicht nur inkompetent bis zur eigenen Nasenspitze und vergangenen Wohlstand besonders im Westen nachtrauern. Der kommt nicht wieder. Mal die eigene Rübe anstrengen und den Beratern die kalte Schulter zeigen.

  2. Alle Jahre wieder wird in Deutschland über die Renten diskutiert. Dabei sind die Rentner seit Jahren Schritt für Schritt immer schlechter, ÄRMER gestellt worden. Was besonders für diejenigen ärgerlich ist, die zig Jahre treu und brav in die RV eingezahlt haben. Niemals habe ich in vergleichbarer Intensität Debatten über die Beamtenpensionen vernommen. Also eine großzügige Altersversorgung, in die die „Versorgten“ keinen Cent einzahlen müssen. Eine drastische Deckelung der Bezüge bei € 3000,- brutto wäre der erste Schritt und sofort Beginn der EINZAHLUNG!!!!

    Ein Versprechen eines Lügners, da kann ich nicht mal mehr lachen. Wer Pinocchio Merz noch glaubt, sollte zum Arzt–Psychiater!!!!…..Reform „versprechen“ ab 2032. Das ist die deutsche Politik und das Volk. „Geh Jockele, geh Du voran, damit ich hinter Dir mutig sein kann.“ Einmal abgesehen davon, dass Friedrich Merz schon lange vorher aus dem letzten Loch pfeifen wird, vermutlich schon 2026 Geschichte sein wird, ist das eine weitere Bankrotterklärung aus Berlin. Nun sollte auch der letzte Wähler, der diesen Mann noch als Hoffnungsträger sah, verstanden haben, dass es ihm nur um sich selbst geht.

    Sollte Gott auf das deutsche Wählervolk „HIRN“ regnen lassen dann fliegt das Großmaul Merz schon viel früher als Kanzler auf die Schnauze! s` isch Zeit, Andreas Hofer Tirol!!!