Rentenreform: Die Kommission liefert wie bestellt

Rentenreform: Die Kommission liefert wie bestellt

„Die könnten doch auch noch arbeiten…“: Rüstige Rentner in Deutschland (Symbolbild:Imago)

Von den 33 Punkten, die die Rentenkommission der Bundesregierung als “Empfehlungen” vortrug, sorgten einige für hitzige Debatten in der Öffentlichkeit. Einige davon sowie die wichtigsten Aspekte hierzu sollen in diesem Beitrag kommentiert werden. Eine zentrale These lautet, die Leute werden immer älter und es gebe immer weniger Beitragszahler. Die Behauptung hinsichtlich der Beitragszahler war bisher – statistisch klar widerlegt – falscher als falsch: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nahm etwa seit dem Jahr 2000 von 27,8 Millionen um über 7 Millionen auf 34,9 Millionen zu. Soll man jemandem glauben, der die Leier der „immer weniger Beitragszahler“ spielt und für die Zukunft das Gegenteil behauptet? „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, wer unentwegt lügt ist ein Scharlatan. Wird den zugewanderten Ausländern mit ihren vielen Kindern unterstellt, dass sie nicht arbeiten und keine Rentenversicherung zahlen werden? Die These, man müsse das Rentenalter der steigenden Lebenserwartung anpassen, unterstellt, dass dies bisher versäumt wurde. Das Gegenteil ist richtig, denn die Regelaltersgrenze wurde ab dem Jahr 2012 stärker angehoben als das Sterbealter zunahm. Für die Rentenversicherung ist nicht die Lebenserwartung ab Geburt, sondern die „weitere Lebenserwartung“ ab dem Alter 65 maßgebend, weil vorher gar keine Altersrenten gezahlt werden, oder nur mit Abschlägen. Aber: seit dem Jahr 2021 stagniert das Sterbealter nahezu (auch die noch weiter gesunkene Geburtenrate seit Corona ist ein Rätsel).

Die Regelaltersgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung wurde durch das sogenannte „Rente mit 67“-Gesetz wegen der steigenden Lebenserwartung schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Die Anhebung begann 2012 für den Jahrgang 1947 und ist mit dem Jahrgang 1964 abgeschlossen. Zunächst stieg die Altersgrenze um einen Monat je Jahrgang, ab dem Jahrgang 1959 sogar um zwei Monate je Jahrgang. Für alle ab 1964 Geborenen gilt schon die Regelaltersgrenze von 67 Jahren. Und diese Rentenaltersgrenze soll jetzt noch weiter angehoben werden? Immerhin soll das Rentenalter nun über 10 Jahre hinweg nur noch um ein halbes Jahr steigen, also alle zwei Jahre um einen Monat. Diese Anhebung ist moderater als die bisherigen und wohl ein Eingeständnis, dass die Menschen nicht mehr in dem Maße wie früher älter werden. Aber Erhöhung ist Erhöhung – obwohl im europäischen Ausland mit nur zwei Ausnahmen weniger lang gearbeitet wird als in Deutschland. Haben die selbstherrlichen Rentenreformer die Jungen gefragt, wie lange sie einmal arbeiten wollen? Die aktuelle Yougov-Umfrage wurde vom “VersicherungsJournal” zusammengefasst und ist unbedingt anschauenswert.

Erst zum Bestatter vor der Rente?

Ein Ergebnis der Umfrage deutet auf einen deutlichen Kontrast zwischen Erwartung und Wunsch hin: Die 18 bis 35-Jährigen rechnen im Durchschnitt damit, erst mit 69 Jahren ab-schlagsfrei in Rente gehen zu dürfen. Würden sie frei entscheiden können, läge ihr gewünschtes Renteneintrittsalter hingegen bei durchschnittlich nur 60 Jahren. Will die Politik wirklich über die Köpfe der Jungen hinweg heute entscheiden, wie lange diese einmal zu arbeiten ha-ben? Befürchten die heutigen Machthaber nicht, dass die nächste Generation eher die Flucht ins Ausland antritt, als sich durch Arbeit vernichten zu lassen? Wie das gehen soll, später berufstätig zu sein und früher aufhören zu wollen, ist in 20 oder 30 Jahren deren Sache, nicht die unsere. Sogar die „Rente für besonders langjährig Versicherte“ soll abgeschafft werden, die bis zum heutigen Tag unter dem falschen Etikett „Rente mit 63“ verkauft wird, von der Politik herauf bis zu den Medien hinunter. Aber es gibt keine Rente mit 63 mehr, selbst nach 45 Beitragsjahren nicht. Die Idee, statt dem Lebensalter die Beitragsdauer über den Rentenzugang entscheiden zu lassen, wurde offensichtlich verworfen. Von denselben Herrschaften, die wahrscheinlich erst mit 30 etwas Produktives (wenn man das Politikerleben überhaupt so bezeichnen will) zu tun begannen und keine 45 Arbeitsjahre erreichen würden – und weil sie von den besonders langjährigen Beiträgen selbst keinen Nutzen hätten, soll diese Rente für Normalsterbliche gestrichen werden. Als Ersatz für die Arbeit bis ins hohe Alter ist eine Regelung angedacht, damit jene ausgenommen werden, die nicht bis zum bitteren Ende malochen können. Doch für diesen Fall gibt es ja schon jetzt die Erwerbsminderungsrente. Sollen dann alle körperlich Angeschlagenen vorher den Arzt oder Bestatter aufsuchen müssen, um vor 70 den Hut nehmen zu dürfen?

Der flexible Renteneintritt unter Hinnahme von Rentenabschlägen scheint der Vergangenheit anzugehören. Wäre es jedoch nicht vernünftiger, die Abschläge vernünftiger festzusetzen?! Denn diese stimmen versicherungsmathematisch nicht. Gehen wir von 20 Rentenbezugsjahren aus, also von 240 Monaten, dann wäre der korrekte Abschlag 0,417 Prozent (1/240). Jedoch werden pro Monat vorzeitigen Rentenbezug nur 0,3 Prozent abgezogen, wodurch die gesamte Rentensumme trotz des Abschlags höher ist, als wenn bis zur regulären Altersgrenze ohne Abschläge gearbeitet wird. Dass die 0,3 Prozent nicht stimmen können, müsste selbst den Laienrechnern der Kommission vermittelbar sein, weil der Zuschlag für jeden Monat des Weiterarbeitens über die Altersgrenze hinaus bisher mit 0,5 Prozent Rentenerhöhung vergoldet wird. Warum wird der Abschlag nicht auf 0,4 Prozent geändert und damit weiterhin ein flexibler Rentenbeginn ermöglicht?

Kneifen bei den Beamten

Der Rentenbeitrag wird sinken” erzählt Kanzler Merz; tatsächlich wird er aber von 18,6 Prozent mit dem zweiprozentigen Kapitaldeckungsbeitrag auf 20,6 Prozent angehoben. Das sind mehr als er schon einmal mit 20,3 Prozent war, aber für die Beschäftigten immerhin weniger als der hälftige Arbeitnehmerbeitrag von 9,3 Prozent plus 4 Prozent Riester-Sparen. Ob die Hoffnung auf eine bessere Kapitalrendite aufgeht, muss sich erst noch zeigen. Dass „Geld arbeitet“ ist ein weit verbreitetes Märchen. Sowohl umlagefinanzierte Renten als auch Erträge aus Kapitalrentenfonds, müssen letztlich aus dem gleichen Bruttoinlandsprodukt aufgebracht werden. Und die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung zeigt, dass die Basis für die Umlagefinanzierung – der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen – zugenommen hat, während der Anteil aller anderen Einkommen abgenommen hat. Nach der Wende 1991 betrugen die Arbeitnehmereinkommen noch das 2,34-fache der Vermögenseinkommen; bis 2025 stieg deren Anteil auf das 3,06-fache. Umgekehrt sanken die Vermögenseinkommen, in denen Dividenden und Zinsen enthalten sind. Wie wird das weitergehen? Wie gerissen unser Pinocchio-Kanzler ist, zeigte sich am Freitag, als er sagte: „Ich habe mich geärgert, dass ich nicht selbst darauf gekommen bin“ – gemeint ist die verpflichtende Kapitalrente, heuchelt der Ex-BlackRocker.

Kommen wir zu den nicht beitragsgedeckten Leistungen. Solche Leistungen ohne Beitragsbezug sollen fortan transparenter als „Bundesanteil“ ausgewiesen und künftig stärker durch Steuermittel finanziert werden, lautet der Punkt 17 von 33. Würde das wirklich getan, könnte man sich die Einschnitte bei der Rentenversicherung gänzlich sparen. Man wird sehen, was daraus wird. „Die Kommission sieht eine Erwerbstätigenversicherung, in die neben abhängig Beschäftigten auch Selbständige, Beamte, Abgeordnete und Vorstände von Aktiengesellschaften einbezogen sind, als Idealbild der Alterssicherung an“, so der Kommissionsbericht. Doch ausgerechnet bei den Beamten kniff die Kommission – und die Politik wohl noch mehr; das mit den Beamten sei nunmal “so schwierig”, heißt es aus der Koalition. Der Autor zeigte bereits im Januar 2026, wie es gehen könnte, wenn man nur wollte.

Der “Auftragsmord“ an den Minijobs

Auch geringfügig Beschäftige mit Minijobs sollen den Kommissionsplänen zufolge in die Gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden; ihr steuer- und sozialversicherungsrechtlicher Sonderstatus soll abgeschafft, die bisherige Rentenarmutsfalle soll geschlossen werden. Ausnahmen sollten nur noch für Schülerinnen und Schüler vorgesehen werden. „In der Folge erübrigt sich auch die gesonderte Berechnung der beitragspflichtigen Einnahmen im sog. Übergangsbereich (Midijobs)“, schreibt die Kommission wörtlich. Dieser Punkt stößt absehbar auf den heftigsten Widerstand. Arbeitgeber bestimmter Branchen jammern schon, obwohl ihre Lohnnebenkosten für diese „Billigjobs“ (?) zwischen 32 und 33 Prozent liegen. Im Normalfall sind es 21 Prozent, in Privathaushalten nur 14,6 Prozent. Es sind eigentlich die Beschäftigten, welche diese Jobs „Brutto für Netto“ wollen – am liebsten „bar auf die Tatze“. Wenn es der Kommission tatsächlich um die Rentenversicherung ginge, könnte einfach das Recht auf die bisher mögliche Befreiung auf Antrag gestrichen werden. Wer wohl hinter diesem geplanten „Auftragsmord“ an den Minijobs steckt…?

Was aus den 33 Vorschlägen nun wird, wird sich zeigen. Bas und Merz wollen das „Gesamtkunstwerk“ gar nicht erst aufschnüren, sondern es als Paket komplett durchziehen – ohne parlamentarische Debatte, ohne Beratung. Wozu braucht man dann eigentlich noch einen Bundestag? Vielleicht hätte man die „kunstschaffende“ Rentenkommission einfach nur auf Bildungsurlaub nach Österreich oder in ein anderes Vorzeigeland in puncto solider Altersfinanzierung schicken sollen, um sich dort an- und vor allem abzuschauen, wie eine vernünftige Rentenpolitik aussehen kann.

19 Kommentare

  1. Aussagen zum Thema Renten gegenüber sollte man sehr kritisch sein. Vor allem weil man sich hier entschieden hat, Migration aus Nahost und Afrika zu fördern und diese Leute direkt in die Sozialsysteme zu bringen.

  2. von anderen Ländern etwas lernen oder übernehmen? Neeeeeiiiiin!!! Wir wissen alles besser und haben die Weisheit mit Löffeln gefressen.

  3. WIe üblich nicht mal die halbe Wahrheit, wenn überhaupt so viel. Wer hat die Renten von Kapitaldeckung auf Umlagesystem umgebaut? Na, da wurde auch Geld entnommen und nie Zurück gezahlt an Wen und welche Summen? Dann nehmen wir doch mal die Teufel-Tabelle. Da wurden wegen Wahlgeschenken massiv Gelder aus dem eigentlichen Rentenfond für alles Mögliche entnommen. Das Geld wurde nicht bzw. nicht vollständig aus dem Staatshaushalt eingezahlt. Die Staatsdiener wurden natürlich mit den Beamtenpensionen gekauft und ruhig gestellt und dies mit einer immer größeren Ausweitung. Von den sonstigen Pensionssystemen für die politischen Verursacher – kein klares Wort mit Zahlen im Artikel. Subjektiv geht es doch nur um das finanzielle Abschlachten der einfachen Menschen, welche diesen Staat ein Leben lang aufgebaut haben. Man sollte diesen Menschen vollumfänglich die Augen öffnen, damit vielleicht die zukünftige Wahlentscheidung sich ändert von „es wird schon irgend wie weiter gehen“ auf „die Schmerzgrenze ist überschritten“.

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  4. Steuerfinanzierte Grundrente als Basisrente, vielleicht mit Beitragszahlungen kombiniert! Beamtenverhältnisse nur noch innerhalb des Kernbereiches staatlicher Hoheit! Polizei, Justiz und Co!

  5. Wenn das Volk tatsächlich etwas zu bestimmen hätte, würde es über diese „Reform“eine Abstimmung geben.

    Das Volk hat aber nichts zu bestimmen.
    Das ist die hochgelobte Demokratie, eine Verarschung der Bürger.
    😜

  6. Wenn alle Gewerbetreibende in die Rentenkasse einzahlen sollen, dann gibt es ein Kahlschlag bei den Kleinen. Bei den Dienstleistungen fallen viele weg. Jetzt zahlen schon viele nicht ein, weil sie es nicht können, sonst wären sie in der Insolvenz. Dadurch das sie keine Sozialbeiträge gezahlt haben und das auf die Preise weiter gegeben haben die damit kalkulatorische Kosten gespart und haben die damit die Preise für die regulären Handwerksbetriebe versaut.
    Ich selbst konnte nur, wie gesetzlich vorgesehen, für die 2 Jahre nach der Vereinigung, den halben Rentenbeitrag zahlen. Dann bin ich auf den Mindestbeitrag umgestiegen. Auch habe ich den mindesten Krankenkassenbeitrag gezahlt. Hätte ich das nicht können was mir schwer fiel hätte ich die Bude dicht gemacht.
    Ich kannte etliche die überhaupt nicht versichert waren. Auch nicht privat und sind trotzdem Pleite gegangen.
    Jetzt hat sich der Rote Neidfaktor durchgesetzt. Die Zahl der Sozialhilfe Empfänger wird explodieren. Wieder mal zu kurz gesprungen. Die Geldwäschegeschäfte und Illegalen werden trotzdem weiter erhalten bleiben.
    Meine zusätzliche Altersvorsorge habe ich nicht durch den Gewinn meiner Firma erwirtschaftet sondern weil ich in den 90iger Jahren das vorhandene Geld gewinnbringend angelegt habe und nicht sinnlos, wie auf Anraten von Beratern in die Firma gesteckt. Jetzt kann ich mir mal was über das Nötigste hinaus leisten und muss keine Flaschen sammeln. Wie lange noch. Wohngeld soll ja auch zusammen gestrichen werden. Die Rücklagen werden dann schnell schrumpfen. Das ist die nackte Wahrheit.

  7. Der Flickschuster Merz und seine
    Änderungsschneiderin Bas haben
    mal wieder gewirkt.

    Ist jemanden bekannt, dass in
    Berlin die größte Orgel der Welt
    steht.

    Ja. Es ist der Bundestag.

    Viele Pfeifen.

  8. Interessantes Thema. Die Rente gibt’s dank Bismarck und hat sich die meiste Zeit in ihrer Form bewährt, bevor ein paar Klugscheißer mit Parteibuch, die bekanntlich ALLES besser wissen, daran herumgeschraubt haben. Was haben gierige Politikergriffel in der Rentenkasse zu suchen – Stichwort Fremdleistungen? Hätte man anständig mit anvertrautem Geld gewirtschaftet, hätte man die Probleme in Art und Umfang heute nicht. Beamte in die Rentenkasse? Rechte Tasche, linke Tasche – sonst nichts. Beamte sind nicht an der Wertschöpfung beteiligt, hier würde Steuergeld lediglich anders verbucht. Volkswirtschaftlicher Blödsinn. Zuerst gehören einigen Veranstaltungen im Lande der Geldhahn zugedreht und etliche Extrawürste radikal abgeräumt – und DANN ein Kassensturz gemacht. Und von dort aus sieht man weiter – oder auch nicht… .

  9. Die ganze Diskussion und alle bisherigen und kommenden Reformen werden sich nicht ändern. Die einzige Möglichkeit die Rente zu stabilisieren wäre die Aufnahme aller Beschäftigten, incl. Beamte und Politiker. Alles mit offener Beitragsbemessungsgrenze. Dann ist die Rente ganz schnell stabilisiert.

    1. „… Reformen werden sich nicht ändern“

      Das können sie auch nicht. Sie können nur geändert werden.
      😜

    2. Es müßte mehr Beschäftige geben aber die Wirtschaft wird mir Gewalt zerstört, Vorsatz.
      Den Niedergang kann man überall sehen und die Wirtschaft brummt wie Bolle, nur nicht in Doofland Deutschland dem Bevormundungsweltneuster.
      VW entlässt wohl 100.000 Leute und schließt 4 Werke…. usw

  10. Wenn die Bundesregierung Pläne für die Zukunft schmiedet (Klima, Rente) ist das wie Kaffeesatzlesen.
    Keiner kann die Entwicklung voraussehen, höchstens unser Heldenkanzler. (Bewerbung UN-Sicherheitsrat)
    (auch die noch weiter gesunkene Geburtenrate seit Corona ist ein Rätsel) Für mich nicht.
    Wenn Familien nicht mehr vernünftig planen können bleibt der Kinderwunsch als Erstes auf der Strecke.
    Wird jeder, der anspruchsberechtigt ist, versuchen seine Rente in‘ s Trockene zu bringen, solange
    es die gesetzlichen Maßnahmen noch erlauben.
    Die Milliarden für Rente, Bildung, Gesundheitswesen wären locker vorhanden, aber wer sein Steuergeld
    lieber nach Brüssel und Kiew überweist muss halt beim kleinen Mann sparen.
    Der sich das auch noch gefallen lässt