„Revolution“ im Krankenhaus-Sektor? Wie das Pferd von hinten aufgezäumt wird

Schon vor 15 Jahren protestierten Ärzte gegen das System der Klinikfinanzierung (Foto:Imago)

Mit dem am 2. Dezember 2022 beschlossenen „Krankenhausentlastungsgesetz“, das Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vollmundig als „nicht weniger als eine Revolution in der Krankenhausfinanzierung“ bezeichnet, soll der Ausstieg aus den diagnose related groups (DRG) oder Fallkostenpauschalen eingeläutet werden. Bizarr an dieser Geschichte ist die Tatsache, dass einst eben dieser jetzige Minister gemeinsam mit seiner damaligen Amtsvorgängerin und SPD-Genossin Ulla Schmidt in den Jahren 2003 und 2004 der Schöpfer dieses Systems war.

Dabei sind die Nachteile dieses Finanzierungssystems seit langem bekannt. Es ist dafür verantwortlich, dass die Spitaleintritte extrem zugenommen haben. So zeigt ein Gutachten des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) aus dem Jahr 2012, dass seit Einführung der Fallpauschalen die Zahl der behandelten Fälle gestiegen ist – und zwar so stark, dass sich dieser Anstieg mit einer immer älter und kränker werdenden Bevölkerung allein nicht erklären lässt. Einer der Hauptgründe liegt in einem handwerklichen Fehler dieses Systems. Wurden bei der Untersuchung eines Patienten vor der Einführung der DRG mehrere Diagnosen festgestellt, dann wurden diese „Fälle“ – wann immer durchführbar – gleich mitbehandelt. Dieses ist mit DRG nicht mehr möglich, da stets nur die Hauptdiagnose in der Fallkostenpauschale bezahlt wird. Der Patient muss dann zur Behandlung der Nebendiagnosen wieder neu eintreten, und somit wird jedes Mal ein neuer Fall eröffnet.

Rosinenpicken und Unterversorgung

Weitere Fehlsteuerungen des Verfahrens waren vorprogrammiert. Eine Untersuchung der Universität Düsseldorf weist auf das sogenannte Upcoding hin: Krankenhäuser gruppieren demnach Patienten unter Umständen in Diagnosegruppen ein, die besser vergütet werden. Ein weiterer riesiger Nachteil dieser Art der Krankenhausfinanzierung zudem ist das Rosinenpicken, denn die Fallkostenpauschalen bewirken, dass von den Krankenhäusern nur noch finanziell attraktive Disziplinen abgedeckt werden. Unrentable Kliniken wie etwa die Gynäkologie oder Pädiatrie werden oftmals nicht mehr angeboten, womit mit Unterversorgung im großen Stil zu rechnen ist.

Den Vogel hat Bundesgesundheitsminister Lauterbach im ZDF am 16. Dezember 2022 abgeschossen. Dort forderte er, dass pro Jahr mindestens 5.000 zusätzliche Ärzte ausgebildet werden müssen. Hier liegt ein offensichtlicher Realitätsverlust vor – und das Pferd wird nun definitiv von hinten aufgezäumt: Denn Fakt ist, dass nicht zu wenige Ärzte ausgebildet werden. Sondern sie laufen einfach weg! Zum Beispiel in die Schweiz. Wie das Portal „Praktischarzt” für das Jahr 2019 ausweist, stammen 53,4 Prozent der ausländischen Ärzte dort aus Deutschland. In absoluten Zahlen sind das 7.347 Mediziner – bei einer Gesamtzahl von 37.882 Medizinern in der Schweiz.

Deutschland finanziert die Ärzteausbildung fürs Ausland

Somit wurden 20 Prozent aller Ärzte der Schweiz in Deutschland ausgebildet. Ähnliche Daten sind auch aus Großbritannien bekannt. Bildet Deutschland nun einfach mehr Mediziner aus werden einfach mehr das Land verlassen und sich in attraktiveren Destinationen niederlassen. Als weitere Komponente in diesem Trauerspiel sind die finanziellen Aspekte zu betrachten: Geht man – niedrig geschätzt – davon aus, dass die Ausbildung eines Arztes das Gemeinwesen rund 1 Million Euro kostet, kann man sehen, dass der Schweiz dank der deutschen Ärzte und dem ihre Ausbildung ermöglichenden deutschen Staat über 7 Milliarden Euro erspart bleiben.

Fazit: Diese sogenannte „Revolution“ im Krankenhaussektor wird den Bedürfnissen des Gesundheitswesens in keiner Weise gerecht. Viel mehr als einen Schritt in die richtige Richtung ist es nicht – doch hier müssen noch sehr viele Hausarbeiten gemacht werden!

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11 Kommentare

  1. Alles was dieser Menschenschinder angepackt hat,
    ist zum Nachteil der Bürger geworden.

    Solche Typen hat man vor Jahrzehnten noch in der
    „Klappse“ untergebracht.

    12
    • Früher war alles anders, da wären solche inkompetenten Talk Show Stars, die hinter jeder Hecke Gefahren gesehen haben und die uns mit dem Gefühl der Angst manipulierten, auch nicht zu einem Regierungsminister aufgestiegen. Aber die Ampel macht die DDR wieder lebendig. Und zwar als Deutsche Deppen Republik. Anders kann man die Zustände im Land der Dichter und Denker gar nicht mehr formulieren. Deutsche Politiker, die alles deutsche hassen, schaffen Deutschland ab und zwar die, die die gleiche Farbe haben wie der Islam: Grün !

    • mit Verlaub sie sind ein Idiot…
      …„Eine Schande, dass eine kleine Gruppe von Chaoten gerade die Rettungskräfte angreift.
      Ich danke allen, die Verletzten und Kranken in dieser Nacht geholfen haben. Rücksichtslose
      Gefährdung der Rettungskräfte sollte ein Grund zur Kündigung der Wohnung sein.“

      Mag man den beiden ersten Sätzen noch vollumfänglich zustimmen – niemand hat Verständnis für solche Untaten, so ist der dritte Satz eine Entlarvung. Das Strafrecht sieht einen Rausschmiss aus der Wohnung, also ein Obdachlos-Machen, als Strafe nicht vor. Was der Minister hier anregt, ist also nichts anderes als eine dubiose Bestrafungsphantasie.
      ….. klein adolf erfreute sich bestimmt darüber….

  2. Es ist bezeichnend, dass Lauterbach selbst von seinem tatsächlichen Studienfach – Public Health – keine Ahnung hat. Übrigens haben wir heute den 1.1.2023. Wo ist die von ihm bis Jahresende 2022 im April vorausgesagte „Killervariante“ des Coronavirus eigentlich geblieben?

  3. So lange man an kranken und für krank erklärte Personen mehr verdient als an deren Gesunderhaltung wird sich nicht viel änderen.

    Spannend wäre es ja, wenn man aufgrund einer festgelegten Personenanzahl die Vergütungen festgesetzt würden. Würden die Kranken durch kompetente Behandlungen seltener krank und schneller gesund, könnte das Klinikpersonal mangels hohen Krankenstandes sich in Gruppen zum Golfen oder Theaterbesuch treffen.

    Dass man an Krankheiten und gesteuerten Behandlungsschritten durchaus auch mehr verdienen kann oder gar muss (!) und nicht durch Heilungserfolge ist „krank“. Hohe Renditen für die Betreiber sorgen für einen eigenen Markt, obwohl Gesundheit kein käufliches oder verkäufliches Gut, sondern eine Gemeinschaftsaufgabe ohne Gewinnabsichten sein sollte.

  4. ach was – den Weißkitteln geht es nur um ihre eigene Kasse – ginge es denen um die Gesundheit ihrer „Kunden“, dann hätten sie vor 2 Jahren die „politische Pandemie“ ablehnen müssen, statt mitzumachen !
    Würde mich mal interessieren, wie viele von diesen Weißkitteln sich selbst die echte mRNA-Spritze haben setzen lassen. Ich vermute mal, nicht allzu viele. Aber das Experiment mit den anderen machen gegen Kasse, da haben die meisten nicht gezögert.
    Und zum Hohn hat auch mehr als einer zugegeben, daß er die Kinder nicht zum eigenen Schutz spritzt, sondern nur um sie in ihrer sozialen Freiheit zu beschützen, weil das Regime die Kinder zur Spritze terrorisiert – und da haben sie sich auf Kosten der Kindergesundheit gerne unterworfen.
    In Deutschland muß nicht nur Politik und Justiz, auch die Medizin von den Corona-Fanatikern und ihren Profiteuren gesäubert werden.
    Und jeder Tag, den diese Aktion verschleppt wird, kostet Unschuldige Leben und Gesundheit !
    Sicher ist Lauterbach einer der übelsten – aber die Weißkittel haben in großer Mehrheit mitgemacht.
    Für die Zukunft wird es ein Kompetenzmerkmal sein, wegen CORONA-Widerstand gefeuert zu sein – während alle, die mitgemacht haben, nicht weiter vertrauenswürdig sind.

    Irgendwo habe ich gerade gelesen : die „Pandemie“ ist ein Medienprojekt – es sind die Medien, die mit ihrer Hetze und Zensur den Pandemie-Terror in Betrieb halten und unterstützen. Mag sein, aber die Medien sind nur die Mietmäuler der Finanzelite – finanziert von Gates, Soros und den Young Leaders des Regimes – letztlich als von den NGO des WEF .
    Die „Medien“ sind keine eigenständigen Geister – nur Handlanger – deshalb ist die Einstufung als „Medienprojekt“ nicht zutreffend.

    12
  5. Gesundheitssystem: In der Fortschrittsfalle
    Dtsch Arztebl 2002; 99(38): A-2462 / B-2104 / C-1970

    https://www.aerzteblatt.de/archiv/32976/Gesundheitssystem-In-der-Fortschrittsfalle

    ………….“11. Der Wettbewerb zwingt zur Erschließung neuer Märkte. Das Ziel muss die Umwandlung aller Gesunden in Kranke sein, also in Menschen, die sich möglichst lebenslang sowohl chemisch-physikalisch als auch psychisch für von Experten therapeutisch, rehabilitativ und präventiv manipulierungsbedürftig halten, um „gesund leben“ zu können. Das gelingt im Bereich der körperlichen Erkrankungen schon recht gut, im Bereich der psychischen Störungen aber noch besser, zumal es keinen Mangel an Theorien gibt, nach denen fast alle Menschen nicht gesund sind. Fragwürdig ist die analoge Übertragung des Krankheitsbegriffs vom Körperlichen auf das Psychische.“

    Verfassers (im Sept. 2022 verstorben):
    Prof. Dr. med. Dr. phil. Klaus Dörner
    20251 Hamburg

    Schon 2002 plante dieser Irre, Menschen krank und von der Pharma abhängig zu machen.

    Hat Lauterbach ihn gekannt und hat er sich den Punkt 11. auf seine persönliche Fahne geschrieben und handelt danach?

    • Eugen Roth hat schon vor langer Zeit geschrieben: „Was bringt den Arzt um sein Brot? a) die Gesundheit b) der Tod. Drum hält der Arzt, auf daß er lebe, den Patienten zwischen beidem in der Schwebe“.

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