Montag, 24. Juni 2024
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Russisches Heldengedenken: Der Präsident und seine Lektion vom „schönen Tod“

Russisches Heldengedenken: Der Präsident und seine Lektion vom „schönen Tod“

Große Siegesparade in Moskau am 9. Mai 2024 (Foto:Imago)

Wenn Ereignisse mit eher rituellem Charakter und damit vorhersehbarem Ablauf zu reden geben, dann ist das schon etwas Besonderes. Dies konnte der Beobachter der großen Parade der russischen Armee auf dem Roten Platz in Moskau am 9. Mai dieses Jahres erkennen. Es hatte den Anschein, als würde alles rascher ablaufen als in den vergangenen Jahren. Es soll an der Kälte gelegen haben, die Russland in diesen Tagen heimgesucht hat. Andere sagen, dass diese Parade etwas bescheidener ausgefallen ist, um den Abstand an Propagandawirkung zu der Parade im nächsten Jahr zu erhöhen, die zum 80. Jahrestag des Sieges über die Deutsche Wehrmacht stattfinden soll – und mit einer monumentale Demonstration einstiger wie gegenwärtiger Macht die Verbündeten des großen Krieges (wie natürlich auch die besiegten Nationen) beeindrucken soll. Es hat auch Äußerungen gegeben, wonach eine allgemeine Unruhe in der Armee zu spüren sei, die ihre Ursache in kurz zuvor vorgenommenen Verhaftungen wegen des Verdachts auf Korruption in der Führung hatte.

Diese Parade ist für die Machthaber im Kreml das wichtigste Ritual des Jahres und hat über die Jahrzehnte hinweg neben einem politischen inzwischen auch einen nahezu sakralen Charakter angenommen. Auch in diesem Jahr hat der Präsident eine Rede gehalten, in der er von der überragenden Tapferkeit der sowjetischen Soldaten, in neuerer Zeit sind es russische Soldaten, der Offiziere und der kühnen Generalität gesprochen hat, denen der Sieg über die Deutsche Wehrmacht zu danken sei. Er sprach auch davon, dass die Wahrheit über den Zweiten Weltkrieg verzerrt wird, weil sie jene stört, die es gewohnt sind, ihre Kolonialpolitik im Wesentlichen auf Lügen und Heuchelei aufzubauen. Unter Verweis auf den Ukraine-Krieg sagte er, dass der Westen die Lehren des Zweiten Weltkrieges vergessen möchte.

Nostalgische Erinnerungen an einstige Weltgeltung

Es gibt wohl kaum ein Ritual in neuerer Zeit, das derart mit historischem Ballast befrachtet ist wie diese jährliche Parade am 9. Mai in Moskau und es wird mit zunehmendem zeitlichen Abstand von den tatsächlichen Ereignissen immer deutlicher, dass es sich dabei um ein Ritual der Beschwörung handelt. Mit viel Pathos werden die Ereignisse von einst beschworen, jedoch verrät ein genauerer Blick, dass diese Parade auch ein mit nostalgischen Erinnerungen an einstige Weltgeltung verbundenes Ritual der Selbstvergewisserung sein soll. Dass der Westen mit seiner Unterstützung während des Krieges Stalins Regime gerettet und ihm dadurch zur Weltmacht verholfen hat, war immer auch ein starkes Signal an die eigene Bevölkerung, dass sie als Untertanen, ungeachtet aller Gemeinschaftsrhetorik, nur die Gefangenen des Imperiums waren.

Dieses Signal kann nun nicht mehr gegeben werden, jedoch gewinnen mit dem sichtbar gewordenen Verlust einstiger Weltgeltung die Erzählungen über die Vergangenheit an Bedeutung. In Russland hat es stets Zweifel an den amtlichen Darstellungen und Deutungen der Geschichte gegeben, aber auch ein striktes Festhalten daran in jenem Milieu, das die Führung im Land beansprucht. Die Erzählungen von dem großen Krieg waren stets getragen von dem Beschwören einer grossen Gemeinsamkeit, einst war es die Gemeinsamkeit der Völker der Sowjetunion im gemeinsamen Kampf gegen den Westen, nun ist es die Gemeinschaft der Völker Russlands und es zeichnet sich immer stärker ab, dass das Beschwören der Kriegsereignisse das Fehlen einer Staatsidee kaschieren soll. Eine Staatsidee braucht historische Tradition und ein einigermassen tragfähiges und konsistentes Geschichtsbild.
Dass es dieses Geschichtsbild in Russland nicht gibt ist eine Tatsache, die zwar nicht neu, aber immer wieder einen Grund darstellt, eines zu konstruieren, das den jeweiligen Machthabern etwas wie Machtlegitimation verleihen soll und so ist bereits vor einigen Jahren die Geschichte Russlands ein Lieblingsthema des Präsidenten geworden.

Zerstörung des historischen Gedächtnisses

Dazu dürfte als ein wesentlicher Deuter der Vergangenheit in der Umgebung des Präsidenten beigetragen haben: Sein Assistent Vladimir Medinsky, der auch Vorsitzender der Russischen Militärhistorischen Gesellschaft ist. Er hatte auch wesentlichen Einfluss auf den Erlass des Präsidenten, der am Vortag der Parade von diesem unterschrieben wurde. Dieser Ukas Nr. 314 thematisiert die historische Bildung und gibt die Richtlinien für ihre Ausrichtung vor. Es lohnt sich schon ein genauerer Blick auf diesen Erlass, wenngleich er auch nur so überquillt von Ungereimtheiten und Widersprüchen. Als eine wesentliche Ursache für die Notwendigkeit eines solchen Erlasses wird in dem Dokument eine Krise der nationalen Identität ausgemacht, die unter anderem auch auf der Zerstörung des historischen Gedächtnisses beruht. Das erstaunt; denn auf allen offiziellen Kanälen und über die Jahrzehnte hinweg gab und gibt es kein Thema ohne einen historischen Bezug, insbesondere zu den Ereignissen vor, während und nach den zweiten Weltkrieg und wenn der Herr Präsident einem ausländischen Journalisten ein Interview gewährt, so wird erst einmal kräftig über die Historie des Landes monologisiert.

Ohne Geschichte ging noch nie etwas in Russland, die Bibliotheken quellen über von Dokumentationen und Erinnerungen zu unterschiedlichen Phasen an unterschiedlichen Plätzen des Landes, das Land ist übersät mit Stätten der Erinnerung, Denkmalen und Museen – und all dies soll eine Zerstörung des historischen Gedächtnisses nicht verhindert haben? Es werden Versuche ausgemacht, „die historische Wahrheit zu verfälschen und den Einsatz von Geschichtsfälschungen durch den kollektiven Westen als Waffe einzusetzen, um die russische Gesellschaft und den russischen Staat zu zerstören“, heißt es in dem Ukas weiter. Offensichtlich gibt es eine tiefergehende Krise der russischen Gesellschaft, als dem oberflächlichen Betrachter offenbar wird, wobei ein staatlich verordnetes Geschichtsbild als geeignetes Instrument gewählt wurde, diese Krise zu bekämpfen und den russischen Staat vor seiner Zerstörung zu bewahren.

Verfälschte Geschichte unter Stalin

Wer aber in der Geschichte Russlands bis in die Zeit der Sowjetunion zurückblickt, der sollte erkennen, dass die Machthaber im Kreml stets so ihre Probleme mit Darstellungen historischer Tatsachen hatten – gibt es doch eine Fülle von Ereignissen, die gar nicht anders wirken konnten, als ein jeweils amtlich vorgegebenes historisches Verständnis zu zerstören. Dass nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in die Sowjetunion im Juni 1941 das ganze Elend der Roten Armee sichtbar wurde und Stalin nach dem Krieg seinen Generalen verboten hatte, Memoiren zu verfassen, ist nur eines dieser von offizieller Seite Russlands gern verschwiegenen Details. Erst nach seinem Tod im Jahr 1953 wurde begonnen, die Ereignisse aus der Erinnerung der jeweiligen Kommandeure zu dokumentieren, da ein bedeutender Teil der Originaldokumente während der Kampfhandlungen verloren gegangen waren. Aus einer Vielzahl von Berichten, aber auch aus der bis in diese Zeit erschienenen deutschen Literatur, sowie aus einer Fülle weiterhin bestehender Lücken wurde im Jahr 1960 eine Zusammenfassung, als „Strategischer Plan des Großen Vaterländischen Krieges“ benannt, als ein internes Dokument für die sowjetische Armeeführung erstellt.

Ganze fünfzehn Jahre nach dem Kriegsende hatte also die sowjetische Generalität erstmals eine in systematisierter Form dargestellte, aber immer noch nur recht grobe Vorstellung davon, was sich im Krieg ereignet hatte. Bis heute gibt es von bestimmten Vorgängen nur oberflächliche Kenntnisse. Als beispielsweise die Deutsche Wehrmacht nach dem Einmarsch in der Ukraine überraschend schnell vorrückten, sprengten Angehörige des sowjetischen Innenministeriums (NKWD) den Staudamm des Kraftwerks von Saporoshje am 18. August 1941, um den weiteren Vormarsch zu behindern. Dazu gibt es lediglich einen verlässlichen Bericht des Leiters des Sprengkommandos, während die Berichte über die Auswirkungen spekulativ sind. Es gibt Aussagen, die von einer 20 Meter hohen Flutwelle berichten, von 100.000 toten Zivilisten und 20.000 toten sowjetischen Soldaten, die durch andere Aussagen bezweifelt werden. Verlässliche Angaben zu den Folgen dieser Sprengung gibt es bis heute nicht. Was erkennbar ist, ist eine chaotische Befehligung der verschiedenen Teile der Streitkräfte. Die Ereignisse um die Sprengung des Staudamms von Saporoshje lassen die Rote Armee als das erkennen, was sie damals war: Ein total desorganisierter Verband, was aber bis heute von der politischen Führung Russlands nicht thematisiert wird. Die durch dieses Chaos verursachten Opfer werden schlicht zu Helden erklärt, die mit glühendem Herzen für ihre Heimat gestorben sind. Keine weitere Diskussion!

Politisch erwünschtes Geschichtsverständnis

Es ist bis heute eine unerfüllte Aufgabe, den Kenntnisstand hierzu deutlich zu verbessern, aber auch zugleich die Diskussion über problematische Ergebnisse unter Kontrolle zu halten.
Die Darstellungen einer hingebungsvollen Selbstaufopferung des sowjetischen russischen Menschen für seine Heimat findet sich regelmäßig in offiziellen Verlautbarungen, was der Obrigkeit aber nicht ausreichend war. Daher hat es ebenfalls der Assistent des Präsidenten, Wladimir Medinski, bereits im vergangenen Jahr für erforderlich gehalten, ein neues Schulbuch zu verfassen, das – so muss angenommen werden – der Zerstörung der nationalen Identität entgegenwirken und jenes Geschichtsverständnis vermitteln soll, auf das es ankommt. Es ist ein Geschichtsbuch für die 11. Klasse und sicher das erste Schulbuch überhaupt, das in der Kanzlei eines russischen Präsidenten geschrieben worden ist. Wobei an diesem Lehrbuch vo allem das letzte Kapitel bemerkenswert ist: Es ist überschrieben mit „Russland heute. Die spezielle Militäroperation (SVO)“. In diesem Kapitel wird die Militärische Spezialoperation in der Ukraine (SVO) in einen historischen Kontext gerückt. Es ist neu, dass ein derart aktueller Vorgang bereits als historisch bedeutsames Ereignis bewertet wird.

Ein Absatz dieses Kapitels ist überschrieben mit: „Russland – ein Land der Helden“. Bei einer solchen Überschrift fragt man sich schon, ob Herrn Medinski klar ist, was er da feststellt. Unter dieser Überschrift werden 13 zu Helden erklärte: In der Ukraine gefallene Soldaten, die hier unter dieser Apostrophierung vorgestellt werden. Aus der Sicht des Autors sind es Helden; doch für die betroffenen Familien heißt es, dass jemand fehlt, der nie wiederkommt. Es ist schwer zu glauben, dass diese teils sehr jungen Russen – darunter auch vier junge Frauen – für jene “heilige russische Erde” in der Ostukraine gefallen sein sollen, die nun einfach zu ihrem Grab wurde. Aber die Führungskaste besteht nun gerade auf dieser Lesart; und dass der Tod nicht so schlimm ist, das hat der Präsident seinem Volk ja bereits wiederholt erklärt. In der Fernsehsendung „Direktverbindung mit Wladimir Putin” vom 17. April 2014 hatte er etwa ausgeführt: „Mir scheint, dass nur unser Volk mit dem Spruch ‘In der Gemeinschaft ist sogar der Tod schön‘ (на миру и смерть красна) geboren werden konnte. Wie kann das sein? Der Tod ist ein Graus. Nein, das ist er nicht. … Er bedeutet den Tod für deine Freunde, für dein Volk, in moderner Sprache, für das Vaterland. Das ist die tiefe Wurzel unseres Patriotismus. Daher der massenhafte Heroismus in militärischen Konflikten und Kriegen…

Brachiale Massenerschießungen

Hier hat der Präsident auf einen Umstand verwiesen, der die Möglichkeit für jede Form einer brutalen Kriegsführung eröffnet, die sich auch gegen die eigenen Soldaten richtet, die diesen tief verwurzelten Patriotismus nicht verspüren. Ein sinnloses Opfern eigener Soldaten, wie es in Darstellungen vergangener Kriege erwähnt wird, bekommt dadurch auch noch die Weihe einer Selbstaufopferung der Söhne und Töchter Russlands für ihre Heimat. Dass die Geschichte mit dem massenhaften Heroismus nicht zutrifft, darauf hat der Militärrichter im Range eines Oberst W. Swjaginzew im Jahr 2017 mit dem von ihm verfassten Buch „Krieg auf der Waage der Themis“ verwiesen. In dem Buch hat der Autor die Arbeit der Schnellgerichte während des Krieges 1941-45 untersucht, die für ihre Suche nach Spionen, Saboteuren und Deserteuren bis in die Gegenwart berüchtigt sind. Wer nicht bereit war, mit „brennendem Herzen“ für die Heimat in das gegnerische Feuer zu stürmen, nur geringste Zweifel am Sinn der militärischen Aktionen hatte oder im Verdacht stand, bei nächster Gelegenheit sich der Deutschen Wehrmacht zu ergeben, der konnte rasch ein Fall für die sowjetischen Kriegsgerichte werden.

Zur Herstellung der Wehrkraft und der Disziplin in der Truppe wurde in der Sowjetunion das Standrecht deutlich härter als in anderen Armeen genutzt. Aber auch das Ausmass, in dem es angewendet wurde ist erschütternd und bestätigt die Erzählungen von Angehörigen der Erlebnisgeneration. Swjaginzew stellt in seiner Darstellung fest, dass die Führung der Roten Armee in der Zeit vor dem Angriff der Deutschen Wehrmacht davon ausgegangen ist, Kampfhandlungen auf fremdem Territorium zu führen, was in Russland schon lange kein Aufreger mehr ist, im gründlich “re-educateten” Westen Europas schon eher.
Er ist zu dem Ergebnis gekommen, dass während des Krieges etwa 2,5 Millionen Urteile von Kriegsgerichten gesprochen wurden, in denen 284.344 Angeklagte zum Tode verurteilt wurden, wobei in 157.593 Fällen das Urteil durch Erschießen sofort vollstreckt wurde. In russischen Darstellungen wird diese Zahl nach ihrer Nennung stets auch ausgeschrieben, weil sie einfach unglaublich erscheint und um auszuschließen, dass ein Tippfehler vorliegt. Daher sei sie auch hier noch einmal genannt: Es wurden Einhundertsiebenundfünfzigtausend fünfhundertdreiundneunzig Todesurteile durch Erschießen sofort vollstreckt – was etwa der Stärke von 15 Schützen-Divisionen entspricht.

Ins Religiöse überhöhter Todeskult

Dass die Rote Armee in diesem Krieg auch eine im Kampf stehende Terror-Maschine gegen die eigenen Soldaten war, die die Wehrkraft und Disziplin mit dem Erschiessungskommando hergestellt hat, ist von dieser Veröffentlichung bestätigt worden. Wenn der Sieg von 1945 bis heute als die ganz grosse Gemeinschaftsleistung von Volk, Armee und politischer Führung beschworen wird, so muss auch der Eindruck entstehen, dass die Erfolgsrezepte von einst in der Gegenwart weiter angewendet werden, wozu auch die Arbeitsweise der Kriegsgerichte zählt. Es verwundert daher nicht, dass ein Mitarbeiter der Kanzlei des Präsidenten die inhaltliche Gestaltung des Geschichtsunterrichts an den Schulen Russlands zu seinen Dienstpflichten zählt, wobei er hoffen mag, dass die Archive nicht noch weitere Unsäglichkeiten an die Öffentlichkeit bringen, die einen Einfluss auf die patriotische Gesinnung der Schüler, wie auf die Wehrkraft der Soldaten haben könnten.

Während sich also ein Präsident bemüht, einen ins Religiöse überhöhten Todeskult ohne jeden Bezug zu authentisch menschlicher Innerlichkeit aber mit viel Pathos als eine patriotische Selbstverständlichkeit zu deuten, bringt eine Veröffentlichung wie die von Swjaginzew zum Ausdruck, dass Krieg einfach eine brutale Sache ist, der Soldat im Gefecht keinerlei Raum für Sentimentalitäten hat und die Gefahr von der Seite des Gegners, aber auch aus den eigenen Reihen droht. Es wird auch deutlich, dass die politische Führung Russlands in Teilen die Züge einer Priesterschaft annimmt, die die Selbstaufopferung wie selbstverständlich einfordert und die Gebetsformeln von einer tief sitzenden Bereitschaft zur Selbstaufopferung als Ausdruck eines Kults von Menschenopfern erscheinen lassen. Dieser Vergleich drängt sich auch auf, wenn die sonstigen Gedenkveranstaltungen in Russland betrachtet werden. Eine wichtige Funktion dabei haben die Denkmale, die auch mit zunehmendem zeitlichem Abstand von den realen Ereignissen immer monströser geraten.

Spirituelle Geisterbeschwörung

Der im August 2023 zu einem Teil eröffnete Memorial-Komplex zur Panzerschlacht von Kursk im Juli 1943 wird in seinem vollständigen Ausbau 70 Hektar umfassen, was einer Fläche von etwa 100 Fußballfeldern entspricht. Das zentrale Denkmal in diesem Komplex ist derart gestaltet, dass es erst durch ein bestimmtes Arrangement von Licht zur Geltung kommt, wodurch die Veranstaltungen, also die Rituale, erst nach Einbruch der Dunkelheit stattfinden können. Bereits die Eröffnung des Denkmals ist in den Abendstunden mit einem blutrot illuminierten Denkmal erfolgt und es muss vermutet werden, dass bei künftigen Anlässen des Gedenkens der (Selbstauf-)Opferung des sowjetischen respektive russischen Soldaten das Ritual ähnlich einer Mitternachtsmesse vollzogen wird. Es sind die Geister einer düsteren Spiritualität, die hier beschworen werden. Russische Heldenverehrung erscheint immer mehr als ein Todeskult, der den lebenden Soldaten nur zu einem Noch-Nicht-Helden erklärt, dem aber in jedem Moment das Selbstopfer abverlangt werden kann.

Dass dieses Beschwören archaisch-mythischer Menschenopferung mit anschließend gesichertem Heldenstatus und entsprechender Verehrung im Laufe der Zeit eines immer mehr Opfer fordernden Krieges in der Ukraine in absehbarer Zeit ein zumindest vorläufiges Ende findet, ist unwahrscheinlich. Herr Medinski meint schließlich Russland sei das Land der Helden. Ob aber die russischen Familien auf Dauer bereit sein werden, ihre Söhne, Väter, Ehemänner aber auch ihre Töchter der uniformierten Priesterschaft eines Mitternachtskultes auszuliefern damit sie in Helden verwandelt und ihre Namen in künftigen Schulbüchern genannt werden, darf ebenso bezweifelt werden.

14 Responses

  1. ,Die Ereignisse um die Sprengung des Staudamms von Saporoshje lassen die Rote Armee als das erkennen, was sie damals war: Ein total desorganisierter Verband, was aber bis heute von der politischen Führung Russlands nicht thematisiert wird. ” Wirklich, ein total desorganisierter Verband ?

    Ich möchte hier auf Quellen verweisen und keine Werbung für Bücher und Dokus machen:

    Sehr interessant was der ehemalige Generalmajor der NVA Dr. Bernd Schwipper in seinen Buchbänden: Die Aufklärung der Bedrohung aus dem Osten: Band 1 & 2. 1939 bis 22. Juni 1941: Die Prävention durch die Wehrmacht mit bislang unveröffentlichten Dokumenten, schreibt.
    „In zehn Kapiteln informiert der Verfasser auf der Grundlage von Dokumenten der Roten Armee über die Schaffung des strategischen Aufmarschraumes, die Vorbereitung der Roten Armee für offensive Handlungen, die gedeckte Mobilmachung der Roten Armee in Form von „Großen Lehrübungen“, die offensive Ausrichtung der Entwicklung der Panzertruppen, Luftstreitkräfte und Luftlandetruppen, den Aufmarsch der Roten Armee bis zur Schaffung offensivfähiger Gruppierungen, den Vorbefehl Timoschenkos vom 11. Juni 1941 zur Vorbereitung auf den Angriff, die von Stalin bestätigten Operationsplanungen des Generalstabes sowie den Angriffscharakter der Ausbildung, Übungen und Manöver. Durch Hunderte von Zitaten aus nicht widerlegbaren russischen Dokumenten, Skizzen und zusammenfassenden Grafiken, fachlich interpretiert durch den Generalstäbler, wird der Beweis für den Willen Stalins erbracht, die Offensive nach Deutschland zu führen.“

    Der Eisbrecher-Hitler in Stalins Kalkül
    Viktor Suworow
    „Der russische Autor – ehemals hochrangiger Offizier des sowjetischen militärischen Geheimdienstes GRU – wurde als Insider zum Kronzeugen für die systematischen Kriegspläne Stalins gegen das Deutsche Reich in den 30er und frühen 40er Jahren des letzten Jahrhunderts. Soworow legt dar: Stalin hoffte, daß sich Hitler und seine Gegner im Westen in Kriegshandlungen derart schwächen würden, daß Stalin schließlich mit einer eigenen Aggression den erschöpften Westen einfach überrollen könnte. Hitler war dabei die unfreiwillige Rolle als“Eisbrecher der Revolution“zugedacht. Als dieses wichtigste Buch Suworows vor 20 Jahren erstmals in Deutschland und Frankreich erschien, löste es eine heftige Kontroverse aus. Suworow selber wurde seitdem zum“Eisbrecher“, denn seine gut belegte Darstellung wurde von vielen Historikern aufgegriffen und ist inzwischen mit unzähligen weiteren Fakten untermauert. Das Standardwerk liegt jetzt mit einem aktuellen Vorwort versehen als Sonderausgabe vor.“
    (Quelle: kopp-verlag.de/der eisbrecher)

    „Um der kommunistischen Weltanschauung in ganz Europa zum Sieg zu verhelfen, verfolgte Stalin einen ebenso einfachen wie genialen Plan: Er wollte die miteinander rivalisierenden europäischen Großmächte in einen
    Abnutzungskrieg stürzen, um am Schluß, wenn alle Beteiligten wirtschaftlich und militärisch geschwächt wären, mit einer hochgerüsteten modernen Roten Armee ganz Europa für sich erobern.“
    (Quelle: DVD, “Den Krieg nach Deutschland tragen !“ Stalins Plan zur Eroberung Europas, Polar Film+Medien GmbH)

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    1. Das von Ihnen Geschriebene bestätigt meine Vermutung aus bruchstückhaften Infos über den Beginn des Krieges, Deutschland UdSSR und des Ablaufes. U.a. der deutsche Spion in Japan Dr. Sorge für die UdSSR warte Stalin das Hitler angreifen würde, aber Stalin tat nichts. Später erfuhr ich durch einen Bekannten der sich mit Kriegstechnik auskannte. Das Stalin selbst vor hatte anzugreifen. Die Panzer hätten Ketten für die Straßen aufgezogen und die Mienen an der Grenze wären geräumt worden. Das ergibt Sinn. Deshalb auch der schnelle Vormarsch der Wehrmacht weil die zu erst angriffen und die Rote Armee nicht auf Verteidigung eingestellt war. Auch hatte Stalin erst spät die Rüstungsindustrie bis zum Ural verlegt. Da gibt es wohl noch viele Überraschungen über die geschichtlichen Ereignisse.

    2. “Er ist zu dem Ergebnis gekommen, dass während des Krieges etwa 2,5 Millionen Urteile von Kriegsgerichten gesprochen wurden, in denen 284.344 Angeklagte zum Tode verurteilt wurden, wobei in 157.593 Fällen das Urteil durch Erschießen sofort vollstreckt wurde. In russischen Darstellungen wird diese Zahl nach ihrer Nennung stets auch ausgeschrieben, weil sie einfach unglaublich erscheint und um auszuschließen, dass ein Tippfehler vorliegt. Daher sei sie auch hier noch einmal genannt: Es wurden Einhundertsiebenundfünfzigtausend fünfhundertdreiundneunzig Todesurteile durch Erschießen sofort vollstreckt – was etwa der Stärke von 15 Schützen-Divisionen entspricht.”

      Falls der Autor es nicht gewusst haben solte. Auch in der SOwjetunion gab es
      NS-Kollaborateure. Ja, die gab es nicht nur in Osteuropa. Außerdem gab es damals auch im Westen lebende RUssen, die kurz nach der Oktoberrevolution in den Westen geflohen sind. Viele von diesen Exil-Russen hatten dann im Zweiten Weltkrieg mit dem Hitler-Regime kollaboriert, weil sie bereit waren mit dem Teufel einen Pakt einzugehen , nur um alle Sowjet-Kommunisten zu töten udn auszurotten zusammen mit dem Hitler-Regime. Ähnlich wie die Balten,die Litauer, die Esten, udn die Bandera-Nazis,die ukrainische OUN und die ukrainische UPA. Einige von diesen ukrainischen NS-Kollaborateuren und Kriegsverbrechern werden heute noch im re-educated Bayern wie Helden verehrt (Siehe Stepan Bandera und sein Grabmal in Bayern). Und die Polen wissen über die bestialischen ukrainischen NS-Kollaborateure auch Bescheid, da die ukrainischen NS-Kollaborateure auch viele Kriegsverbrechen gegen die Polen verübt hatten. (Siehe Wolhynien Massaker).
      Die russisch-sowjetischen NS-Kollaborateure, die ebenfalls viele Kriegsverbrechen begangen hatten, wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges selbstverständlich mit der vollen Härte des rotarmistischen Tribunals in der Sowjetunion bestraft.

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      1. Was glauben Sie wieviele Väter der 1.WK und 2.WK hatte und wer davon profitierte ?

        „Der erste Schritt zur Vernichtung eines Volkes ist die Auslöschung seines
        Gedächtnisses. Vernichten Sie seine Bücher, seine Kultur, seine Geschichte.
        Dann lassen Sie jemanden neue Bücher schreiben, eine neue Kultur herstellen,
        eine neue Geschichte erfinden. Bald wird die Nation zu vergessen beginnen,
        was sie ist und was sie war“.
        (Milan Kundera, Das Buch vom Lachen und Vergessen)

  2. Wieder schwere Verluste für Selenskij im Donbass
    https://www.freiewelt.net/nachricht/wieder-schwere-verluste-fuer-selenskij-im-donbas-10096751/

    Berliner Ampel gibt deutsche Waffen zum Beschuss von Zielen in Russland frei
    https://www.freiewelt.net/nachricht/berliner-ampel-gibt-deutsche-waffen-zum-beschuss-von-zielen-in-russland-frei-10096764/

    FSB: NATO übt Atomschläge gegen Russland
    Die NATO-Länder üben Atomschläge gegen Russland, was entsprechende Maßnahmen erfordert, so der Leiter des FSB-Grenzdienstes. Das russische Verteidigungsministerium hält seinerseits gemeinsame Übungen mit Minsk ab, um den Einsatz von taktischen Atomwaffen zu üben.
    In der Nähe der russischen Grenzen üben die NATO-Länder den Einsatz von Atomwaffen gegen russisches Territorium, erklärte Armeegeneral Wladimir Kulischow, stellvertretender Direktor und Leiter des FSB-Grenzdienstes, in einem Interview mit RIA Nowosti. Er sagte:

    "Die nachrichtendienstliche Tätigkeit der NATO nimmt in der Nähe der russischen Grenze zu, die Intensität der Einsatz- und Gefechtsübungen der Truppen der Allianz nimmt zu, in deren Verlauf Szenarien für Kampfhandlungen gegen die Russische Föderation einschließlich eines Atomschlags auf unser Territorium ausgearbeitet werden."

    https://freedert.online/international/207310-fsb-nato-uebt-atomschlaege-gegen/?ysclid=lwuvzu8wn2626121650

    Und bevor hier einige wieder damit anfangen, dass RUssland hätte zuerst gezündelt. Ich möchte euch nur daran erinnern, dass die USA bereits seit 2015 (ein Jahr vor Ende von US-Präsident Obama zweiter Amtszeit) konkrete Atomschläge gegen Russland planen und entwerfen. Schon damals hatte das Pentagon konkrete Szenarios ausgearbeitet und simuliert, wie und gegen welche Ziele die US-Atomschläge gegen Russland durchgeführt werden könnten.
    Damals war Joe Biden Vize-Präsident der USA! Ich hatte es schon kurz nach Biden’s Wahlsieg im Jahre 2020 prophezeit:
    US-Präsident Biden wird die extrem aggressive imperialistische Aussenpolitik der USA fortsetzen, die mit den US Präsidenten G.W.Bush und B.Obama vorangetrieben wurde.

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  3. Henry Kissinger klärt auf:
    „Soldaten sind stumpfe, blöde, Tiere, gerade gut genug, um als Spielfiguren (Bauern)
    in der Außenpolitik benutzt zu werden.“

  4. Daß Stalin ein Massenmörder – auch und gerade an Russen – war, wissen wir alle und das wird auch von russischen Historikern nicht bestritten. Man lese dazu beispielsweise die Biographie von Dimitri Wolkogonow über ihn. Was aber soll der Artikel aussagen, wenn man die heutigen Siegesfeiern damit in irgendeine Verbindung bringt? Und was soll das: “Während sich also ein Präsident bemüht, einen ins Religiöse überhöhten Todeskult ohne jeden Bezug zu authentisch menschlicher Innerlichkeit aber mit viel Pathos als eine patriotische Selbstverständlichkeit zu deuten …”
    Kommt jetzt das Putin-Bashing? Davon haben wir doch schon im Mainstream mehr als genug. Ich lese “Ansage” gerade deswegen, weil es Ansichten jenseits des Mainstreams bringt. Dieser Artikel könnte aber auch fast in der “Bild” stehen.

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    1. Ja, der Mann hat vom 9.Mai bis heute gebraucht diesen ellenlangen Seich in die Tastatur zu hacken, und rausgekommen ist nur ein müder Abklatsch von MSM-Russenbashing.

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  5. Todekult und Geisterbeschwörung vs. westliches Nichts
    Mit Verlaub: ich empfinde es als anmaßende Frechheit, so herablassend über die Erinnerungskultur in Russland zu schreiben. Gerade eine Kolonie wie die “BRD”, die ihre Niederlagen feiert, die eigenen Leistungen kleinredet und sich nahezu ausschließlich mit Vogelschiss beschäftigt, sollte einfach mal die Klappe halten, wenn es um ein Land geht, dass (noch) seine eigene Identität besitzt, behalten möchte und seine Helden feiern und verehren will, wie es ihm gefällt (die hier ja mehr oder weniger offen als bedauernswerte Tröpfe verunglimpft werden, die sich sinnlos haben umbringen lassen – aktuell übrigens ja mit deutscher Hilfe).
    Jeder, der Rußland kennt, wird bestätigen, dass Pathos dort zur Vergangenheit einfach dazugehört. Was soll daran falsch sein? (Viel absurder ist es wohl “Flüchtlingsboote” in Kirchen zu stellen und religiös zu überhöhen, als wären es Reliquien des Heiligen Messermannes).
    Es ist der angesagte westliche Überlegenheitskult (auf nichts aufbauend), der hier wieder alles Heldenhafte, jede Opferbereitschaft leer, hohl und falsch findet – aber dem überhaupt nichts entgegensetzen kann. Vom Verfasser selbst kommt dazu: Nichts. Null. Was kann der Wertewesten dem denn entgegensetzen? Die “bessere, richtige” Verlogenheit?
    Der Neid auf Menschen und Länder, die noch etwas haben, was über die vermeintliche Sicherheit der richtigen Gesinnung hinausgeht und die den Wogen der Woken erfolgreich trotzen, dieser Neid tropft hier förmlich aus jeder Zeile, verkleidet in ein hochmütiges Bedauern dieser ach so einfältigen Menschen.
    Als ganz praktisches Beispiel für russischen Heldenmut und Opferbereitschaft – auch ohne Zwang und Krieg kann – bspw. die Leistung der “Liquidatoren” in Tschernobyl dienen: die wussten meist ganz genau, dass sie in den ziemlich sicheren Tod gingen und habe es trotzdem (oder gerade deshalb) getan. Was würde der BRD-ling tun? Unter Verweis auf die aktuelle Strahlenschutzrichtlinie und seine work-life-Balance rasch und weit weg in Urlaub fahren.
    Wenn Sie noch ein anderes Beispiel brauchen: Bukreiew, legendärer russischer Bergsteiger, der 1996 unter unglaublichen Bedingungen westlich Bergtouristen aus der Todeszone am Everest rettete und sich zum Dank dann noch vom US-Krakauer anpflaumen lassen musste. Kurzum: Russen – alles verrückte Todeskultanhänger. Nicht kalt, berechnend und auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Und vermutlich meist auch noch ohne Bausparvertrag und Lebensversicherung unterwegs. Ein Gräuel.

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    1. Wo will sie die hernehmen? Selbst wenn sie 900000 zusammenbekommt, werden ihr die Meisten den Mittelfinger zeigen. Es wäre dann an der Zeit, die Söhne und Töchter der Politnieten und die Politnieten, die noch im dienstfähigen Alter, also wehrfähig sind, zu ziehen, dann lange Zeit nichts und erst, wenn die ihre Kriegstauglichkeit bewiesen haben, die Söhne und Töchter, von wegen der Gleichberechtigung, der Bürger einziehen.