
Die Baumeister der Gegenwart haben immerhin Humor bewiesen, als sie für das Europäische Parlament in Brüssel kurz vorm neuen Jahrtausend einen kaum zu übersehenden Turm zu Babel errichteten. Hier mischen sich seitdem in dem erstaunlich kurz gehaltenen Sitzungswochen babylonisches Stimmengewirr, serviler Dilettantismus und spektakulärer Hochmut. Vermutlich solange, bis der Wasserkopf des Kontinents irgendwann implodiert. Dazu passend hat sich – so liest man jedenfalls – irgendwo in einer fehlenden Etage des Gebäudes die nackte Kaiserin in einer Art Grabkammer verbarrikadiert. Ein Ort, zu dem man jetzt nur noch durch schmale Schächte unter Verwendung geheimer Zahlencodes vordringt. Das ist zweckmäßig, denn dort in den verborgenen schalldichten Gemächern holt einen die eigene Vergangenheit ganz gewiss nicht mehr ein. Kein Versagen, kein Betrug, keine Geldwäsche. Ob es nun um Plagiatsvorwürfe geht, ein früher mal fröhlich heruntergewirtschaftetes Heer, mysteriöse Beraterverträge hier, Milliardendeals per Textnachrichten da, die immer wieder wie von Geisterhand verschwindenden Daten, bereits rechtskräftig ergangene Urteile, irgendwelche Misstrauensanträge…nichts ficht Kleopatra mehr an. Die christdemokratische Mumie kehrt zurück. Ans Regiepult. Du kannst. Dich. Drauf verlassen!
Ähnlich symbolträchtig: Das Kanzleramt zu Berlin, das sich dem Betrachter nicht von ungefähr als Waschmaschine darbietet (siehe Bild unten). Hier im Spreebogenareal, oberhalb eines ganz besonders tief liegenden, ganz besonders blank gefegten, ganz besonders sorgfältig überwachten, also ganz besonders sicheren U-Bahn-Tunnels, residiert Friedrich vom schwarzen Felsen. Nicht wie angekündigt mit eiserner Faust, sondern mit butterweichen Patschehändchen. Diesen Fingern entgleitet – außer den eigenen Bezügen natürlich – so ziemlich alles, was sie zu begreifen versuchen. Aber das macht nichts. Gut – mit dem Reich des Friederich macht es schon etwas, aber beim herumstümpernden Herrscher herrscht…unten, oben und links natürlich…trotzdem zumeist ganz gute Laune.

Manchmal holt ihn der Kutscher ab und bringt den Unverdrossenen zu den Empfängen, wo der Friedrich dann sagt, dass man ihn bitte „jetzt mal etwas ganz deutlich sagen“ lassen solle. Er erzählt deutlich vernehmbar mal hier etwas, mal da etwas, verspricht „in aller Deutlichkeit“ Sachen, die er später kurzerhand in ein ebenso deutlich erkennbares Gegenteil verwandelt. Wen kümmert‘s? Man muss Verständnis haben. Der Friedrich will eben – wie er es schon jahrelang bei seinen Vorgängern bewundern durfte – einfach nur hier sitzen. Auf dem Thron. Und siehe da – es funktioniert. Ob nun irgendein spezieller Persilschein A38, oder Lars, der sanftmütige Großwesir, ihm das erlauben, man weiß es nicht. Es geht eben immer weiter im Amt. Irgendwie.
Untoter Zustand
Es ist auch kein sonderliches Problem Atemluft besteuern zu lassen, modernste Kraftwerke zu sprengen, Traditionsunternehmen so lange zu schröpfen, bis sie entnervt das Weite suchen oder gleich Insolvenz anmelden. Gleichzeitig kann man fiktive Zukunftsindustrien mit Fördergeldern zuscheißen, die später jedesmal schmelzen wie Schnee in der Sonne. Die schickt ja bekanntlich keine Rechnung. Du kannst bis zum Erbrechen Löhne und Renten abzweigen, Steuerkassen plündern und wenn die Kohle alle ist, einfach ein paar frische Billionen drucken lassen. Haushaltsdisziplin war gestern. Heute ist anything goes! Die einzige Voraussetzung für deinen Verbleib am Ort, wo Milch, Honig, Diäten und Pensionen fließen, bleibt es, mindestens dreimal am Tag lautstark über die Schulter Richtung Teufel zu spucken, der irgendwo in der Hölle hinter der Brandmauer lebt, ständig irgendwas ändern will und immer so schrecklich schlechte Laune hat. Um das deswegen gelegentlich aufkommende Grummeln im Land kümmert sich Gott sei Dank der Hofstaat. Herolde, Aufseher, Söldner und Richter. Mit Sichel und Hammer, bei Bedarf auch mit Feuerzeugen oder Paragraphen. So ein Leben als Amtsträger hat was. Wirklich sagenhaft, was „unsere Demokratie“ für Möglichkeiten bietet.
Kurzum – wer es einmal ins Hochtal der politischen Könige geschafft hat, der scheint dort ad hoc einen pharaonischen Status anzunehmen. Ein untoter Zustand, in dem man abseits der sonst so für gewöhnliche Arbeitssklaven geltenden Regeln schlicht tun und lassen kann, was man will. Noch jeder Narr, jeder Laiendarsteller, jeder Hochstapler, jeder Taugenichts wird hier irgendwie zum Tutanch-Immun. Alles geht. Du kannst Biografien mit akademischen Würden erfinden, Wahlversprechen brechen oder auch einfach nur ein bisschen herumtanzen und ansonsten nichts tun. Du kannst Aufmüpfige jahrelang in Untersuchungshaft verschwinden lassen, Majestätsbeleidigungen drakonisch bestrafen, Audienzen verkaufen, dem Pöbel schon mal monatelang das Spazieren im Park und das Geburtstagsfeiern verbieten. Es stellt kein größeres Problem dar, während tödliche Sintfluten übers Land hereinbrechen, ein paar lockere Sprüche zu drücken, in den Urlaub fahren und nach einer kurzen Pause wieder irgendwo ganz oben aufzutauchen. Es passiert dir einfach nichts.
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5 Antworten
Welt
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Die größten EU-Nettozahler
Deutschlands Nettobeitrag ist fast dreimal so groß wie der des Zweitplatzierten
Die Bundesrepublik zahlt rund 13 Milliarden Euro mehr in den EU-Topf ein, als sie daraus zurückerhält. Die Summe sinkt seit Jahren – doch der Grund ist alles andere als positiv. Wer zahlt? Wer bekommt am meisten? Alle EU-Länder im Überblick. ….
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..ohne Worte!
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https://www.welt.de/wirtschaft/article6926be928773e60e91aa87ce/deutschlands-nettobeitrag-ist-fast-dreimal-so-gross-wie-der-des-zweitplatzierten-frankreich.html
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..ohne Worte!
dumm dümmer saudumm deutsch….. alice erlöse uns von allem übel….
Die Erklärung dafür ist ganz einfach:
Man schaue sich die Autokennzeichen der Fahrzeuge des Kanzleramts an! Diese beginnen mit 0 (im Wort: Null).
Nullus ist lateinisch und bedeutet: nichts, niemand, keiner.
Für die Dinge, die im Kanzleramt geschehen ist also keiner verantwortlich. Somit kann auch keiner zur Rechenschaft gezogen werden.
Und die Deutschen Bumsbürger, die fest an ihren schwarzen Vogel glauben, sind rundum verarscht. Geil, gell?
😜
OZ: Haushaltsdisziplin war gestern. Heute ist anything goes.
Für die Deutschen, die der englischen Sprache in Deutschland nicht mächtig sind: „anything goes“ = alles ist möglich.
Gut, daß wir eine eigene Sprache haben, die wir vernachlässigen und durch Englisch ersetzen können.