
Leihmutterschaft: Für andere strafbar, für das eigene Familienglück praktisch; Bundestag: Für andere Arbeitsplatz, für Jens Spahn gerade verzichtbar. Während Berlin auf ihn wartet, genießt der CDU-Mann mit Ehemann und dem frisch erworbenen Baby Sardinien. Man fragt sich: Können wir es uns überhaupt noch leisten, diesen Mann nach Deutschland zurückzulassen? Bei manchen Nachrichten muss selbst der Satiriker kurz innehalten und sich fragen, ob er überhaupt noch gebraucht wird – und Jens Spahn gehört seit Jahren zu den zuverlässigsten Lieferanten solcher Nachrichten. Nun hat es ihn nach Sardinien verschlagen – ausgerechnet während einer Sitzungswoche des Deutschen Bundestages. Während andere Abgeordnete sich mit jener lästigen Nebentätigkeit beschäftigen, für die sie der Steuerzahler alimentiert, nämlich parlamentarischer Arbeit, widmet sich der frühere Unionsfraktionschef höheren Aufgaben: Sonne, Familie und mediterraner Kontemplation.
Der “Postillon” hat daraus bereits die einzig angemessene wirtschaftspolitische Schlussfolgerung gezogen: Spahns Abwesenheit erspare Deutschland 517 Millionen Euro – denn solange der frühere Gesundheitsminister und Ex-Unionsfraktionschef auf Sardinien sitzt, könne er kein Geld für irgendwelche überraschend teuren Anschaffungen ausgeben. Ein lebenslanger Urlaub Spahns, so die Pointe, wäre selbst bei einer Million Euro Taschengeld im Monat noch günstiger für den Steuerzahler. Natürlich soll das Satire sein. Doch das Erschreckende daran ist, dass man bei Jens Spahn diesen Hinweis inzwischen ausdrücklich dazuschreiben muss. Die Realität hat offenbar selbst einen ausgeprägten Sinn für schwarzen Humor. Noch vor wenigen Jahren hätte so mancher Kabarettisten jedenfalls die folgende Geschichte als zu absurd zurückgewiesen, weil sie zu dick aufgetragen schien: Ein deutscher Spitzenpolitiker spricht sich gegen Leihmutterschaft aus, wird später selbst mit seinem Ehemann mithilfe einer Leihmutter in den USA Vater und verbringt schließlich während einer Sitzungswoche des Bundestages Familienurlaub auf Sardinien. Selbst wer so etwas als Drehbuch-Exposé bei einer öffentlich-rechtlichen Filmproduktionsgesellschaft eingereicht hätte, bekäme es vermutlich mit dem Hinweis zurück: „Bitte etwas lebensnäher!“
Bei Spahn wird das Unwahrscheinliche zuverlässig zur Biographie
Man muss sich die Szenerie nur noch ein wenig weiterdenken: Vor der Küste Sardiniens liegt eine weiße Yacht, irgendwo läuft italienischer Rap, Aperol-Gläser klirren, und der ehemalige Gesundheitsminister erklärt einem verständnislosen Kellner, warum eine Flasche Vermentino, die normalerweise 18 Euro kostet, bei einer Bestellung durch das Bundesgesundheitsministerium durchaus 947 Euro kosten darf. Der Kellner nickt höflich. Er hat Deutsche im Urlaub erlebt. Er weiß, wann Nachfragen zwecklos sind. Das in den USA erworbene Kind schläft derweil hoffentlich friedlich und sollte aus der politischen Häme vollständig herausgehalten werden; mit Recht, denn es kann schließlich am wenigsten dafür, in welches deutsche Politdrama es da hineingeboren wurde. Satirisch interessant sind ausschließlich die Erwachsenen – und insbesondere jene erstaunliche politische Begabung, moralische Grundsätze so lange hochzuhalten, bis das eigene Leben eine Ausnahme benötigt. Denn genau darin liegt das eigentlich Spahnhafte: Regeln sind eine wunderbare Sache – solange sie nur für andere gelten.
Man könnte darin sogar ein neues christdemokratisches Grundsatzprogramm erkennen. Leihmutterschaft? Problematisch – außer man braucht selbst eine. Sitzungswoche? Wichtig – es sei denn, Sardinien ruft. Haushaltsdisziplin? Unverzichtbar – solange Jens Spahn nicht einkaufen geht. Und politische Verantwortung? Selbstverständlich ja, man muss nur rechtzeitig eine Abwesenheitsnotiz hinterlassen. Immerhin war Spahns Fehlen nach Medienberichten entschuldigt. Das unterscheidet den deutschen Parlamentarismus wohltuend von einer gewöhnlichen Beschäftigung im Arbeitsleben. Dort könnte die Mitteilung „Chef, ich komme diese Woche nicht, ich bin mit der Familie auf Sardinien“ womöglich zu kritischen zu Rückfragen führen. Im Bundestag jedoch genügt offenbar die wesentlich elegantere Kategorie „entschuldigt“. Überhaupt muss man sich Deutschland wie eine gigantische Schule vorstellen, in der 84 Millionen Menschen leben, ein gewisser Teil davon (noch) arbeitet, Steuern zahlt und Rechnungen begleicht – während die politische Klasse gelegentlich einen Wunschzettel von Mutti mitbringt.
517 Millionen Euro gespart
Vielleicht sollten wir Spahn allerdings dankbar sein. Deutschland hat in den vergangenen Jahren Milliarden ausgegeben, um mehr Wirtschaftswachstum zu erzeugen, Bürokratie abzubauen und den Bundeshaushalt zu sanieren. Niemand kam bislang aber auf die einfachste Lösung: Jens Spahn muss Urlaub machen! Die vom “Postillon” bezifferte 517-Millionen-Ersparnis eröffnet völlig neue Perspektiven! Drei Wochen Sardinien – 517 Millionen; zwei Monate Malediven – vielleicht schon eine Milliarde. Ein Sabbatjahr auf Bora Bora könnte die Schuldenbremse retten. Und sollte Spahn sich irgendwann entschließen, seinen Lebensabend auf einer abgelegenen Südseeinsel ohne Telefon, Internetanschluss und Zugang zu öffentlichen Beschaffungsverfahren zu verbringen, wäre möglicherweise sogar der Bundeshaushalt ausgeglichen. Christian Lindner hätte für solche Sparprogramme einst PowerPoint-Präsentationen gebraucht. Jens Spahn benötigt nur eine Badehose.
Bleibt die Frage, was da auf Sardinien eigentlich gerade geschieht. Hier muss wieder die Satire übernehmen, weil die Realität noch keine ausreichenden Informationen liefert. Vielleicht wird am Abend mit italienischen Rappern eine große Champs-Party gefeiert, bei der Champagnerflaschen grundsätzlich erst nach Vorlage eines Beratervertrages geöffnet werden? Vielleicht gibt es am Eingang Doggy-Masken, – bestellt zum historischen FFP-Stückpreis? Vielleicht hängt über der Tanzfläche auch ein Schild „2G – geimpft oder gekauft“?
Schems-Rechnungen als Spesenausgaben
Und irgendwann gegen drei Uhr morgens steht dann Jens Spahn auf der Terrasse, blickt auf das Mittelmeer und denkt darüber nach, was Deutschland jetzt gerade brauchen könnte. Hoffentlich kommt ihm da nichts in den Sinn. Denn solange Jens Spahn Urlaub macht, besteht immerhin eine Chance, dass der Bundeshaushalt sich erholt. Deshalb sollten weder Friedrich Merz noch der Bundesrechnungshof jetzt allzu kleinlich sein, wenn die Champs-Rechnungen als Spesenausgaben veranlagt werden. Keine Rückrufaktion nach Berlin, keine mahnenden Worte, keine Forderung nach mehr Präsenz im Bundestag.
Im Gegenteil: Der Kanzler sollte handeln! Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss könnte zunächst klären, welche Insel den größten volkswirtschaftlichen Abstand zwischen Jens Spahn und dem deutschen Steuerzahler ermöglicht. Sardinien ist schon gut. Australien wäre besser. Vielleicht findet sich sogar noch ein staatliches Förderprogramm. Bei Jens Spahn könnte es die erste Subvention der jüngeren deutschen Geschichte sein, die sich tatsächlich rechnet.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf “Philosophia Perennis“.
- Auf Telegram teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Telegram
- Auf X teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) X
- Auf Facebook teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Facebook
- Auf WhatsApp teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) WhatsApp
- Einen Link per E-Mail an einen Freund senden (Wird in neuem Fenster geöffnet) E-Mail
- Drucken (Wird in neuem Fenster geöffnet) Drucken










8 Kommentare
Engländer haben vor vielen Jahren eine ganze Insel bzw. Kontinent gewählt, um ihre „Kriminellen“ zu entsorgen. Vielleicht findet sich noch eine weit abgelegene Insel, an Delinquenten mangelt es nicht.
„Für andere strafbar“ und nur für andere! Aber ich bin doch nicht die anderen! ich bin ein auserwählter, ich stehe über das System!
Hoffe er bleibt in sardinien zum leiden der sarden und italiener……
Nicht zu vergessen sein Benehmen während der Coronazeit und der bislang ungesühnte Maskendeal.
„Wir werden uns vieles verzeihen müssen.“ Ja, Jensi, Du wusstest als Erster von Deiner erbärmlichen Charakterschwäche.
Man fragt sich, wer da seine schützende Hand drüberhält.
ZITAT: „Denn solange Jens Spahn Urlaub macht, besteht immerhin eine Chance, dass der Bundeshaushalt sich erholt.“
Wenn wir während seines Urlaubs seine Staatsangehörigkeit annullieren und ihn beim Versuch der Wiedereinreise an der Grenze abweisen, dann besteht sogar eine Chance auf ein Wirtschaftswunder. Also, auf ein Neues!
OPTIMAL & VERDIENT wäre die Neumayer III-Station in der Antarktis, da könnte er mit der Blutraute Kartoffelsuppe kochen & im gepanzerten Hundeschlitten herumdüsen & Brötchen holen…
Wie wäre es denn mit der Antarktis?
Frieren dürfte er wohl nicht, schließlich ist er vorgewärmt.
Schade nur für die Pinguine.
Und ich Dummkopf dachte, der ist im Mutterschafts Urlaub?