Saudi-Arabien bastelt sich neue Bündnisse – und wird trotzdem angegriffen

Saudi-Arabien bastelt sich neue Bündnisse – und wird trotzdem angegriffen

Huthi-Luftschlag gegen einen saudischen Militärstützpunkt: Die neuen Verteidigungsbündnisse sind unwirksam (Foto:Imago)

Saudi-Arabien hat sich neue Verbündete gesucht, um seine Sicherheit nicht länger von Israel abhängig machen zu müssen. Doch kaum ist der Verteidigungspakt mit der Türkei und Pakistan geschlossen, zeigt sich die harte Realität dieser neuen Partnerschaften: Die Houthis können das Königreich weiterhin munter angreifen, ohne dass diese neue Allianz bislang irgendeine gemeinsame militärische Antwort gefunden hat. Vor diesem Hintergrund bekommt die Aussage des US-Botschafters in Israel, Mike Huckabee, besonderes Gewicht: Israel, hatte Huckabee betont, hat keine grundsätzlichen Bedenken gegen ein Sicherheitsabkommen mit Saudi-Arabien und einen saudischen Beitritt zu den Abraham-Abkommen. Die Bedenken lägen allein auf saudischer Seite. Gleichzeitig bestünden bereits Kontakte zwischen den israelischen und saudischen Streitkräften sowie Nachrichtendiensten. Trotzdem versucht Saudi-Arabien bemerkenswerterweise, einen anderen Weg zu gehen.

Am 7. August hatte Riad gemeinsam mit der Türkei und Pakistan das Makkah Joint Defence Agreement abgeschlossen. Diesem zufolge soll ein bewaffneter Angriff auf einen der drei Staaten eigentlich Angriff auf alle drei gelten. Vorgesehen waren zudem engere militärische Zusammenarbeit, gemeinsame Übungen und eine stärkere Kooperation der Rüstungsindustrien. Doch ein Verteidigungsvertrag bedeutet noch keine reale Verteidigungsfähigkeit. Eben das demonstrieren die Houthi-Angriffe auf Saudi-Arabien. Die vom Iran unterstützte Bewegung hat ihre Angriffe auf das Königreich sogar nochmals intensiviert; Raketen und Drohnen zielten unter anderem auf militärische Einrichtungen und wirtschaftliche und teilweise auch zivile Infrastruktur. Heute wurden sogar in Riad und anderen Teilen des Königreichs Luftalarmmeldungen wegen einer „feindlichen Bedrohung aus der Luft“ ausgelöst. Mit diesen anhaltenden Attacken wird die Schwachstelle des saudischen Sicherheitskonzepts offen ans Licht gezerrt: Die Türkei, Pakistan und Saudi-Arabien haben gemeinsame Interessen, aber keine identische Bedrohungswahrnehmung.

Papier ist geduldig

Der neue Pakt ist bislang vor allem ein Instrument politischer und strategischer Abstimmung, keine konsequente und effiziente Bündnisstruktur wie etwa die NATO mit automatisch aktivier- und verfügbaren gemeinsamen Streitkräften. Auch Analysen zu dem Abkommen weisen zudem darauf hin, dass es dabei weniger um reelle militärische Handlungen geht als zunächst um die Betonung regionaler Eigenständigkeit, Abschreckung und politischen Einfluss.  Die Houthis müssen Saudi-Arabien dafür nicht „vertreiben“, wie es ihr eigentlich Ziel war. Es genügt völlig, ihnen und der Weltöffentlichkeit wieder und wieder vorzuführen, dass das Königreich trotz seiner enormen Verteidigungsausgaben verwundbar bleibt.

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Eben hier wird die israelische Option für Riad strategisch relevant: Israel und Saudi-Arabien haben beide sehr wohl ein gemeinsames Interesse daran, den iranischen Einfluss und die Fähigkeiten seiner regionalen Verbündeten einzudämmen. Zugleich existiert bereits militärische und nachrichtendienstliche Zusammenarbeit, wie Huckabee jetzt nochmals bestätigte. Die Frage ist deshalb längst nicht mehr, ob beide Staaten gemeinsame Sicherheitsinteressen haben (die haben sie), sondern die, ob Saudi-Arabien bereit ist, sie in eine formelle Sicherheitskooperation mit Israel zu überführen. Der Pakt mit der Türkei und Pakistan sollte Riad eine zusätzliche Sicherheitsoption geben, doch die jüngsten Houthi-Angriffe zeigen, dass ein Bündnis auf dem Papier die militärische Realität nicht automatisch verändert. Denn im Ernstfall zählt nicht, wer einen Vertrag unterschrieben hat. Es zählt, wer tatsächlich handelt.

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2 Kommentare

  1. Der Vertrag gilt nicht für bereits bestehende Konflikte. Der Krieg zwischen den Huthis und Saudiarabien geht schon einige Jahre, ist jetzt nur in eine neue Runde gegangen. Die Türkei und Pakistan halten sich also zurecht daraus.
    Ein Vertrag mit Israel wäre gleichzeitig auch ein Kriegsgrund für den Iran, den Israel unprovoziert angegriffen hat. Wenn Saudiarabien also untergehen will, dann nur zu. Aber bitte nicht die langen Löffel vergessen, wenn man sich mit Israel an einen Tisch setzt!

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