Schrödingers Demo

Physik des Widerstands (Collage:Ansage)

In den USA gibt es einen regelrechten Kult um „Schrödingers Katze“, die arme, wenn auch nicht reale Mieze, die uns zeigen soll, dass die Welt der Quantenphysik ganz anders tickt als der Rest des Universums. Da sitzt das arme Tier nun schon seit Jahrzehnten in seiner dunklen Kiste und wartet auf das Zerfallen eines Isotops, durch die sein Ende eingeläutet wird. Während die Katze im Inneren der Kiste wohl langsam sauer wird, grübelt der Quantenphysiker draußen darüber nach, ob sie nun schon tot oder noch lebendig ist – oder sich gar in einem unklaren Zustand zwischen beidem befindet.

Wer hätte aber gedacht, dass sich dieses Experiment auch auf Demonstrationen anwenden lässt? Diese fallen offensichtlich auch erst durch den richtigen Blickwinkel in einen bestimmten Quantenzustand. Analog zur Giftampulle in Schrödingers Gedankenexperiment treffen Schimpf und Schande jene, die auf der falschen Seite der Absperrung stehen. Seit Beginn des Corona-Zeitalters haben wir es geahnt: Das Virus schlägt sehr einseitig zu, deshalb erhob man vor allem nach „Querdenker“-Demos stets den moralischen Zeigefinger und prognostizierte Tausende von Toten, verschuldet durch renitente Regierungsgegner (die sich dann noch nicht einmal einer bestimmten politischen Richtung zuordnen ließen). Da konnte sogar Karl Lauterbach in Sachen Schreckensszenarien noch etwas lernen.

Zuhause vorm Spiegel und draußen auf der Straße gleichzeitig

Neu ist, dass die Bürger nun gleichzeitig demonstrieren und nicht demonstrieren sollen. Bisher wurden bestimmte Versammlungen zwar höflich ignoriert – Corona hin oder her -, aber wie soll es funktionieren,  mit der eigenen Meinung daheim zu bleiben, gleichzeitig aber auch Gegendemonstrationen zu veranstalten? Die ominöse „Gesellschaft“, wer immer das in den Augen von Frank-Walter Steinmeier ist, kann schließlich nicht an zwei Orten gleichzeitig sein: Zuhause, vor dem Spiegel, sich selbst die eigene Meinung erzählend, wie es Frau Faeser gern hätte. Aber eben auch auf der Straße, um dort ruchlose Impfgegner als „Nazis“ zu beschimpfen – was Steinmeier fordert. Ein klassisches Dilemma. Nur eineiige Zwillinge sind fein raus, die können sich aufteilen und sich anschließend gegenseitig ein Alibi geben.

Aber wahrscheinlich habe ich Dummerchen einfach wieder etwas falsch verstanden, weil ich dieser Logik mit meiner limitierten Verstandeskraft nicht folgen kann. Sollte es am Ende so sein, dass Steinmeier seinem Volk ein Opfer abverlangt, um die Corona-Götter milde zu stimmen? Denn wenn sich Gegendemonstrationen einem Spaziergang nähern, stürzen sie sich doch letztlich mitten in die Pandemie-Hölle… gleich einem Selbstmordkommando! Laufen dort doch schließlich Menschen herum, die eigentlich längst durch die Omikron-Verdammnis in ihren Adern dahingerafft sein müssten. Die deutsche Variante von „Resident Evil” quasi. Es wäre also nur fair, wenn man die Gegendemonstrationen mit angemessener Schutzausrüstung ausstatten würde: Ganzkörperanzüge mit autonomer Sauerstoffversorgung und einem stets mitzuführenden 50-Liter-Kanister mit Desinfektionsmittel auf dem Rücken wären das Mindeste, was die Bundesregierung den Teilnehmern spendieren müsste!

Imaginäre Kiste

Das Geld dafür hat man schließlich bei den Angehörigen eingespart, die ihre Großeltern 2020 nicht im Elternheim besuchen durften – weil ihnen ebenfalls keine Schutzkleidung zur Verfügung gestellt wurde.

Wenn ich es richtig kapiert habe, geht es jetzt wieder mal um nicht weniger als die Rettung der Demokratie im besten Deutschland aller Zeiten. Da könnte Steinmeier doch ruhig mal sein Sparschwein knacken… wenn Nancy Faeser ihn lässt; denn sie möchte schließlich, dass die Menschen zu Hause alleine den Fernseher beschimpfen, wenn dort wieder mal die neuesten Regeln verkündet werden. Ist das aus Sicht der Regierung nicht ungerecht, wenn ausgerechnet ihre Gegner sicher in den eigenen vier Wänden bleiben müssen und ihre braven Unterstützer bei Schnee und Schmuddelwetter auf die Straße sollen, um für sie zu demonstrieren?

Ich gebe zu, das verwirrt mich. Man weiß so wenig darüber, was in den Verantwortlichen vor sich geht; so wie der Wissenschaftler vor seiner imaginären Kiste mit der quantenphysikalisch gebeutelten Katze. Aber das ist eigentlich schon seit Beginn des Corona-Zeitalters der Fall: Denn sie wissen es wahrscheinlich selbst nicht. Es wird nur immer schwieriger, diese Ratlosigkeit zu kaschieren – und vor allem peinlicher. Man sollte die Katze und auch die Bürger jetzt einfach mal wieder freilassen.

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6 Kommentare

  1. „Da sitzt das arme Tier nun schon seit Jahrzehnten in seiner dunklen Kiste und wartet auf das Zerfallen eines Isotops, durch die sein Ende eingeläutet wird.“
    Nein, das ist ja das Problem bei Schrödingers Gedankenexperiment: Wir wissen eben nicht, ob die Katze noch lebt oder schon lange tot ist. Erst wenn wir die Kiste öffnen, werden wir es wissen. Ok, ist Klugscheißerei und hat mit dem Sinn des Artikels nix zu tun 😁
    Der ist nämlich sehr gut, wie immer!

  2. Die Idee mit dem 50 Liter Tank Desinfektionsmittel für jeden Demonstranten finde ich gut. Wenn die Polizisten die Demonstranten mit Pfefferspray beharken, dann können die Demonstranten im Gegenzug die Augen der Polizisten desinfizieren. Dann sehen die gleich viel besser. 50 Liter reichen locker für die Grundreinigung von 100 Paar Augen.

    ZITAT: „Man sollte die Katze und auch die Bürger jetzt einfach mal wieder freilassen.“

    Man sollte besser eine Gruppe hungriger Raubkatzen, die sich nicht die Bohne für Physik interessieren, auf die Politiker loslassen.

  3. @was in den Verantwortlichen vor sich geht
    wen meinen sie damit ?
    die politischen Plandemie-Profiteure ? die finanziellen Profiteure ? Die Planer aus der teppischetage der Globalisten ?

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