Schwarzes Schaf AfD – einmal mehr

Abgesang auf Merkel vorgestern im Bundestag (Foto:Imago)

Die AfD im Bundestag war mal wieder unartig: Sie hat Angela Merkel die stehenden Ovationen verweigert. Ja, darf man so etwas denn? Hat man damit eine „rote Linie“ des zivilisierten Zusammenlebens überschritten? Den Rubikon zur Beerdigung der Demokratie, wie wir sie kennen? Oder war das – Gott behüte! – einfach eine ehrliche Reaktion auf Merkels Politik, die jede andere Reaktion zur Heuchelei gemacht hätte? Die Vorstellung, dass es eine Verpflichtung geben sollte, jemandem huldigen zu müssen, dessen Vorstellungen von Staatsführung man so sehr schätzt wie Pest und Cholera, hat etwas Irritierendes. Anscheinend aber glauben manche deutsche Medienvertreter, dass dem so ist:

(Screenshot:Twitter)

Persönlich fände ich es äußerst bedenklich, wenn man dazu durch irgendwelche Konventionen genötigt würde – schließlich hat niemand faule Eier geworfen. Das wäre nun wirklich ein Tabubruch gewesen, den ich zwar emotional hätte nachvollziehen können, aber auch für unklug und der Würde des Parlaments abträglich befunden hätte.

An Merkels Stelle wäre ich mir – um ehrlich zu sein – eher ein wenig veräppelt vorgekommen, wenn die Opposition, die mich vier Jahre mit äußerster Vehemenz bekämpft hat, bei meinem Weggang plötzlich frenetisch klatscht. „Endlich ist die Olle weg!”, hätte ich in dem Fall zwangsläufig herausgelesen – und nach einem hämischen Lächeln auf Alice Weidels Lippen gefahndet. Aber was weiß ich schon von den Gedanken, die im Kopf der Ex-Kanzlerin umherschwirren.

Natürlich hat die Presselandschaft die bösen blauen Buben (und Bübi*nnen) mit Argusaugen im Blick gehabt – schließlich war ja zu erwarten, dass es aus deren Reihen zu abweichlerischen Aktivitäten kommen würde. Das ist irgendwie schade, denn es verdirbt den Überraschungseffekt. Eingedenk des Mottos „ist der Ruf erst ruiniert…” hätten die medienseitig zu Satansbraten Erklärten eigentlich alles tun können, wonach ihnen zu Merkels Verabschiedung der Sinn stand – es hätte keinen Unterschied gemacht.

Standing Ovations nur für herausragende Leistungen

Man stelle sich vor, Gottfried Curio hätte eine Boombox unter seinem Pult hervorgezaubert und unter den Klängen eines leicht abgewandelten Lieds der Höhner wären die Abgeordneten in einer Polonaise durch den Bundestag gezogen:

„Heute fährt die Angie bis nach Istanbul,
und wir packen uns ein Kölsch ein
und ’nen Liegestuhl,
denn Istanbul ist richtig cool!”

Konfetti, Luftschlange – und Schnappatmung bei Presse und Politik! „Der Faschismus zeigt sich im Bundestag jetzt mit karnevalistischer Marschmusik”, hätte Ralf Stegner empört getwittert. „Das ist der Gipfel demokratieverachtender Hybris – dagegen müssen wir mit aller Härte vorgehen!” Selbstverständlich hätten Alice Weidel und ihre Mannen dies niemals getan – denn entgegen landläufiger Meinung wissen sie sich durchaus zu benehmen. Im Theater oder der Oper stehen schließlich auch nur diejenigen nach der Vorstellung zum Applaudieren auf, denen Aufführung oder Gesang besonders gut gefallen haben – oder aber solche, die Angst haben, andernfalls als Banausen betrachtet zu werden. Bei Oscar-Verleihungen hingegen kommen kollektive Standing Ovations schon häufiger zum Einsatz, zum Beispiel, wenn jemand für sein Lebenswerk geehrt wird. Oder aber, wenn ein Schauspieler sich berufen fühlt, eine „mutige“ politische Botschaft zu verkünden, die alle irgendwie wichtig und gut finden.

Der Bundestag steht aber nicht in Hollywood und Angela Merkel hat nicht einen Blockbuster gedreht – oder wenigstens einen Kultfilm. Neujahrsbotschaften zählen hier nicht. Nein, politisch wäre Angela Merkel keine Oscar-Kandidatin, sondern eher für den Anti-Oscar „Goldene Himbeere“, denn vor allem in den letzten Jahren – in den ersten ihrer Amtszeit hielt sie sich schließlich kaum in Deutschland auf – lief es unter ihrer Führung nicht wirklich gut. Insbesondere die Meinungsfreiheit hat sie spätestens seit 2015 zuschanden geritten, als sich plötzlich ein medialer Konsens darüber herausbildete, dass aus ihrer Politik folgende Desaster schnellstmöglich unter den Teppich zu kehren seien.

Moribunde Meinungsfreiheit

Was nutzt mir Meinungsfreiheit, wenn es mir wirtschaftlich schlecht geht und ich seit Monaten nicht mehr zu meinem Frisör gehen darf?”, mag sich mancher fragen. Ganz einfach: Ohne Meinungsfreiheit wird sich an solchen Missständen nichts ändern, weil jeder glaubt, mit seinen Nöten alleinzustehen.

Sollte man wirklich gezwungen sein, alldies durch stehende Ovationen zu feiern, nur weil es eine Konvention ist? Niemand aus der AfD-Fraktion hat die Verabschiedung gestört – ach, was hätte sich die Presse gefreut, wenn jemand tatsächlich ein Ei geworfen hätte! Doch es wäre sehr undemokratisch, wenn Abgeordnete gezwungen würden, über die grundlegende Höflichkeit hinaus Beifallsbekundungen abzugeben. Auch wenn unser Staat immer totalitärer wird: noch sind wir nicht in Nordkorea. Ich darf nicht beleidigend werden, aber ich muss auch niemandem huldigen. Schon gar nicht jemandem, der meine Werte mit Füßen tritt.

Der einzige Grund, in die stehenden Ovationen und Merkel-Huldigungen mit einzustimmen, wäre theoretisch der gewesen, keine Angriffsfläche bieten und/oder diplomatische Signale an die anderen Fraktionen aussenden zu wollen. Dies hätte allerdings vorausgesetzt, dass auf der anderen Seite jemand sitzt, der grundsätzlich zur Zusammenarbeit, zu fairem Umgang mit der AfD als Oppositionspartei bereit ist. Das ist, wie wir wissen, nicht der Fall. Warum sich also verbiegen?

17 KOMMENTARE

  1. Herrn Poschardt ist Heuchelei wohl lieber als Ehrlichkeit. Merkt man seinen Artikeln und Kommentaren an. Springer halt.

  2. entweder man ist volksvertreter, oder man ist schauspieler.
    poschard und seines gleichen untertanen vergessen, was die substanz der parlamentarischen arbeit sein sollte und reiten auf dem wertlosen beiwerk, das zur ehre gereichen soll herum – dabei ist das was die afd da macht genau das, was richtig ist: wer keine ehre hat und über dekaden deutschland nur kaputt gemacht hat, der verdient kein huldigungsbeiwerk – der verdient einen prozess und ein urteil.

    dass poschard und co das nicht mehr begreifen macht es leicht erkennbar, in welchem zustand sich der heutige journalismus befindet: inexistenz. heute gibt es nur noch PR-Dienstleister, propagandisten und huren: keiner von denen arbeitet mehr für den leser, alle arbeiten für die steuergeldverteiler und konzerne.
    leser und volk sind nur noch zahlschweine und nicht länger kunde.

  3. Treffende Worte, guter Kommentar.
    Der Poschard hat nicht nur Politik nicht begriffen. Was der alles der Partei abspricht gibt den Blick frei auf sein wirkliches ich. Er entmenschlicht und stößt aus der Kultur und Zivilisation aus.
    Hatten wir schon mal, Herr Poschard!

  4. nein, es zeigt die Ehrlichkeit dieser Partei.
    Warum sollen die einen/r Politiker/in mit Lob überschütten, der/die sie mit allen möglichen undemokratischen Mitteln bekämpft hat, behauptet hat, sie wären die Nazis. Seit Anfang an wird diese Partei mit unfäiren Mtteln bekämpf,. total undemokratisch behandelt.
    Die Politik der Märkel hat immer in Richtungv Vernichtung der BRD tendiert. Zur Erneneuerung der DDR.
    Also haben die AfD´ler absolut ehrlich und richtig gahandelt.

  5. Wie lange das Terrorregime samt Medienlumpen die Opposition noch „akzeptiert“ist nurnoch eine Frage der Zeit.
    Die Jagd auf sogenannten „Schwubler“,“Verschwörer“,“Leugner“ ist längst eröffnet.
    Kritiker mit denen man sich argumentativ auseinandersetzen müsste,sind längst „ausradiert“

  6. Die AfD sollte in ihrem ureigensten Interesse genau das tun, was ihr die meisten Wählerstimmen bringt. Das muss die Zielfunktion sein und nichts anderes. Mit den Wählerstimmen kommen dann auch die Möglichkeiten, Koalitionen zu bilden.

    Aber ich habe da bei der Führungsebene der AfD starke Zweifel, ob sie diese Zielfunktion überhaupt begriffen hat, oder lieber ihr eigenes Ego in den Mittelpunkt stellt.

    Da gibt es die moralische Verfehlung, die meiner Meinung nach nicht entschuldbar ist, von Gauland mit seiner Aussage „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“.

    Oder Höcke will, dass seine parteiinternen Gegner „allmählich auch mal ausgeschwitzt werden“. Das zeugt für mich davon, dass auch er auch keinen moralischen Kompass besitzt.

    Oder Meuthen, der die AfD gar spalten wollte, denn seiner Meinung nach ließen sich insgesamt bei einer Teilung in zwei Parteien wohl mehr und nicht etwa weniger Wähler erreichen als in der „derzeitigen, wenn man einmal ehrlich ist, permanent konfliktträchtigen Konstellation“. Welch eine Schnapsidee! Meuthen hat offenbar noch nie etwas von der LKR (Liberal-Konservative Reformer) gehört.

    Wie Meuthen der AfD geschadet hat, erfährt man in diesem Video:

    „Es ist alles möglich – wie die AfD über 40% erreicht“
    https://youtu.be/sJoGMxxhHDo

    Oder der von der Partei hochgejubelte Chrupalla sagte, Ziel der AfD sei es, die Partei bis 2025 koalitionsfähig zu machen.

    „Weidel und Chrupalla zu AfD-Fraktionsvorsitzenden gewählt“
    https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wahlen/bundestagswahl/afd-fraktion-vorsitz-weidel-chrupalla-wahl-100.html

    Was soll dieser Quatsch? Klar ist, dass in der derzeitigen Situation, wie im Beitrag erwähnt, keine Partei zur Zusammenarbeit mit der AfD bereit ist.

    Wenn die AfD auf zweiter Ebene nicht wirklich so viele gute Leute hätte, wäre es um sie schlecht bestellt.

    Auch auf kommunaler Basis leistet die AfD sehr gute Arbeit.

  7. Warum sollen nicht auch Journalisten-Attrappen ein Steckenpferd haben?

    „Es gibt keine gemässigten kräfte in der @AfD. es ist eine partei der niedertracht.“ – Ulf Poschardt (WELT) am 20.02.2020

    „Was für ein mieser, kaputter, uns deutsche beschämender laden, die @AfDimBundestag.“ – Ulf Poschardt (WELT) am 03.07.2020

    „Dass die @AfDim Bundestag der Kanzlerin Angela Merkel nach 16 Jahren den Respekt verweigert, zeigt, dass diese Partei weder Parlament, noch Demokratie, noch Staatsform, noch Bürgerlichkeit, noch Anstand, noch Stil verstanden hat.“ – Ulf Poschardt (WELT) am 09.12.2021

  8. Es wurden demokratisch gewählten AfD-Abgeordneten der Handschlag verweigert, einem demokratisch gewählten FDP-Ministerpräsident wurde der Blumenstrauß vor die Füße geworfen – was ist das für ein Verständnis von Parlament, Staatsform, Demokratie und Bürgerlichkeit? Von Stil und Anstand?

  9. FDJ Kanzler nimmt die stehende Huldigung der Volkskammer entgegen.
    Und die selbsternannten Größen der Merkel-Apportiermedien führen sich auf wie der angebundene Kläffer am Supermarkt Eingang wenn Frauchen reingeht.

  10. Wer nicht 10min für den Großen Führer Stalin klatscht, in den Gulag

    Wer nicht 10min für die Leitkuh aus der Uckermark …

    Thema Merkel und klatschen, ja gerne, aber keinen Beifall.

  11. Es zeigt doch nur wie vergeßlich oder realitätsverdrängend dieser Herr Poschardt in seiner Wahrnehmung ist.Er übersieht gerne,das der Wählerwille von 12Millionen Wählern eben genau von diesem Merkel Regime und deren Entourage während der letzten Wahlperioden in Sachen AFD ignoriert wurde…..unter Demokratie und Wählerwille verstehe ich was anderes.
    Diese Frau Merkel hat Deutschland mehr geschadet als jeder Landesführer vor ihr und gemessen an ihrer Leistung an diesem Land,finde ich die Reaktion der AFD mehr als angemessen.

  12. Sie haben genug Anstand bewiesen, indem sie sie nicht ausgebuht haben. Das wäre die eigentlich einzig angemessene Reaktion auf diese Unperson gewesen.

  13. Die MERKEL soll froh sein, dass sie nicht nach der Verabschiedung im Bundestag per „Blauer Minna“ in den wohlverdienten Knast gebracht wurde. Zu viel Blut klebt an den Händen der angeblich zeitweise mächtigsten Frau der Weltpolitik. Sie ist einmalig !!! Mit welcher Routine (FDJ/SED-Vergangenheit) sie sich so einige Rechtsbrüche erlaubt hat. Statt ihrer stattlichen Pension sollte sie für den Schaden, den sie in Deutschland angerichtet hat mit HARTZ IV entlohnt werden.

    • Hartz4 ? Viel zu viel !
      Zwei Plastiktüten in die Kralle und marsch raus zum Flaschen sammeln.
      Hat sie dank ihrer Staatslenkung unzähligen Deutschen zugemutet.
      Und Flaschen sammeln ist spannend, im Park trifft sie vielleicht die Flasche Poschart.

Comments are closed.