Freitag, 1. März 2024
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Sieben auf einen Streich

Sieben auf einen Streich

Die “Göttinger Sieben” (Abbildung:WikiCommons)

Verehrte Leser, was verbinden Sie mit den Namen Wilhelm Eduard Albrecht, Friedrich Christoph Dahlmann, Heinrich Ewald, Georg Gottfried Gervinus, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm und Wilhelm Eduard Weber? Vor Generationen, als die amerikanische Hegemonisierung der westlichen Welt noch nicht derartig fortgeschritten war und unsere freien Gedanken noch nicht wie mit Scheuklappen versehen einhegte, so, wie sie sich uns heute präsentiert: Da standen diese Namen europaweit für die Freiheit der Wissenschaft gegen staatlichen Irrglauben, feudale Autokraten und religiotischen staatlichen Wahnwitz. Unter der Bezeichnung “G7“ sind diese Männer damals in die Geschichte eingegangen – und damit waren keine führenden Wirtschaftsnationen gemeint, sondern die “Göttinger Sieben“ stehen und standen stellvertretend für den aufklärerischen wissenschaftlichen Anspruch des Sapere aude  (“wage, zu denken”), gegen staatliche Willkür und dass sich Erkenntnisse einer echten Wissenschaft immer gegen den Wahnwitz und religiotischen Unfug der Mächtigen durchsetzen wird.

Wenn wir uns heute die bedauernswerte junge Generation ansehen, die mit einer totalitären, konzertanten und jetzt schon mindestens zwei Jahrzehnte andauernden Dauerbeschallung mit Hilfe grotesker Geisteskrämpfe durch Schulen, Universitäten, Staazimedien und Politikhalunken geradezu in eine psychotische Nische geprügelt wurden: Dann sehen wir, dass die feudalen Strukturen – gegen die die wirklichen und echten G7 und ihre Unterstützer, wie etwa Heinrich Hoffmann genannt von Fallersleben, Sturm liefen – damals nicht etwa besiegt wurden, sondern lediglich darauf warteten, bis sie ihre verderblichen Strukturen wieder ausbreiten können.

Auch damals vorauseilender Gehorsam des charakterlosen Gesindels

Ernst August I., ein im Buckingham Palace als struktureller Parasit geborener Spross des englischen Königshauses, wurde 1837 “König“ von Hannover. Mit einem Federstrich hob er kurz nach seiner Thronbesteigung die bis dahin liberale Verfassung des Staates Hannover wieder auf. Sieben Professoren aus Göttingen protestierten dagegen. Natürlich gab es – damals wie heute – auch charakterloses Gesindel, das in vorauseilendem Gehorsam dem neuen König tief in den Allerwertesten kroch: Der Prorektor und vier Dekane der Universität Göttingen überreichten kurz nach dem Protest auf seinem Jagdschloss Rothenkirchen dem König, ohne ein Mandat der Universität dafür zu haben, eine Ergebenheitsadresse, in der sie fälschlicherweise behaupteten, dass sich die Universität “von aller Gemeinschaft mit den Sieben lossagt“ und deren Gesinnung schmähte. Der König entließ daraufhin die sieben Professoren und verwies drei von ihnen sogar des Landes.

Nun jedoch erhob sich ein Entrüstungssturm der Solidarität mit den Delinquenten, und das weit über die Landesgrenzen hinaus: Europaweit sammelten Professoren und Bürger für die sieben, um ihnen weiterhin ihr Gehalt zahlen zu können. Gleichzeitig überschlugen sich die mittlerweile zornigen Stimmen – und erstmalig fiel auch das schwerwiegende Wort “Revolution“. Der Freund und Dichterkollege Heinrich Hoffmann genannt von Fallersleben schrieb, den Gebrüdern Grimm und den restlichen “Göttinger Sieben“ zu Ehren, 1839/40 folgendes Gedicht, erschienen in den “Unpolitischen Liedern”:

Knüppel aus dem Sack
Von all den Wünschen auf der Welt
nur einer mir anjetzt gefällt
KNÜPPEL AUS DEM SACK !
Und gäbe Gott mir Wunschesmacht,
ich dächte nur bei Tag und Nacht
KNÜPPEL AUS DEM SACK !

Dann braucht ich weder Gut noch Gold,
ich machte mir die Welt schon hold
mit: KNÜPPEL AUS DEM SACK !
Ich wär ein Sieger, wär ein Held,
der erst´ und beste Mann der Welt
mit: KNÜPPEL AUS DEM SACK !

Ich schaffte Freiheit, Recht und Ruh,
und frohes Leben noch dazu
beim: KNÜPPEL AUS DEM SACK !
Und wollt ich selbst recht lustig sein,
so ließ ich tanzen groß und klein
beim: KNÜPPEL AUS DEM SACK !

Oh, Märchen, würdest Du doch wahr,
nur einen einzigen Tag im Jahr
KNÜPPEL AUS DEM SACK !
Ich gäbe drum, ich weiß nicht was,
und schlüge drein ohn´Unterlaß
KNÜPPEL AUS DEM SACK !

Aufs Lumpenpack! Aufs Hundepack!

Politkamarilla nach Gutsherrenart

Jacob Grimm schrieb 1838 über seine Beweggründe für den Protestbrief: “Die Geschichte zeigt uns edle und freie Männer, welche es wagten, vor dem Angesicht der Könige die volle Wahrheit zu sagen; das Befugtsein gehört denen, die den Mut dazu haben. Oft hat ihr Bekenntnis gefruchtet, zuweilen hat es sie verderbt, nicht ihren Namen. Auch die Poesie, der Geschichte Widerschein, unterläßt es nicht, Handlungen der Fürsten nach der Gerechtigkeit zu wägen. Solche Beispiele lösen dem Untertanen seine Zunge, da wo die Not drängt, und trösten über jeden Ausgang.

Und von Fallersleben schrieb 1840, ebenfalls erschienen in seinen “Unpolitischen Liedern“, auch das Lied über das Bienenlos. Angesichts der heutzutage nur anmaßend zu nennenden Entscheidungen einer Politkamarilla, die völlig enthemmt in feudalistisch-totalitäre Strukturen zurückfällt und ohne Achtung vor Recht und Ordnung nach Gutsherrenart agiert, ist das Lied aktueller denn je – wenn man das Wörtchen “König“ durch “Partei(en)“ ersetzt:

Bienenlos

Wir geben und der König nimmt,
wir sind zum Geben nur bestimmt,
Wir sind nichts weiter als die Bienen,
arbeiten müssen wir und dienen.

Und statt des Stachels gab Natur
uns eine stumpfe Zunge nur,
die dürfen wir nie unseretwegen
und nur im Dienst des Königs regen.

3 Antworten

  1. Die westlichen demokratischen Werte werden gegenwärtig nicht in der korrupten Ukraine verteidigt, sondern in Frankreich von den Demonstranten, die gegen Macron protestieren.
    Die Franzosen kämpfen gegen einen globalistischen Autokraten (Präsident Macron, der früher für Rothschild gearbeitet hat) und seinem autokratischen Regierungsstil. Vor 2 Tage habe ich in einer Zeitung gelesen, dass Macron erneut fast alle Demos und Kundgebungen gegen die Rentenreform für die gesamte Woche verboten hat und die Polizei angewiesen hat mit aller Härte alle Kundgebungen und Demos gegen die Rentenreform sofort aufzulösen.
    Wo bleibt der AUfschrei der Demokraten in Brüssel, die ja ständig gegen die Anti-Demokraten wettern und ständig Orban drohen, weil er angeblich ein undemokratischer Staatsmann sein soll, der die Meings- udn Pressefreiheit bekämpft?
    DIe EU sollte hier dringend Sanktionen und Strafverfahren gegen Frankreichs Regierung und Macron verhängen.
    Schon damals in Spanien , als es um die Separatisten von Katalonien ging, wo die Demonstranten brutal niedergeküppelt wurden udn die Mitglieder der rechtmäßig gewählten Regierung von Katalonien allesamt politisch verfolgt und in den Knast weggesperrt wurden, blieben unsere EU-Politiker und Brüsseler Kommissare erstaunlich still und gelassen. Die EVP-Partei im EU-Parlament paktiert bis heute weiterhin mit der Partei von dem spanischen Autokraten Rajoy (Partido Popular ). Aber der neue Regierungschef von Spanien Pedro Sánchez ist hier auch nicht viel besser, was die Einhaltung von Menschenrechten und demokratische Standards in Spanien angeht.

    1. Die EU und Macron verfolgen dieselben Ziele. Deshalb wird die EU niemals gegen Macron vorgehen.

  2. Die “Göttinger Sieben”. Aufrechte Männer gab es schon immer, aber leider auch den Abschaum.