Social-Media-Trend „Millenial Optimism“: War es wirklich eine bessere Zeit damals?

Social-Media-Trend „Millenial Optimism“: War es wirklich eine bessere Zeit damals?

Berliner Love Parade im Sommer 2000: Ein (noch) unbeschwerteres Lebensgefühl (Symbolbild:Imago)

Dass auf Social Media ein Trend umhergeht, ist ja nichts Neues – und letztlich ist ja auch Social Media selbst nicht mehr ganz neu. Meist handelt es sich aber nur um einen kleinen Schabernack, der zwar recht witzig, aber ansonsten belanglos ist. Vieles regt nicht wirklich zum Nachdenken an und ist daher auch schnell wieder vergessen. Beim aktuellen Trend darf man aber einmal kurz innehalten, oder genauer gesagt: Ich halte kurz inne. Denn es geht um die Millenials – zu denen ich auch gehöre, also zu all denjenigen, die grob gesagt in den 80ern und 90ern geboren wurden und auch als “Generation Y“ bekannt sind. Mit mittlerweile 40 Jahren (ja, es schmerzt!) darf ich mich als Betroffener wohl äußern. Denn „Betroffene“ geben in den Medien ja bekanntlich immer ihren Senf zu allem ab. Worum geht es?

Es geht um den „Millenial Optimism“, also um die Vorstellung, meine Generation habe in den 2010er Jahren in einem nahezu paradiesischen Zustand gelebt. Wichtig: Dies sagen die Millienials gar nicht selbst, sondern es sagt vor allem die “Gen Z”, also die nachfolgende Generation, die vielleicht gerade noch in den 90ern, meist aber nach der Jahrtausendwende geboren wurde. Auf TikTok schwelgen diese in der Vergangenheit und posten Bilder oder Musikvideos von “damals”. Manch ein Millenial denkt an seine wilden Partynächte zurück und postet Selfies von einst.

Die 2010 waren keine bessere Dekade

Gerade wenn man diesen Aspekt betrachtet, ist am neuen Trend tatsächlich sogar etwas dran: Wer heute jung ist, dem sind mehrere Jahre seines Lebens und viele Chancen, feiern zu gehen, durch den äußerst zähen Corona-Lockdown geraubt worden. Aber ansonsten? Herrschte da Optimismus im vergangenen Jahrzehnt? Wohl kaum! Manche in der heutigen Jugend fürchten Inflation und dass ihnen die KI Jobs wegnimmt. Aber damals? “Generation Praktikum” war das Schlagwort für die Millenials, die nach dem Studium von einem Job zum nächsten hechelten ohne ganz anzukommen. Mal ganz abgesehen davon, dass Arbeitslosigkeit mittlerweile eher die kleinste Herausforderung in unserer Gesellschaft ist – nicht etwa weil die Wirtschaft brummt (denn das tut sie nicht) sondern weil es weit schlimmere Probleme gibt.

Man muss schon woke sein, um zu glauben, dass die Zehnerjahre eine bessere Dekade waren als heute. Bereits der 11. September 2001 hatte das neue Jahrhundert gebührend eingeleitet; es folgten Terror und Krieg. In den 2010er Jahren etablierte sich dann der Islamische Staat in Syrien und dem Irak, und Millionen Flüchtlinge brachen nach Europa aus. Man darf den Bahnhofsklatschern der Frühphase noch einige naive Monate durchgehen lassen – aber wer nach der Kölner Silvesternacht keine riesigen Probleme sah, der wollte sie nicht sehen. Immerhin: Die Transgenderideologie oder rassistische Bewegungen wie “Black Lives Matter” fristeten damals noch ein Nischendasein, bevor sie dann etwa ab 2020 vollends in den Mainstream eindrangen.

Unbekümmerter Lebensstil der “Spaßgesellschaft”

Soll das nun heißen, dass es den nostalgisch betrauerten einstigen Optimismus der Millenials gar nicht gab? Nein! Es gab ihn durchaus – nur eben vor dem 11. September 2001. Sicher war der Islam schon damals ein Problem – aber eben nur eines unter vielen. Die Generation Z wird es sich kaum noch vorstellen können – aber wenn damals eine Bombe explodierte, dachte man nicht automatisch an den Islam. Im Jahr 2000 reiste ich mit meiner Schulklasse nach London und mehrere Eltern sorgten sich vor einem Anschlag; gemeint war damals allerdings die katholische IRA. Damals konnte ein Afghane sogar noch ein Flugzeug entführen, ohne dass es etwas mit dem Islam zu tun hatte.

Und es gab noch das Wort von der „Spaßgesellschaft“: Jenes Schlagwort, das den unbekümmerten Lebensstil beschrieb, war eigentlich abwertend gemeint – in dem Sinne, dass die Jugend eher mal an den Ernst des Lebens denken sollte, statt sich dauernd im hier und jetzt zu vergnügen. Mit genügend zeitlichem Abstand wird man heute fast schon etwas melancholisch, wenn man bedenkt, dass eben nicht zu wenig, sondern zu viel Spaß mal ein Problem darstellte! Sinnbild der Spaßgesellschaft war wohl die Loveparade, die allerdings nur in den späten 1990ern wirklich groß war, in den 2000ern dann etwas dahindümpelte und ein kraftloses Comeback erlebte, nur um dann im Jahr 2010 als kommerzialisierter Aufguss, der in einer tödlichen Massenpanik endete, endgültig abzusterben.

Extreme politische Polarisierung war noch fern

Fester Bestandteil der Spaßgesellschaft war auch, dass Politik nicht ganz so wichtig war. Warum auch? Immerhin wurde Deutschland damals noch (halbwegs) gut regiert. Natürlich liefen auch damals schon Dinge schief, aber damals wusste man immerhin noch was eine Frau war und selbst linke Medien kritisierten den Islam als gewalttätige Religion. Interessant ist jedoch die Frage: Gab es damals wirklich weniger politischen Streit? Die Antwort lautet eindeutig ja. Das lässt sich zum Beispiel für die USA zeigen: In den 1990er Jahren war die Gesellschaft tatsächlich weit weniger stark polarisiert. Mittlerweile aber ist der Streit allgegenwärtig, viel unversöhnlicher und persönlicher. Republikaner und Demokraten ziehen inzwischen sogar in separate Stadtteile.

Damals aber bewertete man Politiker nicht nach ihrer Parteizugehörigkeit, sondern vor allem nach ihrer Kompetenz. Die Zahl der Wechselwähler war höher und bei einer Wahl (bei der man beide Kammern des Parlaments, den Gouverneur und den Präsidenten wählen konnte) kam es häufiger vor, dass ein Wähler für Kandidaten beider Parteien stimmte. Vielleicht war der Republikaner sympathischer und der Demokrat kompetenter. Mittlerweile geht es auf beiden Seiten des Atlantiks nur noch darum, sich als edler als der Gegner zu präsentieren. In Deutschland ist diese Spaltung durch den “Kampf gegen Rechts” und die mit der Flüchtlingswelle einsetzende Anfeindung der AfD als rechtsextrem ähnlich.

Teil von etwas Großem

Kam nach dem Fanal des 11. September 2001 doch noch mal ein wenig Optimismus auf? Ja, und zwar im Jahr 2003 mit dem amerikanischen Angriff auf dem Irak. Ich war damals einer von Millionen weltweit, die gegen diesen Krieg auf die Straße gingen, und fühlte mich als Teil etwas Großem. Verhindern ließ sich die Invasion dann doch nicht, aber das Gefühl, für das Gute eingetreten zu sein, wirkte noch nach. Ich dachte, dass die Menschheit nun kurz vor der Erkenntnis stünde, dass Kriege etwas Schlechtes seien und dass die Lügen der US-Regierung über angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak ein allerletztes Mal funktioniert hätten, bevor nun endlich der weltweite Frieden anbräche. Wie bescheuert und naiv dieser Gedanke war, muss mir natürlich niemand an dieser Stelle erklären; das weiß ich selbst!

Dennoch: Dass sich Europa damals immerhin einmal zusammengerauft hatte, obwohl es jahrhundertelang Spannungen gab, war doch etwas wert. Auch die Einführung des Euro im Jahr zuvor hatte ich durchaus positiv gesehen und auf ein Zusammenwachsen der Völker gehofft. Doch seit man überall “mit Karte“ zahlen kann, ist eine Einheitswährung eigentlich überflüssig. Und als besonders stabil hat sich der Euro ja auch nicht erwiesen, wie dann in der Griechenlandkrise ab 2008 überdeutlich wurde. Ach ja, und das Sommermärchen um die WM 2006 gab tatsächlich auch nochmals einen kurzen Hoffnungsschub für ein positives Lebensgefühl – doch es sollte nicht lange währen.

Wer also den “Millenial Optimism” sucht, der wird durchaus fündig – aber er muss eben noch weiter in der Zeit zurückgehen. Die 1992 geborene britische Sängerin Charli XCX jedenfalls, immerhin selbst ein Millenial, hält 1999 für die bessere, bessere Zeit.

 

5 Antworten

  1. Damals waren Telefone, Computer und die ersten Handys ein göttliches Highlight. Geräte waren sehr teuer und auch eine Flatrate gab es nicht wie Richtung 2005. Ende der Nuller da wurden Überwachung und Speicherung von Daten gebilligt bei Schwerverbrechern und Islamisten was man aber Jahre vorher bei den Rechten erprobte. Vorratsdateien sind nichts weiter als Bürgerrechtsbeschneidungen und Eingriff in die Persönlichkeit. Mit Rabatt-Apps in Supermärkten und Discountern da werden eben die Einkäufe billiger und die Großkonzerne freuen sich so alle Daten des Nutzer zu ergattern mit Schadsoftware und Trojanern da ja alle wichtigen Daten des Besitzer drauf sind und meist modern schon die Bankverbindung emporsticht. Alles ist eine Macht und auch Sicherheitsbehörden freuen sich ja da so Anrufe, SMS, E-Mails und Facebook-Kontakte so lockerleicht da sind um sie auszuwerten wie der Glückliche tickt mit Nöte und auch Ängsten. Staatsfeindliche Wortwahl kann herausgefiltert werden und wehe es wird kräftig geschimpft wo die Zauberzahlen 86, 90 und 130 gezogen sind da kommt zauberhaft ein Gefahr im Verzug mit dem SEK am Bett wer nicht bei klingeln rechtzeitig die Tür öffnet. Systematisch wird nach Zufallsfunden gesucht damit das Urteil hart ausfällt für die Presse. Der Arbeitgeber wird informiert wo rasch die Kündigung folgt. Die Geldstrafe kann 2000-3000Teuro beim Hauptverfahren betragen als Ersttäter mit 1-2 Jahren Bewährung. Das Berufsverbot ist Standard. Der Weg zum Sozialfall folgt. Um dies zu vermeiden empfehle ich den Rechtsratgeber für Dissidenten und Aktivisten. Beim Sturmzeichen-Verlag, Druck18-Versand oder PC-Records ist e erhältlich. GEBT DER BRD IN ENDZEIT KEINE CHANCE!!!

    1. Völlig richtig!
      …und im Übrigen
      Das Gesamtdeutschland nach der Wende hatte seine beste Zeit hier (jedf. im Osten)
      zwischen 1989 und 1994! Danach gings richtig los mit der Verdummung weiter Teile der deut. Bevölkerung, auch übers kommende Internet!

  2. In den 90ern gab es, ganz ähnlich wie 2 Jahrzehnte später, auch einen massiven Anstieg der Zuwanderung mit entsprechend explodierenden Gewalttaten. In Folge dessen kamen die Republikaner – quasi die Schwefelpartei von damals – in Wahlen über 10%. Aber anstatt zu brandmauern wurde damals zumindest halbwegs etwas gegen die Mißstände unternommen.

    Im Ausland mußte man zwar erstmal Geld umtauschen, aber wenn man es mal hatte war man völlig totaldigitalüberwachungsfrei, ganz anders als heute wo mancherorts die Suche nach Labung & Logis die noch mit raschelndem Schein und klingender Münze bezahlt werden kann zu einer regelrechten Sucherei ausartet.

    Das damals noch neue Weltnetz war überwiegend in der Hand von vielen kleinen Mitgestaltern, ganz anders als die heutige zentralistische Monopolmonotonie auf der Wischdatschwanze.

    Und wenn man keinen Fernseher besaß wurde man auch vom ÖR-GEZiefer verschont, ganz anders als heute wo dessen Schundfunkschutzgeldschergen jedem die Wohnsitzzwangsabgabe abnötigen zu trachten.

    Also ja, vor 2001 war es auch nicht gut, aber definitiv viel besser.

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    1. Damals gab es auch noch die EU Kommission nicht! Und mit dieser diktatorischen Einrichtung, nie in einer demokratischen Wahl gewählt, fingen die Probleme Deutschlands und der Länder Europas erst richtig an!
      Denn es werden aus den einzelnen Länder nur die Nieten dahin befördert und meistens haben die eine kriminelle Vergangenheit! Le Gard, der Säufer, der Maddin Schulz und die v. d. Leiche! Alles gescheiterte inländische Politiker!