Solidarität wirkt – spart Wasser!

„Für die Kinder in der Ukraine“ (Cartoon:Vox/Netzfund,BeiSchneider)

Ich weiss nicht, was die Leute für ein Problem mit dem 9-Euro-Ticket haben. Allenthalben beschwert man sich über aus den Nähten platzende Züge, Verspätungen, Verwahrlosung und dass die normalen Pendler das Billigticket querfinanzieren müßten. Ja, natürlich ist dies nicht das einzige Problem im Lande. Da hätten wir die Massenmigration, die Wohnungsnot, die Arbeitslosen und Hartzer. Andererseits wiederum den Fachkräftemangel und Restaurantschließungen an bestimmten Tagen wegen Personalmangels. Aber was soll’s?

Mich persönlich ficht das Ganze nicht (mehr) an. Seit rund drei Wochen habe ich immer Platz im Zug. Kaum steige ich ein, teilen sich die Menschenmassen wie das Rote Meer auf Mose Geheiß. Selbst wenn ich mich setze, stehen freundliche Mitreisende unaufgefordert auf und überlassen mir die gesamte Sitzbank. Ich finde das super, kann ich doch dann in Ruhe meine Füße auf den gegenüberliegenden Sitz legen, meine Vesper auspacken und gemütlich vor mich hinmampfen.

Ich übe Verzicht

Das Leben ist schön. Mir geht es gut. Ich bin rundum entspannt und glücklich. Und all dies, weil ich solidarisch bin. Weil ich selbstlos bin. Weil ich Verzicht für die armen Menschen in der Ukraine übe, die wegen des Schufts Putin so sehr leiden müssen.

Alles fing – wie gesagt – vor einem Jahr an. Ich saß mit meiner solidarischen Freundin in ihrem autofreien Viertel in einer fußläufigen Ökokonditorei „Fleischfrei“ und mümmelte mit ihr händisch geformtes Sägespänegebäck, das mit geheimem, über 10 Generationen überlieferten tibetischen Mantren gesegnet und mit einem Fluch gegen Rechte, Konservative und Menschen mit gekämmten Haaren belegt worden war. Wenn einer von ihnen auch nur in die Nähe des kostbaren Gebäcks käme, würde er sofort niesen müssen. Würde er es wagen, in das Teilchen hineinbeißen, so würde Phase zwei des Fluchs ausgelöst werden: Stundenlanges Erbrechen.

Investieren in Aktien für Waffen statt Frieden schaffen!

Während wir wo plauschten, gab mir Solana Blumenschön (vor ihrer Initiation im indischen Ashram: Heike Schmidt) den Tipp, in Aktien von Heckler & Koch, MAN, Jenoptik, MTU Aeroengines und Kraus-Maffei-Wegmann zu investieren. Dank ihrer Beziehungen zu Quotenfrauen bei den Grünen hatte sie frühzeitig vor Ausbruch des Ukrainekriegs den Hinweis bekommen, Aktien bei diesen Waffenproduzenten zu kaufen. Mittlerweile hatte sie schon ein erkleckliches Sümmchen erwirtschaftet und einen Teil davon auf ihrem Offshorekonto in Rubel angelegt. Außerdem hatte Solana für ihren persönlichen Flüchtling aus Afrika, mit wunderbaren Muskeln wie aus Ebenholz, das ehemalige Dienstbotenzimmer in ihrer elterlichen Villa ausgebaut, die sie endlich vor einem Jahr bezogen hatte.

Lange genug hatte es ja gedauert. Dank ihres Dauerterrors in Form von täglichen Beschimpfungen der eigenen Eltern als Nazis, Umweltsäue und Rechtsextreme erlitt ihre Mutter schließlich nach fünf Jahren einen Schlaganfall und ihr Vater entwickelte Demenz, so dass sie beide endlich im Pflegeheim abgeben und die Verfügungsgewalt über ihre Ersparnisse übernehmen konnte. Wurde auch wirklich Zeit! Das winzige WG-Zimmer unter dem Dach war einer Gerechtigkeitskriegerin mit intensiver schamanischer Ausbildung und Aufstiegserfahrungen zur Buddhaschaft wahrlich nicht mehr würdig gewesen. Zu mehr hatte jedoch das Geld ihrer steuerfinanzierten Initiative „AfD – wir sehen Dich“ nicht gereicht.

Mir ist mein Engagement ernst

Egal: Nun war alles anders, und nun schlemmten wir nach gut einem Jahr wieder zu Sphärenklängen eine Torte mit veganer Schlagsahne, während ich ihr von meiner neuesten Investition dank meiner Aktiengewinne berichtete: Ein schnuckeliges Häuschen im südlichen Teil Teneriffas, wo das ganze Jahr die Sonne scheint und niemand frieren muss. Von dort werde ich weiterhin Spenden für geflüchtete Ukrainerinnen und minderjährige Flüchtlinge mit traumatisierenden Erfahrungen sammeln und an die relevanten Arbeitsgruppen weiterleiten, die meine zahlreichen Verwandten betreiben. Dazu fühle ich mich verpflichtet. Denn nicht jeder hatte das Glück, in einem solch reichen Land wie Deutschland geboren zu werden.

Mir ist mein Engagement ernst. Das erläutere ich auch gegenüber Solana erneut, die ständig ihre Nase wegen meiner Pläne zu rümpfen scheint. Denn ich übe seit vier Wochen konsequent Solidarität mit der Ukraine – und wasche mich nicht mehr. Die erste Woche gab es noch keine Reaktionen von den Menschen. Doch jetzt treten die Menschen ehrfürchtig zu Seite, wenn ich einen Raum betrete – und, wie schon erwähnt, mir stellt bei jeder Fahrt in den ÖPN-Verkehrsmittel jemand sogleich freiwillig seinen Platz zur Verfügung.

Solidarität wirkt!

Ihr seht also, liebe Leser: Solidarität wirkt! Jeder kann aktiv werden und Wasser sparen. Wir können es Putin zeigen! Auch die Ukrainerinnen zollen mir Respekt. Als Dank für meine Bemühungen schenken Sie mir Seife und Waschlappen, die ich selbstverständlich nicht behalte, sondern an die Tafeln weitergebe. Denn auch die armen Deutschen dürfen wir nicht vergessen.

In diesem Sinne: Wir schaffen das! Bis zum nächsten Mal in der Ökokonditorei „Fleischlos“!

Dieser Beitrag erschien auch auf beischneider.

8 Kommentare

  1. Ach nee !
    Napoleon hat seiner Geliebten ausrichten lassen,
    „Josephine, bin in einer Woche wieder zurück,
    wasche dich bis dahin nicht“.
    Ferkel gibt es nicht nur heute.

  2. https://youtu.be/d55p5k_YqTg

    „Wahnsinn! Zu Hause frühstücken? Papa rastet aus! Ludwiggymnasium Köthen! Vater zählt Schule an!
    von Ex-Polizist Sven K.“

    Der Faschismus scheint auch in Schulen angekommen zu sein und Lehrkräfte scheinen sich darin zu suhlen.
    Pfui !
    Es wird immer schlimmer, schaut und hört aber bitte selbst.

  3. Ja, das Leben kann so einfach sein. Z.B. die Maskenpflicht in den Geschäften. Nun bin ich jemand, ich gestehe es, der sich bei der Gefährlichkeit des Covid-2-Virus an den Studien von John Ioannidis orientierte, d.h. ich hatte keine Angst. Ich hätte also keine Maske und schon gar keine Maskenpflicht gebraucht. Aber das sollte einen den psychischen Phänomenen seiner Umwelt achtsam entgegentretenden Menschen nicht zur stereotypen Renitenz verleiten. So auch mich nicht, denn:
    Auch die Maskenpflicht hatte ihre punktuellen Vorteile. Wer kennt das nicht? Im Baumarkt, man hat das richtige Regal seiner Wünsche gefunden und steht rat-, orientierungs- und bewegungslos vor der verwirrenden, sich in ihrer scheinbaren Unordnung über einen lustig machenden Vielfalt des Angebots. Hilfesuchend sieht man sich um. Wenn man Glück hat, erhascht der Blick noch einen gerade um die nächste Regalecke verschwindenden Baumarkt-Angestellten. Aber, jahrelage Erfahrung hat das erwiesen, es macht keinen Sinn, ihm flugs hinterher zu hetzen, denn der Boden hat diesen potentiell hilfreichen Menschen offensichtlich verschluckt – und zwar immer.
    Dieses Elend hatte mit der Maskenpflicht eine Ende. Sobald ich im Baumarkt Beratung brauchte, habe ich einfach die Maske abgezogen und – ich schwöre! – keine 30 Sekunden später kam wie hergezaubert ein Angestellter auf mich zu. Jetzt schnell, bevor sich der Blockwart-Blick verbal inszenierte, die Maske auf und sofort in freudigem Tonfall seine Frage gestellt. Nach maximal drei Sekunden, die der Service-Mensch mental zwischen „verarscht?“, „ein Versehen?“ und „mein Job!“ herum-mäanderte, waltete er seines Amtes – und beriet mich. Ja, ich gestehe es: Nie waren Baumarkt-Besuche so angenehm zeitlich gestrafft wie während der Maskenpflicht.

  4. Bin ich froh ihren Artikel gelesen zu haben, denn am Mittwoch, 24. 08. war ich Wien-Klagenfurt unterwegs, eine alte Frau vis á vis war kein Problem, ein mittelalter Mann im Abteil war kein Problem, ein junges Mädchen mit Musikinstrument war kein Problem, dann stieg eine junge Frau ein mir Schlitz quer in den Jeans, Maske tragend, und ich entwickelte Aggressionen, denn sie „müffelte“, kurz darauf stieg noch eine junge Frau ein, ebenfalls Maske tragend, sie stank ebenfalls, geschminkt und mit auffällig lackierten Nägeln… ich war ratlos… stinken die für´s Klima oder für die Ukraine? ist Bahn fahren jetzt keine Option mehr?…jetzt kenn ich mich aus…

  5. Da braucht man nicht gallig lachen, sondern – wie es sich für einen Deutschen mit Herz und Verstand gehört – herzhaft!
    Heutzutage tun sich in Unserem Land so viele Paradoxien und Idiotien auf, daß es für einen Deutschen mit Herzensbildung und Bildung und einer guten dazugehörenden Portion Phantasie und Humor ein Leichtes zu sein scheint, bestimmte Aspekte unseres Alltagslebens auf „die Schippe“ zu nehmen. So bleibt Uns wenigstens das Lachen erhalten, daß für die Menschen im Deutschen Volk derart lebenswichtig ist, wie gesunde Luft zum atmen.
    Wieder einmal köstlich!
    Danke 🙂

    Gruß Rolf

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