
(Foto: Schneidereit)
Gestern war Sommersonnenwende, und doch ist mir, als läge ihr Kontrapunkt – die kalte Wintersonnenwende – erst zwei, drei Monate zurück. Hatte ich nicht erst kürzlich noch den Korb Holz nach oben geholt, um das Kaminfeuer im warmen Zimmer meines alten Hofes am Brennen zu halten, während ich die früh einsetzende Dunkelheit bei Kerzenschein und einem Glas Whisky still willkommen hieß? Das war doch gerade erst… Nein, es braucht mit den Jahren keinen Einstein mehr, um zu begreifen, wie relativ Zeit ist. Dass man sie anders wahrnimmt und dass sie vor allem schneller vergeht, ahnt man mit 27 noch nicht; man weiß es aber mit 57. Die Großmutter hatte also doch Recht. Nun sitze ich hier im Süden Frankreichs, im kleinen Pinienwald, hoch auf den Klippen des Mont Salva am Meer, nahe Sanary. An einem der vermutlich traumhaftesten Ausblickpunkte dieser Erde. Menschen: null. Zikaden: zigtausende. Ein Zirp-Konzert ohnegleichen. Ein seit zwei Wochen wolkenloser Himmel wölbt sich über die glitzernde, türkisblaue See; die 35 Sommergrade sind im Schatten meiner Pinie, deren knorrige Wurzel mir einen Sitz gewährt, wunderbar zu ertragen. Nein, ein privilegierterer Platz zum Schreiben und Nachdenken ist vermutlich nicht denkbar.
Hier sollte das ausschließlich Schöne leicht aus der Feder fließen – doch Helles und Dunkles liegen nicht von ungefähr stets so dicht beieinander. Gedanken lassen sich nicht deaktivieren – und auch wenn ich kürzlich noch schrieb, hinsichtlich persönlicher, politischer Statements die Segel streichen zu wollen, so funktioniert mein Eskapismus diesbezüglich letztlich immer unzureichender. Online-Erreichbarkeit ist sowohl Segen als auch Fluch – und so bedürfte es schon der rigorosen Abschaltung oder besser noch des kompletten Verzichts auf alle mobilen Endgeräte, um sich der Außenwelt (die letztlich nie eine solche ist) zu entziehen um sich einzig den Sinneseindrücken des Reisens hinzugeben. Also kompromissloser Hedonismus als nochmalige Steigerung des besagten Eskapismus? Wohl eher nicht. Die Augen zu schließen, wird nichts ändern. Nichts verschwindet, nur weil man nicht sieht, was passiert. Auch hier in „Douce France“ bin und bleibe ich zu sehr der, der ich bin – und kann letztlich nicht ausblenden, was ich mir resolut vornahm, übersehen zu wollen. Die ewige Frage ist: wie weit müsste man fortgehen, um wirklich dem Verhassten zu entfliehen? Ich war in Afrika, Asien, Nord- und Südamerika; habe ein Jahrzehnt im kauzigen Irland, an Europas Peripherie gelebt, war dort zu Hause. Andere Probleme, andere Herausforderungen, anderer Irrsinn – völlig egal, wohin man geht.
Unsere Nationen sollen verschwinden
Gestern war ich an einem meiner versteckten Lieblingsstrände gewesen, hier an der Côte. Dort, wo Männlein und Weiblein – die wenigen, zwei Dutzend vielleicht, die sich hierher verirrt haben – kaum oder keine Klamotten brauchen, um sich Sonne, Meer, Natur und Ruhe hinzugeben. Ein Muskel- und Zauselbart-Moslem fläzt sich gemeinsam mit seiner dicklichen, eingepackten Aische mit Tisch, Stühlen, Halal-Vollverpflegung vorn mittig in die erste Reihe und raucht Wasserpfeife. Stundenlang. Dampfwolken über dem gesamten Strand; lautstarkes, arabisches Palaver mit Aische. Pose, Haltung, Erscheinung: brutale Dominanz; „ich verachte euch“; „ihr könnt mich mal“. Alle Leute, normale Franzosen, ziehen sich was über, wie auf Knopfdruck. Keiner will offenbar Ärger. Ein Schlüsselerlebnis. Es ist, als gibt eine ganze, gewachsene Kultur in diesem Moment klein bei. Servil und freiwillig.
Die französische Aktivistin Thaïs d’Escufon wurde von einem Gericht zu einer Geldstrafe von 1.000 Euro verurteilt (und entging nur knapp einer Haftstrafe), weil sie während eines Fernsehauftritts im Jahr 2023 vollkommen korrekt darauf hinwies, daß die größte Gefahr für Frauen in Frankreich von afrikanischen und arabischen Einwanderern ausgeht. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Beispiel von vielen. Alle weiteren Urteile dieser Art hier aufzuzählen würde den Rahmen dieses kleinen Textes sprengen.
Während in Frankreich in Umfragen heute knapp 80 Prozent der Bürger der Meinung sind, dass es längst zu viel Einwanderung gibt, wird politisch weiter zu einem „Frankreich der Einwanderer“ mobilisiert. Gegner werden mundtot gemacht oder rigoros bestraft. Diese Agenda zieht sich inzwischen durch Westeuropa, wie der sprichwörtliche „rote Faden“. Unsere Nationen sollen verschwinden – zugunsten beliebiger Multikulti-Shitholes, zu denen hiesige Städte wie Marseilles, Paris, Lyon und Teile von Nizza längst verkommen sind (von Deutschland mag ich hier gar nicht erst anfangen). Vollmundig versprochen wurde uns Bereicherung. Bekommen haben wir Verwahrlosung, Gewalt und schließlich ultimative Vereinnahmung. Wenn man sich hier in Frankreich ein aktuelles Bild macht, weiß man umgehend, daß mutige Frauen wie Thaïs d’Escufon vollständig Recht haben. Man weiß, daß Brigitte Bardot, die bereits vor nunmehr zwanzig Jahren laut und öffentlich genau diese Wahrheit aussprach und dafür bestraft und zur „Rechtsradikalen“ erklärt wurde, Recht hatte. Dass Zigtausende mit dieser Wahrheit Recht haben. Doch die Wahrheit auszusprechen wird inzwischen überall als Verbrechen bestraft – in unserem Europa der einst großen Nationen. Aber das Allerschlimmste ist: die meisten Leute sind inzwischen so gleichgültig und abgestumpft geworden, daß sie nicht die Wahrheit, sondern vielmehr das Aussprechen der Wahrheit als Belästigung empfinden – was einer wirklichen, einer intellektuellen Bestrafung gleichkommt. Aber da sind wir angekommen. Warum, das verstehe wer will.
Nein, ich ruiniere mir nichts!
Unter mir leuchtet noch immer das Mer Méditerranée in azurblauer Vollendung. Wie ein riesiger Zaubertrank wirkt es auf finstere Gedanken und bringt dann irgendwann doch gedankliche Milde zurück – heute, am längsten, sonnigsten Tag dieses Jahres. „Ruiniere dir nicht deine Reisen mit sowas“ gibt mir stets ein guter, alter Freund zu bedenken, dem ich meine Texte, jenseits von Social Media, ab und zu durch den Äther schicke. Recht hat er. Aber: „I can‘t unsee it!“, will ich dann immer umgehend nachlegen – mit jenem englischen Passus, der‘s in seiner Knappheit irgendwie am klarsten trifft. Nein, ich ruiniere mir nix. Heute Abend gibt’s die Fête de la Musique hier im schönen Sanary-sur-Mer. Musik auf 20 Bühnen; Wärme, Wein und Sommer – inmitten der Atmosphäre dieses so bezaubernden Hafenstädtchens, in das es mich nun schon seit so vielen Jahren wieder und wieder zieht. Und dann, später des Nachts, wenn die derzeitigen Temperaturen von 35 auf milde 25 Grad gesunken sind, werde ich wieder in meinem Reisegefährt auf meinem verstecken Platz im Wäldchen inmitten des Bandol liegen. Der Mond wird durchs geöffnete Fenster scheinen und die Sterne werden durch die Kronen der Pinien und Korkeichen über mir funkeln. Ein schöneres Hotel gibt es ohnehin nirgendwo.
Die ewig reisende, fliehende und suchende Dichterin Mascha Kaléko schrieb vor genau 60 Jahren die folgenden Zeilen (und vieles wird leichter, wenn man sich an derlei hält!): „Erwarte nichts. Und hüte besorgt dein Geheimnis. / Auch der Bruder verrät, / Geht es um dich oder ihn. Den eignen Schatten nimm / Zum Weggefährten.” Behaltet im Auge, was wirklich wichtig ist. Ich hoffe, Ihr hattet alle eine schöne, sonnige, heiße, friedliche Sommersonnenwende!
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6 Kommentare
„Die ewige Frage ist: wie weit müsste man fortgehen, um wirklich dem Verhassten zu entfliehen?“
Egal wohin man geht, solange man die verhassten Dinge im Kopf hat, nimmt man sie überall mit hin.
Die Kunst ist es, unliebsames loszuwerden indem man sich mit den lieblichen Dingen beschäftigt. Diese Welt ist eine Perle im Weltraum und bietet Schönheit in vielerlei Formen und Ausprägungen.
Es kommt darauf an, worauf man seine Aufmerksamkeit richtet: Where attention goes, energy flows.
Was man mit Energie füttert, manifestiert man dadurch im Laufe der Zeit in der erlebten Wirklichkeit, im Guten und im Schlechten.
Es ist also eine Frage der individuellen Entscheidung. Wer sich finsteren Dingen zuwendet, erhält Finsternis. Wer sich dem Licht zuwendet erhält Licht.
So einfach ist das.
Aloha!
„Während in Frankreich in Umfragen heute knapp 80 Prozent der Bürger der Meinung sind, dass es längst zu viel Einwanderung gibt, wird politisch weiter zu einem „Frankreich der Einwanderer“ mobilisiert. Gegner werden mundtot gemacht oder rigoros bestraft.“
Wie kann das sein, wo doch Frankreich eine Demokratie ist, in der das Volk souverän ist?
Oder ist die sogenannte Demokratie eine Illusion und die Franzosen leben tatsächlich im Faschismus?
😜
Das ist eine Demokratie von der Qualität der Deutschen
Nachtrag:
Das Symbol des Faschismus ist das Bündel Stäbe (lat.: fasces) mit herausschauendem Beil.
Nun sehe man sich das Deckblatt des französischen Passes an, vielmehr das Symbol darauf, und staune!
Noch Fragen?
😜
Dumme Menschen, hier Araber,
sind halt laut und frech und
gehen anderen Menschen auf
den Sack.
Diese Leute muss man ignorieren.
Ein wunderbarer, fast poetischer Bericht, der beim Lesen hilft, die Realität für einige Momente auszublenden. Während eines 3-wöchigen Urlaubs in Aquitanien, überwiegend auf dem Fahrrad, haben wir den Duft der Natur und die schöne Landschaft täglich inhaliert und genossen. Toulouse und Bordeaux haben jedoch gezeigt, dass dieses unbefleckte Frankreich längst zur Chimäre geworden ist.
Deutschland hätte beim Blick auf umliegende Länder lernen können und müssen, was der unbegrenzte Zuzug fremder Kulturen für die autochthone Bevölkerung bedeutet. Die kommunistische Kaderkanzlerin Merkel wollte es anders, das Resultat sehen wir heute in fast jeder deutschen Stadt