
Anfang Mai löste ein harmloses Gärgetränk aus Tee und einem Pilz, der aussieht „wie ein alter Brillenputzschwamm“, unerwartete Reaktionen aus. Helene Hegemann beschreibt in der “Süddeutschen Zeitung”, wie Gespräche über Kombucha – dieses fermentierte Trendgetränk, das Darm-, Seelen- und Weltrettung versprechen soll – bei ihr eine ähnliche innere Anspannung auslösen wie bei einem AfD-Sympathisanten das Wort „Windrad“. Gemeint sei eine Mischung aus Skepsis gegenüber wissenschaftlich fragwürdigen Heilsversprechen und Abneigung gegen die Symbolik der Selbstoptimierung, die reale Machtstrukturen und Abstiegsängste verdrängt. Hegemann nennt es „Symbolverschiebung“: Man hasst ein neutrales Objekt, um Gemeinschaft zu stiften.
Genau diese Mechanik beherrscht seit Jahren den Umgang mit Lebensmitteln im Kontext der AfD. Was als harmloser Konsum oder unternehmerische Freiheit beginnt, wird zum Politikum, sobald es mit der Partei in Berührung kommt. Zwei Kategorien stechen hervor: die Vorwürfe persönlicher Heuchelei und die systematische Ächtung ganzer Marken. Beide sagen weniger über die AfD aus als über eine Linke, die den Geschmack des Alltags ideologisch kolonialisiert hat.
Döner als Integrationssymbol
Die erste Kategorie lebt von der skandalisierten „Hypokrisie“. Der Verzehr „fremder“ Speisen, vor allem solcher mit migrantischer Konnotation, wird als Widerspruch zur Forderung nach deutscher Leitkultur gebrandmarkt. Der Klassiker bleibt der Döner: Als Beatrix von Storch 2016 in Brüssel vor einem Kebap-Stand fotografiert wurde oder Alice Weidel in alten Profilen ihre Vorliebe für Döner bekundete („Dönerbude Istanbul geschlossen“ als schlimmstes Studienerlebnis), brach ein mediales Gewitter los. „Schnitzel predigen, Döner essen“ – die Formel war simpel und wirksam. Dabei ignorierten die Empörten, dass Angela Merkel ihren Döner regelmäßig „wie die Türken“ aß (nämlich ohne Soße) und dass der Döner seit den 1970er Jahren ein integraler Bestandteil der West-Berliner und später auch bundesdeutschen Imbisskultur war: ein Produkt freiwilliger Unternehmerinitiative, kein Symbol des Islam.
Beatrix von Storch brachte es auf den Punkt: „Ich hab nichts gegen Döner, sondern gegen Scharia.“ Der Konsum zeigt genau das, was die AfD meint: Integration ohne Zwang und ohne Parallelgesellschaft. Der Vorwurf der Heuchelei entpuppt sich als Projektion. Es ist die Linke, die aus einem Imbiss ein identitätspolitisches Schlachtfeld macht – und dann empört tut, wenn AfD-Politiker ihn einfach nur genießen.
LED-Trucks gegen Landliebe
Weitaus systematischer und wirtschaftlich folgenreicher ist die zweite Kategorie: Die Ächtung ganzer Marken durch bloße personelle Nähe. Der Fall Theo Müller und seiner Molkerei-Produkte (Müllermilch, Weihenstephan, Landliebe) steht exemplarisch dafür. Der Unternehmer pflegt freundschaftliche Kontakte zu Alice Weidel, lädt sie ein und äußert sich offen zu politischen Möglichkeiten. Die Reaktion folgte auf dem Fuße: Linksextreme “Campact”-Aktivisten klebten Millionen Sticker („Alles AfD oder was?“) auf die Packungen, fuhren mit LED-Trucks durchs Land und riefen zum Boykott auf. Gerichte bestätigten, dass die Bezeichnung als AfD-Unterstützer zulässig sei. Ein traditionsreiches, regional verwurzeltes deutsches Produkt – Milch als Symbol bäuerlicher Kultur seit Jahrhunderten – wurde plötzlich „AfD-verseucht“.
Hier wird der Kulturkrieg zur ökonomischen Waffe; ein Unternehmer, der seine Meinung frei äußert, gefährdet seine Marke. Die Botschaft ist eindeutig: Abweichung von der linken Linie hat Konsequenzen. Traditionelle deutsche Produkte werden skandalisiert, während die eigenen Moden – ob fermentierter Teepilz oder andere Wellness-Symbole – Narrenfreiheit genießen. Die Ironie ist kaum zu überbieten. Kombucha, wissenschaftlich überschätzt und Symbol einer privilegierten, nach innen gerichteten Selbstoptimierung, bleibt indes unangetastet. Niemand klebt Sticker auf Bio-Läden, niemand boykottiert die Fermentations-Industrie. Gleichzeitig wird Milch zum Politikum, weil ein Unternehmer nicht linientreu ist.
Skandalisierung trifft immer die Falschen
Hegemanns Text aus dem progressiven Milieu selbst entlarvt unfreiwillig diese Doppelmoral: Die Skandalisierung ist nie neutral. Sie trifft immer die falsche Seite. Wenn aber politische Entscheidungen in solche Bilder übersetzt werden, verliert die Politik ihren Gegenstand. An die Stelle von Argumenten treten Assoziationen. An die Stelle von Programmen treten Milieus. Und an die Stelle von Debatten tritt Distinktion. Politik wird zur Frage des Geschmacks. Die Wahlentscheidung wird nicht mehr als rationaler Akt verstanden, sondern als Ausdruck eines Lebensstils. Oder, schlimmer noch, als Geschmacksverirrung. Das mag im Feuilleton funktionieren; in der Demokratie ist es fatal.
Am Ende geht es um die Souveränität des Geschmacks in einer entfremdeten Gesellschaft. Die AfD steht für eine Leitkultur, in der der Bürger selbst entscheidet, was er isst und trinkt – Döner aus Berliner Tradition, Milch von bayerischen Weiden oder, warum nicht?, auch mal Kombucha – ohne ideologischen Segen oder Bannfluch. Es ist die kulturkämpferische Gegenseite, die den Geschmack verstaatlichen und politisieren will: Boykott als Disziplinierung, Skandal als tägliches Ritual, ja als Disziplinierungsinstrument. Solange diese Asymmetrie besteht, bleibt jede Packung Milch, jeder Döner-Stand und jedes Gärgetränk ein Politikum. Und jeder, der sich dagegen wehrt, darf sich ein bisschen wie ein AfD-Anhänger fühlen – einerlei ob er es tatsächlich ist. Das schadet sicher nicht der AfD.
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11 Kommentare
Tatsächlich nichts gegen das Gericht/Rezept „Döner“ an sich, kann man auch mal genüßlich fressen.
Allerdings natürlich dann nur selbstgemacht mit den auch selbst besorgten Zutaten beim Lieferanten des Vertrauens.
Wer sich mal mit dieser Gammelfleisch-Sondermüllverklappungsindustrie (die natürlich fest in orientalischer Hand sowie streng mafiös strukturiert ist) etwas befaßt hat, zahlt freiwillig paar Euro, so einen Laden nie auch nur betreten zu müssen. Fazit:
Wenn „Linke“ das gerne haben, ist das wie Impfung: Nur zu und haut Euch all dieses Zeug gerne täglich munter in die Kadaver bis er platzt 🤔
Offenbar sind die Deutschen, insbesondere die linken Deutschen, mehrheitlich das bekloppteste Volk auf dieser Welt.
Ich gönne ihnen ihren Untergang.
😜
Wenn wir nicht mehr sind, wirst du mitgerissen.
Dem ersten Satz stimme ich zu mti einem kleinen Wort am Ende.
„Offenbar sind die Deutschen, insbesondere die linken Deutschen, mehrheitlich das bekloppteste Volk auf dieser Welt geworden.“
Der zweite Satz zeugt deine Verkommenheit.
Ich kann auch die Daumen nach oben nicht nachvollziehen. Sind wohl eher niedere Seelen, die sich darüber freuen, dass mein (ihr eigenes?) Volk vernichtet wird.
Sind wohl alles Grüne, die das gut finden.
Nachtrag:
Der Karren hierzulande steckt bereits viel zu tief im Dreck, als daß ihn noch jemand herausziehen könnte. Das schafft auch die AfD nicht.
Darum werde ich keinen Finger rühren, um hier noch irgendwas zu retten. Stattdessen werde ich zuschauen, wie der Karren im Dreck verschwindet und alle, die ihn da hineingeritten haben, mit ihm untergehen.
Weil das noch eine Weile dauern wird, mache ich erst mal ein Schläfchen.
😜
Du wirst selber mit untergehen. Aber soweit denkst du nicht, außer natürlich, du bist eh ein Volksverräter, der sich ins Ausland abgesetzt hat.
Zumindest hast du von den Grünen mal paar Daumen nach oben bekommen.
HIER DER MEGA KRACHER!!!
https://www.danisch.de/blog/2026/05/07/was-ist-eigentlich-faschismus/
!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
iGNAZIO sILONE, hat`s seinerzeit gelesen & SOFORT kapiert!!!!!!!!!!!… … …
Daher sein weltberühmter Gassenhauer: “ … … …; der neue Faschismus wird sagen: ich bin der ANTIFASCHISMUS.“!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
wer Links, CDU, CSU, und SPD wählt, will die Zerstörung dieses Landes
Vorhin im Radio (DLF) war doch tatsächlich von „Armutskosten“ die Rede.
Jetzt sind wir also soweit, daß wir uns noch nicht mal mehr die Armut leisten können, weil sie zu teuer ist.
Kann man sich nicht ausdenken.
Abspülen bitte!
😜
wer GRÜN , Links, CDU, CSU, und SPD wählt, will die Zerstörung dieses bis vor einigen Jahren blühenden Landes (bevor Merkel an die Macht kam)
Ich mag Müllermilch Banane. Die schmeckt am besten.
Ich kaufe Milch bei Aldi, aber den Landliebe mit dem grünen Etikett kaufe ich immer. Kann man Monate lang über MHD im Kühlschrank lagern und der ist immer noch gut (mein Rekord: 13 Monate über MHD und immer noch perfekt, nur etwas saurer). Perfekt für Ayran zum selbstgemachten Dürüm. Und natürlich für Salatdressing.