
Es gibt lokale Debatten, die auf den ersten Blick begrenzt erscheinen und gerade deshalb von größerer Bedeutung sind. Nach der Besetzung der Kunstpreisjury in Radebeul gehört nun auch der Streit um die Rückkehr des Steuben-Denkmals auf den Steubenplatz vor dem Potsdamer Landtag dazu. Am 1. Juli soll die Stadtverordnetenversammlung endgültig entscheiden, ob die Statue Friedrich Wilhelm von Steubens an ihren historischen Ort zurückkehrt. Die Stadtverwal-tung selbst hat die Versetzung vorgeschlagen und ausdrücklich darauf verwiesen, dass es sich um den ursprünglichen Standort des originalen Denkmals handelt; eine Informationstafel und digitale Kontextualisierung sind vorgesehen. Man sollte meinen, damit sei der Fall im Wesentlichen klar: Ein historisches Denkmal wird, mit erklärendem Begleitmaterial, an einen historischen Ort zurückgebracht. Genau das ist in einer geschichtsbewussten Stadt mit preußischen Traditionen weder Skandal noch Provokation, sondern der Normalfall.
Und doch genügt dieser Vorgang, um in Teilen des linken und grünen Milieus kulturpolitischen Alarm auszulösen. Von einer “unkritischen Überhöhung soldatischer Disziplin aus dem 18. Jahrhundert” ist da die Rede; das Denkmal wird in die Nähe eines “patriarchal dominierten Denkmalkults des 19. Jahrhunderts” gerückt. Gerade daran zeigt sich, worum es wirklich geht. Nicht Steuben ist das Problem, sondern jede sichtbare Erinnerung daran, dass Geschichte aus anderen Tugenden bestand als aus Sensibilitätsmanagement, Haltungsdidaktik und nachträglicher Moralkorrektur.
Wer war eigentlich Steuben?
Friedrich Wilhelm von Steuben ist keine rein preußische Provinzfigur und schon gar nicht bloß das Abziehbild eines reaktionären Exerziermeisters. Er war zunächst preußischer Offizier, diente im Alter von 17 Jahren schon als Leutnant im Siebenjährigen Krieg und wurde 1762 als hoch dekorierter Stabskapitän Friedrichs des Großen verabschiedet. Vor allem aber war er als Militärreformer eine zentrale Figur im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg: Er gilt als militärischer Architekt des Siegs über die britische Kolonialmacht. Seine Verdienste sind beeindruckend: Im Winter 1778 übernahm er in Valley Forge eine chaotische, unterversorgte Kontinentalarmee – ohne Disziplin, einheitliche Formationen oder grundlegende Ausbildung. Innerhalb weniger Monate drillte er sie zu einer Modellkompanie mit standardisierter Marschgeschwindigkeit, Schrittlänge und Waffengebrauch nach preußischem Vorbild und übertrug dies anschließend auf die gesamte Truppe. Er verfasste zudem das „Blue Book“, die bis heute (!) grundlegenden „Regeln für die Ordnung und Disziplin der Truppen der Vereinigten Staaten“. Seine Reformen ermöglichten den amerikanischen Erfolg in der Schlacht von Monmouth und trugen maßgeblich zum Sieg bei Yorktown bei. Darüber hinaus führte er Lagerhygiene und Gemeinschaftsverpflegung ein – Standards, die ebenfalls bis heute nachwirken.
Nach dem Krieg blieb Steuben in Amerika, wurde Staatsbürger und regte sowohl die Gründung von West Point an, der legendären United States Military Academy mit dem Motto “Duty, Honor, Country” (“Pflicht, Ehre, Vaterland”), als auch der “Society of the Cincinnati” zur Versorgung der Veteranen, Soldatenwitwen und -waisen. Steuben verkörperte ein klassisches Männerbild aus preußischer Offizierskultur, soldatischem Ethos und transatlantischer Loyalität: er schuf ein bündnerisches Netzwerk von disziplinierten, leistungsorientierten Männern, die durch gemeinsame militärische Tugenden – Gehorsam, Präzision, Opferbereitschaft – eine Republik mit aufbauten, statt diese nur rhetorisch zu fordern. Der Kongress der Vereinigten Staaten stiftete 1911 das Potsdamer Steuben-Denkmal ausdrücklich als Zeichen deutsch-amerikanischer Freundschaft; die Inschrift würdigt seine Verdienste “im Freiheitskampfe des amerikanischen Volkes”. Allein dieser Umstand müsste genügen, um die Debatte zu versachlichen. Denn hier geht es gerade nicht um irgendeine martialische Randfigur preußischer Innerlichkeit, sondern um eine Person, die an der Entstehung einer modernen Republik mitwirkte.
Die deutsche Unfähigkeit zur historischen Größe
Steuben verbindet preußische Formstrenge mit amerikanischer Freiheitsgeschichte, militärische Disziplin mit republikanischer Selbstbehauptung. Eben deshalb ist er für die Gegenwart so unerquicklich: Er widerlegt die bequeme Erzählung, Freiheit sei immer weich, zivil und entgrenzt gewesen, während Disziplin, Form und soldatische Ordnung von vornherein unter Verdacht stünden. Das aber wird in Deutschland heute nicht mehr wahrgenommen; die eigentliche Pointe des Potsdamer Streits liegt daher in einer tieferen kulturellen Schwäche: Die deutsche Gegenwart ist kaum noch fähig, Geschichte in ihrer Eigenlogik zu verstehen. Sie neigt dazu, historische Figuren gerade nicht mehr zu kontextualisieren, sondern nach selbstgerechten ideologischen Maßstäben der Gegenwart abzuurteilen. Das 18. Jahrhundert und seine Menschen werden im Zeitzusammenhang nicht mehr verstanden, sondern mit den moralischen Reflexen des 21. Jahrhunderts verhört. So wird aus soldatischer Disziplin nur noch ein Verdachtsmoment. Dass Disziplin, Gehorsam, Form und militärische Organisation in bestimmten Epochen Voraussetzungen staatlicher Handlungsfähigkeit und sogar nationaler Selbstbehauptung waren, wird kaum mehr mitgedacht. Dabei ist offenkundig: Ohne militärische Organisation hätte es weder den preußischen Staat in seiner historischen Gestalt noch den amerikanischen Freiheitskrieg in seiner tatsächlichen Form gegeben.
Freiheit und Form sind eben keine Gegensätze. Eine Republik, die sich nicht be-hauptenkann, bleibt ein sentimentales Wunschbild. Gerade Steuben wäre geeignet, diese Wahrheit sichtbar zu machen. Ein Denkmal für ihn wäre nicht die Verherrlichung des Militarismus, sondern die Erinnerung daran, dass Freiheit gelegentlich aus Ordnung, Selbstzucht und Bereitschaft zum Dienst hervorgeht. Doch dieser Zusammenhang ist der Gegenwart unangenehm geworden – der deutschen Gegenwart, wohlgemerkt, denn in den USA ist das Andenken an Steuben sehr lebendig. Seit 1957 wird auf der 5th Avenue in Manhattan jeden dritten Samstag im September die Steuben-Parade zu Ehren von Steuben und anderer verdienstvoller Deutscher gefeiert. Sie übrigens sei “die einzige Parade New Yorks, bei der die Straßen anschließend sauberer sind als vorher“, sagte Donald Trump, der sie 2002 als Grand Marshal anführte.
Das Phantom der „unkritischen Überhöhung“
Bemerkenswert ist, wie die Gegner der Rückversetzung des Denkmals vor dem Potsdamer Landtag argumentieren – überwiegend Frauen aus linksgrünen Milieus, die soldatische Tugenden und preußische Traditionen als Bedrohung ihrer eigenen weltanschaulichen Prämissen empfinden: Sie fordern meist nicht – zumindest nicht offen – die Tilgung der Figur, sondern arbeiten mit jenem typisch spätmodernen Wortschatz der Verdachtsverwaltung: „unkritisch“, „Überhöhung“, „falsches Signal“, „Leitbildkultur“. So wird der offene Angriff durch eine pädagogische Einhegung ersetzt. Das Denkmal soll nicht verboten, aber problematisiert werden; es soll nicht beseitigt, aber so lange mit Vorbehalten umstellt werden, bis seine bloße Sichtbarkeit schon als Zumutung gilt. Das ist eben die zersetzende Methode des heutigen Kulturregimes: Es zensiert selten frontal; es markiert, relativiert und delegitimiert. Gerade in Potsdam, wo Rekonstruktion, Stadtbild und historische Mitte seit Jahren Gegenstand symbolpolitischer Kämpfe sind, zeigt sich dieser Stil besonders deutlich. Kaum kehrt ein Stück Geschichte an seinen Ort zurück, wird daraus ein weltanschaulicher Ausnahmezustand gemacht. Das Problem ist dann nicht mehr das Denkmal selbst, sondern immer sein angeblicher Bedeutungsüberschuss: zu männlich, zu militärisch, zu preußisch, zu affirmativ.
Im Kern steht dahinter die Angst vor Normalität. Denn ein Denkmal, das einfach wieder an seinem historischen Ort steht und dort als historisches Zeugnis sichtbar ist, ohne dauernd als Problem erklärt zu werden, wäre bereits eine Niederlage für jene Milieus, die ihre kulturelle Macht aus der permanenten Moralisierung des Vergangenen beziehen. Dementsprechend wurde die denn auch Mehrheit aus SPD, CDU, AfD und BfW im vorberatenden, pro Rückkehr votierenden Kulturausschuss als “konservatives Männerbündnis” diffamiert.
Potsdam als Schauplatz der Selbstentfremdung
Gerade Potsdam ist für diesen Konflikt ein besonders empfindlicher Ort: Das rekonstruierte Landtagsschloss, die Debatten um die Potsdamer Mitte, um Stadtgrundriss, Leitbauten und Erinnerungskultur haben immer wieder gezeigt, dass es hier nie nur um Architektur geht. Es geht um die Frage, ob Deutschland zu seiner eigenen Geschichte überhaupt noch ein positives Verhältnis entwickeln darf. Ein Steuben-Denkmal auf dem Steubenplatz vor dem Landtag würde genau diese Frage zuspitzen. Es wäre ein sichtbares Zeichen dafür, dass historische Kontinuität nicht automatisch restaurativ, militaristisch oder demokratiefeindlich ist. Es wäre die stille Erinnerung daran, dass das Politische nicht nur aus Diversitätserklärungen und wohlfeiler Gegenwartsrhetorik besteht, sondern auch aus Form, Staatlichkeit und historischer Tiefe.
Und es wäre ein Affront gegen jene Geschichtsauffassung, die alles Vorherige nur noch als Vorstufe späterer Verirrungen zu lesen vermag. Darum wirkt der Streit auf den ersten Blick so überreizt. In Wahrheit ist er vollkommen folgerichtig – denn wo jede Erinnerung an soldatische Tugend, preußische Form oder staatliche Disziplin bereits als Bedrohung empfunden wird, dort steht nicht mehr das Denkmal unter Rechtfertigungsdruck, sondern das historische Selbstverständnis der Gegenwart.
Erinnerung oder Erziehung?
Niemand bestreitet, dass historische Denkmäler eingeordnet werden dürfen, ja angesichts der gravierenden schulischen Bildungsschwächen vielleicht sollten; die von der Stadt vorgesehene Informationstafel ist insofern vernünftig. Aber Einordnung ist etwas anderes als Erziehungsprosa. Sie dient dem Verständnis, nicht der Entschärfung. Ein Denkmal braucht keine moralische Fußfessel, um in einer demokratischen Stadt sichtbar sein zu dürfen. Gerade hier verläuft die Trennlinie. Eine freie politische Kultur traut ihren Bürgern zu, Geschichte selbst zu sehen, zu lesen, zu verstehen und darüber zu streiten. Eine bevormundende politische Kultur behandelt Denkmäler wie gefährliche Substanzen, die nur in dosierter, kommentierter und pädagogisch eingekapselter Form öffentlich vorkommen dürfen. Potsdam steht am 1. Juli vor genau dieser Alternative. Die Rückversetzung des Steuben-Denkmals auf den Steubenplatz wäre kein kulturpolitischer Skandal, sondern ein Akt der Normalisierung. Sie würde weder Militarismus rehabilitieren noch das 18. Jahrhundert unkritisch feiern, sondern sie würde schlicht anerkennen, dass Geschichte mehr ist als ein Rohstoff für Gegenwartsmoral.
Ein Land, das seine historischen Figuren nur noch aushält, wenn sie vorher in Verdachtsvokabular aufgelöst worden sind, verliert am Ende nicht seine Vergangenheit, sondern seine Urteilskraft. Und eine Stadt, die eine transatlantische Freiheitsfigur wie Steuben vor ihrem Parlament nicht mehr erträgt, zeugt weniger von moralischer Reife als von historischem Schwund. Am 1. Juli wird deshalb nicht nur über einen Standort entschieden. Es wird darüber entschieden, ob Potsdam den Mut zur historischen Normalität besitzt – oder ob auch hier die Gegenwart wieder stärker sein will als die Geschichte.
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10 Kommentare
Deutschamerikaner: Die stille Minderheit
Die größte ethnische Gruppe in den USA hat sich so gut integriert, dass sie kaum wahrgenommen wird
Deutschamerikaner sind Amerikas größte einzelne ethnische Gruppe (wenn man die Hispanoamerikaner in mexikanische Amerikaner, kubanische Amerikaner usw. unterteilt). Nach der US-amerikanischen Volkszählungsbehörde beanspruchten fast 60 Millionen weiße Amerikaner für sich, deutscher Abstammung zu sein. Damit übersteigt es die Zahl der Personen mit Wurzeln in Irland (33 Millionen) oder England (25 Millionen).
https://www.youtube.com/shorts/5dcIEZmI_uM
Wo haben die denkoriginellen linken Weiber ihre Denkorganellen?
Ein Mitforist weiß es.
😂
@ regte sowohl die Gründung von West Point an, der legendären United States Military Academy mit dem Motto “Duty, Honor, Country” (“Pflicht, Ehre, Vaterland”),
ja – und was sagt ein amerikanischer Held zu seinem Dienst in dieser Armee ?
Generalmajor Smedley Butler, US-Marineinfanteriekorps, zweimal mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet (1935)
„Der Krieg ist ein Schwindelunternehmen … ich habe dreiunddreißig Jahre und vier Monate als aktiver Soldat gedient … und während dieser langen Zeit habe ich eigentlich nur für die Rüstungsindustrie, die Wall Street und die Banken gekämpft. Kurz gesagt, ich habe mich von Kapitalisten als Söldner missbrauchen und zu Verbrechen anstiften lassen.“
Auch ein „Verdienst des Herren von Steuben !
Aber – der Respekt vor seiner Generation sollte sein Denkmal als Erinnerung dorthin bringen, wo es ursprünglich als Erinnerung aufgestellt wurde.
Nur sollte es im vollständigen Licht seines Werkes geschehen – und nicht politisch vorsortiert !
In diesem brisanten Clip enthüllt USMC-Kampfveteran Ken O’Keefe den „Kopf der Schlange“: das globale Finanzsystem.
Stellt doch wieder das Lenindenkmal auf und benennt den Ku-Damm in Stalinalle um.
Vielleicht geben sich dann diese Steinzeitstalinisten damit zufrieden.
Bob Marley:
If you know your history, then you will know where you coming from.
Für diese Kommunistenidioten beginnt die Geschichte doch erst 1933!
Übrigens: Stalin hat mehr Menschen auf dem Gewissen als Adolf.
Aber schließlich war er der „Befreier“. Auch wenn er nach den Krieg noch viele vom Leben „befreit“ hat.
Grünblödlinksantifafotzen haben weder Geschichte noch Zukunft, sie sind einfach nur blöd
Es wird Zeit, dass Staatsdiener persönlich in Haftung genommen werden, wenn sie Steuergelder an solche radikalen Gruppen überweisen. Pro Euro den die nicht sofort aufbringen können, 1 Tag Knast. Dann hätte sich das Problem binnen kürzester Zeit erledigt, da der stinkende Morast ohne jede Gewalt trocken gelegt wurde. Das wird auch so kommen, eine der Fragen lautet dann, inwiefern Staatsdiener zur Verantwortung gezogen werden, weil die solche Zustände jahrzehntelang finanziert haben. Den Zuckerjob beim Staat können die dann definitiv nicht behalten und die Rente/Pension beträgt allerhöchstens 1300€!
Geschichtslose Antifagrünlinksvolldeppen ins Arbeitslager , und zwar Asylantenunterkünfte reinigen und kanakenaa beseitigen die sie doch so lieben
und Blödfotzen haben weder noch
Von Steuben und deutschstämmige Bürger werden seit 1957 jedes Jahr in New York gefeiert: Steuben Day Parade