Syrien ein Jahr nach Assads Sturz: Zwischen Ruinen und Neuanfang – oder vom Regen in die Traufe?

Syrien ein Jahr nach Assads Sturz: Zwischen Ruinen und Neuanfang – oder vom Regen in die Traufe?

Gleitschirm-Show des Regimes ein Jahr nach Assads Sturz in Damaskus: Geschlossene Feindbilder (Foto:ScreenshotFacebook)

Ein Jahr ist vergangen, seit Präsident Bashar al-Assad aus Damaskus geflohen ist und nach Russland geflüchtet ist. Die Straßen der Hauptstadt wirken verändert: Symbole des alten Regimes sind verschwunden, die Flaggen ausgetauscht, Parolen und Graffiti reflektieren eine neue islamistische Ordnung. In Idlib und Damaskus dominiert nun die Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS) unter ihrem Anführer Ahmed al‑Sharaa, besser bekannt unter seinem Kampfnamen Abu Mohammed al‑Jolani. Vor den Augen der Bevölkerung inszeniert die Gruppe militärische Demonstrationen: Soldaten auf Motorrädern und weißen Pickups fahren durch die Straßen, Gleitschirm-Shows werden vorgeführt, und lautstarke Rufe „Allahu Akbar“ hallen durch die Stadt. Viele Parolen beziehen sich auf Gaza, was die ideologische Ausrichtung der Bewegung und ihre Nähe zu regionalen sunnitisch-islamistischen Strömungen verdeutlicht.

Trotz des politischen Umbruchs bleibt Syrien ein Land in Trümmern. Häuser sind zerbombt, Straßen und Infrastruktur stark beschädigt. Die Bevölkerung lebt in einer Mischung aus Hoffnung und Resignation: Märkte sind geöffnet, doch viele Familien kämpfen ums tägliche Überleben, und die Preise für Lebensmittel und Grundbedarf bleiben hoch.

Neue Ordnung, neue Allianzen

Die HTS bemüht sich, sich als legitime Übergangsregierung zu präsentieren. Die Verbindungen zu Katar und zur Türkei werden öffentlich betont, wirtschaftliche Kontakte nach außen scheinen darauf abzuzielen, internationale Anerkennung zu gewinnen. Die geistige Nähe zur Hamas und zum Feindbild Israel ist offensichtlich;  ein zentrales Element der neuen syrischen Führung ist diese klare ideologische Ausrichtung. Die Feindschaft gegenüber Israel bildet gar das Herzstück der politischen Rhetorik. Viele Parolen während der Paraden lauten: „Gaza, Gaza, wir stehen bis zum Tod an deiner Seite“ – ein deutliches Signal der Solidarität mit der palästinensischen Hamas.

Die ideologische Nähe zur Hamas zeigt sich in mehreren Kernpunkten: Zum einen in der Islamische Staatsideologie; sowohl HTS als auch Hamas definieren Staat und Gesellschaft stark entlang sunnitisch-islamistischer Prinzipien. Dann im Widerstand gegen Israel, das als existenzieller Feind gesehen wird. Die militärischen Demonstrationen, Loyalitätsbekundungen und rhetorische Bezugnahmen auf Gaza untermauern die Feindlinie. Und schließlich auch in der transregionalen Solidarität: Die politische Rhetorik betont eine sunnitische Solidarität über nationale Grenzen hinweg, die Syrien in eine größere sunnitisch-islamistische Bewegung einbindet. Diese an den einstigen Panarabismus erinnernde Ausrichtung beeinflusst sowohl die innere Politik als auch die Außenpolitik: Israel gilt als Gegner, gegen den strategische, propagandistische und ideologische Maßnahmen gerechtfertigt erscheinen. Die Nähe zur Hamas ist dabei überwiegend ideologisch und rhetorisch, nicht militärisch, doch sie stabilisiert das Narrativ des Widerstandes und festigt die neue Legitimität der Führung.

Syrien im Wandel

Für viele Syrer bedeutet das Ende von Assads Herrschaft die Aufhebung einer jahrzehntelangen Last. Gleichzeitig ist die neue Ordnung fragil, und das Land bleibt stark auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die politische Landschaft ist neu, instabil und noch im Entstehen begriffen.

All die militärischen Paraden, Shows, Fahnen und Parolen verdeutlichen, dass Syrien in eine neue Phase eingetreten ist: Zwischen Hoffnung auf Stabilität, dem Versuch, internationale Beziehungen zu gestalten, und der Gefahr erneuter Konflikte. Die ideologische Verankerung im sunnitisch-islamistischen Lager, insbesondere die Nähe zu Hamas und die Feindschaft gegenüber Israel, prägt die politische Kultur und Sicherheitslogik des Landes nachhaltig.

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4 Antworten

  1. Nicht der gesamte Westen hat Syrien ruiniert, sondern die USA. Die Europäer waren nur willen- hirnlose Marionetten, die alle negativen Konsequenzen tragen. Zuvor ist niemand aus Syrien nach Europa geflohen. Die USA waren erfolgreich. Nach 12 Jahren von ihnen angezettelten Bürgerkrieg haben sie die militärische Beschäftigung Russlands in der Ukraine ausgenützt und endlich Assad beseitigt. Wieder ein Land in Ruinen. Siehe Irak und Libyen.

    Das Ganze trägt die Handschrift der CIA die schon überall bei Umstürzen die Ursache sind. Die Terroristen werden vom CIA ausgebildet. Danach folgen die Strohdummen der EU. Es geht hier doch bloß darum, über die Ressourcen hauptsächlich US- ÖL das unter diesen Staaten lagert, frei verfügen zu können. Dafür machen die die Völker zu Sklaven, ruinieren ihre Geschichte und Traditionen. Sie hungern sie skrupellos aus und klopfen sich am Ende noch gegenseitig auf die Schulter. Das soll dann die westliche Demokratie sein…

    Immer dasselbe Spiel: .. Demonstrationen Scharfschützen und ein vielfaches von Toten. USA und seine Nato–Verbündeten. Aber die CIA findet immer die richtigen Schlagzeilen um die MSM Konsumenten zu verwirren.
    Deshalb will man die freie Meinung und die neuen Alternativen Medien einschränken. Das ist das Ziel von Frau von der Leyen, die im Auftrag des Deep State in den USA handelt. Je weniger, dass die Menschen von der Realität erfahren und mitbekommen, desto mehr Kriege und Verbrechen können begangen werden. Die Menschen werden behandelt, als gäbe es die Welt des Wertewestens ohne Werte wirklich.

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  2. Der Artikel beschönigt die Verhältnisse. Nirgends wird erwähnt, dass unter den HTS-Terroristen die grausamsten Verbrechen begangen werden und Minderheiten wie die Alawiten regelrecht ausgelöscht werden. Wer mit diesen Terroristen Geschäfte macht ist selbst ein Terroristenunterstützer. Es wird Zeit, dass die Syrer hier im Lande, die diese Zustände bejubeln, endlich herausgeschmissen werden. Ein konsequent umgesetztes Asylrecht berechtigt hierzu allemal.

  3. Der Islam ist keine friedliche Religion, sondern eine intolerante Welteroberungsideologie. Religiöse Minderheiten wurden unter Assad nicht verfolgt. Verfolgt wurden Islamisten, die einen Alewiten, also aus ihrer Sicht Ungläubigen als Herrscher natürlich nicht akzeptieren.

    Das Narrativ vom „Schächter Assad“ ist die gleiche Islamistenpropaganda wie die vom „Kindermörder Israel“. Diese sollte man ebenso wenig unkritisch übernehmen wie die einseitige Berichterstattung in den Mainstreammedien über Russland.

    Abgesehen davon muss(te) kein einziger Syrer bis nach Deutschland flüchten, um vor Assad in „Schutz“ zu sein.

    Diese angeblichen Feiern über die Befreiung auf deutschen Weihnachtsmärkten sind in Wahrheit Machtdemonstrationen von Eroberern, denen aus Sicht ihres „friedlichen“ Islams jedes Land gehört, dessen Boden sie betreten haben. Entsprechend werden diese das Land auch nicht wieder freiwillig verlassen.

  4. Es ist nicht anzunehmen, dass die Millionen die vor B. al-Assad geflüchtet sind die Sozialsysteme wieder Richtung Heimat verlassen werden, sondern das die gleiche Menge zukünftig noch hinzu kommen wird. Und die bringen ihren Hass und Antisemitismus gleich mit.