
Um zu erkennen, wie Systeme funktionieren, ein Blick in meine persönliche Vergangenheit: Es war 1975 in Hamburg; ich war von der Bundeswehr als Hospitant an die Deutsche Presse-Agentur (dpa) abkommandiert worden. Als Redaktionsoffizier von “Radio Andernach” sollte ich tot einen professionellen journalistischen “Feinschliff” erhalten. Im Herbst dieses Jahres rollte über die Lüneburger Heide eine gigantische Feuerwalze – ein Höhepunkt für journalistische Berichterstattung. Der dpa-Landesdienst Nord setzte mich vor Ort ein; ich sollte mit ein paar Reportagen über die Menschen im Katastrophengebiet quasi etwas “Fleisch” zum eher dürren Gerippe der nüchternen Nachrichten aus der Einsatzzentrale liefern.
Dann aber geschah etwas Merkwürdiges: Vor Ort erlebte ich, dass die Feuerherde langsam eingedämmt wurden und die Lage unter Kontrolle gebracht wurde. In den Meldungen des “Norddeutschen Rundfunks” (NDR) aber, die ich zur Sicherheit immer mithörte, breitete sich das Inferno weiter aus. Ich merkte zudem, dass meine gelieferten Berichte überhaupt keinen Niederschlag in den Nachrichten fanden, was mich erst stutzig, dann wütend machte. Also flog ich mit einem Bundeswehrhubschrauber über das Katastrophengebiet. Der Flug bestätigte meinen Eindruck: Der Brand war weitgehend eingedämmt. Doch beim NDR schien er gerade erst so richtig loszugehen. Am Ende einer meiner Reportagen fügte ich deshalb sodann eine persönliche Botschaft an die dpa-Zentrale hinzu. “Sie mögen vielleicht an meinem Stil Kritik üben können, aber nicht am Wahrheitsgehalt des Inhalts. Als Major der Bundeswehr bin ich geschult, eine Beurteilung der Lage vorzunehmen. Und diese Beurteilung besagt, dass die Brandherde nahezu alle gelöscht sind.”
Gewünschte Bilder geliefert
Kurz nach diesem Bericht kam ein Kamerateam des NDR zu meinem Standort. Ich sah, wie der Reporter mit ein paar Bundeswehrsoldaten plauderte. Diese trugen daraufhin Zweige, Äste und Balken zusammen, schütteten Benzin darüber und zündeten sie an. Der Kameramann filmte. Abends liefen die Bilder im Fernsehen. Parallel dazu wurde die Lagekarte aus der Einsatzzentrale gezeigt, Titel: “Die Lüneburger Heide in Flammen”. Ich war schockiert. Wutentbrannt stürmte ich nach meinem Einsatz zum Chefredakteur und machte meinem Herzen auf sehr nassforsche – und undiplomatische – Weise Luft.
Die Frage war: Wie konnte es gegen Ende der Katastrophe zu dieser Fehleinschätzung kommen? Die Erklärung: Das System hatte versagt! In der Einsatzzentrale wurden alle gemeldeten Brände in die Lagekarte eingezeichnet. Doch war ein Brandherd gelöscht, wurden die Feuersymbole nicht aus der Karte entfernt. Das Feuer nahm also zu. Das sollte natürlich in der “Tagesschau” mit entsprechenden Bildern unterlegt werden. Der Fernsehreporter musste liefern – und er lieferte. Und weil jeder Journalist die bessere Story haben wollte, verselbstständigte sich die Sensationsberichterstattung und entfernte sich immer mehr von der Realität. Das System hatte also eine Eigendynamik entwickelt – und zwar ganz ohne Medienlenkung “von oben” und ohne, dass es dazu eines Big Brothers bedurft hätte. Und ich, als armes Hospitanten-Würstchen, stand mit meiner Meinung allein in der Lüneburger Heide.
Pistole gegen die Schreibmaschine getauscht
Im Großen funktioniert das ganz genauso, und zwar bis heute: Der Mainstream dominiert, die Meinung des Einzelnen wird nicht gehört – und sei sie auch noch so richtig. Einen Unterschied zu damals aber gibt es: Immerhin war es in den 1970er Jahren noch üblich, ein solches Ereignis danach kritisch aufzuarbeiten. Der Chefredakteur trommelte eine Woche später die Redaktion zusammen, entschuldigte sich bei mir und erklärte den Sachverhalt. Als Wiedergutmachung erhielt ich eine Gratifikation von 300 D-Mark. Später dann, als ich die Pistole gegen eine Schreibmaschine getauscht und meinen Beruf vom Offizier der psychologischen Kampfführung zum Journalisten beim “Südwestrundfunk” (SWR) gewechselt hatte, behielt ich meine Standhaftigkeit. Zugegeben: Ich hatte einen Vorteil gegenüber meinen Kollegen – denn ich hatte neben meinen Honoraren noch meine Bundeswehr-Pension, und es war daher nicht nötig, nach der Pfeife einer Redaktion zu tanzen.
Der Sender wiederum konnten oder wollte wohl wegen meiner guten Beiträge nicht so ohne Weiteres auf mich verzichten. Das ging so weit, dass ich mir meine Redaktionen irgendwann sogar aussuchen konnte – was nicht unbedingt nur etwas mit inhaltlichen Kontroversen, sondern auch mit unterschiedlichen Stilrichtungen zu tun hatte. Rolf van Lessen zum Beispiel hatte eine Redaktion mit einem bestimmten Format, das meiner Art der Filmgestaltung nicht entsprach. Ich sagte ihm, dass ich für ihn so nicht arbeiten könne. Wir blieben dennoch Freunde – und ich suchte mir eine Redaktion, die meine Art der Filmgestaltung zu schätzen wusste. Ich hatte dem System widerstanden: Ich war kein armes Heide-Würstchen mehr. Ein finanziell abhängiger Journalist kann das nicht. Er beugt sich dem System, wenn er überleben will. So ist das auch heute, sogar mehr denn je.
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7 Kommentare
Mittlerweile ein Klassiker vom unvergessenen Udo Ulfkotte…..
Vortrag Udo Ulfkotte ++ So lügen Journalisten
ca 1 Stunde und 55 Min.
::::
Aktuell von Gestern
Mit Eingollan auf der Straße unterwegs, um mit den Bürgern zu reden.
Dabei ist die durch Massenmedien Jahre & jahrzehntelange Volksverdummung fast schon mit Händen zu greifen.
Zersetzen, Diffamieren, Fälschen genau das ist Massenmediale Programmstrategie…
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AfD-Rekordhoch: So radikal denkt Berlin…
ca 17 Min.
…!!
Gut gemacht. Bravo!
Dafür ist Ihnen ein Gute-Nudel-Stern sicher.
😃
@Die Frage war: Wie konnte es gegen Ende der Katastrophe zu dieser Fehleinschätzung kommen?
nein – das ist nicht die Frage.
Nach der Beschreibung wurde ein systematischer Fehler gemacht – Inkompetenz im Amt.
Die frage lautet : wie wurde bei der Aufklärung reagiert ?
Bekamen die Feuerteufel eins zwischen die Augen – oder wurden wie gelobt?
Ersteres würde zeigen, das man an echter Information interessiert war – letzteres würde zeigen, das man von oben and den paniklügen interessiert war.
Wie stehen die Machthaber – in ihrem Fall dann Bundeswehr und Regierung dazu, das die Medien solchen Unsinn verbreiten – haben sie ein Interesse daran, den Zuschauern solche Panik-berichte auf den Teller zu schmieren ?
Ich persönlich gehe längst von Absicht aus und ignoriere die ÖR dementsprechend, weder ARD/ZDF noch Printmedien gehören noch zu meinem Repertoire ! Sind mir meine Zeit nicht wert – ich trinke in dieser Zeit lieber ein Glas Wasser oder atme einem tief ein und aus !
@Systemjournalismus
und ja – Grüße von Claas Relotius !
Und warum nennen sie das eigentlich nicht Propaganda ?
Ich bin aber nicht bereit, meine Zukunft für arme Würstchen zu opfern, denn es beträfe ebenso deren Zukunft. Ich zitiere mal Mister Spock: „Das Wohl der Vielen, es wiegt schwerer als das Wohl der Wenigen oder eines Einzelnen.“
“Zieht euch was an“: Scharia-Rotfunk WDR fordert Frauen zur Bedeckung statt freizügiger Kleidung auf
,,Beim “Westdeutschen Rundfunk” hat man inzwischen das nächste Stadium linken Wahnsinns erreicht, bei dem man Multi-Kulti-, Klima- und Hitzewahn einfach miteinander verbindet. Das kurz vor der Einstellung stehende Radioformat WDR-„Cosmo“ empfahl am Donnerstag auf Instagram: „Zieht euch was an!“ – und zwar islamische Gewänder als Schutz gegen die Hitze. Anstatt mit Röcken und luftigen Oberteilen herumzulaufen, soll man sich lieber bedecken. Illustriert wird dies unter anderem mit Kleidung aus Pakistan, Indien, Somalia und Saudi-Arabien. Das lange „Djellaba“-Gewand wird besonders angepriesen.
https://journalistenwatch.com/2026/08/01/zieht-euch-was-an-scharia-rotfunk-wdr-fordert-frauen-zur-bedeckung-statt-freizuegiger-kleidung-auf/
Offenbar hält man die Stadtbilder in Deutschland noch nicht für ausreichend islamisch geprägt. Auch für diesen Unsinn muss der Zwangsgebührenzahler blechen. Fast eine Million Euro pro Jahr pumpen WDR, Radio Bremen und RBB in das Format. Ein Ende ist aber in Sicht. Der Reformstaatsvertrag zwingt die ARD ihre Radioprogramme zu reduzieren. Deshalb hat der WDR hat der beschlossen, die „Cosmo“-Redaktion für „Diversität, Gesellschaft, Popkultur“ in die Redaktion des Jugendsenders „1LIVE“ einzugliedern und mit „1LIVE Street“ ein neues Angebot zu schaffen. Für „Cosmo“ würde dann bis April 2027 das Aus kommen.
Diese Pläne riefen allerdings Empörungsgeheul bei Linken hervor, am lautesten bei ZDF-Hetzer Jan Böhmermann: Bei „Cosmo“ hätten, „die klügsten Menschen gearbeitet, die ich im öffentlich-rechtlichen Radio kennengelernt habe“, sagte er. Allein dieser Satz spricht Bände. „Dinge wegzustreichen, die zum Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags gehören, ist wirklich das Dümmste, was man machen kann“, empörte er sich und warf den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten vor, sie würden sich „einscheißen“ und politisch unter Druck setzen lassen. Eine Petition, die den Erhalt von „Cosmo“ fordert, wurde unter anderem von Herbert Grönemeyer unterzeichnet. Das zeigt, was von diesem Programm zu halten ist, dessen Einstellung wahrlich kein Verlust ist. Auch wenn viele Mitarbeiter dann einfach an anderer Stelle ihr Unwesen treiben werden. (TPL)“
„Das System hatte also eine Eigendynamik entwickelt – und zwar ganz ohne Medienlenkung “von oben.““
„“Ein finanziell abhängiger Journalist beugt sich dem System, wenn er überleben will. “
Ich spüre da einen gewissen Widerspruch.