
Die Benennung einer Person, einer Sache oder eines Ereignisses ist ein Kernelement der christlich-europäischen Kultur: „Am Anfang war das Wort. Das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott selbst. (…) Alles wurde durch das Wort geschaffen, nichts ist ohne das Wort entstanden.“ (Johannes 1,1) Namen galten als Teil des Wesens einer Person. Eine neue Identität verlangte einen neuen Namen, der von einer übergeordneten Instanz vergeben werden musste. Ein namenloser Humanist formulierte dies unter der Maske der Phantomgestalt Platon: „Denn kein Name irgendeines Dinges gehört ihm von Natur, sondern durch Anordnung und Gewohnheit derer, welche die Wörter zur Gewohnheit machen und gebrauchen.“ Weltliche und geistliche Herrscher gaben sich mit Amtsübernahme neue programmatische Namen. Päpste knüpfen zum Antritt ihres Pontifikats ganz bewusst an Vorläufer an. Französische Herrscher nannten sich Louis oder Henry, englische Herrscher Henry oder Edward bis dann die Georges kamen. Mönche und Nonnen hatten beim Eintritt in ein Kloster nicht nur ihre Kleidung, sondern auch ihre Namen abzulegen. Martin Luther änderte seinen Namen sogar, als er das Klosterleben verließ. Eigentlich war er als „Luder“ geboren. Mit Bezugnahme auf das griechische „eleutherios“ für “frei” wurde erst jetzt sein heute geläufiger Hausname amtlich.
Mit der Durchsetzung der christlichen Religion in Europa verschwand die keltogermanische Vielfalt der Vornamen. Die weit geringere Zahl christlicher Vornamen bedingte ab dem 14. Jahrhundert die Einführung von Familiennamen. Zu regelrechten Bedeutungskanonaden kam es dann bei den Humanisten. Ohne lateinische oder griechische Aufplusterung war man kein Gelehrter. Sie achteten darauf, mit der neuen Bezeichnung nicht nur zu blenden, sondern den Anspruch zu liefern, den die Nachwelt vorfinden sollte. Das Omen wurde zum Nomen. Der Erzhumanist Konrad Pickel alias Conradus Celtis legte Wert auf den griechischen Zusatz „Protucius“ für „Vormeißler“ – also einer, der die Vorbilder schafft. Bis heute werden Manöver und Feldzüge mit symbolisch aufgeladenen Namen versehen. Der Eroberungsfeldzug gegen Russland hieß „Operation Barbarossa“ und wollte ein deutsches Großreich aufleben lassen. Die Invasion der Alliierten 1944 lief unter der Bezeichnung „Overlord“ („oberster Lehnsherr”) und beanspruchte eine neue Machtpyramide mit den Vereinigten Staaten von Amerika an der Spitze Europas. Die Influenza hätte für einen weltweiten Putsch nicht ausgereicht; dem musste schon mit „Corona“ die Krone aufgesetzt werden.
Symbolträchtige Schlüsselpersonen der Geschichte
Was für symbolträchtige Ereignisse verfügt werden kann, ist auch nicht spurlos an den geschichtlichen Schlüsselfiguren vorbeigegangen. Obwohl nicht immer orchestrierbar, korrespondieren Namen oft auffällig mit ihrer überzeitlichen Funktion, um Bezeichnungen für Personen als Koinzidenzen abzutun. Für weit zurückliegende Zeiten konnten Phantompersonen mit passenden Namen eingeführt werden. In jüngerer Zeit versorgte man zukünftige Helden rechtzeitig mit passenden Namen. Die in der Renaissance herbeifabulierte “Antike” ist durchsetzt mit sprechenden Namen: von der Akademikerfamilie Scholastikos über Theophrast (“Schwätzer Gottes”) zum Geschichtsschreiber Alexander Polyhistor. Penetrant symbolisch ist der Name des angeblich größten griechischen Philosophen: “Aristo-teles” (wörtlich “das beste Ergebnis”). Damit eignete er sich als passendes Pendant für die europäische “Aristo-kratie”, die sich – schon immer zu Unrecht – als “Herrschaft der Besten” charakterisierte. Kein Wunder, dass die Schriften des Aristoteles, von denen nur „Vorlesungsnotizen“ erhalten wären, jahrhundertelang „verschollen“ gewesen waren. Das augenfälligste Beispiel für eine gezielte Namensvergabe zu Lebzeiten ist Cristobal Colón alias Christoph Kolumbus. Für das christliche Europa war er der „christusbringende Kolonisator“ an neuen Ufern. Die neue Identität wurde dem einer jüdischen Familie entstammenden Seefahrtpionier erst in einem spanischen Franziskanerkloster verpasst. Dort wartete er darauf, dass ihm die katholischen Majestäten Spaniens den Auftrag für seine Westpassage nach Indien erteilten. Nur so war er bei günstigem Ausgang seiner Exkursion als Frontmann des christlichen Europas vorzeigbar. Drei Tage vor dem Auslaufen seines Schiffskonvois war das Ultimatum für Juden abgelaufen, Spanien zu verlassen.
Einfacher war es mit der Galionsfigur der Ostroute nach Indien. Vasco da Gama war Ritter des Christusordens und damit legitimiert. Allerdings bedeutet „Gama“ auf Portugiesisch auch „Reichweite“. Da ihm trotz Namenseignung die maritimen Kenntnisse für eine Ersteroberung fehlten, mussten ihn die besten Steuerleute und Navigatoren um das Kap der Guten Hoffnung an die afrikanische Ostküste befördern, wo der Fidalgo dann von einem arabischen Navigator ans indische Ziel chauffiert wurde. Doch auch in jüngerer Zeit scheinen Zufälle zu kurz zu greifen: Der Trigger für Impfungen kam von Lady Wortley Montagu aus altnormannischen Adel. Als ärztlicher Impfpionier wurde Edward Jenner auserkoren, dessen Name sich aus dem Altfranzösischen „genner, engynour“ (“Ingenieur”) ableitet. Die Symbolfiguren der „klassischen Impfstoffe“ mit Tierpassagen sind Louis Pasteur und Robert Koch zugeordnet. Impfsekrete wurden damals in Rinder- oder Hühnerbouillion ge“köchelt“. Die kirchliche Zuordnung “Pasteur” – “Pastor” macht Sinn, wenn man die Stellungnahme eines damaligen spanischen Impfforschers kennt: „Es gibt zwei große Männer auf der Welt: Jesum Christum, der uns die seelische Erlösung gebracht, und Pasteur, der uns die Gesetze offenbart, nach welchen die leibliche Erlösung zu erlangen ist.“
Ist Namenssymbolik heute passè?
Lenin, Stalin oder Napoleon Bonaparte: Die „Großen“ der Weltgeschichte mussten schon die richtigen Namen haben, um in den Geschichtswerken Platz zu finden. Der Amerikaner Neil Armstrong war als “Pionier“ auf dem Mond kein reiner Zufall. „Buzz Aldrin“ oder „Michael Collins“ trugen keine klingenden Namen. Der Armstrong-Clan hingegen war seit altdänischer Zeit im englisch-schottischen Grenzgebiet reich begütert und mächtig. Schon bei William Shakespeare wird ein tatkräftiger Kronprinz “Fortinbras” (französisch für “Armstrong”) als Symbolfigur eingeführt.
In jüngster Zeit scheint die Magie der Namen kaum mehr eine Rolle zu spielen. Zu viele Unwägbarkeiten in einer globalisierten Gesellschaft. Aber so manche Namen fallen doch auf. Da war zum Beispiel Ugur Sahin, der angebliche Schöpfer des Biontech-„Impfstoffes“, der diesen schnell an einem Wochenende entwickelt haben will. Alles spricht dafür, dass Sahin nur eine Schachfigur war. Sein Name könnte ihn qualifiziert haben: „Sahin“ zu Deutsch „Falke“, also einer, der schneller als die Konkurrenten war. Für deutsche Ohren noch wichtiger: der phonetische Gleichklang zu „Sabin“, Schöpfer der „Polio“-Schluckimpfung 60 Jahre zuvor, der als „Retter der Kinder“ glorifiziert wird. Überhaupt spielte Namenssymbolik bei „Covid-19“ eine immense Rolle: Je größer der Schwindel, desto suggestiver muss die Inszenierung sein. Der Name des ersten Covid-Impflings auf dem Planeten war Margaret “Keen-an” – etymologisch “diejenige, die begierig auf etwas war”. Der zweite Covid-19-Impfling hieß William „Bill“ Shakespeare. Narrative prägen unsere Wahrnehmung stärker als Fakten.
Univ.-Doz.(Wien) Dr. med. Gerd Reuther ist Medizinaufklärer und Medizinhistoriker. Dr. Renate Reuther ist Historikerin. Zusammen haben sie vier Bücher verfasst. Lesen Sie mehr zum Thema im aktuellen Essayband der Autoren: Reuther & Reuther: ”Wer zweifelt, hat schon gewonnen“.
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2 Kommentare
Im Anfang war das Wort!
und es gibt Deppen die auf solchen Schwachsinn hereinfallern im Allesglaubenblödiland – die Erde war und ist eine Scheibe