„The Truth About Jussie Smollett?“: Eine enttäuschend unentschlossene Dokumentation über einen klaren Betrug | Fleschs Lieblingsdokus (3)

„The Truth About Jussie Smollett?“: Eine enttäuschend unentschlossene Dokumentation über einen klaren Betrug | Fleschs Lieblingsdokus (3)

Szene aus „„The Truth About Jussie Smollett?”: Ärgerliche Grundaussage (Foto:IMDB)

Auch die USA haben ihren Fall Gil Ofarim – allerdings einen spektakuläreren, einen mit weitreichenderen Folgen für den Betrüger. Die Netflix-Dokumentation „The Truth About Jussie Smollett?“, die am 22. August 2025 Premiere feierte, will in den kontroversesten Skandal der jüngeren US-Geschichte eintauchen: Jussie Smollett, einst Star der Serie „Empire“, behauptete 2019, Opfer eines rassistischen und „homophoben“ Angriffs geworden zu sein. Doch die Beweise für eine Falschbehauptung sind erdrückend: Der Überfall war inszeniert, ein Betrug, den Smollett bis heute leugnet.

Die Dokumentation besticht durch exklusive Interviews und Archivmaterial, scheitert jedoch kläglich daran, eine klare Position zu beziehen. Regisseur Gagan Rehill gibt Smolletts Unterstützerinnen, insbesondere Frauen aus seinem Umfeld, unverhältnismäßig viel Raum, um seine Version zu stützen, und lässt die Frage, ob der Überfall getürkt war, offen – ein unverzeihlicher Fehltritt, angesichts der Geständnisse der Osundairo-Brüder und der überwältigenden Beweislage.

Ein inszenierter Skandal

Im Januar 2019 meldete Jussie Smollett einen brutalen Angriff in Chicago. Er behauptete, zwei Männer, die er als weiße Täter beschrieb, hätten ihn mit rassistischen und homophoben Beleidigungen angegriffen, Bleichmittel auf ihn geschüttet und eine Schlinge um seinen Hals gelegt. Er erwähnte in frühen Berichten, die Angreifer hätten „This is MAGA country!“ gerufen, was auf Trumps „Make America Great Again“-Slogan anspielt. Die Polizei stellte schnell fest, dass die Angreifer die Brüder Olabinjo und Abimbola Osundairo waren, die gestanden, von Smollett bezahlt worden zu sein, um den Angriff zu inszenieren. Ein Scheck über 3500 Dollar, den Smollett ihnen ausstellte, wurde als Beweis gewertet, obwohl er behauptete, das Geld sei für Fitnesstraining gewesen.

Smollett wurde wegen Falschaussage angeklagt, die Anklage zunächst fallengelassen, später wieder aufgenommen. 2021 wurde er wegen fünf Anklagepunkten zu 150 Tagen Haft verurteilt, von denen er nur sechs Tage absaß, bevor die Verurteilung 2024 vom Obersten Gerichtshof Illinois wegen eines Formfehlers aufgehoben wurde. Ein Vergleich mit Chicago, inklusive einer 50.000-Dollar-Spende, schloss den Fall 2025 ab.

Black Lives Matter” und Gewalt in Chicago

Der Fall fiel in eine explosive Zeit. 2016 verzeichnete Chicago Gewaltraten wie zuletzt in den 1980er Jahren, mit über 600 Morden und Tausenden Schusswaffenverbrechen, besonders in afroamerikanischen Vierteln. Die (in Teilen terroristische) “Black-Lives-Matter”-Bewegung, nach dem Tod von Michael Brown 2014 zunehmend aufgeheizt, stand in den USA seinerzeit – noch vor der später dann völligen Eskalation durch den Fall George Floyd – bereits im Zentrum der Debatte über Rassismus und Polizeigewalt. Smolletts Behauptung, Opfer eines Hassverbrechens geworden zu sein, wurde zunächst als Symbol für diese Kämpfe gesehen.

Doch als klar wurde, dass er den Angriff inszenierte, schädigte er die Glaubwürdigkeit echter Opfer. Die Dokumentation zeigt diesen Kontext gut, versäumt es aber, die Tragweite von Smolletts Verrat an der Bewegung klar zu benennen. Die Chicagoer Polizei, damals wegen des vertuschten Mordes an Laquan McDonald 2014 in der Kritik, stand ebenfalls im Fokus, was Smolletts Geschichte zunächst Plausibilität verlieh.

Stimmen von damals: Biden, Trump und die Öffentlichkeit

Der Fall polarisierte stark. Joe Biden twitterte: „Was mit Jussie Smollett passiert ist, ist abscheulich. Wir müssen uns gegen Hass und Intoleranz erheben.“ Nach den Enthüllungen distanzierte er sich. Donald Trump schrieb: „Jussie Smolletts Fall in Chicago ist eine Schande. Er hat das Land beleidigt und die Aufmerksamkeit von echten Problemen abgelenkt.

Kamala Harris zeigte sich ebenfalls enttäuscht. Die Dokumentation zitiert diese Stimmen, zeigt aber auch, wie Smolletts Unterstützerinnen, darunter seine Schwester Jurnee Smollett, weiterhin an seiner Unschuld festhalten – ein Punkt, der die Serie unnötig verwässert.

Spekulation über Smolletts Motive

Warum inszenierte Smollett diesen Betrug? Wahrscheinlich wollte er seine Karriere ankurbeln, da seine Rolle in „Empire“ immer mehr an Relevanz verlor. Als Schwarzer und homosexueller Mann in einer polarisierten Zeit könnte er Sympathie und mediale Aufmerksamkeit gesucht haben, indem er sich als Opfer eines Hassverbrechens darstellte.

Eine andere Theorie ist, dass er die politischen Spannungen um “Black Lives Matter” und Trumps Präsidentschaft ausnutzte, um sich als Symbolfigur zu positionieren. Indem er weiße Täter erfand, die „This is MAGA country!“ riefen, zeigte er selbst rassistisches Verhalten, da er ein Stereotyp bediente, das Weiße als Aggressoren darstellt. Diese Manipulation war unverantwortlich und schadete der Sache, die er vorgab zu vertreten.

Zu viel Raum für Zweifel

Trotz ihrer technischen Brillanz – exklusive Interviews, Archivmaterial, geschickte Dramaturgie – enttäuscht die Dokumentation durch ihre Unentschlossenheit. Regisseur Rehill gibt Smolletts Unterstützerinnen, etwa seiner Mutter Janet und seiner Schwester Jurnee, zu viel Raum, um seine Version zu verteidigen. Diese Frauen wiederholen Smolletts Behauptungen, ohne stichhaltige Beweise zu liefern, während die Geständnisse der Osundairo-Brüder und der belastende Scheck eindeutig sind.

Die Serie suggeriert, es gebe noch Zweifel an der Inszenierung, was angesichts der Beweislage unverantwortlich ist. Die Polizei fand keine Hinweise auf weiße Täter, nur auf die Brüder in Skimasken. Diese Ambivalenz ist ein journalistischer Fehltritt, der die Opfer echter Hassverbrechen verhöhnt und Smolletts Lüge unnötig legitimiert.

Kritik an Jussie Smollett: Ein uneinsichtiger Rassist

Smolletts beharrliche Leugnung ist unerträglich. Seine Beteuerungen – „Ich weiß, was ich gesehen habe“ – wirken wie dreiste Realitätsverweigerung. Die Beweise, darunter die Geständnisse der Osundairo-Brüder, sind erdrückend. Indem er weiße Täter erfand, zeigte er selbst rassistisches Verhalten, da er ein Stereotyp nutzte, um seine Lüge glaubwürdiger zu machen.

Dies schadete nicht nur der Wahrheit, sondern auch den Kämpfen gegen Rassismus und Homophobie, die er vorgab zu unterstützen. Seine Uneinsichtigkeit macht ihn zu einem Symbol für Narzissmus und Verantwortungslosigkeit.

Ein skandalöses Comeback

Nach dem Skandal brach Smolletts Karriere ein, doch er flog nicht aus „Empire“. Er drehte die fünfte Staffel zu Ende, kehrte aber nicht für die letzte zurück. Seine Agentur UTA ließ ihn fallen, doch 2025 feierte er ein Comeback mit einem Album bei Rowdy Records, einer Rolle in „Special Forces“ und dem Film „The Lost Holliday“ auf Tubi. Im Grunde hat jeder eine zweite Chance verdient… aber jemand, der so uneinsichtig ist wie Smollet? Eher nicht. Es ist empörend, dass ein unverbesserlicher Lügner und Rassist weiterhin eine Bühne erhält. Die Verhandlung – Anklage 2019, fallengelassen, Wiederaufnahme, Verurteilung 2021, Aufhebung 2024, Vergleich 2025 – wirkte wie ein juristischer Freispruch für einen Schuldigen.

The Truth About Jussie Smollett?“ ist zwar technisch beeindruckend, doch die fehlende Klarheit, dass der Überfall inszeniert war, ist ein journalistischer Skandal. Dennoch ist die Dokumentation ein Muss, um die Komplexität dieses Falls zu verstehen – wenn auch mit einem bitteren Nachgeschmack. Mit dieser Ambivalenz hat es „The Truth About Jussie Smollett?“ nur ganz knapp in meine Reihe der Lieblingsdokus geschafft.

Meine Bewertung: 7 von 10

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann freuen wir uns, wenn Sie unsere Arbeit mit einer Zuwendung unterstützen.

2 Antworten