
“The Witness” war eine der ersten True-Crime-Dokus, die ich auf Netflix sah. Damals, 2016. Ein guter Einstieg. Die Dokumentation beleuchtet den Mord an Kitty Genovese im Jahr 1964 in Queens, New York City, völlig neu. Unter der Regie von James D. Solomon begleitet der Film William „Bill“ Genovese, den Bruder der Ermordeten, auf seiner jahrzehntelangen Suche nach Wahrheit und Klarheit über die Ereignisse, die seinerzeit weltweites Aufsehen erregten.
Der Fall: Am 13. März 1964 wurde die 28-jährige Kitty Genovese in Kew Gardens, Queens, von Winston Moseley brutal erstochen. Der Fall erlangte weltweite Aufmerksamkeit durch einen “New York Times”-Artikel, der behauptete, 38 Zeugen hätten den Angriff beobachtet oder gehört, ohne einzugreifen. Diese Darstellung prägte das Konzept des Bystander-Effekts und machte Kitty Genovese zum Symbol für urbane Gleichgültigkeit. The Witness stellt diese Narrative infrage und zeigt, wie stark die Medien die Realität verzerrten.
Bills Reise
Der Film folgt Bill Genovese, der als 16-Jähriger seine Schwester verlor. Nachdem er im Vietnamkrieg beide Beine verloren hat, beginnt er, die Wahrheit hinter dem Fall zu erforschen. Seine Nachforschungen umfassen Interviews mit Zeugen, Journalisten und sogar dem Sohn des Mörders. Dabei entdeckt er, dass einige Nachbarn handelten, etwa durch Anrufe bei der Polizei oder direkte Hilfe, und dass die Zahl der 38 Zeugen stark übertrieben war.
“The Witness” glänzt durch seine emotionale Tiefe. Der Film ist nicht nur eine Untersuchung eines Verbrechens, sondern auch eine Geschichte über Trauer und Heilung. Bill Genovese wird zum emotionalen Kern des Films, dessen Suche nach Antworten zugleich ein Versuch ist, seine Schwester als Person, nicht als Symbol, wiederzuentdecken. Besonders berührend ist die animierte Szene, in der Bill mit Kittys Partnerin Mary Ann Zielonko spricht, die Einblicke in Kittys Leben als lebensfrohe junge Frau gibt. Diese Momente machen Kitty greifbar und lösen sie aus der Rolle der bloßen Opferfigur. Kritiker wie Matt Zoller Seitz von “RogerEbert.com” loben, dass der Film „Kitty Genovese für kurze Zeit wieder zum Leben erweckt und sie als Mensch zeigt“.
Gesellschaftliche Relevanz
Ein zentraler Aspekt ist die Kritik an der Sensationsberichterstattung der “New York Times”. Der Film zeigt, wie der damalige Chefredakteur A.M. Rosenthal die Geschichte bewusst dramatisierte, um Zeitungen zu verkaufen. Dies führte zu einer verzerrten Wahrnehmung von Städten als kalte, apathische Orte. Die Dokumentation hinterfragt die Verantwortung der Medien und zeigt, wie Narrative das öffentliche Bewusstsein prägen können. Joe McGovern von “Entertainment Weekly” hebt hervor: „Die Stärke des Films liegt in seiner Medienkritik.“
Regisseur Solomon nutzt geschickt animierte Sequenzen, um die Ereignisse von 1964 nachzustellen, ohne sensationalistisch zu wirken. Eine besonders eindrucksvolle Szene zeigt eine Schauspielerin, die Kittys Schreie nachahmt, während Bill die Reaktionen der Umgebung beobachtet – ein Moment, der laut Andy Webster von der “New York Times” „erschütternd“ wirkt. Der Film balanciert Fakten und Emotionen, ohne in Voyeurismus abzurutschen. Die ruhige, aber präzise Erzählweise sorgt dafür, dass die Dokumentation sowohl informativ als auch packend bleibt.
Kritikerstimmen
“The Witness” erhielt überwiegend positive Kritiken. Auf “Rotten Tomatoes” erzielt der Film eine Bewertung von 90 Prozent, basierend auf 61 Kritiken, mit einer durchschnittlichen Wertung von 7,6/10. “Metacritic” vergibt einen Metascore von 79/100, was „allgemein positive Kritiken“ anzeigt. Kritiker loben die Dokumentation für ihre sorgfältige Recherche und emotionale Wirkung. Peter Keough vom “Boston Globe” nennt sie „eine der besten Dokumentationen des Jahres 2016“, die als Detektivgeschichte, soziologische Studie und Geschichte über unbewältigte Trauer funktioniert.
Einige Kritiker bemängeln jedoch kleinere Schwächen. Clayton Dillard vom “Slant Magazine” kritisiert, dass Kittys Identität teilweise zur Nebensache werde, während Glenn Dunks “The Film Experience” die Nachstellungsszenen als leicht reißerisch empfindet. Dennoch überwiegt der positive Tenor, da der Film sowohl als True-Crime-Dokumentation als auch als persönliches Porträt überzeugt.
Weltweites Aufsehen
Auch das Publikum schätzt “The Witness” für seine Ehrlichkeit und Tiefe: Auf IMDb erhält der Film eine Bewertung von 7,0/10, basierend auf Nutzerstimmen, die die respektvolle Behandlung des Themas und die Aufklärung des Mythos um die „38 Zeugen“ hervorheben. Der Film spricht besonders Fans von Dokumentationen wie “Making a Murderer” an, da er True Crime mit gesellschaftlicher Reflexion verbindet.
Der Mord an Kitty Genovese und die daraus resultierende Geschichte der „38 Zeugen“ erlangten weltweite Aufmerksamkeit und beeinflussten die Psychologie, Soziologie und sogar die Popkultur. Der Fall führte zur Einführung des 911-Notrufsystems in den USA und inspirierte zahlreiche Werke, von Episoden von “Law & Order” bis hin zu Büchern wie Rosenthals “Thirty-Eight Witnesses”. “The Witness” zeigt, wie der Fall die öffentliche Wahrnehmung von städtischer Apathie prägte, und korrigiert gleichzeitig die verzerrte Darstellung, die über Jahrzehnte hinweg Bestand hatte. “The Witness” ist eine herausragende Dokumentation, die True Crime, Medienkritik und persönliche Trauer meisterhaft verbindet.
Meine Bewertung: 9 von 10.
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3 Antworten
Nur so ganz nebenbei, bei mir zuhause, wo ich seit ueber 30 Jahren lebe, gelten andere Gesetze.
Der Polizistenmoerder wuerde aufgehaengt und so auch die vielen Vergewaltiger/Moerder.
Das hat klare Folgen, die Messer-Kerle kommen nur sehr ungern zu uns. Und das ist gut so.
Das arme Ding!
Ist viel zu jung gestorben. 😥
(…)
Naja, all die Softies und Weicheier wollen auf der einen Seite Abtreibung bis zum 9ten Monat (d.h. unschuldiges Leben ermorden); auf der anderen Seite sind sie auf der Strasse am demonstrieren, damit ja kein Moerder oder Vergewaltiger seiner gerechten Strafe zugefuehrt wird. Nein, all diese Armen Fremden muessen ja auf Staatskosten (d.h.Steuerzahler-Kosten) ins Sanatorium.
Diese fremden Herrschaften wissen mittlerweile ganz genau, dass ihnen in Deutschland so gut wie nichts passieren kann, egal wie kriminell sie sich verhalten.
Im Fall des Falles, werden sie (ist das eigenlich Business-Class) nach Hause geflogen, erhalten vorher von dem Steuerzahler noch schnell 1000 Euro, um dann, ohne grossen Verzug, mit neuen oder gefaelschten Papieren wieder nach Deutschland zu reisen.
Da muesste einem ehrlich arbeitenden Deutschen die Spucke wegbleiben, wie man mal sagte…