Tomatensuppe fürs Klima

Anschlag auf das Van-Gogh-Gemälde: Die Klima-Taliban von „Just Stop Oil“ erfahren Rückendeckung von deutschen linksgrünen Haltungsrecken (Screenshot:Youtube)

Warhol trifft van Gogh? Mitnichten: Die Tomatensuppe war real und landete auf den berühmten Sonnenblumen. Zum Glück befand sich eine Glasscheibe vor dem Gemälde, aber wir ahnen: Wäre das Bild ungeschützt gewesen, so hätte dies unsere Klimaaktivisten keineswegs von ihrem Tun abgehalten. „Aber es gab doch eine Glasscheibe!”, führen die Verteidiger der Aktion ins Feld und finden es offenbar ganz normal, in einer Kunstgalerie Vandalismus zu betreiben.

Die Liga der Dauerempörten – so etwa Jan Böhmermann und Luisa Neubauer – bezeichnet die Tat ebenfalls als harmlos – schließlich geht es um die Rettung des Planeten, da müssen Opfer gebracht werden! Welcher Kausalzusammenhang zwischen van Gogh und dem Klimawandel besteht, erschließt sich mir nicht. Zu seinen Lebzeiten besaß der Künstler bekanntlich nicht viel – noch nicht einmal ein Kohlekraftwerk. Arbeiteten wir ähnlich propagandistisch wie die „Guten”, müsste die Schlagzeile lauten: „Öko-Terroristen attackieren Werk eines psychisch erkrankten Malers. Wie steht die Szene zur Inklusion?“ Oder: „Im Sudan hungern Menschen – hier wird mit Suppe randaliert. Herzlos!“ Tatsächlich habe ich meinen Empörungsknopf gesucht – aber eigentlich bin ich nicht empört, sondern komplett ratlos.

(Screenshot:Twitter)

Was soll der Mist?, dachte ich, und wunderte mich, wie leicht es ist, auch unsere sogenannte kulturelle Elite zur Rechtfertigung von Straftaten zu bringen, wenn nur das Motiv „richtig“ ist. Und unsere Klimafreunde verfügen mittlerweile über ein gutbestücktes Kerbholz: Abseilen von der Autobahnbrücke, Ankleben auf der Straße und in letzter Zeit eben zunehmender Vandalismus an Kunstwerken. Sie riskieren mithin schwere Unfälle, blockieren Arbeitnehmer und Krankenwagen – und legen es auf die Zerstörung schöner Dinge an, die mit Mühe erschaffen wurden. Solcherlei Aktionen waren noch nie dazu angetan, außerhalb der eigenen Blase Sympathien zu wecken und wirken daher wie ein Initiationsritus vor den eigenen Leuten: „Wenn ihr zum Kreis des Vertrauens gehören wollt, dann müsst ihr euch schon was trauen!“ Romani ite domum – willkommen in der judäischen Volksfront!

Angeblich soll auf Missstände aufmerksam gemacht werden – steht man dabei auf der „falschen“ Seite, wird einem schon die Teilnahme an einer friedlichen Demonstration zum Verhängnis. Aber hier greifen die üblichen Doppelstandards: Der Aktivist als moderne Reinkarnation von Robin Hood. Der war zwar strenggenommen auch ein Straftäter, hat seine Beute aber unter den Armen verteilt. Umweltaktivisten hingegen verbreiten lediglich Ärger. Die Chinesen, welche weltweit am meisten Abgase in die Luft pusten – dafür aber fleißig Elektroautos bauen – dürfte das nicht die Bohne interessieren.

Herbeigeunkte Untergänge

Wenn Klimaaktivisten ihren Protest auf die Straße tragen möchten, so haben sie dazu die gleichen Möglichkeiten wie alle anderen Bürger auch. Zu den gleichen Regeln. Den Presse-Bonus haben sie ohnehin auf ihrer Seite, positive Berichterstattung garantiert. Unser Planet hat allerdings schon zu viele herbeigeunkte Untergänge überstanden, um daraus die Legitimation für tatkräftigen Extremismus abzuleiten. Zumal über diese Legitimation ohnehin der Mainstream entscheidet, der doch angeblich Ziel des Appells ist. In Wahrheit hat dieser Mainstream entschieden, dass der Rest der Gesellschaft durch solche Aktionen eingeschüchtert werden darf. Das hat zudem den Vorteil, sich nicht selbst die Hände schmutzig machen zu müssen: Die Jugendlichen dürfen vor Gericht auf Milde hoffen, man kann sie vorschicken, um das zu erledigen, wovon man zwar träumt, es aber nicht umsetzen kann, ohne sein bequemes Leben zu riskieren.

Mit der Begründung „es ist doch nur Tomatensuppe und man kann es wieder saubermachen“ ist es zudem nicht getan. Wenn ich an die Tür der Kölner Zentralmoschee einen Schwarzwälder Schinken hänge, um gegen den Muezzinruf zu protestieren, dürfte ich – zurecht – auf weniger Verständnis stoßen, obwohl dies ebenfalls keine bleibenden Schäden hinterlässt. Man wird argumentieren, ich hätte religiöse Gefühle verletzt. Dagegen können die Gefühle von Kunstfreunden nicht anstinken – zumindest nicht, wenn es sich um klassische Kunst handelt. Wieder einmal sind es die Doppelstandards, die den eigentlichen Grund zur Empörung bieten. Das Versammlungsrecht der Bürger basiert schließlich auf der Grundannahme, die Proteste würden gewaltfrei ablaufen. Doch die Entscheidung darüber, was Gewalt ist, wird nach politischem Gusto gefällt: Ein „Querdenker”, der einem Journalisten in einem leicht aufgebrachten Tonfall eine Frage stellt, wird zur Bedrohung der Pressefreiheit aufgebauscht; Nötigung durch Blockade ist hingegen legitim.

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14 Kommentare

  1. Wo bleiben die Eltern, die, pressewirksam, ihren missratenen Gören eine Tracht Prügel verabreichen und hinterher dafür sorgen, dass diese hirnbefreiten Zellklumpen die Schäden abarbeiten müssen?

  2. „Alle zehn Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Hunger. 821 Millionen Menschen hungern, 2 Milliarden leiden an Mangelernährung.“ – Welthungerhilfe 2020

    Und die schütten einfach Suppe in der Gegend herum.

    Alleine im Kongo arbeiten 40.000 Kinder im Alter von nur 4 Jahren, um die für Autobatterien benötigten Rohstoffe aus engen Minenstollen ans Licht des Tages zu bringen.

    Und Ricarda Lang (GRÜNE) freut sich über die Sicherung dieser Arbeitsplätze durch Elektromobilität:

    „Die Zukunft gehört der Elektromobilität. So schaffen wir Planungssicherheit, sichern Arbeitsplätze in der Zukunft und bringen die Verkehrswende voran.“ – Ricarda Lang (GRÜNE) am 09.06.2022

    Seit die Grünen 1983 ausgerechnet mit massenweise abgeschnittenen Köpfen von Sonnenblumen zur Rettung der Natur in den Bundestag einzogen, weiß doch jeder über die Doppelstandards dieser Sekte Bescheid.

  3. Bevölkerung, Sachwerte und Zeit (Autofahrer Nötigungen) müssen vor Klimaterroristen geschützt werden.
    Anklagen, verurteilen, wegsperren oder harte Sozialstunden wären eine Möglichkeit.
    Weitere bleiben der Phantasie überlassen.

  4. Wir leben in Zeiten einer uferlosen Doppelmoral!

    Und zwar einer durchgehenden Doppelmoral, die in sich schon zwangsläufig die Merkmale der Unmoral trägt: Es gibt nur noch Weiß und Schwarz; Gut und Böse – keine Differenzierungen. Was von den USA schon angerichtet wurde – gut; was man Putin zuschreibt (ob wahr oder nicht, selbst das ist egal!) – schlecht! Anschließend gibt es auch kein Maß, keine Verhältnismäßigkeit – und natürlich erst recht keine Wahrheit oder auch nur ein Streben nach Wahrheit (Wissenschaft).
    Mit der Quelle fällt das Urteil! Gerade diejenigen, die sich am lautesten auf moralische Prinzipien berufen, verraten sie am intensivsten!

    Nach Kant formuliert – der sich als Philosoph wohl Lichtjahre von der heutigen Dummschwätzerei und Hetzerei entfernt sehen müsste:

    Handle stets so, dass die Grundlage deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte!

    Sollen tatsächlich Motive und Meinungen darüber entscheiden, was Recht und was Unrecht ist? Fast ist es schon so weit!
    Eine Meinungs- und Gedankenfreiheit ist nichts mehr wert, wenn die Urteile nur in o.a. Kategorien gefällt werden. Wer glaubt, die Menschheit sei immer intelligenter geworden, wird erkennen müssen, dass diese Wachstumsgrenze bereits überschritten ist und sich erfolgreich eine rückwärtige Ideologie breitmacht.
    Meinungen sind nicht vonnöten, wenn es eine Meinung gibt!

    Freiheit heißt Offenheit – ohne Offenheit kann es keine Freiheit geben. Und anderen verwehren, was man selbst in Anspruch nimmt, ist unmoralisch. Auch Rosa Luxemburg stellte schon fest:
    Die Freiheit ist immer die des anderen. Wo dieser keine mehr hat, existiert keine Freiheit mehr! Punkt.
    Tomatensauce für die Grünen und ihre Fantasten!

    • @Justus 17. Oktober 2022 Beim 11:50

      Na ja, bei Ladekabel und Meinungen habe sie es eben begriffen:

      Vielfalt behindert.

      Auch Vielfalt durch massenweisen Import von Menschen aus inkompatiblen Kulturen behindert.

      Allerdings nur die Bevölkerung, nicht die Parteien, die durch dieses Demographic Engineering profitieren.

      Das ist keine doppelte Moral, sondern einfache Machtgier und Egoismus.

  5. Grüne hatten noch nie Intelligenz! Und Sinn für Kunst auch nicht.
    Deswegen sind sie auch so beliebt bei einem großen Teil der Wähler!

  6. Das ist ohnehin nur eine Kopie. Lausige Kopien von Umweltschützern haben eine Kopie besudelt. Früher hätte man gesagt: „Oh in China ist ein Sack Reis umgefallen…“. Aber wenn heute in China ein Sack Reis umfällt, dann gehen bei uns 50.000 Arbeitsplätze verloren.

    • Es geht um Sybolik – und was dahintersteht!

      Und auch ihr Sack Reis gewinnt ggf. sehr schnell eine andere Dimension, wenn dies als Protest gegen eine Regierung gelten soll! Den Zusammenhang mit Arbeitsplätzen verstehe ich allerdings nicht! Da ist China doch stabiler aufgestellt!

      Oder meinen Sie, dass diese Taten immer nur geschützen Objekten und niemals den Originalen gelten würden?

  7. „Unterschätzt niemals die Feindseligkeit derjenigen, die die Empörung zu einer Tugend gemacht haben.“ Dragon Age:Inquisition

    Ich glaube, das passt sehr gut die Situation heutzutage.

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  8. Falls einheimische Obdachlose oder Rentner es auch schön warm haben wollen müssen sie nur in das nächste Flüchtlingsheim gehen, dort laufen die Heizungen auf Hochtouren und erst noch gratis. Üppige Sozialhilfe gibt es aber nur für die angeblichen Flüchtlinge, einheimische Bedürftige sind da nach wie vor ausgeschlossen.

    • „Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem die Technologie unsere Menschlichkeit übertrifft. Auf der Welt wird es nur noch eine Generation aus Idioten geben.“ soll Albert Einstein gesagt haben Es ist egal wer es gesagt hat, er hat recht, das sieht man heute.

  9. Da die Legislative solche Dinge verboten hat wurden sie von der Executive verhaftet und werden jetzt der Judikative vorgestellt

    Diese beiden haben ihre Arbeit getan.
    Jetzt kommt die Judikative. Und da bin ich mal gespannt.
    Herrscht hier Unabhängigkeit oder ist die Judikative doch der Politik und dem Ökosektentum unterworfen?

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