Transagenda – war da was? Die allzu bequeme Erzählung vom Ende eines „Hypes“

Transagenda – war da was? Die allzu bequeme Erzählung vom Ende eines „Hypes“

„Gefühltes” und „behauptetes” Geschlecht: Die nonbinäre Welle ist am Abflauen – nicht jedoch die Indoktrination (Symbolbild:Shutterstock)

Es gehört zu den beliebtesten Beruhigungsformeln spätliberaler Milieus, einen Konflikt für erledigt zu erklären, sobald erste Ermüdungserscheinungen sichtbar werden. Genau in dieses Muster fällt die These, die „Trans-Revolution“ sei im Abklingen, weil sinkende Identifikationszahlen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf einen Trendbruch hindeuten. Der Gedanke ist psychologisch attraktiv: Wenn es „nur“ ein Hype war, muss man weder die institutionellen Schäden aufarbeiten noch die moralische und pädagogische Gewalt, mit der die These der völligen Geschlechtsfluidität in Schulen, Medizin und Medien durchgesetzt wurde. Dass es statistische Hinweise auf einen Rückgang gibt, ist dennoch ernst zu nehmen: In Birgit Schmids ambivalent zu wertendem Beitrag in der “Neuen Zürcher Zeitung” (NZZ) wird etwa auf Auswertungen verwiesen, wonach sich der Anteil “nichtbinärer Selbstbeschreibungen” an einer untersuchten Schule von 8 Prozent (2023) auf 2 Prozent (2025) verringert habe, wie auch auf repräsentative Umfragen, nach denen sich der Anteil der 18- bis 22-Jährigen, die sich als “trans” identifizieren, 2024 gegenüber 2022 etwa halbiert habe. Diese Beobachtungen können stimmen – aber sie sind nicht die Pointe. Die Pointe lautet vielmehr: Ein Trend kann abklingen – während die Infrastruktur, die er geschaffen hat, bleibt.

Denn das, was hier im Namen der Transideologie errichtet wurde, ist eben mehr als nur ein modischer “Hype”. Das fängt schon mit der reflexhaften, rigiden Ausgrenzung von Kritikern an: Wer in den vergangenen Jahren selbst nur übervorsichtig auf Nachahmungseffekte, „soziale Ansteckung“ und die auffällige Häufung von Trans-Identitäten in bestimmten Jahrgängen hingewiesen hat, wurde nicht als Skeptiker, sondern als Gefährder etikettiert. Schmid beschreibt diese Dynamik offen: Der bloße Hinweis auf mögliche Trendhaftigkeit wurde als Angriff auf die psychische Integrität junger Menschen gedeutet, Kritiker wurden als “transphob” diffamiert, und die Debatte wurde mit einem moralischen Absolutheitsanspruch geführt. Und gerade hier liegt der rechtsintellektuelle Ansatzpunkt für einen Gegenentwurf: Nicht der einzelne Befund ist strittig, sondern der Herrschaftsstil, mit dem ein weltanschaulich aufgeladener Deutungsrahmen zur gesellschaftlichen Pflichtübung wurde. Man konnte Daten nicht erheben, ohne in den Verdacht zu geraten, „gegen Menschen” zu sein. Man konnte Begriffe nicht prüfen, ohne als „rechts“ zu gelten. Man konnte auf Schutzbedürftigkeit von Kindern verweisen, ohne in die Nähe einer Gesinnungspolizei gerückt zu werden – ironischerweise durch jene, die sich selbst als Antiautoritäre inszenieren.

Vom „Trend“ zur Infrastruktur

Selbst wenn die Zahlen sinken: Was ist in der Zwischenzeit passiert? Man kann drei Trends identifizieren. Als erster ist die Institutionalisierung zu nennen: Beratungs- und Anlaufstellen wurden ausgebaut, Fortbildungen etabliert, Verwaltungsvorschriften und Leitfäden geschaffen, Schulmaterialien umgeschrieben, Sprache normiert. Der zweite besteht in der Etablierung professioneller Anreizsysteme: In Medizin und Psychologie entstanden Pfade, in denen Diagnose, Begleitung und Intervention als „affirmative“ Standardhaltung moralisch aufgeladen wurden. Und der dritte heißt Sanktionierung: Schmid erinnert daran, wie Tabus funktionierten und wie Repression nicht staatlich beginnen muss, sondern oft als sozialer Strafapparat: Cancel-Drohung, Karrierehemmung, öffentliche Beschämung.

Das ist entscheidend: Ein kultureller Trend kann sich umkehren – aber eine etablierte Praxis kippt nicht automatisch zurück in professionelle Nüchternheit. Wer die Lage heute mit „Hype vorbei“ etikettiert, unterschätzt die Trägheit von Institutionen und die Beharrungskraft ideologischer Apparate. Der Text nennt einen Mechanismus, der von konservativen Kritikern seit Jahren beschrieben wird und nun plötzlich sagbar erscheint: Pandemie-Isolation, massive Social-Media-Zeit, psychische Vulnerabilität und die Verführung einer identitären Erklärung, die Leiden in eine scheinbar eindeutige Ursache-Lösung-Erzählung presst. Auch die Beschreibung des Gruppeneffekts („Man will wahrgenommen werden und dazugehören“) wird ausdrücklich betont.

Ein rechtsintellektueller Gegenakzent lautet hier: Das Problem ist nicht, dass Jugendliche nach Sinn und Form suchen – das ist anthropologisch normal. Das Problem ist, dass eine erwachsene Leitkultur (Medien, Pädagogik, Politik) diese Suchbewegung nicht beruhigt, sondern befeuert hat. Sie hat die Pubertät nicht als Übergang mit Ambivalenzen behandelt, sondern als Bühne für identitätspolitische Selbstverabsolutierung. Das ist keine „Befreiung“, sondern eine kulturelle Überforderung mit hohem Risiko für irreversible Entscheidungen.

Medizinische Irreversibilität und der Schutzauftrag

Ein besonders sensibles Feld berührt Schmid am Ende ihres Textes: die Diskussion über Verbote oder Einschränkungen medizinischer Behandlungen bei Minderjährigen, für die eine solide wissenschaftliche Grundlage fehle und die lebenslange Folgen haben könnten. Man kann darüber streiten, welche Evidenz im Einzelnen vorliegt; man kann auch über rechtliche Modelle streiten. Aber intellektuell unredlich ist es, diesen Streit zu pathologisieren. Der Kontrapunkt zur liberalen Beschwichtigung lautet: Selbst wenn ein Teil der Welle zurückgeht, bleibt jeder Einzelfall, der durch Zeitgeist und Diskursdruck in eine medizinische Bahn gelenkt wurde, ein Skandal – nicht im moralischen, sondern im rechtsstaatlichen und berufsethischen Sinn. Denn bei Kindern ist der Maßstab nicht Selbstverwirklichung, sondern Schutz. Und Schutz heißt auch: das Recht, sich nicht endgültig entscheiden zu müssen, wäh-rend man sich psychisch und körperlich noch entwickelt.

Schmid beschreibt, wie Aktivisten den Rückgang lieber als Folge eines „Kulturkampfs von rechts“ deuten, statt auch nur die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass die Identitätspolitik womöglich überdreht habe. Das ist ein rhetorischer Trick: Wenn die Zahlen sinken, liegt es nicht an der inneren Unplausibilität der Ideologie, sondern an äußeren Feinden, die Menschen „einschüchtern“. Dadurch bleibt das Weltbild unangreifbar. Es ist das klassische Immunisierungsverfahren politischer Religionen.

Asymmetrischer Diskurs

Ein konservativer Kontrapunkt wäre hier der Hinweis, dass der „Kulturkampf“-Vorwurf als Deutungssperre dienen soll. Er erklärt jede Normalisierung zur Reaktion, jede empirische Frage zur Aggression, jede biologische Selbstverständlichkeit zur Diskriminierung. Und er macht den Diskurs asymmetrisch: Die eine Seite darf politisieren, die andere soll schweigen oder sich entschuldigen. Dazu vier seien vier Thesen ausgeführt.

  1. Der Konflikt ist nicht nur symbolisch, sondern administrativ: Wenn Schulen, Behörden und öffentlich-rechtliche Strukturen Sprach- und Identitätsnormen implementieren, wird Weltanschauung zur Regelpraxis. Das betrifft Elternrechte, Bildungsauftrag, Beamtenneutralität und den Umgang mit Minderjährigen. Eine Opposition, die diesen Zugriff zurückdrängen will, kann schwerlich im Ton feuilletonistischer Gelassenheit sprechen, weil sie gegen eine bereits verfestigte Praxis anargumentiert.
  2. Der Protest richtet sich gegen die Umkehr der Beweislast. In der beschriebenen Debattenkultur gilt: Wer Zweifel äußert, ist der Täter. Wer Daten erhebt, ist „gegen Menschen“. Der Text zitiert Eric Kaufmanns prägnanten Satz, Fragen zu stellen sei nicht dasselbe wie zu befürworten. Genau diese Unterscheidung ist konservativ zentral. Wo sie verweigert wird, eskaliert zwangsläufig die politische Gegenreaktion.
  3. Drittens: Der Protest ist eine Reaktion auf einen pädagogischen Absolutismus. Wenn die Schule nicht mehr Wissen vermittelt, sondern Identitätsmodelle moralisch prämiert, wird der Staat zum Mit-Erzieher gegen die Eltern. Das provoziert – gerade in Deutschland – nicht nur kulturellen Widerstand, sondern verfassungsrechtliche Alarmbereitschaft.
  4. Viertens: Der Protest markiert einen Realismusanspruch. Der konservative Impuls ist in diesem Feld nicht primär „gegen Minderheiten“, sondern für Begrenzung: für die Unterscheidung von subjektivem Empfinden und objektiver Körperlichkeit, von Mitgefühl und Normsetzung, von individueller Freiheit und dem Schutz Minderjähriger. Dass diese Position im öffentlichen Diskurs lange als unsagbar galt, erklärt die Schärfe, mit der sie nun artikuliert wird.

Trump als Spiegel und Ablenkung

Vehemenz kann man kritisieren. Man kann auch strategisch für mehr Nüchternheit plädieren. Aber wer die Vehemenz verstehen will, muss anerkennen, dass sich hier nicht „zwei Meinungen“ begegnen, sondern zwei Ordnungsansprüche: ein anthropologischer Realismus versus eine identitätspolitische Konstruktion, die über Institutionen normierend wirkt. Schmid kontrastiert die Übergriffigkeit der Aktivisten mit einer „fragwürdigen Härte“ auf der Gegenseite – Donald Trumps Maßnahmen wie die Streichung einer dritten Kategorie im Passsowie die Einschränkung staatlich finanzierter Umfragen. Diese Passage ist aufschlussreich, weil sie ein Symmetrie-Narrativ anbietet: hier die Aktivisten, dort die Reaktion, beide vermischen Fakten und Werte.

Eine konservative Gegenposition muss hier zweierlei leisten: Zustimmen, dass staatliche Datenverbote und grobe Gegenmaßnahmen problematisch sind – weil sie wissenschaftliche Neugier politisch instrumentalisieren. Der Text selbst formuliert die entscheidende Differenz: Datenerhebung ist nicht Zustimmung. Und widersprechen, wenn aus dieser Symmetrie eine moralische Gleichsetzung wird. Denn zwischen einem Diskurs, der über Jahre tabuisiert und sanktioniert, und einer Gegenreaktion gibt es eine Asymmetrie der Ursache. Wer den Brand legt, darf sich nicht als neutraler Feuerwehr-Kommentator inszenieren, sobald Gegenmittel unangenehm wirken.

Warnung vor Ausschlag des Pendels

Gegen Ende spürt man in Schmids NZZ-Text eine Form von liberalem Aufatmen. Endlich seien Dinge wieder sagbar, konstatiert sie; zugleich warnt sie vor einem Ausschlag des Pendels. Das ist der Moment, an dem der Konservative die Schlussfolgerung schärft: Normalisierung ist nicht, dass man „wieder darüber reden darf”. Normalisierung ist, dass Institutionen den Mut haben, das Geschehene unbefangen und selbstkritisch zu evaluieren: Welche Leitfäden waren ideologisch? Welche medizinischen Standards waren voreilig? Welche schulischen Programme waren Indoktrination? Welche Medienkampagnen haben Eltern moralisch entmündigt? Und welche rechtlichen Konstruktionen haben die Grenze zwischen persönlicher Lebensführung und staatlicher Normsetzung verwischt?

Die Kräfte bürgerlich-konservativer Normalität sinnen hier hier nicht Rache, sondern fordern Revision: Den sofortigen Rückbau von Zwangs- und Quasi-Zwangsstrukturen, die überfällige Wiederherstellung des Primats von Evidenz in der Medizin, die Rückkehr zur Schutzlogik im Minderjährigenrecht – und eine generelle weltanschauliche Zurückhaltung des Staates in Schule und Verwaltung. Dies wären die dringend zu ziehenden Lehren eines weiteren ideologischen Irrwegs, wie auch die folgende Erkenntnis: Wenn die Zahlen tatsächlich sinken, ist das nicht die Entwarnung, sondern der Beweis, dass eine Gesellschaft sich zeitweise in einen Modus kollektiver Suggestion begeben kann – und dass es politische Kräfte braucht, die diesen Modus unterbrechen. In diesem Sinne ist der vehemente AfD-Protest weniger „Kulturkampf“ als das, was Demokratien im Ernstfall leisten müssen: Eine Opposition gegen moralisch aufgeladene Alternativlosigkeiten.

5 Antworten

  1. @Denn das, was hier im Namen der Transideologie errichtet wurde, ist eben mehr als nur ein modischer “Hype”.
    in meinen Augen ist das psychologische Kriegsführung der Eliten gegen das Volk, Terror und muß im SInne langfristiger „Politik“ gesehen werden :
    Graf Coudenhove-Kalergi, Gründer der „Paneuropa-Union“ und Autor des Buches „Praktischer Idealismus“ von 1925 beschreibt in seinem Buch die größtmögliche Vermischung der (weißen) Nationen
    mit Schwarzafrikanern und Asiaten, welche, ohne Bindungen an hiesige Traditionen und Kultur, leichter „lenkbar“ wären. Die künstliche Vermischung der Europäer soll durch eine permanente aufgezwungene Immigration (vorzugsweise junger Männer) und gesteuerte Geburtenarmut realisiert werden.
    „In der Regel ist der Urbanmensch Mischling aus verschiedensten sozialen und nationalen Elementen. In ihm heben sich die entgegengesetzten Charaktereigenschaften, Vorurteile, Hemmungen, Willens-tendenzen und Weltanschauungen seiner Eltern und Voreltern auf oder schwächen einander wenigstens ab. Die Folge ist, daß Mischlinge vielfach Charakterlosigkeit, Hemmungslosigkeit, Willensschwäche, Unbeständigkeit, Pietätlosigkeit und Treulosigkeit mit Objektivität, Vielseitigkeit, geistiger Regsamkeit, Freiheit von Vorurteilen und Weite des Horizonts verbinden.“ Praktischer Idealismus, Seite 21. Als ideale Bevölkerung Europas stellte sich Coudenhove-Kalergi eine „eurasisch-negroide Zukunftsrasse“ vor, die die gewachsenen europäischen Völker ablösen solle.

    Die trans-Ideologie ist dabei nur ein Werkzeug, das dann etwa abgenutzt ist und jederzeit ersetzt werden kann, so wie auch der Erfolg der Corona-Geschäfte nach einer gewissen Abklingzeit wieder durch eine neue „Plandemie“ ersetzt werden kann – die „Gesetze“ sind ja da und bleiben wohl auch – jedenfalls, falls nicht die AFD in eiern Alleinregierung das Zeug streicht. Bei der Blockpartei ist die nächste Gewinnmaximierungswelle und Experimentalwelle schon eingepreist – und Polizei und Militär sind inzwischen durch die politischen Säuberungen auch stramm auf Linie. Das wird das nächste Mal nicht so abgehen !

  2. bei diesen ganzen tok-tik, insta, blablabla Blitzbirnen trendet zZt doch auch, daß das Gehirn erst mit 25 „ausgreift“ ist, und versucht so „Jugendsünden“ zu erklären/relativieren/entschuldigen…
    zB diese ganzen jungen Frauen, die sich mit 18 mit Tinte haben zutackern lassen, als erstes Hals & Hände (alter Tätowierer Spruch: „Hals & Hände, GANZ AM ENDE!“) und es ein paar Jahre später bereuen wie Hölle!! Die produzieren gerade Videos en masse: „Lasst euch nicht tätowieren!! Ich bereue ALLES!! DRINGEND abzuraten!!!“

    ABER: mit 12 über SchnippSchnappDödelAb entscheiden??!!! WER das auch nur im geringsten unterstützt, gehört lebenslang in den Steinbruch…
    Danisch schreibt gerade so schön, echter Brüller:
    „Im Prinzip war Trans nichts anderes als ein Arschgeweih, nur vornerum. So eine Südpolbalalaika. …
    … Was aber machen nun all die Genderwracks mit ihren Geschlechtsruinen und Genitalinsolvenzen?

    Die kann man nicht wieder hinlasern. …“ 😉 😀

  3. „Hypes“ = Rechtschreibfehler …. ?
    „Hupes“ …, ergibt zwar auch keinen Sinn, aber das ist im heutigen Deutschand eh egal.

  4. Soso, der Anteil “nichtbinärer Selbstbeschreibungen” ist gesunken. An EINER einzigen untersuchten Schule, was ist mit den anderen?
    Und wie hat sich im selben Zeitraum der Anteil der Schüler mit Migrationsverdergrund erhöht? Die sind bekanntermaßen resistent dagegen.