Transfrauen im Frauensport: Selbst politisch erwünschte Studien können die eklatante Ungerechtigkeit nicht leugnen

Transfrauen im Frauensport: Selbst politisch erwünschte Studien können die eklatante Ungerechtigkeit nicht leugnen

„Frauen“-Schwimmstar Lia Thomas (l.) bei der Siegerehrung: Unfair, unsportlich, bösartig (Foto:ScreenshotYoutube)

In den letzten Jahren kocht immer wieder die gesellschaftliche Debatte um Transsexualität hoch. Ein Reizthema sind dabei stets die geschlechtsneutralen Pronomen oder Pluralformen mit Gendersternchen und dergleichen. Doch diese eher theoretischen Punkte verblassen, sobald es um klarer greifbare Konsequenzen im Leben geht. Wie zum Beispiel um die Frage, ob transsexuelle (oder intersexuelle) Männer im Frauensport antreten dürfen. Bekanntestes Beispiel dafür ist die Kontroverse um Imane Khelif: Der Algerier war ohne Penis geboren worden und wuchs daher in dem Glauben auf, ein Mädchen beziehungsweise eine Frau zu sein. Er trat bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris in der Frauen-Kategorie im Boxen an und gewann eine Goldmedaille. Obwohl ein genetischer Test zeigte, dass es sich bei Khelif um einen Mann handelte (was er erst vor wenigen Tagen zugab), stellten sich vor allem die Medien oft auf seine Seite und meinten, dass eben sein “gefühltes weibliches Geschlecht” ausschlaggebend für das Antreten in der Frauenkategorie war.

Ein anderer Fall ist der des Schwimmers William Thomas, der als „Lia“ bei den Frauen (wenn auch nicht bei Olympia) antrat und seine weibliche Konkurrenz dank massiver physischer Überlegenheit deklassierte. Es gibt viele weitere Fälle von intersexuellen beziehungsweise transsexuellen Männern, die im Frauensport antraten und dort groß abräumten. Doch nun hat, welch ein Glück „die Wissenschaft“ den erwünschten “Nachweis” erbracht, dass dabei alles mit rechten Dingen zugeht: Transfrauen hätten angeblich keinen Vorteil gegenüber biologischen Frauen, so das Ergebnis einer neuen Studie, die derzeit in den Medien herumgereicht wird. Na klar doch!

Handballer wie He-Man

Natürlich ist jedem, der noch bei Trost ist, klar, dass diese Studie unmöglich zutreffend sein kann – denn man erkennt ja schon auf den ersten Blick den körperlichen Vorteil eines transsexuellen Mannes im Frauensport, weil er seine Teamkolleginnen oder Rivalinnen oft um einen Kopf überragt und auch breiter gebaut ist. Bei Thomas war dies bereits eklatant, doch nehmen wir zum Beispiel Callum „Hannah“ Mouncey: Man übertreibt wohl nicht, dass der Handballer ein wenig der hypermaskulinen Comicfigur He-Man ähnelt. Und wie wir sehen, ist er ein wahrer Gigant im Vergleich zu seinen Gegnerinnen auf dem Spielfeld.

Warum sollte man der Wissenschaft also mehr trauen als seinen eigenen Augen? Dennoch: Wenn eine Studie Argumente vorträgt, um eine noch so abwegige These zu bestätigen, muss man dennoch in der Lage sein, jedes dieser Argumente entkräften zu können. Bloß subjektiv zu wissen, dass die Studie falsch ist, reicht nicht. Worum geht es hier also genau? Zunächst einmal stimmt die Aussage nicht, dass eine “Studie” festgestellt hat, dass transsexuelle Männer keinen unfairen Vorteil haben. Denn die vorliegende “Studie” ist eine eigentlich eine sogenannte Meta-Studie, – also eine Untersuchungen, die den bisherigen Wissensstand aus vielen früheren Studien bündelt und zusammenfasst. Das ist in der Wissenschaft eine gängige Methode.

Meta-Studie versus Studie

Denn zunächst hat eine Meta-Studie einen riesigen Vorteil: Man erhält auf diesem Wege schnell eine riesige Stichprobenmenge, die einen Zufallseffekt ausschließen kann. Eine einzelne Studie mit 50 Teilnehmern ist zu klein, um belastbare Ergebnisse ans Tageslicht zu befördern, egal wie professionell die beteiligten Wissenschaftler vorgegangen sind; fasst man aber 50 solcher Studien zusammen, ist man auf einmal bei tausenden Teilnehmern und hat solidere Resultate. Allerdings ist Vorsicht geboten. Denn wenn alle 50 Einzelstudien methodisch mangelhaft waren, erhält man nicht auf magische Weise ein seriöses Resultat, sondern nur ein schlechtes Resultat, das eben auf einer größeren Stichprobe basiert. Zudem gerät man immer wieder in die Zwickmühle, Äpfel und Birnen zu vergleichen – denn selbst wenn jede Studie für sich sauber durchgeführt wurde, können die Studien immer noch auf verschiedenen Methodiken basieren, so dass sich die Resultate nicht ohne weiteres zusammenfassen lassen.

Für die  vorliegende Meta-Studie, um die es hier geht, wurden 52 Studien ausgewertet. Wie die Studienautoren zugeben, hatten sie jedoch viele weitere Studien vorab aus verschiedenen Gründen ausgeschlossen. Ohne diese fehlenden Studien zu kennen, weiß man nun natürlich nicht, zu welchen Resultaten diese kamen. Beweisen lässt es sich nicht – aber es steht zumindest der Verdacht im Raum, dass man eben nur die Studien, die zu den gewünschten Ergebnissen gelangten, herausgesucht hat. Das wäre dann allerdings cherry-picking und keine seriöse Wissenschaft. Aber sei’s drum. Man muss diese Vermutung ohnehin nicht weiter verfolgen, wenn es doch im frei einsehbaren Teil der Studie genug andere Fehlerquellen gibt.

Bröckelndes Bild

So klingt die Stichprobengröße von 6.485 Teilnehmern beeindruckend. Aus einer solchen Fallzahl sollten sich doch eigentlich verlässliche Ergebnisse ableiten lassen! Schaut man dann aber genauer hin, schrumpft diese Nummer schnell zusammen – denn wir haben es im Detail tun mit exakt 2.943 transsexuellen Männern, 2.309 transsexuellen Frauen, 586 Frauen und 665 Männern. Da Männer generell stärker als Frauen sind, kam noch nie jemand auf die Idee, den Männersport vor transsexuellen Frauen zu schützen. Es wird einfach nie eine transsexuelle Frau geben, die mit Männern mithalten kann – außer eben in einer geschlechtsneutralen Disziplin wie dem Dressurreiten, in dem die eigentliche körperliche Leistung das Pferd erbringt und mal Männer und (häufiger) Frauen die Medaillen gewinnen. Die normalen Männer und Frauen sind in diesem Fall also nur die Kontrollgruppe, um die Leistungsfähigkeit der Transsexuellen korrekt beurteilen zu können.

Die Zahl der „echten“ Versuchsteilnehmer, die für die Beantwortung der Frage, ob transsexuelle Männer einen Vorteil im Frauensport haben, relevant ist, liegt daher also bei 2.943. Sie könnte sogar darunter liegen, denn transsexuelle Versuchspersonen sind schwer zu finden. Vielleicht ist ein und dieselbe Person mehrfach im Datenset enthalten, weil sie an mehr als einer Studie enthalten hat (das allerdings würde immerhin ausgleichen, dass jemand vielleicht einfach nur einen schlechten Tag hatte). Dennoch: knapp 3.000 Personen sind immer noch genug für eine solide wissenschaftliche Studie – sofern denn jede einzelne Studie verlässlich ist. Doch hier beginnt das Bild dann vollends zu bröckeln.

Hormontherapie als mitentscheidender Faktor?

Im Idealfall bilden die vielen Einzelstudien einer Metastudie ein Gesamtkunstwerk. Und im schlechtesten Fall einen Flickenteppich. Man muss an dieser Stelle gar nicht erst betonen, welches der beiden Szenarien das zutreffende ist. Da ist zum einen der zeitliche Rahmen: Die Einzelstudien reichen von den 1980er Jahren bis in die Gegenwart, umfassen also etwa vier Jahrzehnte. Dies kann das Ergebnis natürlich deutlich verzerren. Untersucht wurde dabei die körperliche Leistungsfähigkeit von transsexuellen Männern, die sich einer Hormontherapie unterzogen haben, sich also künstlich das weibliche Geschlechtshormon Östrogen zuführen. Nun hat sich aber generell der Stand der Medizin in den letzten Jahrzehnten enorm verändert. So wäre möglich, dass einerseits die Wirkraft des Östrogens zugenommen hat, (was für einen Muskelabbau sprechen würde), aber gleichzeitig andere Medikamente oder verbesserte Ernährung den Muskelabbau verlangsamen. Dieser Faktor könnte das Ergebnis also in die eine oder andere Richtung verzerren.

Auch ist entscheidend, wann genau man mit der Hormontherapie beginnt und ob man gleichzeitig chirurgische Eingriffe vornimmt. Generell gilt: je früher man die Eingriffe vornimmt, desto weniger männlich ist man als erwachsener Mensch. Nun ist es durchaus plausibel anzunehmen, dass in den 1980er Jahren viele Männer erst als Volljährige diesen Schritt gingen, weil das gesellschaftliche Klima ein anderes war. Heute hingegen ist Transsexualität eher akzeptiert und manche Jungen beginnen mit geschlechtsangleichenden Maßnahmen bereits vor der Pubertät.

Großes Missverständnis

Wie die Studienautoren selbst zugeben, können sie für viele der vorliegenden Studien nicht sauber unterscheiden, ob die Transition vor oder nach der Pubertät erfolgte. Der Faktor Zeit kann eine erhebliche Rolle spielen. Allerdings: Die meisten vorliegenden Studien wurden ab 2020 durchgeführt, viele ab 2010 und nur ein kleiner Teil in den Jahren davor. Das schwächt diesen Effekt zwar ab, aber er bleibt als – geringere – Fehlerquelle natürlich weiterhin bestehen. Allgemein wurden Männer untersucht, die je nach Studie zwischen ein und drei Jahre lang eine Hormontherapie durchgeführt hatten. Als Obergrenze sind die drei Jahre sicher ausreichend. Wer drei Jahre lang Östrogen nimmt, wird vermutlich ein Plateau der Wirkung erreicht haben und auch in den Jahren danach keine gravierende Veränderung erfahren. Die untere Schwelle könnte allerdings zum Problem für die Aussagekraft werden. Denn nach nur einem Jahr Hormontherapie ist der Umbau im Körper vermutlich noch nicht ganz abgeschlossen.

Doch nun zum großen Missverständnis. Wenn eine Studie untersucht, ob transsexuelle Männer bessere sportliche Leistungen als Frauen erbringen oder nicht, sollte man annehmen, dass diese Studie in sportlichen Wettbewerben die athletischen Leistungen von transsexuellen Männern mit der von Frauen vergleicht. Tatsächlich tut dies keine einzige der 52 Einzelstudien. Alles, was die Studien vergleichen, sind lediglich sportliche Indikatoren – aber eben keine sportlichen Leistungen! Soll heißen: Es wurde beispielsweise gemessen, wie viele Kilogramm eine Person beim Beinpressen stemmen kann. Natürlich wird eine Person mit stärkerer Beinmuskulatur schneller rennen können.

Knochenlänge und Lungenkapazität als wichtige Faktoren

In der Realität gibt es jedoch mehrere Faktoren, die die tatsächliche Laufgeschwindigkeit beeinflussen. Beispielsweise ist nicht jede Muskelmasse „explosiv“, kann also nicht auf Knopfdruck Schnelligkeit hervorbringen. Auch bei gleicher Stärke können die Muskeln eher auf das Prinzip Ausdauer oder Geschwindigkeit setzen, also eher in Richtung Marathon oder Sprint tendieren. Natürlich kommt es beim Rennen auch auf die richtige Koordination an. Wer die Füße nicht im richtigen Moment oder im richtigen Winkel anhebt, kann wichtige Zehntelsekunden verlieren. Außerdem ist die Knochenlänge entscheidend. Jemand der muskulöser ist, aber kürzere Beine hat, rennt trotzdem langsamer. Zudem ist die Lungenkapazität ein wichtiger Faktor, oder einfach gesagt: Wie schnell geht einem die Puste aus?

Nehmen wir an, dass Person A hinsichtlich dreier Marker um jeweils 1 Prozent besser wäre als Person B. Ist diese Person dann auch im Durchschnitt um 1 Prozent besser? Wir wissen es nicht. Natürlich ist genau dieses Szenario denkbar – nämlich, dass A um 1 Prozent besser ist. Aber vielleicht ist A sogar deutlich besser oder sogar leicht schlechter als B, weil nämlich ein relevanter Faktor, der in beide Richtungen ausschlagen kann, gar nicht erst erfasst wurde. Oder der kleine Vorteil von nur 1 Prozent multipliziert sich, weil jedes Prozent dazu führt, dass das jeweils andere Prozent besser ausgereizt werden kann und sie sich in ihrer Wirkung gegenseitig stützen.

Normalos versus Spitzensportler

Zum Anderen ist fraglich, ob man von „Normalsterblichen“ auf Spitzensportler schließen kann. Angenommen, dass zwischen Frauen und transsexuellen Männern in der Allgemeinbevölkerung tatsächlich kein Unterschied in der sportlichen Leistungsfähigkeit existiert, spräche dies dafür, dass dies auch für die Leistungselite im Sport gilt. Aber für den Fall, dass die zufällig ausgewählten Frauen etwa 5 Prozent langsamer laufen als transsexuelle Männer, wäre möglich, dass sich dieser Unterschied durch ausdauerndes Training potenziert, die Lücke also größer wird. Vielleicht beträgt sie dann sogar 10 Prozent. Diesen Punkt gestehen die Studienautoren auch selbst ein: Sie müssen zugeben, dass ihre Ergebnisse nur begrenzte Aussagekraft für Spitzensportler haben. Sie sprechen von einem Muskelgedächtnis (dass die Muskeln also durch langes Training eine dauerhafter Veränderung erfahren haben) und dass der Muskelrückgang schwächer ausfallen könnte, wenn zu Beginn eine größere Muskelmasse bei einem Leistungssportler vorhanden war.

Wenn man wissen will, ob transsexuelle Männer gegenüber Frauen einen Vorteil im Sprint haben, muss man transsexuelle Männer im Sprint gegen Frauen antreten lassen. Alles andere basiert nur auf Mutmaßungen. Doch eine Studie explizit mit Leistungssportlern durchzuführen, wäre gar nicht möglich – denn von ihnen gibt es zu wenige. Nur ein kleiner Teil aller Männer ist transsexuell, nicht jeder von ihnen unterzieht sich einer Hormontherapie, nur sehr wenige von ihnen gehen in den Leistungssport und wenn dann nur sehr selten in die gleiche Sportart. Wenn das Frauenschwimmen nur einen William Thomas hat, ist das zu wenig für eine ausreichend große Stichprobe. Und einen transsexuellen Boxer kann man kaum mit einem transsexuellen Tennisspieler vergleichen.

Nur grobe Messungen

Aber warum hat man dann nicht wenigstens mit den „Normalos“ einfache sportliche Testzwecke zu Vergleichszwecken durchgeführt? Die Antwort: Weil es in keiner der Einzelstudien um eine tatsächliche sportliche Leistungsfähigkeit ging und diese daher auch nicht von Sportwissenschaftlern durchgeführt wurden! Also, worum ging es dann? Die Einzelstudien wurden von Medizinern, oft von Endokrinologen (Experten für die Wirkung von Hormonen) durchgeführt um allgemein den Gesundheitszustand von Transsexuellen während ihrer Hormontherapie zu erfassen. Dabei wurde – sehr grob – auch ihre Körperkraft eingeschätzt. Ziel der Studie war also gar nicht, zu untersuchen, ob ein Transsexueller ein guter oder schlechter Sportler ist, sondern ob er durch die Hormontherapie so sehr an Muskelmasse verliert, dass für ihn selbst der Weg bis zum nächsten Supermarkt körperlich zu anstrengend wird.

Deswegen wurden die Muskelmasse und Körperkraft nur sehr grob vermessen. Zum einen, weil es ja nie um die tatsächliche Leistung auf dem Sportplatz, sondern nur im Alltag ging. Zum anderen, weil bessere Methoden erstens mehr Zeit und zweitens mehr Geld erfordern. Schon auf einer Röntgenaufnahme lässt sich die Muskelmasse gut erahnen. Aber eine Differenzierung nach verschiedenen Muskeltypen – die in einem Wettkampf eine große Rolle spielen – ist nicht möglich. Hier wäre die präzisere Computertomographie erforderlich gewesen. Die Oberkörperkraft wurde oft mit einem Dynamometer gemessen, der zeigt, wie kräftig man die Hände zusammenpressen kann oder dadurch dass man die Probanden Gewichte stemmen ließ. Die Unterkörperkraft wurde durch die Sprunghöhe oder die Beinpresse (wie im Fitnessstudio) gemessen. Diese Werte wurden gewissermaßen alle in einen Topf geworfen, obwohl sie zum Teil auf unterschiedlichen Methoden beruhen. Alle Ansätze zusammen kommen auf insgesamt 52 Studien. Jeder Einzelaspekt, der untersucht wurde, beruht auf der Kombination von deutlich weniger Studien.

Viele Fragmente ohne Vergleichbarkeit

Für den Sportwissenschaftler relevant wäre vor allem die Sauerstoffaufnahme. Und tatsächlich wurde diese in sieben Teilstudien auch erfasst. Da dies präzise Instrumente erfordert und daher aufwändiger und teurer ist, konnte dies nicht flächendeckend durchgeführt werden. Insgesamt untersuchte man nur knapp über 100 transsexuelle Männer auf diesen Kennwert hin. Hätte man dies in einer einzelnen Studie gemacht, wäre die Stichprobengröße wohl gerade noch ausreichend gewesen. Wenn man aber bedenkt, dass sich auch diese sieben Studien über etwa 40 Jahre erstrecken, man nicht klar zwischen der Transition vor und nach der Pubertät unterscheidet und die Hormontherapie nicht in allen Fällen gleich lang durchgeführt wurde, zerfällt dieser ohnehin schon kleine Block in so viele einzelne Fragmente, dass keine solide Vergleichbarkeit mehr möglich ist.

Worum dreht sich die ganze Studie? Medizinern ist schon lange bekannt, dass dass männliche Geschlechtshormon Testosteron den Muskelaufbau und das weibliche Geschlechtshormon Östrogen vor allem den Fettaufbau (Brüste, Hüften) steuert. Wenn transsexuelle Männer im Rahmen ihrer Transition Östrogen nehmen, wird ihre Muskelmasse ab- und ihre Fettmasse zunehmen. Analog wird bei transsexuellen Frauen, die Testosteron nehmen, die Muskelmasse zunehmen und die Fettmasse abnehmen. Soweit also nichts Neues.

Skelettstruktur ausgeblendet

Ein unverzeihlicher Fehler ist, dass die Studie die Thematik der Skelettstruktur umschifft. Und das ist wohl kaum ein Versäumnis, sondern wohl eher volle Absicht. Denn Männer sind größer als Frauen und haben dadurch längere Arme und Beine. Selbst bei gleicher Muskelmasse können sie dadurch eine ganz andere Hebelwirkung entfalten. Zwar trägt Testosteron zu diesem Knochenwachstum bei, ist ein Mann jedoch erst einmal ausgewachsen, bleibt sein Skelett nahezu unverändert, selbst wenn er eine Östrogentherapie beginnt. Bei Jungen, die vor oder während der Pubertät mit der Transition beginnen, kann dieser Zusammenhang natürlich ganz anders aussehen – was man aber gezielt erforschen müsste. Wie die Studienautoren selbst zugeben, wissen sie oft nicht, wann genau die Transsexuellen mit der Hormontherapie begannen. Je höher der Anteil der in der Jugend Transitionierten, desto geringer vermutlich der Kraftvorteil gegenüber Frauen.

Die Frage ist nicht, ob die Studie diesen simplen Effekt bestätigten würde (das war eh klar), sondern ob es ihr gelingt, zu zeigen, dass der Effekt so stark ist, dass kein Leistungsunterschied zwischen Frauen und transsexuellen Männern mehr besteht. Die Studienautoren sagen, dass sie keine signifikanten Unterschiede in dieser Hinsicht finden konnten. Das heißt aber nicht, dass sie damit herausgefunden hätten, dass es keine signifikanten Unterschiede gibt. Man mag beide Aussagen zunächst für identisch halten, aber der Teufel steckt im Detail. Wer zum Beispiel seine Geldbörse vermisst und fünf Minuten lang seine Wohnung durchsucht, wird sie wohl nicht finden, kann aber nicht wissen, ob sie nicht doch irgendwo hinterm Sofa liegt. Wer allerdings eine Woche lang von früh bis spät alles auf den Kopf stellt und die Geldbörse immer noch nicht findet, der kann sich sicher sein, dass sie sich wirklich nicht in der Wohnung befindet.

Schwer für den Laien

Die Studie fällt von ihrer Datenqualität eher in die Kategorie „Fünf Minuten“. Wenn die Wissenschaftler also nichts gefunden haben, sind sie geradezu stolz darauf, sich bei der Suche keine große Mühe gegeben zu haben. Und diese mangelnde Qualität räumen die Studienautoren auch selbst ein. Sie nutzen dazu eine Metrik, die die Verlässlichkeit ihrer Daten in vier Kategorien einteilt: “Hoch”, “moderat”, “niedrig” und “sehr niedrig”. Keines ihrer Resultate erreicht die Stufe „hoch“. Nur wenige erreichen „moderat“ oder „niedrig“; die allermeisten liegen bei „sehr niedrig“. Wichtig: „Moderat“ wird nur für den Vergleich von transsexuellen mit normalen Männern oder von transsexuellen Frauen mit normalen Männern erreicht, nicht aber für den eigentlich wichtigen Vergleich von transsexuellen Männern mit normalen Frauen.

Für den Laien wird es es zudem schwierig, die Unterschiede richtig einzuordnen, weil sie in einer uns unvertrauten Metrik angegeben werden, nämlich der Standardabweichung. Wenn wir lesen, dass die Körperkraft transsexueller Männer 0,5 Standardabweichungen über der von Frauen liegt, wissen wir zunächst nicht, ob dieser Unterschied groß oder klein ist. Die tatsächlichen mathematischen Berechnungen hinter diesem Konzept sind relativ kompliziert, sie können aber stark vereinfach wiedergegeben werden. Die Standardabweichung beruht auf dem Konzept der Normalverteilung, besser bekannt als Glockenkurve. Die meisten Menschen haben eine völlig normale Körperkraft, wenige Menschen sind sehr stark, wenige Menschen sind sehr schwach.

Gewisse Überschneidungen

Wenn es keinen Unterschied in der Körperkraft gibt, dann überlappen die beiden Glockenkurven vollständig, also zu 100 Prozent. Und würde man ein zufälliges Männer/Frauen-Paar ziehen, wäre der Mann mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent stärker als die Frau. Bei 0,5 Standardabweichungen wären diese Werte 80 Prozent beziehungsweise 64 Prozent, bei einer Standardabweichung 62 Prozent beziehungsweise 76 Prozent, und bei 2,5 Standardabweichungen 21 Prozent beziehungsweise 96 Prozent. Tatsächlich kommen die meisten wissenschaftlichen Studien (unabhängig von der hier diskutierten Meta-Studie) zum Ergebnis, dass Männer etwa 2 bis 3 Standardabweichungen stärker sind als Frauen – daher der hier angenommene Wert von 2,5 Standardabweichungen. Das heißt: fast jeder Mann ist stärker als fast jede Frau. Es gibt eine gewisse Überschneidung, aber für alle Alltagsbelange ist es einfacher von zwei völlig getrennten Sphären auszugehen.

Kurze Probe aufs Exempel: Wenn wir an einer Baustelle vorbeigehen und dieser jemand einen schweren Zementsack schleppt, handelt es sich so gut wie immer um einen Mann. Wenn also transsexuelle Männer 0,5 Standardabweichungen stärker sind als Frauen, dann haben sie durch ihre Östrogentherapie einen großen Teil ihrer körperlichen Stärke eingebüßt. Dieser Unterschied ist aber nicht null und gerade im Leistungssport, wo kleine Nuancen über Gold oder Silber entscheiden, wäre auch ein geschrumpfter Unterschied immer noch ein unfairer Unterschied.

Unfairer Vorteil

Wie verlässlich ist dieser Unterschied denn nun? In der Statistik spricht man von der Signifikanz. In unserem Alltagsverständnis ist ein signifikanter Unterschied ein deutlicher Unterschied, in der Wissenschaft ist damit aber gemeint, dass ein Effekt so stark ist, dass ein Zufallseffekt ausgeschlossen werden kann. Ein Beispiel: besiegt Schulklasse A Schulklasse B im Fußball mit 5:1, hat sie 5 mal so viele Tore geschossen, also einen Vorsprung von 500 Prozent. Dieser Unterschied ist riesig und in unserem Alltagsverständnis signifikant – kann aber ein reiner Zufallseffekt sein. Würden aber alle deutschen Schulklassen gegen alle französischen Schulklassen 5 Prozent mehr Tore schießen, wäre dieser Effekt zwar sehr klein, angesichts von Millionen Nachwuchsfußballern aber durchaus real und eben kein Zufallseffekt.

Ein wissenschaftliches Resultat wird daher in aller Regel zusammen mit einem Konfidenzintervall angegeben – das wir im Alltag meist als statistische Unschärfe kennen. In diesem Fall, also dem Unterschied von 0,5 Standardabweichungen in der Körperkraft zwischen Frauen und transsexuellen Männern, liegt die statische Unschärfe im Bereich von 1,5 Standardabweichungen. Oder anders gesagt: die Unschärfe liegt beim Dreifachen des Ergebnisses und könnte von -1 bis 2 schwanken. Ein Statistiker würde da wohl schreiend den Raum verlassen. Und auch wenn wir annehmen, dass rein im Durchschnitt durch eine Östrogentherapie alle körperlichen Vorteile von Männern gegenüber Frauen verschwänden, würde dies über das Individuum nur wenig aussagen. Vielleicht sind einige Männer quasi immun gegen das Östrogen und würden nur einen kleinen Teil ihrer Muskelmasse verlieren, womit sie im Wettkampf mit Frauen immer noch einen unfairen Vorteil hätten.

Einer der ältesten Tricks überhaupt

Letztlich ist völlig egal, ob die Studie methodische Mängel enthält oder nicht. Selbst wenn wir einmal annehmen, dass sie komplett „sauber“ wäre, bestünde immer noch ein viel grundsätzlicheres Problem: Interessengeleitete Wissenschaft ist keine. Wenn Wissenschaftler zu einem bestimmten Ergebnis kommen, publizieren sie es. Wenn Forschende zu einem bestimmten Ergebnis kommen, publizieren sie es nur, wenn es in ihr eigenes Weltbild passt oder mit dem Auftrag ihrer Geldgeber (oder heißt das jetzt auch schon Geldgebenden?) übereinstimmt.

Natürlich sehen die Studienautoren in den Rohdaten ihrer Untersuchungen, dass transsexuelle Männer gegenüber Frauen einen Vorteil haben. Auch wenn das nicht das Ergebnis ist, dass sie der Öffentlichkeit gern präsentieren wollen. Doch wenn einem Forschenden das Resultat seiner Studien nicht gefällt, wendet er einen der ältesten Tricks überhaupt an. Er erklärt seinen Untersuchungsgegenstand zum Störfaktor. Und Störfaktoren darf man glücklicherweise herausberechnen. Nehmen wir einen zufällig ausgewählten Mann mit 80 Kilogramm und eine zufällig ausgewählte Frau mit 60 Kilogramm Körpergewicht. Wer ist stärker? Wir brauchen in diesem Fall keine Studie, sondern wissen natürlich, dass der Mann stärker ist – wir haben ja unseren gesunden Menschenverstand. Was wenn wir aber jetzt eine Frau mit 80 Kilogramm Körpergewicht (die überdurchschnittlich groß ist, nicht übergewichtig!) wählen? Hier kommen wir schon ein wenig ins Grübeln. Der gesunde Menschenverstand hilft uns nicht weiter. Aber die Wissenschaft hat eine klare Antwort: Auch in diesem Fall ist der Mann stärker, wenn auch nicht mehr mit so großem Vorsprung wie gegenüber der leichteren Frau.

Relevante US-Air-Force-Studie von 2020

Die vorliegende Studie hat natürlich (!) nicht herausgefunden, dass ein 80 Kilogramm schwerer transsexueller Mann so stark ist wie eine 60 Kilogramm schwere Frau. Sondern sie hätte allenfalls herausfinden können, dass ein 80 Kilogramm schwerer transsexueller Mann so stark ist wie eine 80 Kilogramm schwere Frau. Womit man also das gewünschte Ergebnis erzwungen hätte. Das allein ist der gesamte Befund, um den jetzt großes Aufsehen gemacht wird. Solange aber transsexuelle Männer größer und schwerer sind als Frauen, sind sie natürlich auch stärker.

Und herrscht wirklich Gleichstand? Daran darf gezweifelt werden, aufgrund aller oben genannten möglichen Fehlerquellen. Das allerdings wäre eine Frage, die eine gesonderte Untersuchung rechtfertigen würde. Aber dann bitte nach höchsten methodischen Standards und von objektiven Wissenschaftlern, statt von voreingenommenen Forschenden durchgeführt. Und hier nun die Frage: Gibt es eine Studie, die tatsächlich die sportlichen Leistungen von transsexuellen Männer und Frauen vergleicht? Ja, es gibt sie. Und sie wurde 2020 ebenso wie jetzt herumgereicht, um zu beweisen, dass es keinen unfairen Vorteil für transsexuelle Männer gebe. Dabei hatte die Studie das eigentlich gar nicht gezeigt: Versuchsteilnehmer waren Soldaten der US Air Force, darunter auch transsexuelle Männer. Ist das Sample damit verzerrt? Natürlich, aber eine gewisse Verzerrung ist ja auch gewünscht. Wenn man schon keine echten Athleten findet, dann doch wenigstens Soldaten. Denn eine “Couch-Potato” wird die Fitnesstests wohl nicht bestehen. Soldaten sind natürlich sportlicher als der Bevölkerungsschnitt, aber dieser Effekt könnte asymmetrisch wirken. Vielleicht stammen die meisten Soldaten aus den obersten 50 Prozent aller Männer, die meisten Soldatinnen aber aus den obersten 30 Prozent aller Frauen.

Nicht in Stein gemeißelt

Gemessen wurden vor allem die Zahl der erreichten Liegestütze und die Zeit im 1,5-Meilen-Lauf (etwa 2,4 Kilometer). Nun ist klar, dass ein starker Mann mehr Gewicht stemmen kann als ein schwacher Mann. Die Lücke dürfte aber bei der Zahl der Liegestützen weniger stark ausfallen, denn der schwächere Mann ist leichter und muss weniger eigenes Gewicht stemmen. Die ermittelte Zeit im Langstreckenlauf ist jedoch ein absolutes Maß. Hier zeigte sich: die transsexuellen Männer waren vor Beginn ihrer Hormontherapie etwa 21 Prozent schneller als die Soldatinnen. Nach Beginn ihrer Hormontherapie waren sie etwa 12 Prozent schneller. Auch hier zeigt sich, dass die Östrogengabe die männliche Muskelmasse schrumpfen lässt, ein Vorsprung aber weiterhin besteht. Vielleicht wären die transsexuellen Männer sogar noch schneller gewesen – denn nachdem sie im Militär als Frauen galten, mussten sie nicht mehr die strengen Fitnessrichtlinien für Männer einhalten.

Aufgrund der geringen Stichprobe und der potenziellen Verzerrungen sind diese Prozentwerte natürlich nicht in Stein gemeißelt. Aber 12 Prozent sind ein riesiger Vorteil. Usain Bolt, der schnellste Mann der Welt ist nur 1 Prozent schneller als der zweitschnellste Mann. Im Sport ist das alles.

8 Kommentare

  1. Brisante Abstimmung im EU-Parlament: Auch für CDU/CSU sind Männer jetzt Frauen
    Das EU-Parlament hat am Donnerstag eine Resolution verabschiedet, die zur offiziellen Linie der EU bei der 70. Sitzung der UN-Frauenrechtskommission in New York werden soll – inklusive der „uneingeschränkten Anerkennung von Transfrauen als Frauen“. Eine Mehrheit der CDU/CSU-Parlamentarier stimmte für die Empfehlung.
    https://nius.de/politik/news/brisante-abstimmung-im-eu-parlament-auch-fuer-cdu-csu-sind-maenner-jetzt-frauen

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  2. Wow, was für ein langer Text
    Die kleinsten gemeinsame Nenner:

    Chromosomen „lügen“ nicht!
    Gene sind unbestechlich
    die Doppelhelix (DNA) wird immer wieder das jeweilige Original kopieren
    (Mitose)
    (nicht druckreif)

    1. Gene sind zwar unbestechlich aber nicht unveränderlich.

      Tatsächlich passen sich Gene veränderten Lebensbedingungen an. Sie selbst können also Ihre Gene verändern, indem Sie Ihr Leben verändern.
      Allerdings ändert das nicht das biologische Geschlecht. Zumindest nicht beim Menschen. Bei anderen Geschöpfen geht das, z. B. bei gewissen Fischen.

  3. „Der Algerier war ohne Penis geboren worden und wuchs daher in dem Glauben auf, ein Mädchen beziehungsweise eine Frau zu sein.“

    Und er hat sich nie gefragt, warum er keine Menstruation bekommt?

  4. Ich habe nichts gegen Schwule, Lesben und Bis da sie von Natur her so veranlagt sind und das ist völlig in Ordnung, doch der ganze Regenbogenwahn ist nichts weiter als Psychoterror in Sektenmanier wo Perverse Freibriefe bekommen. Ziel von NGOs und Lobbys ist es den Einweltmenschen zu schaffen für das Teufelsprojekt Agenda 2030. Politik und Justiz sind gekapert von diesen Nebelgesellschaften auf das diese höllische Saat in einem Horrorzirkus tagtäglich aufgeht. Wir erleben ja auf einer Seite diesen bolschewoken Terror mit der Tuntifa und auf der anderen die Überfremdung mit inoffiziellen Kalifaten in Großstadtmetropolen während die Obrigkeit mit Abschirmung von Sicherheitsorganen weiterhin in ihren Palästen haust um für das internationale Kapital alles Richtung Hades zu steuern. Sobald im goldenen Westen der Republik der Koran und die Scharia herrschen da ist Schluss mit lustig für alle Gutmenschen, Regenbogenjünger und dem linkskriminellen Tuntifant da wir ja alle wissen wie tolerant islamische Republiken sind bei Frauenrechten und Homosexuellen. Ein Ozean voller Tränen wird dieses Ereignis nicht verhindern. mfg

  5. Es tut mir leid, aber Wettkampfsport ist die absolut uninteressanteste Facette des Trans-Phänomens. „Unfairer“ genetischer Vorteil? Meine Güte, jeder erfolgreiche Spitzensportler hat einen „unfairen“ genetischen Vorteil gegenüber fast allen seiner eigenen Geschlechtsgenossen. Es sind inzwischen hunderte Genvarianten bekannt, die körperliche Leistungsfähigkeit beeinflussen, einige Dutzend davon häufen sich bei Athleten der Weltspitze. Gene beeinflussen neben offensichtlichem wie Körpergröße auch Muskelfasertyp (Schnellkraft vs. Ausdauer), Sauerstofftransport, Körperbau, Beweglichkeit und Reaktion auf Training.