­Trumps Friede zwischen Armenien und Aserbaidschan: Parade der Heuchelei

­Trumps Friede zwischen Armenien und Aserbaidschan: Parade der Heuchelei

Trump am 8. August mit dem aserbaidschanischen Präsidenten Aliyev und dem armenischen Premier Pashinyan im Weißen Haus (Foto:Imago)

Neben dem Gipfeltreffen zwischen Putin und Trump in Alaska fand kürzlich in Washington noch ein weiteres Gipfeltreffen statt – zwischen Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew und Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan. Was ist da in den USA zwischen Armenien und Aserbaidschan wirklich passiert? Es ist an der Zeit, die rosarote Brille abzunehmen und dies nüchtern zu bewerten. Trumps Treffen mit Alijew und Paschinjan und der Vertragstext, der die Normalisierung der Beziehungen regelt, wurden von den meisten europäischen und insbesondere deutschen Politikern und Medien als „Sieg“ dargestellt. Aber ist das tatsächlich ein Durchbruch und ist die Begeisterung wirklich gerechtfertigt?

Der potenzielle Frieden bringt viele geopolitische Verschiebungen mit sich, von denen vor allem die USA, die Türkei und Aserbaidschan profitieren – aber nicht Armenien. Und auch die EU hat wenig Grund zur Freude: Zusammen mit dem wachsenden Einfluss Aserbaidschans auf der internationalen Bühne stärkt die „graue Eminenz” der Region, die Türkei, ihre Position. Dank der „Trump-Straße für Internationalen Frieden und Wohlstand“ (“The Trump Route for International Peace and Prosperity”, TRIPP) werden Ankara und Washington fortan die Möglichkeit haben, alle wichtigen logistischen Lieferungen durch die Region auf sich selbst auszurichten, was ihnen einen unbestreitbaren Einfluss auf dem Weltmarkt verschafft. TRIPP wird auch die Kontrolle über einen Abschnitt des sogenannten Mittleren Korridors Chinas ermöglichen, der eine Alternative zur Seidenstraße darstellt – was bedeutet, dass auch der potenzielle Handel zwischen der EU und China gefährdet ist.

Ein weiterer unnötiger Konflikt

Es stellt sich heraus, dass unsere bereits angeschlagene Wirtschaft bald einen weiteren Schlag und eine Stärkung der Abhängigkeit erwartet, diesmal nicht nur von den Vereinigten Staaten, sondern auch von der Türkei. Nach dem Treffen im Weißen Haus hatten Washington und Ankara mehr Möglichkeiten, ihre geopolitischen Interessen mit Hilfe von Baku voranzutreiben. Zu den Rechten der älteren Partner können die USA und die Türkei das Territorium Aserbaidschans in der Konfrontation mit dem Iran nutzen. TRIPP unterbricht die letzte Landverbindung Teherans zu Moskau und Eriwan und isoliert es von der Region. Auf den ersten Blick scheint das Deutschland nichts zu tun zu haben. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass die Türkei ein NATO-Mitglied ist, was bedeutet, dass eine mögliche Eskalation der Beziehungen auch uns betreffen wird. Es stellt sich heraus, dass wir in einen weiteren unnötigen Konflikt hineingezogen werden könnten, der den Einsatz einer riesigen Menge von Ressourcen erfordern würde.

Die Jubelrufe unserer politischen Spitzen und der regierungsnahen Medien über den Frieden am Kaukasus sind also nichts als Phantasie. In Wirklichkeit stehen wir vor einer harten Realität, in der Europa und insbesondere Deutschland wieder in wirtschaftliche Abhängigkeit von unseren angeblichen Partnern geraten und auch Gefahr laufen, in einen nutzlosen, aber äußerst schmerzhaften und kostspieligen Konflikt hineingezogen zu werden. Und von welchem Frieden und welcher Gerechtigkeit ist überhaupt die Rede, wenn die Starken die besten Früchte ernten, schwächere Verbündete zu ihrem Vorteil nutzen und versuchen, das gedemütigte Armenien nicht zu erwähnen, um den allgemeinen heuchlerischen Spaß nicht zu verderben?

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5 Antworten

  1. Auf der einen Seite könnte es gegen Rußland gehen und auf der anderen Seite gegen Iran und China. Frage – in welchem Land ist die größte US Vertretung auf der Welt und warum ist dieso groß? Frage – wann kam der erste Zug aus China im Iran an? Wie gesagt, da istwas in Vorbereitung aber koplett habe ich es noch nicht.

  2. Trump inszeniert sich als Friedenspräsident, aber nur, um den Friedensnobelpreis verliehen zu bekommen. Weil Obama ihn hat. Die Menschen in der Ukraine sind im egal.

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  3. Ich habe vor einer Woche erneut bei Taz im Kommentarbreich ein wenig quergelesen zum Thema Israel, Gaza, Iran und die Atombombe. Und ich bin wirklich sehr überrascht (im negativen Sinne), was die Kommentatoren dort für Lügenmärchen verbreiten. Man könnte glatt denken oder auf die Idee kommen, dass die Pentagon- und NATO-Trolle dort überall unterwegs sind, um ihre Lügen- und Hasspropaganda zu verbreiten.
    Ein paar Highlights:
    Angeblich destabilisiert der Iran seit der islamischen Revolution 1979 den gesamten Nahen Osten.
    Der Iran finanziert und steuert angeblich alle Terror-organisationen des gesamten Nahe Ostens. Der Iran macht seit Jahrzehnten Jagd ethnische und religiöse Minderheiten im Nahen osten, während Israel alle Minderheiten angeblich schützen nwürde (völliger Schwachsinn!)
    Der Iran sei angeblich für den Ausbruch des Syrienkrieges veranwtrotlich. Im Syrienkrieg hat die Hisbollah angeblich viele Massaker an Minderheiten begangen und den Terroristen von der Al-Qaida und den ISIS-Terroristen geholfen.
    Allein die letzte Behauptung ist großer Schwachsinn. Die Hisbollah hat im Syrienkrieg dem Assad-Regime geholfen Al-Qaida und ISIS-Terroristen zu bekämpfen. Ich kann mich sogar an mehrere Berichte von syrischen Christen aus den 2010-er Jahren erinnern, wo die syr. Christen der Hisbollah dafür gedankt haben ihre Dörfer von Al-Qaida Terroristen befreit zu haben!
    Der Iran hat den Nahen Osten destabilisiert ? Soso. Hat der Iran etwa auch Al-Qaida und die ISIS erschaffen?
    Nein!
    Die Al-Qaida wurde eher von der CIA erschaffen.
    Der Irak wurde vor allem in den Jahren 2006-2009 Opfer von vielen Terroranschlägen . Wer verübte diese Terroranschläge? Laut Statistik aus dem Jahre 2011 wurden diese Terrornanschläge zu 80% von sunnitischen Terroristen ausgeführt. Dazu noch eine Anmerkung: Sunnitische Terrororganisationen, die im Irak operieren, erkennen die islamischen Schiiten nicht als Muslime, sondern nur als ungläubige Häretiker und als Ketzer an.

    Was außerdem sehr gerne oft vergessen wird: Im Jemen gibt es nicht nur die Huthis, sondern dort gibt es ebenfalls Al-Qaida Terrormilizen, die ebenfalls die Zivilbevölkerung terrorisieren.FÜr die Al-Qida sind alle Schiiten und Perser Ungläubige und damit Erzfeinde!
    Fakt ist auch: Die größten Geldgeber für die bekanntesten Terror-organisationen weltweit sind die arabischen Staaten und nicht der Iran!
    Wer hat die radikal-islamischen Mudschaheddin Gotteskrieger in Afghanistan großgemacht und diese unterstützt?
    Nicht der Iran, sondern die USA und Saudi Arabien.
    Wer hat die Taliban großgemacht und diese über viele Jahre unterstützt, als der Westen dort in Afghanistan Krieg (2001-2021) geführt hat? Das war nicht der Iran, sondern vor allem Pakistan…
    Und wie war das noch mit Erdogan’s pro-türkischen ultranationalistischen Milizen, die in Nord-Syrien ebenfalls viele extrem sadistische ethnische Säuberungen durchgeführt haben in den letzten 8 Jahren (selbst der Spiegel, die Amnesty International und die UNO berichteten darüber mehrmals) war das etwa auch das Werk des Irans, wenn das NATO-Mitglied die Türkei im norden Syriens Kriegsverbrechen an den ethnischen und religiösen Minderheiten begeht ???
    Die TAZ-Kommentatoren plappern nur die übliche NATO-Propaganda nach…
    Unter den Taz-Artikel über den Ukrainekrieg ist es ähnlich. Nur NATO-Propaganda und Ukrainische-Kriegspropaganda und Putin-ist-immer-an-allem-Schuld-Narrative überall…

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  4. Der Kontext dieser Initiativen ist zeitlich und räumlich sehr viel umfassender. Es geht um den von einflussreichen und extrem reichen (namentlich britischen) Kräften wiederbelebten Kampf der Zivilisationen – siehe dazu meinen fast gleichzeitig auf Ansage! erschienen Artikel „Der manipulierte Kampf der Kulturen.“

    1853 hat GB erstmalig massiv gegen die gesamteuropäische Solidarität verstoßen und in einen der vielen Regionalkonfikte zwischen Russland und dem Osmanischen Reich eingegriffen, und zwar auf der Seite der Türken. Dieser Krimkrieg (1853-1856) war der Vorläufer des 1. Weltkrieges. 1 Mio Menschen starben gegen die Interessen Europas und für die Interessen des islamischen Orients.

    Die Auflösung der Sowjetunion 1991 hat 5 türkischsprachigen Ländern die Unabhängigkeit verschafft – vom gigantischen Kasachstan bis zum (öl-)reichen Aserbaidschan. Diese Länder haben sich längst unauffällig zur Organisation der Turkstaaten zusammengeschlossen, zusammen mit Nordzypern und der Türkei.

    Der Kampf der Kulturen findet zwischen dem judäo-christlichen und dem islamischen Kulturraum statt. Aber innerhalb dieser Kulturräume benutzt eine Sub-Gruppe alle anderen als Werkzeuge und Kanonenfutter. Im Westen sind das die Finanzaristokraten, die offensichtlich versuchen, den kriegsgebeutelten Israels eine türkische ‚Lösung‘ unterzujubeln. Aserbaidschan spielt dabei eine Schlüsselrolle, wie eine ’strategische Partnerschaft‘ gegen den Iran bereits zeigt. Es mag sein, dass Erdogan dafür abserviert wird.

    Die Deutschen und die EU-Europäer sind in diesem Spiel auf der alleruntersten Stufe der Opferung für fremde Interessen. Sie bezahlen alles und lassen sich sehenden Auges islamisieren.

    Die Iraner nehmen diese Opferrolle auf der islamischen Seite ein. Sie tragen alle Lasten dafür, dass ihre Ayatollahs gegen Israel den Kampf für die Araber führen. Die Araber sind wiederum nur Werkzeuge für das entstehende türkische Herrschaftsgebiet. Das gilt auch für den Fall, dass es in Europa zu Bürgerkriegen kommen sollte.

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