
Der Iran ist viel mehr als nur eines von über 50 islamischen Ländern. Schon lange vor Christi Geburt gab es in Persien – dem heutigen Iran – eine hochentwickelte Kultur. Auch nach der Islamisierung im Mittelalter blieb viel davon in Sprache und Wertvorstellungen der Iraner erhalten. Araber und Türken wissen das bis heute. Ein führender arabischer Politiker sagte 1947: „Wir waren in der Lage, die Kreuzritter zu vertreiben, aber andererseits haben wir Spanien und Persien verloren.“ Im 20. Jahrhundert war der Iran – neben dem Libanon – eines der fortschrittlichsten Länder des Orients. 1951 gab es freie, demokratische Wahlen. Der gewählte Ministerpräsident Mohammed Mossadegh stellte das Öl unter staatliche Kontrolle, damit das Land einen gerechten Anteil an den Einnahmen erhält. Daraufhin stürzten ihn 1953 die CIA und die britische MI6 – hauptsächlich im Interesse britischer Ölkonzerne. An seiner Stelle wurde der Schah Reza Pahlavi zum Alleinherrscher erhoben.
Unter Pahlavi beschleunigte sich die Modernisierung. Doch das zu hohe Verwestlichungstempo und die Übergriffe seiner Geheimpolizei provozierten eine Gegenbewegung. Diese führte der Islamist Ayatollah Khomeini aus seinem Exil in Frankreich. Im Februar 1979 konnte dieser den Schah stürzen – aber nur mit westlicher Hilfe. Erstens griff das iranische Militär auf amerikanische Veranlassung nicht ein. Zweitens hatte der britische Sender BBC Khomeini jahrelang eine riesige Plattform auf Persisch zur Verfügung gestellt. Über diese konnte der Islamist den Menschen vorgaukeln, seine “Islamische Republik” würde Freiheit und Rechtsstaatlichkeit bringen.
Vereinnahmung von Bewegungen
Den westlichen Bürgern ist diese Vorgeschichte infolge unkritischer Medien weithin unbekannt. Damit aber fehlt ihnen auch das notwendige Misstrauen, mit dem solchen antidemokratischen Machenschaften mitten aus ihren eigenen Reihen begegnet werden muss. Islamismus und Terrorismus sind nicht so sehr aus eigener Kraft gefährlich. Vielmehr werden sie das erst durch ihre Förderung mit westlicher Propaganda und westlichen Waffenlieferungen.
Ohne ein korrektes Bewusstsein von dieser internen Gefahr droht der Konflikt zwischen dem iranischen Ayatollah-Regime einerseits und den USA und Israel andererseits zu einer Steigerung vergangener Katastrophen zu geraten. Außer den Kriegen im Irak und in Afghanistan gab es eine Serie von Aufständen und Bürgerkriegen im Rahmen des sogenannten “Arabischen Frühlings” Ende 2010 und Anfang 2011. In rund einem Duzend arabischer Länder kam es zu demokratisch motivierten Protesten gegen herrschende Autokraten. Doch überall wurden die Bewegungen schnell von gut organisierten und finanzierten Islamisten für ihre ganz anderen Ziele übernommen.
Folgen des “Arabischen Frühlings”
Für die jetzige Lage im Iran geben zwei damalige Umstände besonderen Anlass zur Vorsicht. Der eine ist leider konsistent zu ähnlichen Erfahrungen im Vietnamkrieg (1955-1975). Danach hat der “Arabische Frühling” die schlimmsten und dauerhaftesten Folgen ausgerechnet dort hinterlassen, wo der Westen militärisch eingriff, namentlich auch in Libyen. Dort wurde zwar Gaddafi gestürzt, doch hat das Land bis heute nicht zur Normalität zurückgefunden.
Der zweite zur Vorsicht mahnende Umstand ist, dass es Übergriffe von Gaddafis Ordnungskräften gegen protestierende Bürger waren, die den Anstoß zum militärischen Eingreifen des Westens gaben. Damit bestand eine Ausgangslage vergleichbar der jetzigen im Iran. In Libyen wurde 2011 aus dem vermeintlichen Schutz der Zivilisten eine blutige Parteinahme in einem Bürgerkrieg. Dieser geriet außer Kontrolle und hat das Land bis heute politisch gespalten. Zudem kam es zu einer gigantischen Proliferation von Waffen in Afrika, hauptsächlich hin zu Terrorgruppen wie der berüchtigten Boko Haram.
Kluge Strategien statt Gewalt
Aus all dem ergeben sich einige Warnungen für den Irankonflikt:
- Israel hat wegen seiner geringen territorialen Ausdehnung einen automatisierten nuklearen Gegenschlag für den Fall eines Atomangriffs einprogrammiert. Es muss jedoch sichergestellt werden, dass Zivilisten von diesem automatisierten Gegenschlag weitgehend verschont bleiben. Ziel ist es, die iranische Nation von der Herrschaft der Ayatollahs zu befreien (und damit auch Israel aus seiner Bedrohungslage).
- Man braucht generell kluge Strategien statt Gewalt, zum Beispiel Propaganda wie diejenige der BBC bis 1979 – nur dieses Mal nicht für, sondern gegen die Islamisten. Auch die damalige Neutralisierung des Militärs mittels psychologischer Beeinflussung stellt einen interessanten, viel Blutvergießen verhindernden Ansatz dar.
- Bevor CIA und Militär mit solchen Aufgaben betraut werden, ist jedoch deren gründliche Säuberung erforderlich. Die katastrophalen Ergebnisse von Vietnam bis Afghanistan standen in einem allzu krassen Widerspruch zu den objektiven Möglichkeiten der mit Abstand bestgerüsteten Militärmacht der Welt.
Trumps Entschlossenheit
Verglichen mit dem “Arabischen Frühling” gibt es auch Gunstumstände, die Hoffnung machen: Die meisten Iraner sind nach 47 Jahren Ayatollah-Herrschaft vom politischen Islam enttäuscht und immun gegen dessen Propaganda. Der zweite Gunstumstand besteht in der Präsidentschaft Donald Trumps. Dieser ist offensichtlich gewillt, der Förderung des Islamismus durch einflussreiche westliche Kräfte entgegenzutreten.
Statt in die Falle eines großen Krieges zu treten, ist ihm eher eine Lösung wie im Fall Maduro zuzutrauen, also ein minimalinvasiver, gezielter Eingriff, der den Namen Schutz der Bevölkerung tatsächlich verdient.
Eine längere Fassung des Artikels mit weiterführenden Quellenbelegen findet sich hier.
- Auf Telegram teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Telegram
- Auf X teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) X
- Auf Facebook teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Facebook
- Auf WhatsApp teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) WhatsApp
- Einen Link per E-Mail an einen Freund senden (Wird in neuem Fenster geöffnet) E-Mail
- Drucken (Wird in neuem Fenster geöffnet) Drucken










7 Kommentare
Ich habe mir letzte WOche erneut bei WELT-Online unter mehreren Artikel über den Iran mir die Lesermeinungen durchgelesen und war mal wieder perplex, wie viel Unsinn udn welche Lügen dort verbreitet werden, die von vielen WELT-Online-Lesern tatsächlich auch geglaubt werden (wenn man sich die Anzahl der Likes anschaut).
Zum Beispiel wird dort der Unsinn verbreitet, dass im Irak und in Syrien (unter Assad) ebenfalls Mullahs an der Macht waren. Im Irak sind die Mullahs angeblich immer noch an der Macht, wird von mehreren WELT-Online-Usern behauptet. Syriens Ex-Machthaber Assad soll angeblich ein gläubiger Schiit gewesen sein (er war Alawit, kein Schiit!) und Assad soll angeblich sein Volk genauso brutal unterdrückt haben wie das Mullah-Regime in Iran, vor allem auch während des Syrienkrieges (eine Lüge, welche die syrischen Minderheiten wie Armenier, andere christluichen Minderheiten sowie Drusen und Kurden bestätigen können bzw. mit ihren Aussagen in der Vergangenheit sogar tatsächlich widerlegen konnten, dass viele Aussagen über den brutalen Assad-Diktator gelogen und von den westlichen sowie von arabischen Staaten in den Umlauf gebracht wurden. Assad hat die Minderheiten in seinem Land vor den Terroristen während des Syrienkrieges geschützt).
Außerdem wird auf Welt-Online unter den Lesern eine extrem schwachsinnige Lüge verbreitet, dass der Irak vor allem dank dem US-AngriffsKrieg ab 2003 und dem Sturz des Saddam Hussein Regimes jetzt dank den USA angeblich eine blühende Demokratie geworden sind, wo angeblich die Wirtschaft aufblüht und prosperiert. Diese Behauptung allein wurde sogar von vielen Pro-Trump Journalisten udn Trump-Bloggern in den letzten 15 Jahren zig-Fach mit Daten und Fakten widerlegt. Es gibt sogar viele Daten die Belegen, dass es dem Irak mittlerweile viel schlechter geht als noch unter dem Diktator Saddam Hussein. Die USA haben das mitzuverantworten, dass der Irak jetzt ein failed state ist!
Außerdem wird auf WELT-Online in den Leserkommentare dieselbe Lüge über Assad verbreitet wie bei der TAZ. Angeblich hat Assad die Kurden überall in Syrien verfolgt und massakriert, aber das neue Al-Qaida-geführte Regime will angeblich den Kurden nur helfen und sie aus der traumatischen Zeit unter Machthaber Assad jetzt herausführen, damit der Norden Syriens mit den Kurden jetzt prosperieren kann (das behaupten auch die TAZ-journalisten). Welch ein Schwachsinn!
Nur so zur Info:
Die Al-Qaida und die Kurdischen Milizen im Norden Syirens waren während des Syrienkrieges keine Verbündeten!
DIe Welt-Online User sind sich außerdem noch in einem Punkt einig, dass das Mullah-Regime den gesamten Nahen Osten destabilisieren würde udn dass das Mullah-Regime alle Terror-Milizen im Nahen Osten finanziert und unterstützt.
Das allein kann gar nicht stimmen. Es gibt viele Terror-Milizen, welche es sich zum Ziel gesetzt haben alle Schiiten und Perser sowie alle Alawiten im Nahen Osten zu töten. Zum Beispiel machten während des Syrienkrieges nicht nur die ISIS, sondern außerdem noch die Al-Qaida-nahen Milizen gezielt Jagd auf Alawiten, Jesiden und auf Schiiten in ganz Syrien um alle zu töten. Es wurde sogar von en ISIS und von den Al-Qaida-Ablegern überall in Syrien zum Völkermord an den Alawiten, an den Jesiden und an Christen aufgerufen. Die Hisbollah (schiitisch) und andere schiitische Milizen haben zusammen mit Assad’s Armee diesen Völkermord verhindert!
Übrigens für die afghanische Taliban sind die Schiiten auch ungläubige Ketzer und für die sunnitisch-islamische Taliban sind Schiiten (die Iraner sind mehrheitlich Schiiten und das Mullah-Regime im Iran ist schiitisch) auch keine Muslime…
Unglaublich,was für desinformierte Idioten auf Welt-Online Unsinn verbreiten und andere User desinformieren, Hauptsache Lügen über all Schiiten und über alle Iraner verbreiten.
Die Sunniten (Muslime) sind radikaler als die Schiiten, die ebenfalls in vielen islamischen Ländern politisch verfolgt werden. Mehr als 90% aller Terrororgansationen sind sunnitischen Glaubens, gehören sunitischen Konfessionen an und diese Sunniten sagen sogar immer wieder offen, dass die Schiiten (die Perser oder manche bezeichnen sie auch „Safawiden“) für sie Ungläubige und Ketzer sind.
Ob Taliban,Al-Qaida, Muslimbruderschaft mit seinen Ablegern, diverse Salafisten-Ideologien.
DIe Ideologie des IS (ISIL oder Daesh) hat ideologisch sehr viele Schnittmengen und Gemeinsamkeiten mit der wahhabitisch-sunnitischen Ideologie von Saudi Arabien. Und Trump ist ein sehr großer Fan des Islamisten-Regimes von Saudi Arabien. Das Land, welches laut US-Angaben von US-Geheimdiensten mit großen Geldspenden viele Islamisten,Salafisten,und Terror-organisationen weltweit am Leben hält.
Hinter 9/11 steckte nicht der Iran, wie es die hirnamputierten US-Republikaner viele Jahre lang behauptet haben, sondern Saudi Arabien!
https://ansage.org/das-schweigen-der-belaemmerten-ard-und-zdf-versagen-bei-der-iran-berichterstattung-erneut-auf-ganzer-linie/#comment-188681
Die Fussball-WM 2034 wird ja bekanntlich in der Islamisten-Hochburg von Saudi Arabien stattfinden.
Das neue brutale Islamisten-Regime in Syrien ist übrigens auch sunnitisch. Und der Trump hat persönlich dafür gekämpft, damit die Sanktionen gegen das neue sytische Islamisten-Regime schnellstmöglich aufgehoben wurden.
Dein erster und der jetzige Leserbrief finden meine vollständige Unterstützung. Ich hätte mir allerdings auch eine „Abrechnung“ mit dem – arabischen Frühling ab 2010 gewünscht. Eine Erwähnung des – Obama – wäre dabei angebracht. Nicht zu vergessen die organisierte Ermordung von Gadafi (und nun seines Sohnes), denn der alte Gadafi benutzte die libyschen Milliarden aus dem Ölgeschäft um die Länder der Subsahel-Zone nicht nur mit Geld sondern auch mit Wasser zu versorgen. Das konnte den ehemaligen Kolonialmächten nicht gefallen. Wie man sieht versucht ja bekanntlicher weise Frankreich gerade die 3 unabhängig gewordenen Staaten in die Knechtschaft zurück zu führen.
Im Fall Maduro würde ein „Führer“ beseitigt. Ein Einzelner!
Ohne eine jahrhunderte alte Legitimation !
Das bissel Marxixmus und Korruption, tsss!
.
Im Iran steht Allah, ein Gott, über allem. Wie in jeder Theokratie.
Die Mullahs verstehen sich als seine Gehilfen und von daher als Menschen entbehrlich.
Und das glauben die ganz fest! Das ist Staatsdoktrin!
Ja, teils streben die sogar nach dem Märtyrertod!
Ein gewichtiger, entscheidender und auschlaggebender Unterschied!
Jahrhunderte lange Gehirnwäsche bis zur Selbstaufgabe durch ein Märchenbuch!
Wer ist der Nächste? Auf den Spuren der blutigen Geschichte von US-Militärinterventionen im Ausland
Von den insgesamt 250 Jahren, die die Vereinigten Staaten existieren, waren nur 15 Jahre friedlich. Allein seit dem 2. Weltkrieg wurden dadurch etwa 40 Millionen Tote verursacht, dazu kommen noch 48 Millionen Todesopfer durch das Sanktionsregime der USA und ihrer EU-Vasallen wie ein Lancet Studie zeigt. Was sind nun die nächsten Opfer?
https://tkp.at/2026/02/08/wer-ist-der-naechste-auf-den-spuren-der-blutigen-geschichte-von-us-militaerinterventionen-im-ausland/
Trump der „Friedenspräsident“ mit bisher 10 Kriegen
Trump war einige Zeit lang TV-Unterhalter und Showmaster bevor er Präsident wurde. Das nutzt er jetzt weidlich aus um zu verschleiern, dass er mittlerweile der US-Präsident ist, der die meisten Kriege führte.
Der Krieg gegen den Iran steht an, kommt aber nicht vom Fleck, denn auch Trump hat verstanden, dass die Risiken gewaltig sind. Der 12-Tages-Krieg im Juni 2025 hat gezeigt, dass der Iran genug Drohnen und Raketen hat um die Abwehr der USA bei seinen vielen Militärstützpunkten in Westasien als auch die Israels recht mühelos zu durchdringen. Außerdem hat der Iran für den Fall des Angriffs die Sperre der Straße von Hormuz angekündigt, mit unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft, laufen doch dort 20 % des Welthandels mit Erdöl durch.
Trump lenkt mit seinen mannigfaltig sich widersprechenden Aussagen davon ab, dass er sich zwar im Iran selbst in eine Sackgasse manövriert hat, aber mittlerweile 10 Kriege geführt hat und das Militärbudget in bisher nie dagewesene Höhen getrieben hat.
https://tkp.at/2026/02/06/trump-der-friedenspraesident-mit-bisher-10-kriegen/
Am Beispiel von Persien sieht man
deutlich wie eine Iseologie namens
Islam eine Kultur unterwandern und
zerstören kann.
Kommt auch bei uns.
Nur Geduld.
Sehr guter Kommentar, der die Realität der Geschichte von Mossadegh über den Schah bis Chomeini exakt beschreibt. Und in der Tat werden sich die meisten Menschen nur noch an „die Befreiung“ Persiens vom Schah und die verunglückte Befreiungsaktion der amerikanischen Geiseln erinnern. Die Iraner, die damals gegen den Schah auf die Straße gingen, sind die Generation, die ihr Leben durch jugendliches Ungestüm vergeudet hat.
Den arabischen Frühling haben wir dem nachmaligen „Friedensnobelpreisträger“ Barak Obama zu verdanken, der in infantiler Weise die arabische Welt bereiste und die Völker zu demokratischer Befreiung aufrief. Die bis dahin gekannte, von Autokraten geführte relative Stabilität ging verloren und eine Demokratie nach westlichem Vorbild(?) werden wir dort nie erleben. Die Folgen amerikanischer Politik, mit hunderttausenden Toten und Millionen von Flüchtlingen, hat aber Europa zu tragen.
Sehr richtig!