Montag, 27. Mai 2024
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Ukraine: Warten auf den großen Knall?

Ukraine: Warten auf den großen Knall?

Szene aus “The Day After”: Eine Frage der Zeit? (Foto:Imago)

Der französische Schriftsteller Jean Raspail (1925-2020) beschreibt in seinem Roman „Die blaue Insel“, teilweise auf der Grundlage eigenen Erlebens, eindrücklich die Stimmung in Frankreich während der ersten Monate des Zweiten Weltkrieges. Der Krieg gegen Deutschland war zwar Anfang September 1939 erklärt worden, aber fand in der Realität zunächst nur als Drôle de guerre (wörtlich übersetzt: „seltsamer Krieg“) statt: Hinter der Front, an welcher kaum Kampfhandlungen stattfanden, bestätigten sich Regierung, Medien und Volk gegenseitig in dem Bewusstsein, militärisch überlegen zu sein, die Lage im Griff zu haben und einen deutschen Angriff mit Leichtigkeit zurückschlagen zu können. Als dieser Angriff im Mai 1940 tatsächlich stattfand, brachen Armee und Staat innerhalb weniger Tage fast widerstandslos zusammen. Die wahrscheinliche Hauptursache dieses – in Frankreich sprichwörtlich gewordenen – débacle bestand darin, dass die jahrelangen und letztlich siegreichen Grabenkämpfe des Ersten Weltkrieges, etwa in der Schlacht von Verdun, bei den Franzosen ein kollektives Kriegstrauma erzeugt hatten, das es ihnen ein Vierteljahrhundert später unmöglich machte, sich einem erneuten Existenzkampf zu stellen.

Im Verhältnis Deutschlands zum Ukraine-Konflikt könnte in unseren Tagen ein Punkt sehr nahe sein, an welchem die falsche Zuversicht des Drôle de guerre mit dem großen Knall eines russischen Angriffes auf die NATO ein jähes Ende findet und in ein militärisches und politisches Debakel des Westens mündet. Vor einigen Tagen sagte der russische Parlamentspräsident Wjatscheslaw Wolodin, also ein führender Vertreter des Moskauer Regimes, wörtlich: „Die Lieferung von Angriffswaffen an das Kiewer Regime führt zu einer globalen Katastrophe.“ Wolodin bezog sich damit nicht nur auf die Lieferung deutscher „Leopard”-Panzer an die Ukraine, die nach einem langen innenpolitischen Eiertanz jetzt beschlossene Sache ist, sondern auch auf die anscheinend bevorstehende Ausrüstung der ukrainischen Streitkräfte mit sogenannten GLSDB-Gleitbomben und weiteren US-amerikanischen Raketen, mit denen die Ukrainer Ziele weit hinter der Front und unter Umständen sogar auf dem Territorium der Russischen Föderation attackieren könnten.

Ignorierte “rote Linien”

Bemerkenswert ist weniger Wolodins Äußerung selbst als vielmehr die Art und Weise, wie sie in der deutschen Öffentlichkeit aufgenommen wird. Die völlig realistische Drohung mit einem nuklearen Vernichtungskrieg, gekoppelt an eine „rote Linie“, die in der unmittelbaren Gegenwart sichtbar überschritten wird, führt weder zu berechtigter Angst noch zu einer konkreten Antwort auf dem Feld der Diplomatie, sondern wird schlicht und ergreifend nicht ernstgenommen. Dem Überlebenswillen der bundesdeutschen Bevölkerung stellt dies ein schlechtes Zeugnis aus. Während die letzten „Zeugen Coronas“ immer noch unter freiem Himmel mit Masken umherlaufen, spielt die reale Gefahr des Unterganges im nuklearen Inferno offenbar im Gefühlsleben der meisten Menschen keine Rolle. Da ein solch irrationales Verhalten nur als Ergebnis einer darauf abzielenden Propaganda erklärbar ist, führt dies unmittelbar auf die Frage, wie die politisch Verantwortlichen in Deutschland Wolodins Äußerung wirklich aufnehmen. Wenn ihre diesbezüglichen öffentlichen Äußerungen ehrlich sind, dann müsste hier von jenem „Schlafwandeln“ in die Katastrophe gesprochen werden, das dem australischen Historiker Christopher Clark zufolge im Juli 1914, also in der europäischen Krise, die in den Ersten Weltkrieg mündete, kennzeichnend für das Verhalten der maßgeblichen Politiker praktisch aller Konfliktparteien war.

Eine andere Erklärung wäre, dass – ähnlich wie im Frankreich von 1939/40 – eine mächtige Autosuggestion sowohl in der Politik als auch in der Bevölkerung zu einem geistig ungesunden Zustand geführt hat, in dem die reale Gefahr gar nicht mehr als solche wahrgenommen werden kann. Jean Raspail schildert in seinem Roman, wie die Propagandameldung, dass die französische Armee zur Genüge mit Spielkarten und Fußbällen ausgestattet wurde, tatsächlich den verbreiteten Eindruck erzeugt, dass man dem von Osten her drohenden Feind militärisch drückend überlegen sei. Dem kritischen Beobachter muss sich allerdings in unseren Tagen jenseits aller Propaganda die Frage nach realistischen Lageeinschätzungen stellen. Eine solche Analyse aus der Perspektive beider Seiten soll im Folgenden versucht werden. Da die hierzu notwendigen Informationen leider erst Historikern späterer Zeiten zur Verfügung stehen werden, müssen dabei vielfach begründete Spekulationen eine wirkliche Beweisführung ersetzen. Dieses Mangels bin ich mir bewusst, wage das Vorhaben aber trotzdem.

Putin ist noch immer Realpolitiker

Beginnen wir mit der russischen Seite. Trotz aller Dämonisierung der Person Wladimir Putins bin ich der Meinung, dass man den russischen Präsidenten weiterhin als Realpolitiker ansehen sollte, der weder von krankhaften Persönlichkeitsmerkmalen noch weltfremden Ideologien geleitet ist. Das macht ihn nicht besser, aber erlaubt es, sein Handeln weiterhin unter dem Aspekt der Vernunft zu bewerten. Meiner Meinung nach hat Putin – trotz des unbestrittenen Leidens, das der russische Krieg in der Ukraine verursacht hat – von Anfang an versucht, den Krieg auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau zu führen und tut dies teilweise bis heute. Der Grund dafür ist praktisch offensichtlich: Russland kann im Falle eines Sieges die Ukraine nur dauerhaft beherrschen, wenn deren Volksmehrheit kooperationsbereit bleibt, und Russland hatte zumindest lange Zeit ein Interesse daran, nach einem irgendwann unvermeidlichen Kriegsende wieder an frühere gute Beziehungen zu Westeuropa, insbesondere zu Deutschland, anzuknüpfen.

Dass Russland bis jetzt trotz einer vorhandenen Luftüberlegenheit darauf verzichtete, ukrainische Städte in großem Maßstab zu bombardieren oder die Kommandozentralen des Selenskyj-Regimes in Kiew mit Raketen anzugreifen, hat also einen fassbaren, rationalen Grund. Dieser besteht aber nicht in einer militärischen Schwäche Russlands, die im Westen allzu leicht aus diesem Verhalten Moskaus gefolgert wird. Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass Putin sehr lange dem Westen die Chance gelassen hat, aus seiner Sicht wieder zur Vernunft zu kommen und einen Frieden zu schließen, der den Sicherheitsinteressen Moskaus gerecht wird. Dieses Fenster scheint sich nun unwiderruflich zu schließen, wofür die oben zitierte Äußerung Wolodins als deutliches Zeichen gewertet werden kann.

Die Scharade von Minsk

Bei diesem russischen Sinneswandel spielt sehr wahrscheinlich ein Umstand eine gewichtige Rolle, dessen Bedeutung die „schlafwandelnde“ deutsche Öffentlichkeit überhaupt nicht wahrgenommen geschweige denn begriffen hat: Angela Merkel hat das russisch-ukrainische Abkommen, das unter ihrer Vermittlung im Februar 2015 in Minsk ausgehandelt wurde, nachträglich zu einem Bluff erklärt, mit dem in Wirklichkeit der Ukraine Zeit für eine massive Aufrüstung verschafft werden sollte. Bisher musste man auch als erklärter Merkel-Kritiker „Minsk“ als eine herausragende Leistung ihrer Kanzlerschaft würdigen, welche der „ewigen Kanzlerin“ im Erfolgsfall einer daraus resultierenden nachhaltigen russisch-ukrainischen Verständigung sogar den Friedensnobelpreis hätte bescheren können. In Minsk wurde nämlich eine Kompromisslinie skizziert, die auch heute noch den wahrscheinlich einzig gangbaren Weg zu einer friedlichen Lösung des Ukraine-Konfliktes darstellt: Wiederherstellung der territorialen Integrität der Ukraine und im Gegenzug Autonomierechte für die auf diesem Territorium lebende russische Minderheit.

Dass aus dieser Friedensinitiative nun nachträglich eine taktische Finte zum Schaden Russlands gemacht worden ist, dürfte nicht nur Wladimir Putins Einstellung gegenüber Deutschland maßgeblich verändert haben. Damit wurde sehr wahrscheinlich auch in der öffentlichen Meinung Russlands ein Deutschenhass wiederbelebt, über dessen Ursprünge im Zweiten Weltkrieg hier nichts mehr gesagt werden muss. Im Extremfall werden wir alle dies spüren, wenn eine Eskalation des Ukraine-Konfliktes zum Dritten Weltkrieg tatsächlich eines Tages russische Soldaten nach Deutschland bringen sollte. Noch vor einem Jahr hätte man in einer solchen Situation eine Befreiung Deutschlands von Globalismus und Corona-Regime erblicken können. Heute würden die Russen genauso wenig als Befreier einziehen wie 1945. 40.000 Wagner-Söldner, vielfach mit einem kriminellen Hintergrund, stellen genauso ein gewaltiges Potential für Unmenschlichkeit gegenüber Zivilisten dar wie Russlands islamistische Hilfstruppen aus Tschetschenien und anderen Regionen.

Kein Grund für militärische Zuversicht

Kommen wir nun zur möglichen Perspektive der im Westen Regierenden. Diese scheinen von einer geradezu unendlichen Zuversicht bestimmt zu sein, dass der Krieg mit einem Sieg beendet werden kann und wird. Man muss dies ernstnehmen, weil unsere politische Führung natürlich bessere Informationsquellen besitzt als Publizisten alternativer Medien. Es ist aber schwer zu erkennen, worauf sich diese Zuversicht gründen könnte. Ausrüstung und Mannschaftsstärke der ukrainischen Armee werden an der festgefahrenen Frontlinie im Donbass in Materialschlachten, die an die Westfront des Ersten Weltkrieges erinnern, gnadenlos von der russischen Armee zermahlen, die – wie schon im Zweiten Weltkrieg – aus der Tiefe des russischen Raumes heraus schier unerschöpfliche Ressourcen mobilisieren kann. Dieses „Zermahlen“ betrifft auch westliche Waffen und die dazugehörige Munition, welche die NATO keineswegs in beliebigen Stückzahlen besitzt und ersetzen kann. Auch einige Dutzend „Leoparden“ können angesichts einer hunderte Kilometer langen Frontlinie nicht zu „Wunderwaffen“ werden, mit denen sich eine schnelle Entscheidung zugunsten des Westens erzwingen ließe.

Es bliebe die Hoffnung auf einen baldigen innenpolitischen Zusammenbruch Russlands. Hierzu werden uns beinahe täglich Propagandameldungen vorgesetzt, die in völligem Widerspruch zu der Tatsache stehen, dass Russland zwar die ukrainische Front noch nicht durchbrochen hat, aber dort eindeutig in der Offensive ist. Von einer starken innerrussischen Opposition gegen Putin und den Ukraine-Krieg ist gleichfalls nichts zu sehen. Solche Kräfte existieren zwar, wurden jedoch im Westen immer schon drastisch überschätzt. Es könnte sogar sein, dass ein Sturz Wladimir Putins zwar tatsächlich erfolgt, der aber nicht von „Demokraten“ und „Westlern“ ausginge, sondern von religiösen Nationalisten, die noch sehr viel radikaler und vor allem irrationaler agieren würden als das gegenwärtige Moskauer Regime. Was sich ohne Kenntnisse der russischen Sprache überhaupt noch im Westen als Echo einer politischen Auseinandersetzung innerhalb der russischen Öffentlichkeit wahrnehmen lässt, deutet jedenfalls in eine solche Richtung.

Unkalkulierbare Folgen selbst im “Erfolgsfall”

In diesem Zusammenhang muss noch einmal an die schon erwähnten 40.000 Söldner der „Wagner“-Truppe erinnert werden. Angesichts dieser Größenordnung wird ihr Anführer Jewgeni Prigoschin unvermeidlich zum Kern eines von Putin unabhängigen Machtzentrums. Man kann in ihm einen modernen Wallenstein sehen, der sich im Dreißigjährigen Krieg ebenfalls mit einem Söldnerheer von seinem eigentlichen Auftraggeber, dem in Wien residierenden Kaiser, emanzipierte und zu einem eigenständigen, kaum kalkulierbaren Machtfaktor wurde, der sich nur schwer wieder aus dem Spiel der Mächte eliminieren ließ, wie man aus Friedrich Schillers dramatischer Verarbeitung dieses historischen Stoffes lernen kann.

Es gibt allerdings einen gewichtigen Grund dafür, warum man dennoch einen vollständigen Sieg der ukrainisch-westlichen Koalition über Russland als reale Möglichkeit ansehen kann. Der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld hat vor zwei Wochen in einem aufsehenerregenden Artikel in der „Welt“ von der Möglichkeit eines Zusammenbruches Russlands im Jahre 2023 gesprochen. Van Creveld ist ohne Zweifel einer der weltweit führenden Analysten der internationalen Politik und hat etwa gegenüber einem Henry Kissinger den Vorteil, dass er – soweit man dies beurteilen kann – kein führendes Mitglied globalistischer Zirkel ist. Man muss seine Einschätzung also sehr ernst nehmen, auch ohne zu wissen, auf welchen konkreten Informationen sie beruht. Wenn van Crevelds Prognose wirklich eintreffen sollte, könnte der Westen allerdings damit einen Pyrrhussieg erster Güte einfahren. Die Verwandlung der – im Moment noch von der Moskauer Zentrale beherrschten – russischen Landmasse in einen Flickenteppich aus Dutzenden neuer Pseudo-Nationen, deren Namen heute im Westen zumeist nur „Insidern“ bekannt sind, wäre ein sicherheitspolitischer Alptraum erster Größenordnung.

Absurde Siegesträume

Ein nicht geringer Teil dieser neuen Staaten wäre vom politischen Islam dominiert, und vor allem würde mit einem Zerfall Russlands dessen nukleares Arsenal keineswegs plötzlich aus der Welt verschwinden, sondern zum Gegenstand wilder Diadochenkämpfe werden. Schon nach dem plötzlichen Ende der Sowjetunion im Dezember 1991 konnten solche Probleme nur mit großer Mühe gelöst werden, obwohl es seinerzeit mit Russland, der Ukraine, Weißrussland und Kasachstan nur vier Staaten gab, in denen sowjetische Nuklearwaffen stationiert waren, und sich letzten Endes alle diese Spieler als kooperativ erwiesen. Es kam aber schon damals zu einer Entwicklung, die für den heutigen Ukraine-Krieg keine geringe Rolle spielt: Der Verzicht der Ukraine auf sowjetische Nuklearwaffen wurde 1993 mit einer russischen Bestandsgarantie für das ukrainische Territorium verknüpft. Dieser Vertrag war ab 2014 nicht mehr das Papier wert, auf dem er festgehalten wurde – weil der Ukraine eben das nukleare Potential fehlte, um seine Gültigkeit durchzusetzen. Angesichts dieser Erfahrung werden mutmaßliche Nachfolgestaaten des heutigen Russlands vermutlich einen Teufel tun, freiwillig ihre geerbten Nuklearwaffen abzugeben.

Westliche Siegesträume, wie sie etwa von Bundesaußenministerin Baerbock in die Öffentlichkeit posaunt werden, sind also nicht völlig unrealistisch, aber mit großen Gefahren für den Westen selbst verbunden. Sehr viel besser wäre es, wenn im letzten Moment doch noch ersthafte Initiativen für einen Frieden ergriffen werden könnten. Dies würde der an sich unvermeidlichen Einsicht entspringen, dass noch so hehre völkerrechtliche Ansprüche zurückgesteckt werden müssen, solange man sie nur um den Preis eines nuklearen Infernos durchsetzen kann. Es sieht leider nicht so aus, als ob die politisch Verantwortlichen im Westen zu dieser Einsicht in der Lage wären. Wir kritischen Geister der Gegenöffentlichkeit warten also auf den großen Knall, der dann automatisch auch die von Propaganda eingelullte Masse aus ihren Träumen reißen würde. Was diese Masse dann tun wird, ist wahrscheinlich entscheidend für die weitere Entwicklung. Ihr Widerstandswillen gegenüber Wladimir Putin könnte ähnlich jäh einbrechen wie der französische Kampfeswillen im Juni 1940. Dies würde aber angesichts der größtenteils vom Westen erst erzeugten russischen Aggressivität keine positive Perspektive mehr für diesen Westen selbst bedeuten, sondern ein apokalyptisches Strafgericht. Genauso gut könnten aber von anti-russischer Propaganda beherrschte Massen auch dem einmal eingeschlagenen Weg der westlichen Selbstzerstörung bis in den nuklearen Untergang folgen. Die Lage ist also düster. Geben wir trotzdem die Hoffnung nicht auf, dass im letzten Moment die Vernunft siegen könnte!

72 Antworten

  1. Wenn man sich anhören muss, was dieser erbärmliche Bundeskanzler zur Leopard 2 Lieferung sagte: “Nein, nein, damit werden wir keine Kriegspartei, der Leopard dient nur der Verteidigung (der Muster-Demokratie Ukraine und des Werte-Westens!). So blöd kann man gar nicht sein!

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    1. Der ist nicht bloed, der weiss genau, was er tut. Er kennt die Shaef Gesetze, dass GG, den Status Deutschlands an der UNO, die Waffenstillstandsbestimmungen usw.

      So ein Typ, arrogant, duckmaeusserisch, null Rueckgrat, null Empathie, nur auf den eigenen Vorteil bedacht, erpressbar, verlogen ist der perfekt Character fuer die Vorhaben der Overlords und um Deutschland in einen neuen Krieg zu treiben.
      Er und die ganze Einheitsparteienbande gehoeren wegen Verrats am deutschen Volk for ein Gericht.

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  2. Alles, was ich jetzt schreibe, steht unter dem Vorbehalt, daß auch ich nicht in die Zukunft schauen und mich daher irren kann. Mit dieser Voraussetzung ein paar Punkte:

    Es handelt sich um einen Krieg zwischen den USA und Rußland. Die Ukraine ist nur das Schlachtfeld. Die NATO ist kein eigenständig handelndes Subjekt, sondern lediglich die Fremdenlegion der USA.
    Die USA kämpfen dafür, daß sie auf dem weltpolitischen Parkett der einzige dominierende Machtfaktor bleiben. Rußland kämpft dafür, daß es als einiger großer und souveräner Staat erhalten bleibt und nicht wie Jugoslawien in einzelne Staaten aufgespalten wird.
    Der Einsatz ist für Rußland daher ungleich höher als für die USA. Die USA können auch nach einer Niederlage in Osteuropa sicher auf ihrer quasi Insel zwischen zwei Ozeanen leben, während es für Rußland um die Existenz geht. Der Sieges- und Durchhaltewille wird daher in Rußland sehr viel größer sein als in den USA.
    Es ist daher in meinen Augen höchst unwahrscheinlich, daß Rußland einen nicht nuklearen Landkrieg verliert.
    Die große Frage aber ist: Was werden die USA tun, wenn ihre Niederlage offenkundig ist? Werden sie ein zweites Kabul hinnehmen oder werden sie zu Nuklearwaffen greifen?

    Das ist die eigentlich apokalyptische Gefahr. Gerade Deutschland, das im Fall einer nuklearen Antwort der USA pulverisiert werden dürfte, sollte daher alles tun, eine Eskalation zu verhindern und nicht noch mit Panzerlieferungen das Feuer mit Benzin löschen.

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    1. Immer wieder: Das serbisch okkupierte Jugoslawien wurde zu Recht zerstört durch den Freiheitswillen der von Serbien schon lange unterdrückten Völker. – Es wurde nur zusammengehalten unter Tito durch ein rigides Verbot aller nationalen und religiösen Besonderheiten, Prägungen! So hat Tito mal 150.000 Türkschstämmige nach der Türkei ausgewiesen und den Islam-Fundamentalisten Izetbegovic (später Präsident von Bosnien) ins Gefängnis werfen lassen wegen eines monopolistischen islamischen Manifestes. – Und es spricht gegen die gewissen deutschen Super-Patrioten (hier im Forum 100% der Autoren und 90% der Leser), die in ihrem kranken Antiwest-Haß dort den Freiheitswillen auf nationale Selbständigkeit der Völker mißachten, den sie aber für von den USA seit 1945 fordern. Und -abseits aktueller Ereignisse- ist Rußland ebenso ein zusammengeraubter Zwangsstaat wie seinerzeit Jugoslawien.

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      1. Tito ist Tod und die Region kommt dennoch nicht zur Ruhe. Ist es nicht so, das Tito die Revalen im Schach hilt, wie auch Saddam im Irak oder Gaddafi im Lybien? Mögen die Methoden dieser Menschen verachtend und diktatorisch sein, aber was danach gekommen ist, ist kein yota besser. So wird es auch in Russland laufen, viele kleine Staaten, die sich bekämpfen bis aufs Blut. Sowas kann nicht im Sinne von Europa oder dem Rest der Welt sein. Die nächste Frage ist, sind die einzel Staaten eigentlich wirtschaftlich überlebensfähig oder rollt dann die nächste Migrationswelle auf uns zu?
        Das alles pielt aber keine Rolle mehr, wenn Putin soweit in die Enge getrieben worden ist, das er Nuklearwaffen einsetzt. Egal wie man es dreht, Verlierer bleibt Deutschland und Europa.

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        1. Was in Europas Interesse ist, haben kaum Sie als Putinist zu entscheiden, zu bestimmen!!
          +
          info68 @info683 zitiert: http://frblog.de/leopard2/ Leser Mertens: Der Frieden inEuropa wird durchdas Putin-Regime bedroht, ähnlich wie vor 84 Jahren, als Nazi-Deutschland der Aggressor war. Mit Hitler hätte es keinenVerhandlungsfrieden gegeben, weil er bis kurz vor demEnde auf seinen Eroberungen beharrte;

      2. Liebe(r) info 68,

        sollte man dann entsprechend Ihrer Logik auch den Engländern mittels einer Koalition der Willigen Schottland, Nord-Irland und Wales entreißen? Und was ist mit den Basken in Spanien und den Bretonen in Frankreich?

        Man muß immer auch die Folgen bedenken.

        Ist es das vermeintlich hohe moralische Ziel wirklich wert, daß dafür Millionen im Krieg sterben? Und wenn eine Atommacht im Spiel ist: Ist es wirklich das Risiko eines Atomkriegs wert?

        Und was ist mit den Gebieten, die die USA vor gut 100 Jahren Mexiko geraubt haben?

        Bitte mehr Verantwortungsethik!

        1. Es ist jedes Ereignis singulär trotz Ähnlichkeiten und muß vor Ort in möglichst fairem Interessenausgleich entschieden werden. (Wie, als der redliche General Lebed -DIE Alternative zu Putin, dubios bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen- in Tschetscheneien das Friedensabkomen im Auftrag von Jelzin schloß, das dann Putin bewußt zerstört hat.) Prinzipiell ist immer dem Freiheitswillen der Völker Genüge zu tun oder es muß (wie leidlich, aber letzlich unbefriedigend in Süd-Tirol) eine große Autonomie innerhalb eines Staates eingeführt werden. In Jugoslawien (2x vonden aliierten Siegermächten 1919-1945 den Serben zum Fraß zugeworfen) war der Freiheitswille der Völker das Primäre, anfangs hätte es noch eine friedliche konföderale Lösung geben können (wie in Syrien), aber das hat Serbien (bzw. Assad) verhindert. – Und was für ein Interesse außer Westhaß (daß Völker wie heute die Ukraine ins westliche Lager wechseln, das paßt Euch nicht und ist Euer Motiv!) soll ein deutscher Patriot (etwa der schamlose Serbo-Agent Elsässser) am Weiterbestehen eines serbisch dominierten Staates haben, wo Serbien seit 120Jahren eine strikt anti-deutsche Politik betrieb??

      3. info68: Kroaten sagen von ihrer Regierung, dass sie von einer Mafia regiert werden. Das nenne ich Fortschritt. Oder?

        1. Ich kenne Kroaten, die was ganz anderes sagen und froh sind für die nationale Unabhängigkeit, besonders nach dem serbischen Wüten in Osijek, Vukovar, Dubrovnik. Und sowieso immer noch besser die kroatische Mafia dann als die serbische!!

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          1. Info68: Die Kroaten aus ihren Kreisen gehören sicherlich ihrer Blase an. Die Kroaten bei mir sind ganz normale Menschen, ohne irgendeine Weltanschauung wie Sie, die einfach nur ihr Leben leben wollen. Übrigens sind auch andere Gebiet, die von Jugoslawien sich getrennt haben, zu Mafiastaaten geworden.

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      4. An der Reaktion (27 minus) sehe ich, was für ein Publikum sich hier rumtreibt. Die Feinde der Völkerfreiheit im anti-westlichen Kalkül!!

    2. Atomwaffen sind physikalischer Blödsinn, aber gut für die Abschreckung. Wir leben in einer Lügenwelt und Jeder macht mit. Ist natürlich reine Verschwörungstheorie, nicht-wahr. Einfach mal über die logischen physikalischen Fakten nachdenken. Aber wer tut das schon, es ist bequemer Alles anzunehmen was einem vorgesetzt wird.

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  3. Die Armee Wenck, heute feministische Diplomatie und Außenpolitik, wirds schon richten! Der von WEF-Globalisten dominierte Westen, sprich der grüne Kommunismus hat offensichtlich ein massives Problem mit der Realität. Die Folgen werden weitaus schlimmer als 1945, doch scheinbar ist das der breiten Masse völlig egal. Na dann probierts mal aus, Dschungelcamp oder Fußdepp ist offensichtlich wichtiger.

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  4. ZITAT: “Bisher musste man auch als erklärter Merkel-Kritiker „Minsk“ als eine herausragende Leistung ihrer Kanzlerschaft würdigen, welche der „ewigen Kanzlerin“ im Erfolgsfall einer daraus resultierenden nachhaltigen russisch-ukrainischen Verständigung sogar den Friedensnobelpreis hätte bescheren können.”

    Von wegen. Jeder, der irgendetwas Gutes bei Merkel zu erkennen geglaubtet, sollte nun endlich einsehen wie naiv er war und über welch schlechte Menschenkenntnis er verfügt.

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    1. Ich sehe das eher so, daß er das schon wußte, aber nicht wissen mußte, so daß immer noch ein wenig Schein gewahrt war, um ggf. die Türe zu Verhandlungen zu durchschreiten.
      Jetzt aber hat das ausgekochte SED-Luder diese Türe (ich sage mit Berechnung!) zugeworfen, jetzt muß er es wissen.
      Merkel hat sich damit noch einmal massiv eingemischt, um ihren Nachfolgern jeden anderen Weg zu verlegen, der etwas anderes, als totale Konfrontation bedeutet hätte.

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  5. ZITAT: “Westliche Siegesträume, wie sie etwa von Bundesaußenministerin Baerbock in die Öffentlichkeit posaunt werden, sind also nicht völlig unrealistisch, aber mit großen Gefahren für den Westen selbst verbunden.”

    Und wer bei Merkel daneben liegt, der kann dies bei der größten Außenministerin aller Zeiten wiederholen.

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  6. Vernunft ?
    Wer darauf bei den hier regierenden Lakaien des aggressiven anglo-amerikanischen Finanzsystems oder bei dessen Strippenzieher-Netzwerken baut, lebt in Taka-Tuka-Land.
    Diese Ganoven haben bislang zielgerichtet JEDE von den Russen ausdrücklich erklärte rote Linie niedergetrampelt. Konsequent seit Russland unter Putin sich nicht mehr ausplündern lässt und erst recht militärisch in diesem Krieg.

    Die einzige Seite, bei der man daher auf Vernunft setzen kann, sind die Russen.
    Nur: ist es für die vernünftiger sich zurückzuhalten, wenn die Gegenseite das jedesmal als Einladung zur Eskalation nimmt ? Oder wäre es vernünftiger, seinerseits so extrem zu eskalieren bis die Gegenseite endlich einlenkt ? Das dürfte das russische Dilemma sein.

    Das wertewestliche Verbrecherpack und seine Lakaien werden bis zum Atomkrieg eskalieren.
    Die sind so dermaßen hirntot, dass man daran keinen Zweifel haben sollte. Denn ein Teil von denen spielt gerade Mexican Standort und glaubt, dass die Russen in jedem Fall ausweichen – und den US Ganoven ist es schlicht egal, weil die glauben, in jedem Fall der Sieger zu sein. Egal wie viel Tote das in Europa kostet.

    Wir sind am Arsch.

    Danke Olaf

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  7. Die Vorstellungen des Westens, einige sprechen auch von den feuchten Träumen des Westens, Russland in mehrere abhängige Republiken bzw. Kolonialgebilde zu zerstückeln, wird nicht Realität werden, weil Russland nach dem Zusammenbruch der SU schon wieder viel zu stark geworden ist. Pech gehabt, die große Chance wurde mit dem Alk Jelzin verpasst. Die Not des Westens, Russland von seinen Ressourcen befreien zu müssen, wird aber jedes Jahr größer und darum werden die Aktionen des Westens auch immer irrationaler und krasser. Dem Fleischwolf in der Ukraine geht auf westlicher Seite tatsächlich allmählich die humane Ressource aus. Was sollen kompliziertere westliche Waffen da noch bringen können, wenn das Personal dazu schon im Fleischwolf des Krieges gelandet ist? Nach den nun letzten Ukrainern, den Freiwilligen aus dem Westen, insbesondere aus den westlichen Anrainerstaaten der Ukraine, wer könnte ab dem Sommer, außer den regulären Armeen im Westen, noch verheizt werden und wäre das dann der Zeitpunkt, bei dem auch China mit Nordkorea mal eben auch ca. 1 Million „Freiwillige“ dem Putin zur Verfügung stellen würde?! Oder glaubt jemand ernsthaft, dass China bei diesem ganzen Spektakel zuschauen würde, um dann darauf zu warten der nächste zu sein?! Die Situation in der Ukraine ist so, im Moment fängt man die letzten Unwilligen und die letzten 50 – 60-jährigen zum Kriegsdienst ein. Für die Ausbildung an westlichen Waffen benötigt man aber junge Männer mit 150 % Überzeugung zum gerade ablaufenden Krieg. Die, die man gerade einfängt, eignen sich vielleicht als widerspenstiges Kanonenfutter, aber nicht dazu, um sie monatelang im Westen an komplizierteren Waffensystem auszubilden. Weil sie ganz einfach, einmal im Westen, abhauen würden, um sich eben nicht in den Fleischwolf werfen zu lassen. Es kommt also demnächst für den Westen, zumindest für die USA, GB, Polen, Balten und vielleicht die Bulgaren demnächst zur Stunde der Wahrheit, eigene Truppen schicken zu müssen oder den Schwanz einzuklemmen und von dannen zu ziehen. Sollte die deutsche Regierung auch nur erwägen, die völlig desolate Bundeswehr in den Einsatz in die Ukraine zu schicken, werden sich Millionen Deutsche finden, diese deutsche Bundesregierung mitsamt der CDU/CSU Opposition bestialisch zu massakrieren und jedes dumme Bullenschwein oder Militär, welches diesem verkommenen Rattenviehzeug Schutz angedeihen ließe, würde kurzerhand ebenso eliminiert werden!!! Wer keinen Bock auf WK III hat, hätte nämlich spätestens dann keinerlei Skrupel mehr, diesen Politdreck ein für alle Mal zu eliminieren.

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  8. Welchen Krieg hat der Westen nach dem 2. WK überhaupt gewonnen. Mir fällt keiner ein. Er hat nur Unfriede, Unruhen, zerstörte Städte, verbrannte Erde in allen möglichen Ländern und Millionen von Toten hinterlassen. Erreicht hat er nichts. Jede Antwort auf anderes Denken wurde bisher mit Sanktionen und Blut beantwortet. Der Westen hasst alle und alles, was nicht so will, wie er es will. Er lügt, wenn er den Mund aufmacht, weil er im Mund immer Demokratie, Freiheit und Menschenrechte führt, die er selbst nicht mal in seinen eigenen Ländern noch duldet. Was verspricht sich der Westen? Wenn ich den anderen nicht besiegen kann, dann will ich euch alle im Feuer untergehen sehen, so dass niemand mehr der westlichen Bevölkerung Gefallen an neuen Verhältnissen finden kann. Etwas ähnliches soll AH ja auch im Führerbunker gesagt haben, was aber vielleicht nur eine Legende ist.

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    1. @Welchen Krieg hat der Westen nach dem 2. WK überhaupt gewonnen.
      Kommt darauf an, wen sie fragen. Wenn sie die Entscheidungsträger der Hochfinanz frage, die von ihren Politikern den Krieg gefordert haben, dann haben sie immer gewonnen !

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      1. @zdago: Nun, Hochfinanz und Unternehmen ist natürlich eine völlig andere Sache. Ich habe natürlich an den kriegsführenden Staat gedacht.