
Realsozialistische Wirklichkeitsverzerrung à la DDR: Als ob der katastrophale Zustand der Deutschen Bahn nicht an sich bereits dramatisch genug wäre, hat Mario Reiß, der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), dem völlig maroden Konzern vorgeworfen, nun auch noch die Pünktlichkeitsstatistik zu manipulieren. „Dass Züge aus der Statistik genommen werden, um die Bilanz zu schönen, ist für uns keine Überraschung und seit Längerem unter Fachpersonal ein offenes Geheimnis“, erklärte Reiß gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Die GDL-Mitglieder würden solche Situationen seit Langem in ihrem Arbeitsalltag erleben und regelmäßig davon berichten. Damit versuche die Bahnspitze, „mit Zahlentricks und Leerfahrten von den eigentlichen Ursachen abzulenken“. Jede einzelne Verspätung löse weitere Folgeverspätungen aus, „ein regelrechter Strudel entsteht“.
Anstatt dieses Kernproblem anzugehen, werde mit kurzfristigen Maßnahmen der Eindruck erweckt, die Lage sei unter Kontrolle. Für die Reisenden bedeutet das „verpasste Anschlüsse, lange Wartezeiten und ein immer größer werdendes Misstrauen“, so Reiß weiter. Unter Berufung auf interne Vermerke und Chatnachrichten von zwei Fällen, in denen Züge „zur Verbesserung der Statistik“ aus dem Verkehr genommen worden seien, hatte der „Spiegel“ darüber berichtet. Am 16. September wurde der ICE 616 von München nach Hamburg gestrichen. Dies wurde offiziell mit einem „kurzfristigen Personalausfall“ begründet. Aus internen Chats gehe jedoch hervor, dass der Zug aus dem Verkehr genommen worden sei, um die Statistik zu verbessern. Fünf Tage vorher wurde ein ICE bei Köln als entfallen geführt, weil solche Züge in der Pünktlichkeitsstatistik der Bahn nicht erfasst werden. Mitarbeiter berichteten übereinstimmend davon, dass solche Züge nach Ausfällen vielfach leer weiterfahren.
“Betrieblich sinnvoll”
So sei es auch mit dem ICE 616 nach Hamburg gewesen: Dieser sei von München aus leer nach Hamburg gefahren, um dort wieder planmäßig eingesetzt zu werden. Die Bahn wies die Vorwürfe zurück. Die interne Plattform „BetriebLive“ diene der tagesaktuellen Vernetzung von vielen tausend Disponenten aller Eisenbahnverkehrsunternehmen. Über diese Plattform finde Austausch im Chat-Format statt, nicht jedoch Statistik-Erfassung. Die im vorliegenden Fall von einem Mitarbeiter gewählte Formulierung sei falsch. Man habe bereits Kontakt mit ihm aufgenommen. Weiter teilte die Bahn mit, bei der Pünktlichkeit würden auch Zugausfälle berücksichtigt. Nur rund zwei Prozent der Fernverkehrszüge seien von Verspätungen über 60 Minuten betroffen. Im Einzelfall könne es dann „betrieblich sinnvoll sein, eine Zugfahrt vorzeitig zu beenden, um unseren Fahrgästen einen schnellen Umstieg auf den im Takt folgenden Fernverkehrszug zu ermöglichen“.
Angesichts der desolaten Verhältnisse bei der Bahn wird man dies wohl als Schutzbehauptungen einstufen dürfen. Einem Unternehmen, dass es sich tatsächlich als Erfolg anheftet, dass man die Pünktlichkeit der Züge im August auf 66,7 Prozent verbessert habe (wobei man unter “Pünktlichkeit” auch noch unverschämterweise alle Züge versteht, die “nur” bis zu 15 Minuten Verspätung haben), kann man auch solche Statistik-Tricks problemlos zutrauen. Während die Bahn einst weltweit als Symbol für deutsche Zuverlässigkeit stand und man einst, lange vor der Digitalisierung zudem, nach deutschen Zügen die Uhr stellen konnte, ist sie heute ein Sinnbild für den völlig verrotteten Zustand dieses Landes, das nur noch darin kreativ ist, sich seinen Untergang schönzurechnen.
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8 Kommentare
Subjektiv, die Bahn ist eigentlich ein Spiegelbild der BRD. Wie die Bahn, so das Land. Die Bahn war schon mal etwas am Ende aber man konnte damals auf die Ressorcen der DR zugreifen. Ein Blick auf viele Qualifikationen von Verantwortlichen zeigt, Kompetenz für Alles aber eben nicht bahnspezifisch. Vielleicht sollte man das Unternehmen international ausschreiben und einen Betreiber suchen? Kann man in Deutschland aber überhaupt eine derartige Ausschreibung hinbekommen? Upps, jetzt stelle ich ja indirekt das Gesamtsystem Deutscland in Frage.
Solange man nicht sicher sein kann, ob man unversehrt von A nach B kommt, macht auch
eine Reform wenig Sinn.
So nach dem Motto, wir nehmen AfD Kandidaten aus dem Rennen, bevor sie noch gewinnen!
Das ist wahre Demokratie ala SED Merkel!
Die Merkel war ja nie in der SED. Sie ist CDU Mitglied und brachte das Gedankengut der SED in die CDU. Sie wurde vor Allem im Westen zur Kanzlerin gewählt. Die ja noch immer nichts mit kriegen wo der Hase hin läuft. Also jetzt nicht rumjammern.
@Um die Statistik zu frisieren
ja – Statistik ist immer wichtig, da wird gerne gedreht
– „an oder mit“ Corona gestorben
– Verzicht auf Obduktion bei „Corona“-Toten
– die Amerikaner haben die Schwerverletzten aus Afghanistan und Irak schnell nach Ramstein ausgeflogen, damit waren sie keine Kampfverluste, sondern eben nur tote, die im Krankenhaus verstarben
– In Vietnam haben sie für ihren Body-Count immer ein paar Ak47 mitgeführt, war der tote nur ein Bauer, wurde er mit dem Geschenk zum Vietkong
– Auch das wirtschaftliche Minuswachstum von Merkel, Scholz und Merz ist schön
– Auch bei Wahlen zählt nicht die abgegebene Stimme, sondern die von vertrauenswürdigen, verfassungsfesten und seriösen Auszählern der Blockpartei
Hauptsache, die Zahlen entsprechen den Interessen der Mächtigen
Die sind ECHT clever bei der Bahn. Das hätte ich denen gar nicht zugetraut…;-)
Ok, da wären dann noch die vielen Fahrgäste, die eine Bahnsteigkarte gelöst hatten…
Pech gehabt. Nächstes Jahr kommt wieder ein Zug, einfach ein bisschen Geduld haben, dann klappt das schon noch mit der Zugfahrt…
Freunde trinkt in vollen Zügen…
Nun, ich fahre fast nie mit der Bahn. Ich weiß aber, daß ich jedesmal, wenn es denn einmal der Fall ist, alle Vorurteile nicht nur bestätigt, sondern noch übertroffen bekomme.
Daher nur ein paar kleinere Anekdötchen:
Als es in NRW genau zu meiner Rückkehr nach DUS Flughafen einmal schneite, fiel natürlich zunächst sofort alles aus, unter Anderem mußte auch der Flieger zunächst in Hamburg landen, um dann ein paar Stunden später per Kurzflug in DUS zu landen.
Draußen ein Bild des Wahnsinns:
Lauter panische Menschen, die vor lauter Zugchaos teilweise gar heulten.
Verschiedene anhand von Plänen und Anzeigen auf ihre Gleise leiten können.
In einen eigentlich bereits mehr als 2h verspäteten RB gestiegen, eine völlig panische Frau, die nach Emmerich, einen Vorort wollte, beruhigt und ihr vermittelt, daß dieser (lt. Plan!) dort auch anhält, so daß sie ihre Verwandtschaft informieren konnte.
Letztes Jahr: Die Verspätung war für mich vorteilhaft. Ich hatte einen RB rausgesucht, um nach Duisburg zu gelangen, der hatte 20 min Verspätung und hätte obendrein erst 15 min später fahren sollen.
Stattdessen hielt justamente eine S-Bahn, die eine halbe Stunde Verspätung hatte, daher keine Wartezeit.
2019 eine Fahrt nach Münster. von DU aus. Die Kiste kam bereits 15min verspätet, hat allerdings auf dem Weg nach Münster noch einmal eine satte Stunde aufsummiert, diverse Kleinstbahnhöfe bestaunen können bei den Wartezeiten: Endzeitstimmung. Unfaßbare Verwahrlosung.
Köln:
Meine ganz besonderen Freunde, die wirklich so doof sind, wie sie wählen. Kriegen nicht einen Zug pünktlich durch ihren Bahnhof und ihr Kaff.
Jedenfalls habe ich es noch nie erlebt, daß man dort pünktlich ausfuhr. Letztes Mal war 2020, Anfang Mai, früh morgens mit ICE von Frankfurt Airport nach DU. Unfaßbar: Obwohl kein Verkehr, obwohl man sogar (Bratwurst Ära) einen Waggon für sich alleine hatte, war der pünktliche Zug dort am Ende angelangt. Er schipperte und wartete und hatte am Ende bei Ausfahrt aus Köln sagenhafte 35 min angesammelt. Wohlbemerkt: Kein wirklicher Verkehr.
Ähnliche Verhältnisse, wie auf den Autobahnen, die willkürlich auseinandergerissen und gesperrt werden, bzw. mit Dauerbaustellen zugepflastert sind, wo auf Jahrzehnte keine effiziente Fortbewegung mehr möglich ist.
Berichte meiner Tochter über Zugfahrten von Essen nach Dresden, bzw. Magdeburg und zurück ergäben weitere buchähnliche Ausführungen, eine davon endete in Nutzung spontaner Mitfahrangebote von Autofahrern, die man wohl online buchen kann.
Fazit:
Einstampfen! Straßen gleich mit dabei, geht eh nix mehr!