„Und wenn wir neun sind, fangen wir an zu saufen!“

Gedanken zur Herabsetzung des Wahlalters

Davon träumt Emilia Fester: Zwei Grünen-Wähler auf dem Weg zur Wahlkabine (Foto:Pixabay)

Die Diskussion wird alle paar Jahre einmal wieder aufgewärmt: Sollen schon Kinder das Wahlrecht bekommen? Schließlich sind auch sie kleine Bürgerlein und von politischen Entscheidungen mit betroffen. Emilia Fester von den Grünen – die selbst noch ziemlich unreif wirkt – schlägt gar vor, schon Zweijährige an die Urnen zu lassen. Nun ist man gut beraten, die quirlige Emilia, die den Bundestag auch schon einmal mit einer Tanzeinlage erfreut, nicht sonderlich ernst zu nehmen. Allerdings ist sie nicht die einzige, die derlei Ideen propagiert; besonders in links-grünen Kreisen ist das Kinderwahlrecht populär. Die Ursachen dafür muss man nicht lange suchen: Sehr junge Menschen stehen tendenziell linken Vorstellungen näher als konservativen, sind offen für grüne Ideologie und neigen dazu, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, wenn sie sich eine Idee in selbigen gesetzt haben. Eine Absenkung des Wahlalters wäre also ein ideales Rekrutierungsprogramm für begeisterte Jungwähler, die sich noch keine Sorgen um die Konsequenzen ihres Tuns machen müssen. Da zählt nur der „große Plan”. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich war selbst so.

Aber Wahlrecht schon für die Kleinsten? Als das Thema vor ein paar Jahren aufkam, spottete ich darüber, ob dann wohl mit dem Spinatlöffel abgestimmt würde. Dabei bestünde dann allerdings die Gefahr, dass Lena-Sophie versehentlich ihren Klecks bei der NPD macht – was selbstverständlich nicht im Sinne des Erfinders ist. Wahrscheinlich führte es noch nicht einmal zum Erfolg, die Kleinen vorab mit veganen Gummibärchen zu bestechen – wie auch? Dazu müssten sie den Wahlzettel lesen können. Damals wurde der Vorschlag gemacht, Eltern sollten „im Sinne ihrer Kinder” für diese wählen. Man dürfte aber kaum auf Eltern stoßen, die hier objektive Entscheidungen treffen: „Torben-Jannis spielt so gern mit seinem Plastik-Porsche, lass uns mal die FDP für ihn ankreuzen.” Weitaus wahrscheinlicher ist das Entstehen einer Grünen-Dynastie, deren Fortbestand sich irgendwann in der Genetik niederschlägt, so wie „man“ in bestimmten Kreisen schon immer einer Partei treu blieb wie früher die Arbeiter der SPD.

Dampf über der Kloßschüssel

Da kam es gar nicht infrage, auch nur an das Wählen einer anderen Partei zu denken, auch wenn man nicht mehr hinter der Politik der Sozis stand. Die wurden seit dem Frühmittelalter gewählt, das Schicksal kettete jedes Familienmitglied an die Partei, so wie traditionelle Inder an ihre Kaste. In der Wahlkabine hatte man stets das Gefühl, von den Ahnen beobachtet und im Falle des Falschwählens mit einem Fluch belegt zu werden, den noch nicht einmal eine barfüßige Pilgerreise zum Grab von August Bebel wieder aufheben konnte. Und bei der nächsten Familienfeier manifestiert sich Willy Brandt im Dampf über der Kloßschüssel und zeigt mit dem Finger auf dich, um deinen Verrat zu offenbaren. Das sind Verhältnisse, von denen die Grünen bislang nur träumen können, weil sie selbst erst in zweiter Generation zum Zuge kommen.

Die dritte Variante des Gedankenexperiments „Kinderwahlrecht” hat es ebenfalls in sich: Hier soll der Nachwuchs selbst entscheiden, wann er bereit ist, das Wagnis aufzunehmen. „Liebe Eltern, ich habe nun erfolgreich die Vorschule abgeschlossen und bin bereit. Ja, ich weiß, in unserer Familie hat sich noch niemand so früh entschlossen, sich in die gnadenlose Einsamkeit der Wahlkabine zurückzuziehen, aber der Klimawandel und der Ukraine-Krieg zeigen mir die Notwendigkeit, jetzt nicht abseits zu stehen. Als Beweis meiner erfolgreichen Initiation werde ich euch den Bleistift aus der Kabine mitbringen.“ Bereits die Absenkung von 21 auf 18 Jahre als Eintritt ins Erwachsenenleben war nicht unumstritten, denn wirklich auf eigenen Beinen stehen die meisten jungen Menschen in diesem Alter noch nicht. Man lernt zwar schon den Ernst des Lebens kennen, wenn einem klar wird, mit welchen Kosten die erste eigene Wohnung oder ein Auto verbunden sind – aber die meisten Eltern zeigen sich noch gnädig, wenn es um finanzielle Unterstützung geht. Auch strafrechtlich kann man mit 18 noch Glück haben und nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, wenn einem mangelnde Reife bescheinigt wird. Die vollen Konsequenz des Erwachsenenlebens muss man zu diesem Zeitpunkt also nicht tragen.

Kinderwahlrecht ist supi – aber Herabsetzung der Strafmündigkeit populistisch

Wer der Meinung ist, mit Wahlen würde ohnehin nichts bewirkt, der kann einer Absenkung des Wahlalters gelassen entgegensehen. Aber wenn diese pessimistische These stimmte, müssten sich die Grünen schließlich auch nicht um eine wählende Jugend bemühen. Zumindest alle vier Jahre wird gezittert und der Wähler umschmeichelt. Man nimmt das Wahlrecht allerdings auch nicht ernst genug, um daraus die Abänderung anderer Altersgrenzen abzuleiten. Ginge es um den Erwerb von Zigaretten und Alkohol, würden Jugendschützer und Eltern zurecht rebellieren – niemand bei klarem Verstand käme auf die Idee, schon Zehnjährige in eine Bar zu lassen. Umgekehrt gilt es als „populistisch”, das Alter der Strafmündigkeit bzw. die Anwendung des Erwachsenenstrafrechts herabzusetzen, obwohl beides angesichts immer jüngerer Täter nicht abwegig erscheint.

Kinder und Jugendliche das Wahlalter selbst festlegen zu lassen, ist schon ein abenteuerlicher Gedanke – auch wenn ein frühzeitiges Interesse an Politik eine gute Sache ist. Und was geschieht, wenn sich der Sprössling grüner Eltern ganz selbstbewusst entscheidet, einen ganz anderen ideologischen Weg einzuschlagen? Wenn die Rechnung nicht aufgeht, dann wünschen sie sich wahrscheinlich die Prinzipien autoritärer Erziehung zurück: „Hilfe! Mein Kind ist rechts, es wählt die FDP! So haben wir nicht gewettet!”. Spätestens dann sollten die wahren Motive hinter dem Wunsch auf Änderung des Wahlrechts offenbar werden.

15 Kommentare

  1. Was hat Sie geritten, so etwas zu schreiben: „Hilfe! Mein Kind ist rechts, es wählt die FDP!“ Sorry, gnädige Frau, die FDP und rechts? Wo leben Sie gerade?

    • Da links neben den Grünen die Wand ist, ist die FDP selbstverständlich rechts. Da kann der Lindner sich einschleimen wie er will.

  2. @Aber Wahlrecht schon für die Kleinsten?
    wenn ich mich recht erinnere, sollte die praktische Stimmabgabe dann an den grünen Familienberater delegiert werden !
    Das wird auch heute in ähnlicher Form angeboten werden !

    Mein Gegenvorschlag wäre, Wahlrecht and Lebenserfahrung zu koppeln, um der damit einhergehenden Verantwortung gerecht zu werden. Schließlich führen die Wahlen dazu, daß Parteien einige ihrer Politiker in verantwortungstragende Positionen schicken – wie bsp Lauterbach, der dann als „Gesundheitsminister“ das Gesundheitssystem ruiniert und im Gegenzug dann experimentelle Gen-Therapien als Impfungen erzwingen will und die Bürger mit seinen „Maßnahmen“ terrorisiert.

    Ich würde also vorschlagen daß für das aktive Wahlrecht 5 Jahre sozialversicherungspflichtige Arbeit Voraussetzung sind, und für das passive Wahlrecht 10 Jahre.
    Und zwar echte Arbeit – also Beamte, Juristen, Lehrer oder Funktionär jeglicher Art zählt nicht.
    Dann gäbe es wenigstens eine Minimalvoraussetzung für verantwortungsvolle Politiker !

    • Ich fühle mich etwas gekränkt. Wenn ich wieder Wochenlang nachmittags und bis in den frühen Morgen hinein an Hunderten von Klausuren sitze, dann wünsche ich mir die Zeiten zurück, in denen ich als Sachbearbeiterin im Vertrieb (Industrie) abends nach Hause gehen und die Arbeit im Büro lassen durfte. Klar, als Beamter verdient man ab einer gewissen Stufe nicgt schlecht und sollte sich nicht beschweren, dass man eben solche „Überstunden“ nicht bezahlt bekommt. (Das ist übrigens auch in leitenden Positionen in der Industrie so üblich.) Trotzdem fühle ich mich gekränkt, dass Sie mir das Wahlrecht absprechen wollen, weil ich die (nicht immer dankbare!) Aufgabe übernommen habe, Ihren Spösslingen das kritische Lesen und schriftliche Hinterfragen der Staatpropaganda beizubringen. Was übrigens manchmal einer Sisyphosaufgabe gleichkommt.

    • Eigentlich sollten nur Steuerzahler und Rentner, die eingezahlt haben, waehlen duerfen, dass waere dann eine Republick.
      Bei einer Demokratie gewinnen immer die, die eigennuetzig nur fuer ihre Beduerfnisse waehlen, also die Sozial pa******en, die von den Steuerzahlern profitieren.
      Der Wohlfahrt Staat ist der Tod der Demokratie, oder es mit Thomas Jefferson zu sagen:
      „Demokratie, hoert auf zu existieren, wenn Du von denen wegnimmst, die Willens sind zu arbeiten und denen gibst, die nicht arbeiten wollen.“
      „Demokratie ist, wen 51% der Waehler, die Rechte von den anderen 49% wegnehmen.“
      “ Es ist die alte Practik von Despoten, einen Teil der Buerger zu benutzen um den anderen Teil in der Reihe zu halten.“
      „Der Eckstein einer Demokratie beruht auf der Basis einer informierten Buergerschaft.“
      https://www.quotesgeeks.com/thomas-jefferson-quotes-about-democracy/.

  3. Ich sehe einen Zusammenhang zwischen Strafmündigkeit, aktivem und passivem Wahlrecht mit dem Wahlalter.
    In meiner Berufstätigkeit konnte ich auch feststellen, dass Studenten mit Beruf wesentlich besser und orientierter studierten als Abiturienten, denen oftmals sogar Prozentrechnung unklar war.

  4. Saufen mit 9 Jahren könnte tatsächlich helfen.

    Als in Österreich im Jahr 2006 das Komasaufen unter Jugendlichen immer populärer wurde, reagierte die österreichische Politik prompt: Bereits am 14.03.2007 wurde im Ministerrat die Senkung des Wahlalters von 18 auf 16 Jahre beschlossen.

    Aber in Deutschland reicht es vielleicht auch schon 9-Jährigen beizubringen, sich in eine Wählerliste einzutragen.

    „Wer es mit acht oder neun Jahren schafft, sich in eine Wählerliste einzutragen, der kann auch zur Wahl gehen.“ – Heinz Hilgers (Deutscher Kinderschutzbund) am 27.07.2022

  5. Klar, wenn die Kinder erklären können, was parlamentarische Demokratie bedeutet, den Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme schildern können und zudem in groben Zügen das Parteiprogramm der Partei ihrer Wahl zu zitieren fähig sind, warum nicht?
    Allerdings gilt es zu bedenken, dass bei diesen Voraussetzungen auch Millionen Erwachsene ihre Wahlscheine knicken können.
    Gegenwärtig würden mich nur noch vernünftige Vorschläge aus der Politik in höchstes Erstaunen versetzen, man erwartet in der Tat nichts anderes mehr als Hirnfürze und zwar Gyros Pita mit anständig Tsatsiki + 3 bis 5 Weizenbier Hirnfürze.

  6. Ich bin der Ansicht, daß man keiner Ideologie anhängen muß, um wählen zu gehen. Realismus reicht vollkommen. Ansonsten kann ich den Ausführungen beipflichten.
    Darüber hinaus vertrete ich den Standpunkt, das Wahlalter herauf zu setzen, da die Mündigkeit – was ja beinhaltet, die Verantwortung für sein Denken und Handeln zu tragen – erst im Schnitt zwischen 20 und 25 Jahren heutzutage zutage tritt.
    Ebenso halte ich es für angebracht, das Erwerbsalter für den Führerschein auf Probe auf 25 Jahre festzulegen. Ich beurteile dies aus meiner 50jährigen Fahrpraxis heraus.
    Eher sollte man ihnen keinen Zulaß in beiden Bereichen zugestehen.

    Gruß Rolf

  7. ich bezweifle, daß es nur ums saufen geht.
    Unsere politischen Überflieger haben nach ihrer Geschichte bei Kindern ganz anderes im Sinn !
    Und ihr Höhenflug ist durchaus verständlich – denn sie sind die einzigen, die in der letzten Dekade ihren Anhägern geliefert haben !
    Die Fachgebiete in den Kindergärten und Schulen stehen den grünen Interessen am nächsten !

  8. Wahlrecht mit 2 Lenzen gibt es doch schon im bunten Land. In Form von eben z.B. 24-jährigen mit dem Intellekt von Kleinkindern. Eine Fester ist nicht überlebensfähig wenn’s an’s Eingemachte geht. In der Hoffnung, dass der Spuk der vollkommen asozialen und infantilen Berliner Republik bald zu Ende geht, werden viele dieser hirnlosen Mao-Jünger wegsterben wie die Fliegen. Darüber hinaus stelle ich mir die Frage, ob parasitäre Hartz4-Empfänger wählen gehen dürfen (also die Penner, die noch nie etwas geleistet/gearbeitet haben). In dieser komplett verblödeten Gesellschaft ist das Wahlrecht obsolet geworden.

  9. Wenn der Schuß mal nicht nach hinten losgeht ! Jan – Malte das grüne Einzelkind wird vielleicht Grün wählen, aber Achmed und Aische und deren sieben Geschwister ?

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