Ungarn-Wahlen: Souveränität oder Unterordnung? Interview mit Politikberater János Árgyelán

Ungarn-Wahlen: Souveränität oder Unterordnung? Interview mit Politikberater János Árgyelán

János Árgyelán berät in Brüssel Zsuzsanna Borvendég von der ungarischen Heimatspartei Mi Hazánk Mozgalom (Foto:ScreenshotFacebook)

Im Vorfeld der übermorgen, am 12. April 2026, stattfindenden ungarischen Parlamentswahlen richtet sich die öffentliche Aufmerksamkeit schwerpunktmäßig auf das Duell zwischen der Regierungspartei Fidesz von Ministerpräsident Viktor Orbán und der Oppositionspartei Tisza. Doch neben diesen beiden großen Kräften gibt es noch einen dritten Akteur, der nach der Wahl wichtig werden könnte: Die rechte Partei Mi Hazánk Mozgalom („Unsere Heimat“) Wenn nämlich weder Fidesz noch Tisza eine eigene Mehrheit erreichen, könnte sie bei der Regierungsbildung den Ausschlag geben. Bisher trat Mi Hazánk Mozgalom vor allem als rechte Opposition zu Orbáns Regierung auf. Im Europaparlament gehört sie zur Fraktion „Europa Souveräner Nationen“ (“Europe of Sovereign Nations”, kurz ESN), der auch die AfD angehört. Beobachter sagen, dass Mi Hazánk besonders viele Menschen auf dem Land anspricht, die sich von den großen Parteien nicht mehr vertreten fühlen.

Ansage!-Autor Michael Thoma hat mit János Árgyelán über die Rolle der Partei gesprochen, über ihren möglichen Einfluss nach der Wahl und über das, was sie von Fidesz und Tisza unterscheidet. Árgyelán ist politischer Berater der EU-Abgeordneten Zsuzsanna Borvendég.

“Die EU wurde nicht als zentralisiertes Imperium konzipiert!”

ANSAGE: Bei den Wahlen am 12. April findet ein ernsthafter Kampf zwischen zwei völlig gegensätzlichen Visionen statt – sowohl für die politische Zukunft Ungarns als auch für Europa insgesamt. Wird Ungarn ein Staat sein, der seine Souveränität verteidigt, oder einer, der den Anweisungen aus Brüssel vorbehaltlos folgt? Wird Europa aus souveränen Nationen bestehen, oder wird es keinen Platz mehr für Nationalstaaten geben?

JÁNOS ÁRGYELÁN: Die bevorstehende Wahl ist in der Tat eine grundlegende Entscheidung: Souveränität oder Unterordnung. Ungarn muss ein Land bleiben, das seine eigenen Entscheidungen trifft, und nicht eines, das einfach Anweisungen aus Brüssel ohne Diskussion umsetzt. Die Europäische Union wurde ursprünglich als Zusammenarbeit von Nationen konzipiert, nicht als zentralisiertes Imperium. Wenn wir die Souveränität aufgeben, geben wir auch die demokratische Rechenschaftspflicht auf, weil Entscheidungen weit entfernt von den Menschen getroffen werden. Unsere Position ist klar: Europa sollte eine Union souveräner Nationen bleiben, in der Zusammenarbeit besteht – jedoch ohne erzwungene Gleichförmigkeit.

ANSAGE: Wenn es darum geht, die Souveränität zu verteidigen, hat die Partei Mi Hazánk Mozgalom eindeutig mehr Gemeinsamkeiten mit Fidesz als mit Tisza. Planen Sie, dies als Grundlage für eine Zusammenarbeit mit Orbán und seiner Partei zu nutzen?

ÁRGYELÁN: Es stimmt, dass es in bestimmten Fragen – insbesondere bei der Souveränität und bei LGBTQ-Themen – Überschneidungen zwischen Mi Hazánk und Fidesz gibt. Dennoch sind wir eine unabhängige Kraft, und wir haben Fidesz stets dafür kritisiert, die nationalen Interessen nicht vollständig zu schützen, insbesondere in der Wirtschaftspolitik und durch die Zulassung ausländischen Einflusses über multinationale Konzerne. Ein weiterer wesentlicher Unterschied betrifft die Migration: Während Fidesz sich gegen Migration ausspricht, hat die Partei in der Praxis Zehntausende Gastarbeiter – also wirtschaftliche Migranten – nach Ungarn gebracht.

”Zusammenarbeit kein Selbstzweck“

Mi Hazánk lehnt Einwanderung in all ihren Formen entschieden ab, da sie letztlich Löhne, soziale Stabilität und den nationalen Zusammenhalt untergräbt. Insgesamt ist Zusammenarbeit kein Selbstzweck; Prinzipien stehen an erster Stelle. Wir sind bereit, Maßnahmen zu unterstützen, die Ungarn dienen, werden jedoch keine bedingungslosen Allianzen eingehen. Unsere Wähler erwarten von uns, dass wir eine klare, kompromisslose nationale Position vertreten.

ANSAGE: Mi Hazánk hat nach den Wahlen gute Chancen, im Falle einer Pattsituation zwischen Fidesz und Tisza zum Zünglein an der Waage zu werden. Wollen Sie diese Position in möglichen Koalitionsverhandlungen mit Fidesz nutzen? Und bei welchen Themen würden Sie Zugeständnisse fordern?

ÁRGYELÁN: Wenn Mi Hazánk eine entscheidende Rolle bekommt, werden wir diese verantwortungsvoll – aber auch konsequent – nutzen. Wir würden eine Regierung nur unterstützen, wenn sie sich klar dazu verpflichtet, echte Souveränität wiederherzustellen, die nationale Kontrolle über die Wirtschaft zu stärken, Massenmigration in jeder Form zu stoppen und eine ungarische Anti-Korruptions-Staatsanwaltschaft einzurichten, die für echte Rechenschaft sorgt. Außerdem würden wir konkrete Schritte verlangen, um ungarisches Land zu schützen, heimische Unternehmen zu unterstützen und einer weiteren Zentralisierung aus Brüssel entgegenzuwirken. Korruptionsbekämpfung ist für uns kein Schlagwort, sondern eine Grundvoraussetzung für einen funktionierenden Staat. Es geht hier nicht um Posten oder Machtverteilung, sondern darum, dass nationale Interessen nicht unter die Räder kommen. Ohne echte Garantien gibt es keine Einigung.

“Gleiche Bedingungen für alle politischen Akteure”

ANSAGE: In den letzten Jahren hat die EU in beispielloser Weise in die nationalen Wahlen ihrer Mitgliedstaaten eingegriffen. In großem Maß zielen Maßnahmen der EU – etwa die Kontrolle sozialer Medien – darauf ab, Fidesz zu unterdrücken. Spüren Sie im aktuellen Wahlkampf ähnlichen Druck von Regulierungsbehörden?

ÁRGYELÁN: Ja, wir spüren durchaus Druck, auch wenn er oft subtiler auftritt. Die Regulierung sozialer Medien und des digitalen Raums insgesamt schränkt zunehmend die Sichtbarkeit von Stimmen ein, die vom Mainstream abweichen. Das betrifft nicht nur Fidesz, sondern jede politische Kraft, die eine souveräne, konservative Alternative vertritt – also auch uns. Das Problem ist nicht die Regulierung an sich, sondern ihre selektive Anwendung und ideologische Schlagseite. Ein wirklich demokratisches System muss gleiche Bedingungen für alle politischen Akteure gewährleisten.

ANSAGE: Einflussnahme auf die ungarischen Wahlen kommt nicht nur aus Brüssel und einigen Hauptstädten der EU-Mitgliedstaaten, sondern auch von außerhalb der EU – konkret aus Kiew. Es ist kein Geheimnis, dass die ukrainischen Behörden große Hoffnungen auf einen Sieg von Tisza setzen, zumindest in der Erwartung, dadurch 90 Milliarden Euro an EU-Mitteln freizusetzen. Wie ernst schätzen Sie die Gefahr einer solchen Einflussnahme ein? Welche konkreten Schritte könnte die Ukraine unternehmen, um den Sieg eines „wohlgesonneneren“ Kandidaten zu sichern? Und wie beurteilen Sie die Perspektiven für die zukünftige Entwicklung der Beziehungen zwischen Ungarn und der Ukraine?

”Gegenseitiger Respekt und nationale Interessen“

ÁRGYELÁN: Äußere Einflussnahme ist eine ernste und wachsende Sorge, und sie kommt nicht nur aus der EU. Die Ukraine hat klar erkennbare strategische Interessen am Ausgang der ungarischen Wahlen, insbesondere im Hinblick auf finanzielle Unterstützung und politische Ausrichtung. Ein auffälliges Beispiel für Druck ist die Einschränkung der Druschba-Ölpipeline, die faktisch als Druckmittel eingesetzt wurde – nicht nur gegenüber Ungarn und der Slowakei, sondern gegenüber Europa insgesamt. Solche Maßnahmen zeigen, dass Energie für politische Zwecke instrumentalisiert werden kann, was erhebliche Fragen hinsichtlich Souveränität und Sicherheit aufwirft. Einflussnahme kann auch indirekter erfolgen, etwa durch diplomatischen Druck, mediale Narrative und ähnliche Mittel. Was die Beziehungen zwischen Ungarn und der Ukraine betrifft, sind wir der Ansicht, dass sie auf gegenseitigem Respekt und nationalen Interessen beruhen müssen. Ungarn sollte weder in externe Konflikte hineingezogen noch einem Druck ausgesetzt werden, der den eigenen Bürgern schadet. Zusammenarbeit ist möglich, aber nur auf Augenhöhe – niemals durch Zwang oder Erpressung.

ANSAGE: Herr Árgyelán, wir bedanken uns für das Gespräch!

7 Kommentare

  1. @Souveränität oder Unterordnung?
    ja – interessante Frage : wollen sie sich unterwerfen oder für die Freiheit ihres Landes arbeiten ?
    Ist in Deutschland ja keine Frage – ein Unterschied zwischen Deutschland und Ungarn !

  2. Das sind Verzweiflungstaten der Verlierer aus Brüssel und Berlin. Orban wird mit mindestens 10% Unterschied die Wahl gewinnen. Die Ungarn lesen und sehen keine westlichen Lügenmedien. Sie wissen was zu tun ist nächste Woche. Die ungarische Regierung hat die Zivilcourage trotz der EU-Sanktionen mit der russischen Regierung zu sprechen, was eine Auszeichnung verdient. Die EU will heute doch einfach nicht mehr dazu stehen, dass SIE und die USA sowie die Nato 2014 den Putsch inszenierten und somit für den Krieg MITVERANTWORTLICH sind. Das wird heute ignoriert. An Ungarn kann sich der Gesamt-BR ein Vorbild nehmen. Die EU wirft allen Spionage vor und ist selbst kein Haar besser. Zudem mischt sich das Mafia– SYNDIKAT überall ein!

    Und selbst wenn sie am Putsch nicht involviert wären, die Ukraine wurde von ihren eigenen Handlangern als hochgradig korrupt entlarvt und dokumentiert. Warum sollte man diesen Verbrechern Geld geben. Ah ja, damit der Teil ohne das Schweigegeld, direkt in die Waffenindustrie fliessen kann. Es ging nie um das Land Ukraine, nur um die üblichen Verbrecher, die den Planeten krampfhaft versuchen, in ihrem Griff zu halten. Die Freunde Epsteins & Co d.-s. die Planer von Pandemien.

  3. Welch ein schwachsinniger Propaganda-Artikel bei der TAZ über Ungarn:

    Ungarn vor der Wahl
    Vom Gulasch-Kommunismus zur Kleptokratie
    Misswirtschaft, Korruption und der Kampf gegen die EU haben das einstige Musterland zum Sorgenkind gemacht. Dazu kommen Umweltskandale – und das ist noch nicht alles.
    https://taz.de/Ungarn-vor-der-Wahl/!6168938/

    Der bemerkenswerteste Absatz im Artikel von der TAZ, der sowieso nur Lügen und Desinformation beinhaltet:

    „Nur bei zwei Indikatoren ist Ungarn europaweit „führend“: bei der Suizidrate und beim Korruptionsindex. Das vierte Jahr in Folge listet das Anti-Korruptions-Netzwerk Transparency International (TI) Ungarn als „das korrupteste EU-Land“. 2025 rutschte Ungarn nochmals um zwei Plätze auf Rang 84 von 182 untersuchten Ländern ab. Bei Orbáns Amtsübernahme lag Ungarn noch auf Platz 50.

    TI spricht dabei von „systemischer Korruption“ und „organisiertem Diebstahl öffentlicher Gelder“. Dabei gehe es nicht nur um ungarische Steuereinnahmen. Auch „die EU-Gelder, die Ungarn zustehen, werden umgelenkt, gestohlen und für die Bereicherung der Oligarchen verwendet“. Auch István János Tóth sagt: „Orbáns System ist Kleptokratie.“ Der Direktor des Budapester Corruption Research Center hat für die EU-Kommission die Korruption in seiner Heimat untersucht.“

    Tja und wieso verliert die TAZ dann kein einzgies WOrt darüber, wie in Italien seit vielen Jahren Dutzende von Milliarden EU-Gelder versickern?

    Corona-Fonds der EU: In Italien versickerten 150 Milliarden Euro spurlos
    https://nius.de/ausland/news/corona-fonds-eu-italien-versickerten-150-milliarden-euro

    Achja, das liegt ja daran, weil es in Italien zur Gewohnheit geworden ist, dass dort schon immer Milliarden in unsichtbaren Kanälen versickert sind.
    Und außerdem waren ja in Italien in den letzten 16 Jahren viele guten Marionetten der Globalisten an der Macht. Die dürfen das ja.DIe bekanntesten Globalisten, welche in Italien in den letzten 16 Jahren Ministerpräsidenten waren:
    Mario Monti,Matteo Renzi,Paolo Gentiloni und der Ultra-Globalist Mario Draghi

    https://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/italiener-betruegen-staat-um-rund-120-milliarden-euro-zeitung-la-repubblica_id_2402635.html

    https://www.manager-magazin.de/politik/artikel/a-810234.html

    Schon 2009, 2011 2012 gab es viele Berichte darüber, daß in Italien am meisten Steuern hinterzogen werden in der gesamten Euro-Zone. Bis heute hat sich das nicht geändert!
    Italiener betrügen Staat um rund 120 Milliarden Euro
    Die italienischen Staatsbürger haben im Jahr 2009 laut der Zeitung „La Repubblica“ das Finanzamt um rund 120 Milliarden Euro geprellt. Das Blatt berief sich am Donnerstag auf neue Berechnungen. In diesen sei anhand von offiziellen Daten aus dem vergangenen Jahr zurückgerechnet worden, berichtete „La Repubblica“. In den meisten Fällen seien Einkommenssteuer und Umsatzsteuer hinterzogen worden. Die Summe entspricht insgesamt knapp 30 Prozent der gesamten Einnahmen des italienischen Fiskus…

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/steuerhinterziehung-italiener-betruegen-staat-um-120-milliarden-euro-im-jahr-a-810118.html

  4. Ähnlich wie schon in Frankreich und Großbritannien, weil die stimmenstarke traditionsbewahrende Bestandspartei nicht genug liefert bilden sich neue Kräfte mit konsequenterer Ansage.
    Bleibt nur zu hoffen daß dies die Entwicklung stärkt weil sie unzufriedenen Wählern eine bessere Wahl als Abstinenz bietet und die Politik insgesamt mehr auf den richtigen Kurs bringt, ebenso wahrscheinlich ist aber auch daß die neue Konkurrenz durch Zersplitterung entscheidende Stimmen kosten wovon dann fatalerweise nur die Gegenseite profitiert.

  5. Union in der Defensive
    So will die SPD jetzt die Parität ins Wahlrecht drücken
    Erneut soll es eine Wahlrechtsreform geben. Denn nicht jeder gewählte Direktkandidat zieht in den Bundestag ein. Doch die SPD will das nur ändern, wenn alle Parteien gleich viele Frauen und Männer aufstellen müssen. Falls nicht, soll die Schuldenbremse fallen.

    https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2026/so-will-die-spd-jetzt-die-paritaet-ins-wahlrecht-druecken/

  6. orban wird abgewählt wetten,….die EU und die Bundesregierung sind ja mächtig am organisieren was die Ungarn wollen spielt keine Rolle…….