
Fast drei Wochen ist das Bundeswehrgelöbnis vom 20. Juli im Berliner Bendlerblock her, doch die dort von dem iranischstämmigen Schriftsteller Navid Kermani gehaltene Rede bewegt weiterhin die Gemüter. “Sollte eine künftige Bundesregierung Sie in einen Krieg führen wollen, der so offenkundig völkerrechtswidrig und auch politisch desaströs ist wie der jüngste Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran, wird es Ihre Pflicht sein, den Befehl zu verweigern”, hatte Kermani bei seinem im Zuge des alljährlich im Bendlerblock in Berlin stattfindenden Rekrutengelöbnisses zu den jungen Bundeswehrsoldaten gesagt; ein Statement, das für für Diskussion und noch mehr für Irritationen sorgte.
Kermanis Äußerungen wurden aus verschiedenen Gründen für unangemessen und problematisch gehalten. Dies betrifft zunächst einmal den Ort selbst. Der Bendlerblock in Berlin ist eine der symbolträchtigsten Gedenkstätten der Bundesrepublik, die es jedem Redner schon selbsterklärend gebietet, seine Worte mit Bedacht zu wählen. Hier wurden die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 um Claus Schenk Graf zu Stauffenberg unmittelbar nach dem missglückten Attentat auf Adolf Hitler hingerichtet, und hier gemahnt die Bundeswehr an das soldatische Selbstverständnis des “Staatsbürgers in Uniform” und ihre Leitlinie der Inneren Führung. Damit ist der Bendlerblock definitiv der falsche ´Ort, für innen- oder außenpolitische Fragestellungen, Streitereien und Diskussionen abzuwickeln.
“Ein brillierender Intellektueller”
Hinzu kommt weiter, dass ein Rekrutengelöbnis kein Event zur Selbstdarstellung von Gastrednern oder für tagespolitische Bewertungen ist. Dem feierlichen Anlass ist, wie auch dem Ort, Achtung und Respekt zu zollen. Auf der offiziellen Website des Bundesministers der Verteidigung findet sich der Hinweis , dass der diesjährige Ehrengast Navid Kermani “als einer der bedeutendsten deutschen Intellektuellen der Gegenwart brilliert“. Was hat diese Brillanz mit dem Gelöbnis der hier angetretenen jungen Rekruten zu tun? Sind die Rekruten etwa weniger brilliant, geht es hier nicht um sie und ihre Aufgabe für das Gemeinwesen als um die Beweihräucherung eines Intellektuellen?
Was den Inhalt von Kermanis Rede anbelangt, so sind zwei Punkte auseinanderzuhalten. Dem Selbstverständnis der Bundeswehr als Parlamentsarmee gemäß darf – und muss – der Soldat sehr wohl im Zweifel rechtswidrige Befehle verweigern; Soldaten haben nicht blind zu gehorchen, sondern sind ihrem eigenen Gewissen und dem Grundgesetz verpflichtet. Dies ist allerdings seit Gründung der Bundeswehr der “Markenkern“ der Bundeswehr als demokratische, von autonomen Bürgern getragene Streitkraft und entspricht ja gerade dem Wesensinhalt der Inneren Führung. Insofern sagte Kermani mit seiner Erinnerung an die “Pflicht, den Befehl zu verweigern“, in seiner Rede absolut nichts Neues.
Hochsubjektive und einseitige Bewertung der aktuellen Außenpolitik
Was die Behauptung von Kermani anbelangt, der Gegenschlag gegen den Iran sei “offenkundig völkerrechtswidrig”, ist hingegen eine Hypothese und als solche umstritten. Sie wird international diskutiert. Man kann ihr zustimmen, sie lässt sich aber auch widerlegen, etwa mit dem Selbstverteidigungsrecht der Völker gemäß Artikel 51 der UN-Charta. Kermani beruft sich einseitig auf das Völkerrecht und negiert damit das Naturrecht als dessen Basis. Er bestreitet jegliche objektive Naturrechtsordnung: “Denn wenn es kein dem positiven Recht vorausliegendes Recht gibt, weshalb sollte ausgerechnet das Völkerrecht mehr sein als das Ergebnis wechselnder politischer Mehrheiten und Machtverhältnisse?” Gerade aus diesem Grunde lässt sich über das Völkerrecht eben trefflich streiten: Im Iran 2026 soll es gelten, im Donbass mit 80 Prozent russischer Bevölkerung galt es 2014 dagegen nicht und auch 1999 im Jugoslawienkrieg, bei den NATO-Luftangriffen gegen Serbien, nicht. Zuweilen hat man den Eindruck, mit dem Völkerrecht wird oftmals gerade so argumentiert, wie es eben gerade ins eigene Narrativ passt.
Vor allem aber war es eine Ungebührlichkeit von Kermani den jungen angehenden Soldaten gegenüber, ihr feierliches Rekrutengelöbnis für seine hochsubjektive und einseitige Bewertung der aktuellen Außenpolitik zu missbrauchen. So müssen sich die Rekruten zwangsverpflichtet und still anhören, dass der derzeitige Bundeskanzler Friedrich Merz eine falsche Politik verfolge für das Land, das sie gemäß dem unmittelbar bevorstehenden Gelöbnis dann unter Einsatz ihres Lebens verteidigen sollen. Man kann an Merz viel kritisieren – doch dies war der definitiv völlig falsche Rahmen dafür und stand Kermani hier nicht zu. Die Relevanz des Völkerrechts in einer Zeit des Umbruchs hin zu Drohnenkriegen ist zudem ein viel zu vielschichtiges und schwieriges Thema, um anläßlich der Gelöbnisfeier den jungen Rekruten sozusagen en passant in seiner Wertung im Ton von “…das müssen Sie jetzt aber mal so glauben” hingeworfen zu werden.
Belehrungen fehl am Platz
Hierzu meine persönlichen Erinnerungen: Anfang April 1964 erlebte ich als junger Wehrpflichtiger das Rekrutengelöbnis in Kempten/Allgäu. Eine Stunde zuvor frisch eingekleidet in die Uniform und nun bei Kälte im strömenden Regen auf dem grauen Kasernenhof stehend, wurde zu Beginn der Feierlichkeiten (und später nochmals an deren Ende) die deutsche Nationalhymne gespielt. Dann folgten die Reden des Kompaniechefs sowie des Bataillonskommandeurs. Wie alle Kameraden war auch ich sehr aufgeregt und betroffen, schließlich befanden wir uns im Kalten Krieg mit der Konfrontation der Sowjetunion („rot“) gegen die NATO (“blau”) – und die Bundeswehr war gerade erst wenige Jahre zuvor gegründet worden, also noch sehr jung. Alles war neu und fremd und ungewohnt. Jedes Wort, das der Oberleutnant unserer Kompanie und sein vorgesetzter Major vom Bataillon sagten, bezog ich auf mich selbst, der jetzt hier als unbedarfter Bub, gerade mal zwei Wochen nach dem Erhalt des Abiturzeugnisses in Tübingen, im Kasernenhof in Kempten stand.
Nun stelle ich mir einmal vor, damals, im Jahr 1964 wäre ein aus dem Iran stammender Buchautor wie Navid Kermani ans Rednerpult getreten, vornehm mit Regenschirm ausgestattet natürlich, und hätte mich mit erhobenem Zeigefinger und fast verbissener Mimik (siehe das oben verlinkte Youtube-Video!) belehrt, mich über Kriege irgendwo auf der Welt (die gab es auch damals schon) und über den bösen Bundeskanzler, über das Kriegsrecht und das Völkerrecht vollgelabert. Ich hätte all das in meinem jugendlichen Alter überhaupt nicht verarbeiten können, ja, ich wäre vielleicht sogar durchgedreht – denn was mir die beiden Bundeswehroffiziere in Kempten über den aktuell laufenden Kalten Krieg „rot“ gegen“ blau“ und über meine nun beginnende militärische Grundausbildung mitteilten, belastete mich damals schon genug. Und ich nahm es sehr ernst, wie auch meine Kameraden: Wir diskutierten über die Gelöbnisfeier abends lange noch auf der Stube (zwölf Mann in einem Raum mit vier Dreierbetten übereinander) und auch am nächsten Tag im Zugunterricht. Zum Glück waren damals, im Jahr 1964, die Kasernenhöfe der Bundeswehr im Allgäu all den hochgebildeten und besserwisserischen Kermanis und “brillierenden Intellektuellen“ noch verwehrt.
Ein Gelöbnis ist keine Showveranstaltung
Noch ein Wort dazu, wie es für mich damals weiterging: Nach der dreimonatigen Grundausbildung im verregneten Allgäu verpflichtete ich mich auf verlängerte zwei Jahre Dienstzeit (hätte ich seinerzeit einen Herrn Kermani erleben müssen, wäre dies wohl nicht geschehen). Ich kam am 1. Juli 964 zu den Gebirgsjägern nach Garmisch und Mittenwald, wurde zum 1. Januar 1966 zum Leutnant im Hochgebirgszug befördert und schied Ende März 1966 aus der Bundeswehr aus. Man bezeichnete uns als „Neckermänner“ (wegen des damals bekannten Werbeslogans “Neckermann macht’s möglich”), denn nach 21 Monaten Leutnant und anschließend dann drei Monate Zugführer im einem Hochgebirgszug der 2. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 222 in der Edelweiß-Kaserne Mittenwald zu werden, war eine regelrechte “Blitzkarriere“ – so rasch funktioniert dies heute, im Jahr 2026, wohl sicheer nicht mehr. Es waren zwei sehr anstrengende, wohl aber prägende Jahre bei den Gebirgsjägern der Bundeswehr.
Und noch ein Grund, warum mich das Rekrutengelöbnis am 20. Juli 2026 im Bendlerblock zu Berlin so berührt hat: Ich bin Ende August 1944 geboren – also nur fünf Wochen, nachdem die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 hingerichtet wurden. Dieses Datum hat mich ein Leben lang begleitet. Daher komme ich zu dem Resumée, dass das Rekrutengelöbnis der Bundeswehr keine Showveranstaltung ist, bei der sich irgendein illustrer Schriftsteller oder Buchpreisträger mit seinen altklugen Interpretationen selbst inszenieren kann – sondern ein ganz persönlicher Ehrentag der jungen Rekruten, der in diesem Fall nicht zufällig mit einem national bedeutsamen Gedenktag zusammenfällt. Dieser Tag hat allein den zukünftigen Soldaten zu gehören und niemandem sonst. Diesen jungen Menschen gebührt Respekt – unabhängig davon, ob sie sich für den Wehrdienst verpflichten oder ob sie diesen verweigern und stattdessen einen Ersatzdienst übernehmen.
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10 Kommentare
gezeichnet Netanjahu
„…das soldatische Selbstverständnis des “Staatsbürgers in Uniform”…“ Das bedeutet wohl nicht mehr allzuviel. Oder was haben unsere „unformierten Staatsbürger“ in Jordanien oder in Litauen verloren?
es gibt sie noch ,,,,, politidioten die an eine zukunft glauben,,,hahaha kann weg,,,
do guck na:
Art. 20 GG II. Der Bund und die Länder (Art. 20 – 37)
(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
(2) ¹Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. ²
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum
Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.
Hä? Was war das denn für ein seltsamer Artikel?
„Je mehr die Einzelnen und die Massen ermüden, desto größer wird die Verantwortung, die nur Wenigen gegeben ist. Es gibt keinen Ausweg, kein Seitwärts und Rückwärts; es gilt vielmehr, die Wucht und die Geschwindigkeit der Prozesse zu steigern, in denen wir begriffen sind. Da ist es gut, zu ahnen, daß hinter den dynamischen Übermaßen der Zeit ein unbewegliches Zentrum verborgen ist.“
-Ernst Jünger
Die Bundeswehr ist seitens des GG als Verteidigungsarmee konzipiert. Dieses Konzept wurde spätestens durch die Auslandseinsätze der Bundeseehr durchbrochen. Flankiert wurde das dann mit solch hohlköpfigen Parolen eines SPD-Verteidigungsministers, der behauptete, Deutschlands Sicherheit würde am Hindukusch verteidigt.
Die Rekruten werden auf ein GG vereidigt, das die Politik täglich bricht, biegt und mit Füssen tritt. Dies zu offenbaren war nicht nur richtig, sondern notwendig und dem Anlass angemessen.
…in diesem Land träumen irgendwelche Penner von Kriege die andere unschuldige für sie tragen sollen…..
denkt immer dran dass kriege von den gewollt sind oder werden die sich kennen aber ausgetragen werden diese Kriege von Menschen die sich nicht kennen und dafür sterben!
Es würde vermutlich auf der ganzen Welt keine Kriege geben wenn an vorderster Front die hin müssen die den Krieg wollen!
Das wissenschaftliche Werk eines der bedeutendsten deutschen Intellektuellen der Gegenwart setzt sich insbesondere mit dem Koran und der islamischen Mystik auseinander. Und kann auf Basis dessen dann zu allem und jedem seinen Senf dazugeben.
Ein weiterer klarer Beweis, wie massiv Deutschland in allen Bereichen abgeschmiert ist!
„Abscheu Heuchler, ferne von mir! Besonders du, widriger Heuchler, Der du mit Grobheit glaubst Falschheit zu decken und List.“
-Friedrich Schiller
….ich kann nur jeden der eingezogen werden soll sich zu weigern!
Wofür soll man an die Front? Um solche Pennpolitiker und Islamisten zu verteidigen?
Die sollen selbst an die Front gaaaanz vorne…..das will ich sehen und Windeln nicht vergessen ihr Clowns🤡🤡🤡🤡🤡