US-Abtreibungsurteil: Folgen für den weltweiten Adoptionsmarkt

Glücklich zusammenadoptierte US-Familie: Ab sofort gibt’s vermehrt Kinder aus dem eigenen Land im „Angebot” (Foto:Imago)

Die aktuellen Änderungen im US-Abtreibungsrecht, durch die vergangene Woche die seit fast einem halben Jahrhundert bestehende bundeseinheitliche Regelung gekippt wurde, werden derzeit auch in unseren Medien stark thematisiert. Dabei gerät zumeist aus dem Blick, dass diese in Deutschland seit den 1970ern mit einseitig liberal-feministischer Schlagseite geführte Debatte in den USA eine ganz andere Dimension hat. Denn dort tobt seit dem Roe vs. Wade-Urteil von 1973 ein erbitterter Richtungsstreit zwischen „Pro-Life”- und „Pro-Choice”-Anhängern, der vor allem weltanschaulich-religiös geführt wird.

Und so war auch die nunmehrige faktische Durchsetzung des Abtreibungsverbots – indem eine grundsätzliche Legalisierung aufgehoben wird und fortan die Einzelstaaten auch Verbote beschließen können – im wesentlichen den in den USA sehr stark vertretenen evangelikalen, konservativen Glaubensgemeinschaften zu verdanken (obwohl nicht nur diese Gruppen das Urteil herbeiführten, sondern auch Anhänger eines mächtigen Blocks der Vertreter der State Rights, die in jeder zentralistischen Bundesregelung eine Beschränkung des Rechts der Einzelstaaten sehen und die die seit 49 Jahren herrschende Regelung als Bevormundung des Supreme Court empfanden).

Frage sozialer Spaltung

Wie immer man sich zur Abtreibungsfrage positioniert: Tatsache ist, dass das Verbot gerade in einem sozial tief gespaltenen Land wie den Vereinigten Staaten in jedem Fall dazu führen wird, dass viele finanziell und bildungsmäßig schlechter gestellte Frauen und Familien in den republikanisch geführten Staaten, die nun Abtreibung generell judizieren werden, viele ungewollte Kinder bekommen werden, die ohne Liebe und/oder im Elend aufwachsen – während sich für die besser Situierten nicht viel ändern wird; es wird nur etwas unbequemer, weil sie ihre Abtreibungen dann eben in „liberalen“ Staaten durchführen lassen. Sie können es sich leisten, durch die USA zu jetten und in Privatkliniken den einen oder anderen „Lifestyle-Eingriff” durchführen zu lassen.

Das Urteil dürfte aber ebenfalls dazu führen, dass es auf dem in den USA schon sehr angespannten Adoptionsmarkt jetzt zu einer merklichen „Deckung der Nachfrage“ kommen wird. Denn es gibt auch in den USA sehr viele wohlsituierte Menschen, die keine Kinder (mehr) bekommen können oder wollen, und sich eine Adoption eines oder auch mehrerer Kinder wünschen. Bislang blieben die meisten Adoptionswünsche im Inland ohne Erfolg, weil es in den USA nicht genügend Angebot gibt. Auch wenn nicht jeder Amerikaner dort im Stile einer Madonna oder einer Angelina Jolie durch die Dritte Welt tingeln und sich Wunschkinder gegen „Ablösesummen“ zusammenadoptierten konnte, so ist doch ein beträchtlicher internationaler Adoptionsmarkt für wohlhabende US-Bürger entstanden, die im Ausland Kinder gegen Zahlungen adoptieren. Der so generierte Devisenfluss war nicht unbeträchtlich.

„Kindeshandel“ bricht weg

Es war auch diese reiche und einflussreiche Klientel, die im Hintergrund ebenfalls mit Hochdruck auf die Politik und das Gericht Einfluss genommen hat, um die nunmehrige Grundsatzentscheidung herbeizuführen und entsprechenden  Gesetzesänderungen Vorschub zu leisten, in deren Folge nun „unglücklich geborene“ Kinder ohne Zukunft soziale Brennpunkte fluten werden – womit die Wunschkinder fortan wieder verstärkt aus dem eigenen Land kommen dürften. Dieser Aspekt wird in der europäischen Berichterstattung meist nicht wahrgenommen. Und weil die ausländischen Adoptionsmärkte – durch die nun verstärkte Nachfragebefriedigung im eigenen Land – zusammenbrechen, hat das geänderte US-Abtreibungsrecht auch  tiefgreifende Folgen für andere Staaten und Kontinente – wie immer man dies nun moralisch bewerten mag. Fakt ist: Es gibt in Drittweltstaaten, und auch anderswo, viele meist ärmere Menschen, die ihr Kind gerne weggeben, wenn sie wissen, dass es damit bessere Chancen im Leben haben wird. Es gibt aber auch Menschen, die ihre Kinder nur wegen eines finanziellen Vorteils „verkaufen“.

In vielen Fällen stellt eine Adoption sogar einen regelrechten humanitären Gnadenakt dar; so werden etwa in Indien alljährlich viele Mädchen umgebracht, weil sie für ihre Familien als drohende finanzielle Belastung gelten. Und in weiten Teilen Afrikas droht jungen Frauen durch Genitalverstümmelung nach wie vor ein Leben voller Qualen und Schmerzen. Durch Adoptionen westlicher Familien – gerade in den USA – konnte bislang wenigstens ein Teil dieser Opfer gerettet werden. Dies, obwohl dieser „Kinderhandel“ und der Adoptionsmarkt in vielen der Herkunftsstaaten der Adoptierten über mafiöse Strukturen oder sogar Regierungskriminalität abgewickelt wurden. Fakt ist: Weniger Abtreibungen bedeutet ein Vielfaches an „verfügbaren“ Adoptionskindern im eigenen Land.

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14 Kommentare

  1. niemand ist heutzutage mehr gezwungen schwanger zuwerden!

    ausnahmen wie inszest und vergewaltigung natürlich ausgenommen.

    „my body my choice“ zeigt nur, wie ignorant man ist. es geht eben nicht um „my body“ sondern um den einer anderen person, dem ungeborenen.

    die pharmaindustrie wird natürlich stimmung für abtreibungen machen, sie benötigen föten z.b. von „planned parenthood“. die videos dazu, die belegen, wie man abgetriebene körper en masse bestellen kann, sind ekelhaft.

  2. Ein Kind aus Afrika wurde gerettet, dafür ein anderes in Amerika im Mutterleib geshreddert. Wo ist der Unterschied?

  3. Wenn man den Artikel liest, dann scheint die Abtreibungsproblematik vor allem eine ökonomische zu sein. Womöglich werden Kinder, wenn sie erst wieder zahlreicher sind, nicht mehr so sehr als knappes Wirtschaftsgut betrachtet. Inflationäres Auftreten von Kindern lässt vielleicht so manches Geschäftsmodell kollabieren.

  4. Ob das so ist oder nicht, sollte hier zweitrangig sein.
    Erst einmal ist der brutalen Abtreibungs-Industrie (schlimmer Begriff) im eigenen Land (Planned Parenthood etc.) und somit dem fötalen Gewebe -und Organhandel ein Riegel vorgeschoben worden. Was sich weiter entwickelt, wird die Eigendynamik, die dieser Entscheidung folgen wird, zeigen. Abgesehen von den empirischen Fakten aus der Vergangenheit.
    Es ist leider so, daß der Mensch (noch) nicht die Weisheit besitzt, daß seine Entscheidungen als ultimative Lösung der jeweiligen Probleme anzusehen sind. Punkt

    Gruß Rolf

  5. Das der Kindeshandel wegbricht, denke ich nicht. Kinder werden nur noch mehr zu Opfern. Und es ist egal ob einheimische oder ausländische Kinder. In den USA haben eh nur Kinder mit Eltern Entwicklungsmöglichkeiten, wenn die auch Zahlungskräftig genug sind. Der illegale Markt für Kinderhandel Prostitution und Sklavenarbeit wird neu aufblühen. Das allerdings stimmt! Er wird nicht nur die USA betreffen. Das können wir heute schon sehen. Wir leben in einer geisteskranken Kinderfeindlichen nur auf Profit ausgerichteten Welt, in der die Kinder und die Schwachen immer mehr zum Spielball der Herrschenden gemacht werden. Ich schau mir die Programme zur „Schulbildung“ und die „Gesundheitsplanung“ „Energie und Wasserwirtschaft“ an und weiß hier werden devote Sklaven heran gezüchtet, die bald auch keine Wohnung mehr brauchen, weil sie diese eh nicht mehr bezahlen können. Und ein großer Teil der Bevölkerung in Deutschland Europa und der Welt trägt das mit. Schlimmer noch sie finden es gut und würden Kritiker lieber früher als später dem Feuer der Ketzerei überlassen. Das Mittelalter war ein Sch…dreck dagegen. Die technische Revolution macht möglich was nur im Kapitalismus möglich ist. Weil nicht der Mensch sondern der Profit im Mittelpunkt steht. Egal was sie euch einreden wegen Neuanfang. Es bleibt immer das selbe Verblödungsspiel, eines Sogs der die Menschen immer tiefer in den Abgrund zieht. Und das ändert sich auch nicht mit dem Erhalt dieses „Werte System“ das seine Menschen wertlos macht. Allein das zu erkennen müsste die Leute schon elektrisieren. Denn es geht um sie und ihre Zukunft unter der Knute einiger weniger. Aber es elektrisiert zu wenige. Zumindest ist es noch nicht sichtbar, auch wenn die Widerstände deutlich werden. Die Menschen finden keinen Halt mehr. Weder in Parteien und Organisationen noch in der Wirtschaft, oder Gesellschaft. Sie entfremden sich und lassen sich entfremden. Das heißt, es wird Zeit sich neu zu orientieren und den organisierten Kampf gegen die wirklichen Feinde der Menschheit zu führen. Ansonsten werden sie uns in den Kampf führen gegen uns selbst. Unser organisierter Kampf von heute, ist auch die einzige Lösung für die Generationen der Zukunft. Und Solidarität im Volk nicht nur bei Katastrophen, ist die allererste Grundvoraussetzung etwas zu verändern. Nur gemeinsam sind wir stark. Das ist keine Parole, das haben vorangegangene Genrationen schon bewiesen. Und we Kinder will, ist ihnen diesen Kampf schuldig.

  6. Übelste ZDF-Propaganda: Abtreibungsverbote verwandeln die USA in einen Talibanstaat
    USA-Korrespondent Elmar Theveßen ist bekannt für seinen Hass auf Donald Trump, überhaupt auf alles Konservative in den USA und dem Rest der westlichen Welt. Bekannt ist er allerdings auch dafür, seine knallharte Ideologie hier und da zu relativieren und das Gift seiner Worte in scheinbare Selbstzweifel und Abschwächungen zu verpacken. So auch gestern Abend, als er unter der Überschrift “Die Talibanisierung Amerikas” ein Horrorszenario über die künftige Entwicklung der Rechte der Frau in den Vereinigten Staaten entwickelte.
    https://www.zdf.de/nachrichten/politik/usa-abtreibungsurteil-kommentar-100.html

  7. Abtreibung ist Mord. Nur noch als Anmerkung: Die Frau im Westen haben immer noch das Recht zu verhüten und den Mann selbst auszusuchen, mit dem sie ins Bett geht. Und es gibt noch das Recht auf Scheidung. Ich möchte nur noch an wichtige Textpassagen der Gesetzestexte aus den von Republikanern regierten US Buidnestaaten erinnern. Dort wo die Abtreibung offiziell verboten ist, ist die Abtreibung nicht verboten worden, so wie es unsere gleichgeschalteten Medien behaupten. Selbst in den ultra-konservativen von Republikanern regierten US Bundesstaaten dürfen die Frauen legal abtreiben, wenn die Schwangerschaft als Ergebnis einer Vergewaltigung, Inzucht oder in einer illegalen Kinderehe zustande gekommen ist. Die Abtreibung wurde in den USA nicht verboten!

    Viel größer sind die Probleme unter Frauen aus archaischen Migrantenfamilien, was Partnersuche angeht: Jungfräulichkeit bei Frauen,Ehrenmorde, Inzucht, Kinderehen, arrangierte Ehen, Zwangsehen.
    Die Frauen aus den archaischen Migrantenfamilien weigern sich meistens von ihren gewalttätigen Männern scheiden zu lassen. Diese Frauen müssen um ihr Leben fürchten (Ehrenmorde) und die dürfen nicht einmal selbst entscheiden, welchen Mann sie heiraten wollen (Zwangsehen, Kinderehen).
    Was machen unsere linksliberalen gleichgeschalteten Medien? Die ignorieren solche Problemen und Themen und plappern lieber die Lügenpropaganda der
    Linksliberalen Demofrauds udn militante FeministInnen und MeToo-AktivistInnen nach, dass die alten weissen Männer aus dem Westen an allem schuld sein sollen.
    Wer ist denn dafür verantwortlich, dass nach den Silvesterübergriffen fast alle Täter (Migranten) von der Justiz verschont wurden bzw. diese Straftäter ungestraft gevongekommen sind?
    Ganz sicher nicht die AFD oder CDU/CSU, sondern eher die Grünen und die SPD, die nach dem Aufflammen der Diskussion über die kriminellen Nafris sich sofort schützend hinter die Nafris hingestellt hatten!

    • Was die archaische Sippschaft anbelangt, so sollen sie ihre Probleme in ihren eigenen Territorien unter sich ausmachen. Wir haben genug eigene Probleme. Punkt

      Gruß Rolf

  8. Das Kinder aus anderen Laender adoptiert werden, ist doch Schickeria Sache a’la Madonna oder Jolie.
    Auch reiche Oberklassenfamilien, LBGTQXZ, oder Leute die zeigen wollen , wie liberal sie sind adoptieren gerne Kinder aus China(weil intelligen) Indonesien, Indien, Russland oder Schwarafrika, nicht so gerne schwarze Kinder aus dem eigenen Land, denn damit kann man nicht angeben.
    Das hier in den USA ein Mangel an Adoptivkindern herrscht, kann ich so nicht bestaetigen.
    Seit 25 Jahren lebe ich hier im Nordosten, in einer Kleinstadt, mit ca.35 000 Einwohnern.
    Das oertliche Kinderheim des Counties, ist voll mit Kids zwischen 17und 1 Jahr. Freunde arbeiten in diesem Heim, so kenne ich etwas die Umstaende.
    Auch gibt es viele Fosterfamilien, die ganze Geschwistereihen aufgenommen haben. Die leiblichen Eltern der Kinder sind meistens Druggies. Mir ist eine Frau bekannt, die an einer Ueberdosis starb und sechs Kinder im Alter zwischen 12 und 2 Jahren hinterlassen hat.
    Im lokalen Fernsehn wird uebrigens immer wieder fuer Adoption und Fostern auch von Teenagern geworben.

  9. RE: „Abtreibung ist Mord.“ Das wird nicht wahr durch protzige Wiederholung, zeigt nur, daß die verbohrten Anhänger (aus den dumpf-reaktionärsten, sexual- und frauen-feindlichsten Kreisen des Christentums, Konservatismus, Nationalismsus) dieser These im Wahn leben eines eigengemachten Konstruktes vom vollen Menschen, voller eigener Rechtsperson der Leibesfrucht, die lediglich werdender Mensch ist! – Und nur komisch, daß die betroffenen Frauen, die dann in empfundenen oder echten Notlagen abtreiben, das schon seit Jahrhunderten millionenfach anders sehen und sich über die aus faktenfern-halluzinativen Axiomdogmen kommenden Verbote hinwegsetz(t)en und dieses Handeln keineswegs als Mord empfanden, empfinden! In der BRD gibt es den Abtreibungsstreit auch schon längst seit den 50ern, als Bevölkerungsrückgang und Überfremdung noch nicht virulent waren. Und hat Pro und ANTI ZUR ABTREIBUNG NICHTS ZU TUN MIT DER ZIVILRECHTLICHEN LAGE VON FRAUEN IN UNTERSCHIEDLICHEN KULTUREN, GESELLSCHAFTEN!

    • Ich stimme ihnen in dieser Frage im wesentlichen zu. Das Thema darf nicht mystifziert und politisiert werden. Das betroffene Mädchen und die betroffene Frau müssen im Mittelpunkt dieser Entscheidung stehen nicht die nationalen und politischen Interessen. Nur leider wird dies in diesem System nie erfolgen. Denn Gleichberechtigung und seine Auslegung hat nicht nur was mit Mann und Frau, sondern mit Klassen und Schichten in dieser Gesellschaft zu tun.

  10. DOKU
    Karsten Dörre / 27.06.2022

    Selbstverständlich ist es ein Eingriff in die Privatsphäre vorzuschreiben, wie man wann sexuelle Kontakte habe und was vorzubereiten sein müsse (krasser Gegensatz die Verantwortung des Mannes bei Hure, Nutte, Prostituierten). Ungewollte Kinder wurden in früheren Jahrhunderten so schnell und so gut wie möglich todkrank gemacht oder ausgesetzt , z.B. klösterliches Findelhaus. Solch Findelhaus war keineswegs die Erlösung für das Kind. Wenn man Pech hatte, war das ungewollte Kind fünftes Rad in der Familie und wurde so vernachlässigt, dass es im Schweinestall aufwuchs und der Dorftrottel wurde, dem man bei nötigen Bedarf (z.B. gewolltes Kind starb bei Geburt) übernatürliche Kräfte zuschrieb, um ihn bei Nacht und Nebel erschlug und loswurde.

    https://www.achgut.com/artikel/abbrechen_oder_nicht_abbrechen/P70#comment_entries

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