Verkehrte Welt: Die „taz“ verteidigt jetzt die USA

Selbst linke Spontis verteidigen jetzt den Westen und die NATO gegen Russland – bis zum bitteren Ende (Symbolbild:Pixabay)

Da muss sich Karl Marx vor Schreck erst einmal hinsetzen: Im Kontext der Sabotage der Nord-Stream-Pipelines nimmt ausgerechnet die „taz“ jetzt den imperialistischen Klassenfeind USA in Schutz! Das ist grundsätzlich natürlich legitim – aber doch recht ungewöhnlich für ein stramm linkes Blatt. Fast so, als würde das Neue Deutschland plötzlich McDonald’s als kulinarisches Ereignis bewerben oder die Vogue Mode von C&A auf ihren Hochglanzseiten mit dicken Models präsentieren. Seitdem sich im Playboy die Damen nicht mehr nackt räkeln, steht die Presselandschaft offensichtlich Kopf. Im großen Nord-Stream-Krimi stehen weder Gärtner noch Butler als Verdächtige bereit; bei der Frage nach Motiv und Gelegenheit haben die USA die Nase vorn. Auch wenn das kein Beweis, sondern lediglich ein Anfangsverdacht ist, muss nun auch Hauptgegner Putin um jeden Preis in den Topf der Verdächtigen geworfen werden. Ein nachvollziehbares Interesse an der Sprengung der Pipelines fehlt zwar in seinem Falle vollends –  aber dann bastelt man eben schnell eins: Es ginge ihm um die „Spaltung Europas”.

Seltsame Erläuterungen sind in jüngster Zeit an der Tagesordnung, was mich – wieder einmal – dazu bewegt, einen Blick auf die Grünen zu werfen: Annalena Baerbock etwa ist jetzt nicht mehr nur Expertin für Rüstungsgüter aller Art, sondern auch Islamwissenschaftlerin. Im Bundestag erklärte sie, Frauen würden im Iran nicht um der Religion willen verprügelt, wenn sie keine Kopfbedeckung tragen wollen. Vielmehr habe dies nur mit allgemeiner Frauenfeindlichkeit zu tun. Vielleicht gehen die Mullahs in ihrer Vorstellung als „alte weiße Männer“ durch, weil einige von ihnen weiße Turbane tragen? Wenn man das als Grund angeben könnte, warum so etwas immer nur in muslimischen Ländern geschieht, dann wäre es ein gelungener Coup (und der Prophet Mohammed fein heraus). Mit den „alten weißen Männern“ stimmt das Feindbild wieder – doch leider passieren solche Fälle eben vorwiegend in muslimischen Ländern, deshalb kommt Frau Baerbock auch nicht unwidersprochen damit durch.

Diskreditierung jeglicher sachlichen Diskussion

Das passende Feindbild ist derzeit ohnehin die Leitlinie aller politischen und medialen Äußerungen – auch deshalb, weil es damit einfach ist, jede sachliche Diskussion von vornherein zu diskreditieren: Dieser Feind mag tatsächlich ein übler Unmensch sein und einiges auf dem Kerbholz haben; das erleichtert es aber ungemein, alles, was aus seinem Umfeld kommt, als grundsätzliches Teufelswerk zu markieren. Manchmal kann man durch Beharrlichkeit diese Mauer durchbrechen: So lange sich nur ein paar hundert Leute zu den Montagsspaziergängen trafen, war es viel leichter, sie als „Spinner“ und „Radikale“ oder gar „Verfassungsfeinde“ abzutun, wie Innenministerin Faeser es seit Monaten versucht. Je mehr Menschen aber gegen den Preiswahnsinn und die Energiekosten demonstrieren, desto eher sehen auch andere mit den eigenen Augen, dass hier sehr wohl auch ihre friedlichen Nachbarn unterwegs sind.

Zwar versucht die Gegenseite noch immer die üblichen Register der Diffamierung zu ziehen („Da laufen auch Nazis mit!„), aber gleichzeitig springt die Linke auf die Protestwelle auf. Auch die Bundesregierung weiß: Lange kommt sie nicht mehr mit ihrer Politik durch. Zumindest durch den Winter muss sie sich irgendwie mit ihrem „Doppelwumms“ mogeln, in der Hoffnung, dann würden sich die Bürger schon wieder beruhigen. Leider zeigt die Erfahrung der letzten Jahre, wie leicht und bereitwillig sich die Bevölkerung derart einseifen lässt. Früher störte mich das planlose Geschimpfe auf „die da oben“ ungemein, weil es sich die Menschen damit zu einfach machten, wie ich glaubte. Heute wäre ich schon mit derlei Grummelei glücklich, weil darin wenigstens ein Hauch von Rebellion steckt.

Den „richtigen” Schurken finden

In die angespannte Lage platzte die Sabotage von Nord Stream buchstäblich wie eine Bombe. Würden wir argumentieren wie die politische Elite unserer Zeit, dann dürften wir nun auch Luisa Neubauer zum Kreis der Verdächtigen zählen. Denn hatte sie nicht angekündigt, eine Pipeline sprengen zu wollen? Natürlich wäre das Unfug, denn Fräulein Neubauer erzählt viel Unsinniges in den Medien. Sie besitzt auch nicht die notwendige Ausrüstung für einen solchen Anschlag. Aber hält so etwas die Gegenseite von Verdächtigungen ab? Eher nicht – denn es kommt nicht auf das Herausfinden der Wahrheit an, sondern darum, den „richtigen“ Schurken zu finden, um die Debatte in die richtige Richtung zu lenken. Wer Argumente für dessen Unschuld einbringt, ist automatisch sein Mitstreiter, so sachlich richtig sie auch sein mögen.

Es gibt sicherlich genug, was man Putin ankreiden kann; dazu braucht es aber keine ominösen russischen Fischkutter, die plötzlich in der Nähe der Pipelines aufgetaucht sein sollen. Auch wenn die Cui Bono?-Frage kein Schuldbeweis ist, so gibt sie wichtige Hinweise darauf, wer nahezu verrückt sein müsste, um den Anschlag durchgeführt zu haben. Jetzt nur einmal herumgesponnen, Putin hätte seinen Gegnern etwas anhängen wollen: Warum dann nicht einfach eine Turbine beschädigen und das dann ukrainischen Separatisten anhängen? In diesem Fall wäre ich tatsächlich misstrauisch geworden, aber es hätte wenigstens einen Sinn ergeben. Es sollte endlich wieder eine saubere, kriminalistische Herangehensweise bei derartigen Anschlägen und Attentaten geben, bei der Fakten gesammelt werden und der Täter nicht von vornherein feststeht. Jede Seite will, dass ihr „Lieblingsfeind“ verurteilt wird, ob dieser nun Selenskij, Biden oder Putin heißt. Vielleicht aber war es am Ende doch jemand ganz anderes… einer, den wir derzeit noch nicht einmal im Visier haben? Leider kann man sich nicht mehr darauf verlassen, dass wenigstens die Medien diesbezüglich ihre Arbeit machen. Bei den Regierungen konnte man es in dem Fall wohl noch nie.

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17 Kommentare

  1. kicher In diesem Staat gibt es nichts mehr, was sauber ist. Man wäscht immer nur dreckige Wäsche und die Weiber in dieser sogenannten Regierung sind dabei die Schlimmsten. Jeder, angefangen ganz oben bis in die Chefetagen der Konzerne, der Verbände, von den NGOs ganz zu schweigen, von den Instituten und anderer Wissenschaftler lügen, wenn sie den Mund aufmachen, nur um uns umzuerziehen zu einem Schwab’schen Weltbild. Grüne lügen von Anfang an. Grün ist ihnen Wurschte. Sie sind die größten Kriegstreiber, die Umweltvernichter, Waldvernichter, die Insekten- und Vögelvernichter und jetzt wollen sie gar unser Nutztiere, wie Kühe, Schafe und Schweine vernichten. Die SPD macht das, was sie in ihrer Geschichte schon immer gemacht hat: Verrat an der arbeitenden Bevölkerung. Die CDU und FDP eifern denen nach und stehen dem nicht nach. Nein, es gibt nichts Sauberes mehr in diesem Staat.

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  2. Wieso verkehrte Welt? Es ist ihre Welt. Die Welt derjenigen, die sich links nennen. Die die USA-Demokraten mögen, die Kriege mögen, uns in Katastrophen jagen und uns unsere Lebensgrundlage entziehen wollen. Da passt kein Blatt Papier mehr zwischen den Zusammenhalt mit den USA und der TAZ.

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  3. ein Fehler den fast alle machen, Sie sprechen immer von den USA, doch diese sind ebenfalls gespalten wie nie und das derzeitige Demolaten-Regime ist eine Marionette von den links-grün durchgeknallten Globalisten bzw Industriellen- Finanz-Komplex (Ernst Wolff hat hierzu die weiterführende Erklärung). Die große Mehrheit in den USA denkt sicher anders, aber wie das eben so ist in einer Diktatur, das wird nicht gehört, wegzensiert und wie oben beschrieben – Umgedeutelt und vor allem die Masse unter derartigen Streß zu setzen, daß die schlicht abgelenkt sind. Allerdings wie bescheuert muß man in dieser DDR 2.0 sein für Frauenrechte im Iran zu zig tausenden auf die Straße zu gehen und hingegen bei dem drohenden Atomkrieg so zu tun als wäre nichts, da interessiert sich niemand im Geringsten dafür. Eindeutig Realitätsverlust, aber das ist wohl auch so gewollt. Irgendwie Pieks mit Doppelwumms das Ganze!

  4. Dass es noch Leute gibt die den Schund lesen ist eine Sache. Dass der Schund in den alternativen reproduziert wird, Ziel verfehlt. Das System und die Systempresse brauchen Feedback, egal ob Negativ oder Positiv. Wird dem System Feedback vorenthalten indem seine Outputs nicht mehr verarbeitet werden stirbt das System.

    Also hört endlich auf bei der Konkurrenz abzuschreiben oder ihnen irgendeine andere Art von Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Wenn ich mich über die Doppelmoral und das Kuckucksland der Neu Liberalen Faschisten amüsieren möchte, kann ich ihre Hirnfürze lesen, tue ich aber nicht.

  5. Wieso seltsam wenn man sich den Werdegang der Grünen betrachtet. Einst riefen die Anhänger der APO „Ami go home“ ein Vorläufer der Grünen und heute sind die Grünen die Erfüllungsgehilfen der USA beim Vernichten der Industriegesellschaft und des Wohlstandes in D. Alles unter der grünen Lackierung. Der Fallscheit größter Ausprägung.

  6. Zum Glück gibt es Amerika, zum Glück gibt es die US-Army und zum Glück sind die USA auf der freiheitsliebenden Seite wie Europa. Denn sonst müsste man in Europa langsam aber sicher anfangen Russisch oder Arabisch zu lernen.

  7. na ja, der TAZ-Schreiberling hat als Renomee:
    „2018, 2017 und 2014 Journalistenpreis „Grüne Reportage“.
    Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.“

    Ein Linien-U-Boot also.

    Die Kommentare zu dem TAZ-Artikel sind hingegen differenziert und lesenswert.

  8. Passt doch!
    Demonrat Xiden, seine marxistische linksaussen Congress women Fraktion, bekannt als „Squad“ mit der Puertoricanerin AOC, der Palestinenserin RashidaTlaib, der Somalin Ilhan Omar und der radikalen BLM Verfechterin Ayanna Pressly, sind TAZ sicherlich symphatisch und Joe’s Aussenpolitik sowieso.
    Kommt halt immer drauf an, wer in USA im WH sitzt.
    Bei Vegetable Joe’s Kriegspolitik, den Fauci gesponserten Versuchslaboren in Ukraine, den Schweinereien von Joe’s Sohn Hunter in Ukraine und seinen China connections, gibts bei den gleichgeschalteten BS Medien der BRD, kaum Info’s, geschweige den Kritik.
    Das ist wie mit dem zeitlich am laengsten kriegsfuehrenden Presidenten der USA Barry Sojeto Obama, den Buntland letztendlich die ganzen Flutlingsmassen zu verdanken hat, keine Kritik und tiefe Buecklinge vor dem Nobelpreis Presidenten.
    Das sind ja alles linke Demokraten und da gibts keine Kritik, denen laesst man alles durchgehen.
    Wehe der poese Trump, der uebrigens keinen Krieg begonnen hat, haette sich dass alles erlaubt. Die “ QuailitaetsJournalisten“ waeren alle mit Schaum vorm Mund, nicht nur haemisch geworden, sondern voellig durchgedreht..

  9. Die taz stammt aus einem negativen Paralleluniversum. Dort ist alles hässlich, dreckig und verlogen. Wer bei der taz auf etwas Gutes hofft, der verschwendet seine Zeit.

  10. Die TAZ ist bereits völlig vom amerikanischen Kapital assimiliert, Besuche bei der Atlantik Brücke wirken immer

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