Donnerstag, 18. Juli 2024
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Vom sicheren Altenteil herab wettert Ex-SWR-Intendant Voss über den ÖRR

Vom sicheren Altenteil herab wettert Ex-SWR-Intendant Voss über den ÖRR

Ex-SWR-Intendant Peter Voß: Späte Offenheit (Foto:Imago)

Angesichts der nicht abreißenden Kette von Skandalen um die linksgrüne Einseitigkeit der Berichterstattung, groteske Gebührenverschwendung und der permanenten Missachtung elementarster journalistischer Grundsätze beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, hat es nun auch der der frühere SWR-Intendant Peter Voß, wenngleich einer der Nutznießer dieses Systems, für nötig gehalten, die desolaten Zustände seines einstigen beruflichen Betätigungsumfeldes in einem Beitrag für die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” zu kritisieren. In „fast regelmäßigen Abständen“, schimpft Voß in erfrischender Offenheit darin, laufe jeweils eine „neue linksgrunzende Sau durchs öffentlich-rechtliche Dorf“. Sein Zusatz, man nicht wisse angesichts dessen nicht, ob selbige nicht „heimlich von der AfD als Wahlhelfer ernährt und gemästet“ werde, fängt zwar die geplatzte Hutschnur sogleich wieder ein – doch immerhin scheint sich hier ein zaghaftes Renegatentum anzudeuten.

In seiner durchaus heftigen Abrechnung wirft Voss der ZDF-Dreckschleuder und Hetzzumutung Jan Böhmermann vor, „längst im Saft der eigenen Polemik“ zu brutzeln. Sarkastisch bemerkte Voß, immerhin habe Böhmermann seine jüngsten Nazi-Rundumschläge nicht im laufenden Programm getätigt: „Es war eine ‚private‘ Äußerung – als ob seiner Bekanntheit, die er wesentlich dem ZDF verdankt, irgendeine öffentliche Äußerung von ihm noch privat sein könnte“, moniert er und nimmt damit eine der Standardausreden von ARD und ZDF aufs Korn, die sich gerne darauf berufen, die hetzerischen Äußerungen, die ihre Mitarbeiter immer wieder auf Twitter und anderen sozialen Medien absondern, seien bloße Privatmeinungen. Zurecht fragt Voß sich, ob das ZDF derartige „private Entgleisungen“ ebenfalls so nonchalant behandeln würde, wenn es sich um „‘rechtspopulistisch‘ gebrandmarkte“ Aussagen handeln würde; eine rhetorische Frage, denn natürlich würde es das nicht. Man würde sich in diesem Fall selbstredend sogleich wortreich distanzieren und sich von dem Mitarbeiter trennen.

“Defizit an Differenzierung”

Was die Nachrichtenformate betrifft, scheint für Voß „nach wie vor bei den eigentlichen Reizthemen – vor allem beim Themenkomplex Migration und Integration und bei der Frage nach der richtigen Strategie gegen die zunehmende Erderwärmung – ein Defizit an Differenzierung zu bestehen“. Bei diesen und anderen Themen ersetzte der „Predigerton“ die nüchterne Analyse. So richtig die Beobachtungen des Ex-SWR-Intendanten über die Zustände beim ÖRR sind, so fragwürdig wie wohlfeil ist der Zeitpunkt ihres Vortrages. Denn hier wiederholt sich das sattsam bekannte Muster, das man auch von vielen Politikern kennt: Erst wenn sie im sicheren Hafen des Pensionistendaseins eingelaufen sind, werden sie plötzlich mutig und machen den Mund auf – was sie sich zu Zeiten, als sie selbst noch von den kritisierten Zuständen profitierten und jahrzehntelang Teil des Systems waren, ohne sich an dessen strukturelle Änderung zu wagen, nie getraut hatten. Im Gegenteil: Sie haben die Missstände selbst laufen lassen, interne Konflikte gescheut, so satte Karriere gemacht und ihre Schäfchen ins Trockene gebracht.

Erst nach ihrem Ausscheiden, wenn sie keine Konsequenzen mehr zu befürchten haben, befällt sie auf einmal die Courage, sparen sie nicht mit Kritik und wissen plötzlich, wie man alles besser machen könnte. Für Bürger – respektive Gebührenzahler – entsteht so fast zwingend der Eindruck, dass die amtierenden Funktionäre unaufrichtig und verlogen sind. Man mag Voß zugutehalten, dass die heutigen extremen Verwerfungen im ÖRR bei seinem Ausscheiden, das bereits 16 Jahre zurückliegt, in dieser Form noch nicht vorhanden waren; auch dass er selbst 2009 aus der CDU austrat, spricht für ihn – wenngleich er damit gegen die Nichtverlängerung des Vertrags des damaligen ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Bender protestierte, die Voß auf das Betreiben des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch zurückführte. Dennoch sind Filz, Sebstversorgungsmentalität und parteipolitische Beeinflussung von ARD und ZDF nicht erst seit gestern ein Problem; man muss sie wohl eher als Geburtsfehler des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bezeichnen. Dass Voß als Intendant – wie wohl die meisten seiner Kollegen in diesem Amt -Mitglied einer Partei war respektive sein musste, und auch er seine Berufung wohl nicht zuletzt diesem Umstand verdankte, ist allerdings damals wie heute ein Ärgernis. Seine scharfe Kritik ist berechtigt, sie atmet jedoch den Hautgout des Opportunisten, der hier ohne persönliches Risiko nachtritt.

6 Responses

  1. schon spaßig – der Gratismut der ehemaligen !
    Hätten sie mal im Amt so gehandelt – so aber beweisen sie nur, daß sie durchaus wissen, was sie zu tun haben, wenn sie ihre Pflicht im Amt erfüllen wollen !
    Wie sie aber damit einzustufen sind, erspare ich mir hier !
    Bin mal gespannt, ob Habeck, Baerbock und Harbarth nach ihren Ämtern wenigstens Gratismut haben !
    Na ja – eigentlich wird es mich nicht interessieren – fort mit Schaden !

  2. Ich konnte diesen Typ noch nie leiden. Ich kann ihn auch heute nicht leiden, auch wenn einiges stimmt. Er hat aber mitgewirkt. Nicht vergessen.

  3. Auf dem Atenteil werden wir noch häufig eine Fülle von “Vergangenheitsbewältigern” erleben, die offenbar doch noch ihren Nachruf irgendwie retten wollen …
    Das erinnert mich irgendwie an die die bekannten Mitläufer, die auch von nichts wussten und ahnungslos einer verqueren Weltsicht anhingen …
    Mut kann man nur zu aktiven Lebenszeiten zeigen – im Altersruhestand entlarven sich Reuebekenntnisse lediglich zu beschönigenden Feigheitsbekenntnissen …

  4. Neue Märchenerzählungen von den Medien:
    Mutmaßlicher Russland-Spion Thomas H.: Verdächtiger Offizier war offenbar AfD-Sympathisant
    https://www.tagesspiegel.de/politik/sicherheitsarchitektur-grundlegend-neu-aufstellen-mutmasslicher-russland-spion-war-offenbar-afd-sympathisant-10288324.html

    Übrigens der Rollator-prinz von Preussen, der angeblich einen Putsch in Deutschland durchführen wollte, soll auch Kontakte zu Russland gehabt haben.
    https://www.kreiszeitung.de/politik/reichsbuerger-razzia-reuss-russland-prinz-kopf-festnahme-frankfurt-verschwoerung-fra-91963069.html

  5. ZITAT: “Erst nach ihrem Ausscheiden, wenn sie keine Konsequenzen mehr zu befürchten haben, befällt sie auf einmal die Courage, sparen sie nicht mit Kritik und wissen plötzlich, wie man alles besser machen könnte.”

    Warum ist das eigentlich so, dass dieselben Leute im Ruhestand plötzlich konsequenzlos vom Leder ziehen können?