Vom Systemkritiker zum Systemschmuser: Ein offener Brief an Didi Hallervorden

Vom Systemkritiker zum Systemschmuser: Ein offener Brief an Didi Hallervorden

Alter schützt vor Torheit nicht? Hallervorden auf Wahlkampftour mit Sven Schulze in Sachsen-Anhalt (Foto:Imago)

Lieber Didi! Was für eine verdammt wilde Achterbahnfahrt der Gefühle hast du deinen treuen Fans im letzten Jahr gegönnt! Wir hatten Tränen in den Augen – zuerst vor Lachen, dann vor Ergriffenheit und jetzt… nun ja, jetzt eher vor kollektivem Fremdschämen und akuter Verwirrung. Was ist bloß passiert? Wo ist der unbeugsame Rebell hin, der sich noch wie ein Fels in der Brandung gegen den Zeitgeist gestemmt hat?

Es war doch alles so schön übersichtlich. Da ziehst du Im April 2025 den Klassiker „Palim, Palim!“ aus der Mottenkiste, feuerst die alten Reizwörter mit „N“ und „Z“ ab und stellst dich unbeugsam gegen den woken Zeitgeist. Rassismusvorwürfe? Pustekuchen! Du hast den Empörungswellen getrotzt und der Welt erklärt, dass diese feinfühligen Schneeflöckchen einfach keine echte Satire verstehen. Wir nickten ehrfurchtsvoll: Endlich sagt’s mal einer!

Der kurze Frühling des Anarcho-Didi

Im Juni 2025 legst du dich dann direkt mit dem Kanzler an: Strafanzeige gegen Friedrich Merz wegen seiner Entgleisungen zum Gaza-Konflikt, Stichwort„Drecksarbeit“. Und Boris Pistorius bekommt für seine martialische Goebbelsche Wortwahl von der „Kriegstüchtigkeit auch gleich noch sein Fett weg.

Im Oktober 2025 setzt du ein Ein musikalisches Denkmal gegen die Kriegspolitik der Regierung unter Friedrich Merz. Mit schlappen 90 Jahren auf dem Buckel hast du den Finger so tief in die Wunde der Mächtigen gelegt, dass es im Kanzleramt gebrannt haben muss. Du warst der unerschrockene Volkstribun. Der archaische Typ des freien Geistes, der sich von niemandem vereinnahmen lässt. Ein echter Held des kleinen Mannes.

Die große Wende: Wenn der Umstürzler zum Wahlhelfer wird

Und heute? Spult man ein paar Monate zurück, reibt man sich entsetzt die Augen. Da steht er nun, unser Mutbürger a. D., Hand in Hand mit dem Establishment. Ausgerechnet du, der du die Regierenden noch eben als Kriegstreiber und Sprachverwirrte gegeißelt hast, machst jetzt Seit‘ an Seit‘ mit der CDU-Prominenz Wahlkampf.  Du flanierst harmonisch mit Spitzenkandidat Sven Schulze durch Sachsen-Anhalt, um für genau die Truppe die Trommel zu rühren, die du monatelang durch den Kakao und sogar vor Gericht gezogen hast.

Das rhetorische Meisterstück: Erst den Machthabern die Leviten lesen – und ihnen kurz vor der Landtagswahl am 6. September als prominentes Maskottchen den Arsch retten. Das ist nicht nur Biegsamkeit, das ist olympiareife Akrobatik!

Eine Flasche vom Fritz für die eigene Fanbasis

Besonders pikant ist die feine Ironie des Schicksals: Ausgerechnet die Wählerschaft, die dich für deinen Kampf gegen die „woke Diktatur“ und deine Kritik am Regierungsapparat als Helden gefeiert hat, bekommt jetzt den digitalen Mittelfinger gezeigt. Du ziehst in den heiligen Krieg gegen die AfD und wirfst dich dafür brav der Altpartei an den Hals.

Klar, Haltung zeigen ist super. Aber erst das Establishment als Teufel an die Wand malen und sich dann als dessen Schutzengel aufschwingen? Das hat schon eine ganz besondere Note von „Palim, Palim! Ich hätte gerne eine Flasche vom Fritz!

Was ist da los, Didi?

Ist es die Altersmilde? Ist dir die Höhenluft auf der moralischen Barrikade dünn geworden? Oder war die Sehnsucht nach einem warmen Händedruck aus den VIP-Logen der Landespolitik am Ende doch größer als der Drang zur Anarchie?

Sag es uns! Denn im Moment sieht es leider ganz so aus, als hättest du nicht nur die Seiten gewechselt – sondern dich selbst gleich mit im Sonderangebot an das System verkauft. Honigmund macht eben doch nicht immer gesund.

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14 Kommentare

  1. Ich war auch sehr verwundert als ich den MSM Artikel las. Erst die grobe Kelle für das heutige ZK der SED und nu gibts Honig ohne Ende. Wie hamse den Didi eingewickelt? Man hört ja so viel von den jungen Pflegern die für die Alten das Kreuz machen oder die Hand führen….wars das? Oder hat der Didi Demenz und lernt ständig neue linke Freunde kennen? Ob er es uns noch sagen kann?/wird? ….und nein böse bin ich dir nicht DIDI dafür bin ich viel zu sehr tolerant um dich zu verurteilen xD

  2. Anscheinend auch ein durchgehendes Muster bei den Granden unserer Zeit: Wie mache ich mich selbst, auf den letzten drei Metern, noch schnell zur kompletten Wurst?

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  3. Vielleicht hat er das auch nur geschickt eingefädelt, vielleicht zusammen mit den Altparteien um seine Fans näher an sich zu binden. Und gibt ihnen jetzt den Weg vor, kurz vor den Wahlen sind seine Fans irritiert und wechseln mit ihm die Seiten. Ich habe nichts dagegen. Ich kann nichts dagegen machen. Diese Demokratie ist als 4-Jahresabstimmung geprägt. Verformt durch Presse, Funk, Fernsehen und Komödie darf der Wähler auch wieder die alten Verhältnisse weiterwählen. Und wenn die Masse weiterhin Kriege finanzieren will und ihre jungen Leute schon mal darauf vorbereitet, wenn sie mit 70 in Rente möchten und keinen Arzttermin bekommen wollen, die Energie nicht mehr bezahlen können oder auch keine mehr kriegen. Die Leute können sich „demokratisch“ dafür entscheiden.

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  4. „Jahre machen nicht weise, sie machen alt.“ (Henry Fonda in „Mein Name ist Nobody“). Solche Filme sind eben nicht nur Märchen.

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  5. Hätte ich nicht gedacht dass er so ein Wendehals ist. Schade , wieder ein Promi mehr der bei mir verschissen hat.
    Rein nach seinem Spruch aus einem seiner Filme :
    „Pfeiffenwichse , ab in die Mülltonne“ !

  6. Merz nutzt CSD-Anschlag für Angriff auf Meinungsfreiheit
    Nach dem radikalislamischen Anschlag auf den CSD erklärt Friedrich Merz „schlechte Witze“ zum Teil der Gewalt. Damit rückt der Bundeskanzler missliebige Äußerungen in die Nähe des Terrorismus und liefert die politische Begleitmusik für Dobrindts Überwachungsstaat.
    https://www.anonymousnews.org/deutschland/merz-nutzt-csd-anschlag-fur-angriff-auf-meinungsfreiheit/

    https://www.tichyseinblick.de/meinungen/friedrich-merz-csd-anschlag-angrif-meinungsfreiheit?amp=1

  7. Ich denke, dass ihn die Rolle „Honig im Kopf“ eingeholt hat und zur Realität wurde, na ja in dem Alter. Schade, wollte schon eine Lobeshymne auf ihn komponieren. Wendehälse gab/gibt es ja mehr als genug in diesem Land. Gab es Druck zu Hause oder trifft die Befürchtung zu, dass die AfD „Kunst und Kultur“ trocken legen möchte, was bei dem Angebot sicherlich zu begrüßen wäre? Der CDU glaubt er anscheinend, na ja, wer nicht hören will muss fühlen. Zwei Generationen mit unterschiedlichen Ansichten/Meinungen. Wieder ein Darsteller mehr, den man nun nicht mehr sehen muss.

  8. Meine Meinung dazu….

    Man hat den alten Mann mutmaaslich gehörig Angst wegen seinem Theater eingejagt!
    „Angeblich wolle die AFD Druck auf nonkonformistische Künstler ausüben und diese dann enteignen“ Solche Denkanstösse werden vermehrt zu Propagandazwecken von interessierter Seite bei etlichen Kunstschaffenden getätigt!
    Hinzu kommen mutmaasliche innerfamilliäre Propaganda-Opfer zum Zuge….

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  9. Man muss nicht lange graben: das Hallervorden Theaterprojekt in Dessau erhielt laut Mitteldeutscher Zeitung ganz erstaunliche Mietnachlässe – die Mauschelei wurde von einem AfD-Stadtrat öffentlich gemacht:
    das mochte der arg Lustige dann doch nicht so…
    Man hört, dass diese Subventionen dann dank CDU und SED sogar weiterverlängert wurden?

  10. Er war schon immer so. Während Corona war er nicht gegen die Maßnahmen, sondern dagegen, nicht auftreten zu dürfen. Er ist ein Schauspieler.

  11. Der Hallervorden war noch nie lustig und noch nie vorne wie hinten.
    Er suchte eine Möglichkeit, wieder ins Gerede zu kommen und fand diese mit seiner Regierungskritik. Schon damals war mir klar: Der will nur wieder in die Zeitung und ins Fernsehen. Marktwert steigern.
    Ansonsten wie Dieter Nuhr. Erst ein bisschen die Regierung und die Grünen kritisieren (weil die gar zu viel Mist machen) und dann mit beiden Füßen nach der AfD treten und gleichzeitig mit beiden Fäusten reinschlagen. Nuhr ist eben auch nur eine linke Medienhure.

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