Von Bratkartoffeln mit Speck und Künstlicher Intelligenz

Von Bratkartoffeln mit Speck und Künstlicher Intelligenz

Zwischen der Kartoffellese und der Quellensuche im Netz bestehen einige Parallelen (Symbolbild:KI)

Ich erinnere mich, wie ich als Kind nach der Schule mit aufs Feld musste zur Kartoffelernte. Bei uns hießen sie Erdäpfel – also die Äpfel, die in der Erde wuchsen. Kleine, mittlere, große – und keiner durfte übersehen werden.

 Dass die Kartoffelpflanzen überhaupt die Widrigkeiten des Jahres überlebten, trotz wochenlangem Regen, Kartoffelkäfern, Pilzen auf den Blättern, kommt einem Wunder gleich. Die praktische Intelligenz der Bauern wusste seit Friedrich dem Zweiten, wie der Kartoffelacker zu pflegen ist. Unkraut jäten diente der Freizeitgestaltung für die Kinder.

Besonders aufregend waren die Lagerfeuer bei der Kartoffelernte: 

Wir warfen ganze Kartoffeln ins Feuer, die Schale wurde regelrecht schwarz, aber es schmeckte. Nach der kurzen Pause gings wieder an die Arbeit. Die Kartoffeln wurden gebückt oder kniend von der Erde aufgehoben und in einen Korb gelegt. Der “Upload” (wie man heute sagen würde) dieser Körbe auf den Wagen erfolgte manuell. Zu Hause angekommen, kamen die Kartoffeln ins “Archiv”, sprich: in den Keller. Und der “Download” vom Wagen in den Keller war wieder Knochenarbeit – vor allem für die Kinder, die mit anpacken mussten. Heute gibt es vollautomatische Erntemaschinen, die den Menschen diese Knochenarbeit abnehmen. Das Zubereiten der Erdäpfel wiederum war eine Frage der natürlichen Intelligenz, die Mutter und Großmutter perfekt beherrschten. Diese schwäbischen Mehlspeisen prägten mich – auch rein äußerlich. Unvergessen waren dabei vor allem die Bratkartoffeln mit Speck.

Knochenarbeit für Schriftsteller

Nun von der realen Kartoffellese zu der digitalen: Wie, dass es seit rund dreißig Jahren Suchmaschinen gibt, die uns dabei helfen, die heißen und kalten Kartoffeln aus den Archiven des globalen Netzes auszugraben! Die oft wundersamen Informationen oder – neutraler – Suchergebnisse müssen dann sortiert, verglichen und gegebenenfalls mit Lexika abgeglichen werden. Erst dann kann das Thema wirklich bearbeitet und mit Fakten aus hundert Quellen geschmückt werden. Wobei auf diesen Web-Äckern leider auch allzu viele faule Früchtchen liegen, ähnlich wie damals auf dem Feld.

Was war das doch für eine schöne Zeit – bis vor etwa zwei Jahren, als man die üblichen Korrekturprogramme zur Seite legen konnte! Man kopierte einfach einen fertigen Text in das Fenster der künstlichen Intelligenz und sagte: „Suche nach Tippfehlern.“ Binnen weniger Sekunden erschien eine Liste, die einen selbst verwunderte – so viele Flüchtigkeitsfehler. Wer es ganz praktisch wollte, sagte der KI einfach: „Gib mir den neuen korrigierten Text.“ Und voilá, der Text war von Tippfehlern befreit.

Mit KI korrigieren – mittlerweile fast unmöglich

Doch manche KIs haben inzwischen ein regierungsfreundliches Eigenleben entwickelt. Dieses korrigiert nämlich nicht nur den zu korrigierenden Text, sondern überarbeitet ihn und baut ihn politisch korrekt um, ohne den Schreiber zu fragen oder zu warnen. Und so wird aus so manchem kritischen oder politisch unkorrekten Text, den man eigentlich nur korrigieren lassen wollte, plötzlich ein völlig anderer; man erkennt sich selbst nicht mehr. Alles, was nach Kritik aussah, alles, was scharf formuliert war, wird in Watte gepackt und zu einem lieblichen Kinderbuch-Text umformuliert. Wer also meint, KI würde einem die Arbeit abnehmen, der kennt die Praxis nicht. Oftmals macht sie noch weit mehr Arbeit, als wenn man sie gar nicht erst bemüht hätte.

Jeder kann heute einen Text von einer Zeitung oder von einem Blog einfach kopieren, ihn in die KI eingeben und die Frage hinzufügen: “Bitte überprüfe, ob der Text mit KI erstellt wurde oder von einem Menschen.” Binnen zehn Sekunden wird der Text mit Millionen anderer Texte verglichen und die Antwort überrascht. Nachfolgend ein aktuelles Beispiel – ein Artikel, den ich am 16. Juni auf dem Portal “MMnews” veröffentlicht habe unter dem Titel: “Benzin bald 20 Cent billiger – Tanker mit Öl unterwegs – dauert aber noch 2 Monate”. Die Prüfung, zu welchen Teilen der Text KI-generiert oder human verfasst wurde, fiel bei der Google-KI Gemini recht eindeutig aus: “Dieser Text wurde fast zu 100 Prozent von einem Menschen geschrieben.

Garantiert rein menschliche Werke!

Die KI liefert auch eine Erklärung, woran man das erkennt: Sie listet “typisch menschliche Merkmale im Text” auf und führt aus: Alltagssprache: Der Autor nutzt lebendige, freche Ausdrücke wie ‚amerikanisches Fracking-Zeug‘, ‚heulen heimlich‘ oder ‚der kleine Mann an der Zapfsäule‘. Ein Computer schreibt von Natur aus sehr steif, sachlich und filtert solche Umgangssprache heraus. Klare Meinung: Der Text bezieht Stellung – er zeigt Mitgefühl mit gestrandeten Seeleuten und äußert deutliche Skepsis gegenüber der Politik. Computerprogramme sind darauf getrimmt, immer neutral zu bleiben und keine eigene Meinung zu äußern. Lebendiger Satzbau: Menschen schreiben mal in langen, mal in ganz kurzen Sätzen, um etwas zu betonen. Der Satz Denn ohne die kleinen Körnchen wächst nur noch die Hälfte auf dem Acker‘ ist ein typisch menschlicher Einwurf. Ein Computer baut Sätze immer streng und fehlerfrei nach Lehrbuch auf, was oft eintönig klingt.

Das Urteil mithin: Ein rein menschliches Werk. Die Nummerierung dient nur der Übersicht. Wortwahl und die persönliche Meinung lassen keinen Zweifel daran, dass hier ein echter Journalist am Werk war. Übrigens gilt das natürlich auch für alle Beiträge, die ich für Ansage! oder andere freie Medien verfasse. Und genau so, liebe Leser, bleiben die Erdäpfel auch am besten: von Menschenhand gepflanzt, geerntet und zubereitet. Mit Speck und ein bisschen eigener Würze. Die Maschine darf gerne helfen – aber den Geschmack bestimmt immer noch der Koch!

5 Kommentare

  1. Ziemlich schwierig der KI/AI auszutreiben das die Seiten auf die sie zugreifen darf ihr Weltbild verfälschen an dem sie sich langhangelt. Ich muss auf die alten Philosophen zurückgreifen Hegel, Kant usw. um ihr zu jeder sitzung neu die Welt zu erklären bevor sie einen Text so wie ich ihn meinte auch korrigiet wieder ausspuckt. xD und das muss ich jeder Sitzung vorausschicken als Script mitlerweile.

  2. Wenn ich 1. Informatikerin und 2. direkt oder „zivilgesellschaftlich“-bei der Regierung angestellt wäre, würde ich der KI die Möglichkeit geben, etwas „konstruktive“ Kritik anzufertigen. Weil eine KI die Grenzen zwischen „konstruktiver“ und echter Kritik nicht verstehen kann – sie denkt ja nicht synthetisch, darum auch die wenig flexible, nie bildhafte Sprache -, müsste ich für jedes Thema und Subthema die skeptischen Sätze in bestimmten Textzusammenhängen vorformulieren. Aber den Rest der Texte könnte ich dann immer noch der KI überlassen und das Endprodukt später alle zwei, drei Absätze in eine bildhaftere, nicht rein technisch herstellbare, Sprache fassen. Auch damit könnte ich mir eine Menge sprachlichen und logischen Fisselkram ersparen.

    Allerdings bin ich alles andere als Informatikerin und alles andere als beim Regime beschäftigt. Weil das so ist, macht es mir Spaß, selbst zu denken und zu formulieren.

  3. Und die haben geschmeckt. Erstmal etwas abkühlen lassen und dann die etwas dicke verbrannte Schicht abkratzen und dann -> Hochgenuß.

    Wir haben vom Bauer auch immer Kaffee (Muckefuck) aus der großen Alu-Kanne bekommen. Dazu eine große Bauernschnitte mit Pflaumenmus.

  4. Krankengeld und Karenztage
    GKV: Bundesregierung prüft offenbar weitere Einschnitte
    Die Finanzlücke der Krankenkassen könnte auf fast 23 Milliarden Euro wachsen. Nun werden in der Koalition offenbar weitere Einschnitte und Belastungen diskutiert.
    Neue Vorschläge: Krankengeld, Karenztage, Praxisgebühr

    Zu den Vorschlägen zählen laut Bericht:

    eine Absenkung des Krankengeldes,
    eine Art neue Praxisgebühr,
    höhere Herstellerabschläge für Pharmaunternehmen,
    eine weitergehende Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze sowie
    Karenztage bei Krankheit.

    Demnach würden Beschäftigte für den ersten Krankheitstag keine Lohnfortzahlung erhalten. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass eine solche Maßnahme zunächst vor allem Arbeitgeber entlasten würde.

    https://www.focus.de/finanzen/krankengeld-praxisgebuehr-karenztage-neue-gkv-sparideen_6a998807-1571-4bb6-8a9f-6e1cd9a74506.html