Von den Freuden des Busfahrens

„Umweltfreundlicher“ ÖPNV (ganz wichtig ist die Maske!) (Foto:Imago)

Zugegeben: Ich gehöre zu den großen Anhängern des Home-Office. Da ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mit dem Auto fahren kann, hieß es für mich einige Jahre, mit Bus und Bahn zur Arbeit zu gelangen. Man wird dort gestählt wie im Bootcamp, und bisweilen geht es auch ähnlich ruppig zu. Im täglichen Berufsverkehr etwa gleicht die Schlacht um einen Sitzplatz einem epischen Katastrophendrama, wenn der letzte Zug in Richtung der Zuflucht vor einem Meteoriteneinschlag zur Abfahrt bereit gemacht wird. Wer bisher noch nichts von „Sozialdarwinismus“ gehört hat, darf ihn nun am eigenen Leib erfahren!

Schüler rammen einem ihre Tornister in die Magengrube, wehrhafte Rentnerinnen zücken den Stockschirm zur Selbstverteidigung und dann müssen auch noch fünf Kinderwagen und sieben Fahrräder in der Busmitte verstaut werden. Rechts und links davon werden Dutzende Fahrgäste auf erstaunlich kleinem Raum komprimiert, was besonders im Hochsommer eine olfaktorische Herausforderung darstellt, da sich die Aromen von abgestandenem Schweiß, üppig aufgesprühtem Parfüm und der letzten Zaziki-Mahlzeit zu einer explosiven Mischung vereinen. All dies sind „Vergnügungen“, die Luisa Neubauer wahrscheinlich bisher entgangen ist, da sie sich andernfalls wohl kaum so lobend über den öffentlichen Nahverkehr äußern könnte:

(Screenshot:Twitter)

Die Realität im „flächendeckenden & günstigen ÖPNV“ ist jedenfalls ganz anders, als sie sich „Langstrecken-Luisa“ vermutlich vorstellt. Im Winter schwitzt man obenherum, während die Füße bei jeder Öffnung der Türen von Polarwinden umweht werden. Inzwischen beginnen, beim Stehen Wange an Wange, die eigenen Hautbakterien mit denen des wildfremden Nachbarn genetische Informationen auszutauschen. Wäre ich noch immer häufig mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, würde ich heute jede Lauterbach-Propaganda glauben, denn ich fing mir jedes einzelne Erkältungsvirus zwischen Viersen und Kempen ein. Der Bus als günstigstes Biowaffenlabor der Welt, das könnte sich Putin nicht besser ausdenken: „Einmarschieren! Die Deutschen testen Kampfstoffe an ihrer Bevölkerung! In tausenden rollenden Laboren!

Verlöre man das Bewusstsein, fiele es keinem auf, denn die Masse hält einen aufrecht. Vor allem, wenn die Fahrgäste um einen herum alle gleichzeitig einatmen. Wohl dem, der es rechtzeitig zur Tür schafft, wenn seine Haltestelle erreicht ist. Mit etwas Pech gelingt einem der Ausstieg erst in einem abgelegenen Gewerbegebiet in Südfinnland, der nächste Bus zurück fährt zwei Wochen später und im Funkloch sitzt man sowieso. Die Mitfahrenden sind in Sekundenschnelle im Nirvana verschwunden. Tatsächlich keimt nun der Verdacht auf, man sei Teil eines vom Bundesamt für Katastrophenschutz erdachten Massenstresstests. Oder wie lässt es sich sonst erklären, dass ausgerechnet der dringend benötigte Anschlussbus im Gegensatz zum eigenen immer pünktlich losfährt oder man höchstens noch dessen Rücklichter sehen kann? Das geht nicht mit rechten Dingen zu.

Abends dann dieselbe Tortur – im Winter friert man stundenlang an einer Bushaltestelle ohne nutzbare Bank, wagt es aber nicht, sich am naheliegenden Kiosk ein Heißgetränk zu kaufen, weil der Bus genau in dieser Sekunde doch noch kommt und gerade einen Wimpernschlag lang anhält. Aber es gibt doch Apps für so etwas? Das mag sein, aber wirklich verlässlich sind sie nicht. Einkaufen muss man auch noch und die schweren Tüten eine Viertelstunde nach Hause schleppen. Ich wette, Luisa Neubauer musste noch nie mit zwei prallgefüllten Taschen und unter den Arm geklemmtem Toilettenpapier nach getaner Arbeit nach Hause ächzen. In ihren Kreisen ist es lediglich üblich, uns zu erklären, wir sollten uns in Anbetracht der weltpolitischen Lage nicht über derlei Luxusprobleme echauffieren.

Korrekte Armut

In Afrika müsse man schließlich auch 20 Kilometer zum nächsten Wasserloch laufen. Das ist zwar korrekt – aber die Lisas, Gretas und Georg Restles dieser Welt würden das selbst auch nicht tun – es sei denn, ein Fernsehteam begleitete sie dabei. Ihr Verstand weigert sich einfach zu begreifen, dass es einen gewaltigen Unterschied macht, ob man sich freiwillig für begrenzte Zeit entschließt, auf etwas zu verzichten oder man es sich schlichtweg nicht leisten kann. Die Arroganz dahinter lässt bei mir ein gewisses Verständnis für die Französische Revolution aufkeimen. Es wirkt einfach ungeheuer „sympathisch“, wenn einem wohlsituierte Menschen sagen, wie man korrekt arm zu sein hat.

Das von mir Beschriebene ist – wenn auch mit kleinen Übertreibungen – der ärgerliche, zermürbende Alltag, in dem man sich oft fragt, wie viel Zeit einem noch für ein bisschen Entspannung, ein Buch oder auch mal einen Kinobesuch bleibt. Am nächsten Tag muss man schließlich schon wieder um fünf Uhr aufstehen, um wieder ins Hamsterrad zu steigen. Es geht hier nicht um das Schüren von Sozialneid – das pralle Konto sei ihnen gegönnt – sondern um die dahinter stehende Heuchelei. Man belehrt uns über Mikroaggressionen und politische Korrektheit, über das Fernhalten jeder Unbequemlichkeit von bestimmten gesellschaftlichen Gruppen. Aber Alltagsschikanen sollen klaglos ertragen werden. Man könnte das als jugendliche Naivität abtun, wenn es nicht längst Teil der etablierten Politik wäre. In der Großstadt – dem Habitat von Luisa & Co. mögen diese Träume von der Verkehrswende noch einigermaßen funktionieren, dort gibt es ein gut ausgebautes Netz. In Kleinstädten sieht es jedoch anders aus – da sitzt man einfach fest. Dort würde sich unsere Luisa nach dem Shopping sehr wundern – und wahrscheinlich erst einmal nach Mamas SUV rufen. Ihre Tipps gelten nämlich nur für uns.

8 Kommentare

  1. Glückwunsch Fr. Lübcke!
    Ganz genau so ist es. – Ein Meisterstück zum Ausdrucken und Einrahmen!

  2. High, ich fahre seit 3 1/2 Jahren nur noch Moped. Vorher habe ich 10 Jahre öffenl. Verkehrmittel benutzt, weil mir der Bezinpreis damals schon zu hoch war. Ich hatte eine rote Preislinie gezogen. Aber 2015 wurde es mir in den Bussen zu laut und riechbar unhygienisch. Das ist natürlich nur mein subjektives Empfinden. Doch was soll sonst bei meiner Entscheidung zählen. Freundlichst Fiete

  3. https://i.redd.it/lu13epyzx7271.jpg
    Ja immer wieder eine Freude,solche Artikel,zu lesen.Mirjam Lübke, Sie haben einen wichtigen Aspekt vergessen.Ohne Impfnachweis oder Test kommen Sie erst gar nicht in diesen Genuss der ÖPNV.
    Ich selbst habe weder „Führer“Schein noch Auto und bin so auf diese Dreck und Virenschleuder angewiesen.Hier bei mir in Berlin scheinen ganze Rumänendörfer eingetroffen zu sein. Steigt man dann in einen Bus oder eine Straßenbahn sitzen deren 10 Kinder, die sie mitgebracht haben überall auf den Plätzen,das nächste Balg ist auch schon wieder unterwegs. Ich als „Einheimischer“ darf natürlich stehen, wo kämen wir denn da hin.Mich kotzt diese tägliche Verlogenheit unserer abgehobenen Politiker ,Hand in Hand mit der Antifa und den Medien nur noch an. Kann ein Volk von über 80 Millionen Menschen nicht mehr klar denken und sich dieser Schmarotzer entledigen? Nicht das C ist das Problem in Deutschland, denn die wirklichen „Viren“Schleudern und deren Ableger sitzen im Bundestag und infizieren mit ihrem Schwachsinn,Zynismus und Hysterie den letzten Geimpften. Die größte Gefahr ist Klabauterbach,deren Zurechnungsfähigkeit vollkommen angezweifelt werden muss. Man stelle sich vor, solch ein Geisteskranker wäre in einem fernen Land Präsident oder Kanzler und hätte den roten Koffer mit den Abschusscode der schrecklichsten Waffen der Welt. Diese Regierung und all die kranken und perversen Ableger davon gehören entfernt.

  4. „In Afrika müsse man schließlich auch 20 Kilometer zum nächsten Wasserloch laufen“. Das muss man in Europa nicht, weil alte, weiße Männer sich Gedanken gemacht haben, wie man das Leben verbessern kann und Dinge erfunden haben.
    Was den Nahverkehr anbelangt: Wenn man auf dem Land wohnt und der dauernd ausfällt, weil irgendeine Weiche oder Oberleitung kaputt ist oder wegen Sturm mal wieder ein Baum über den Gleisen liegt oder wieder irgendein Idiot im Gleisbett herumturnt oder ein „medizinischer Einsatz“ alles aufhält, ist man auf ein eigenes Auto angewiesen. Nicht jede Arbeit kann digital erledigt werden.

  5. Neubauer? Ist das diese wohlstandsverwahrloste Göre mit keinerlei Lebens- und Arbeitserfahrung? Diese Göre sollte mal ohne Geld von Mama und Papa ihr Leben bestreiten. Dann sieht sie mal wie toll es ist im besten Deutschland aller Zeiten. Wderliches Kind…

  6. Das Dumme ist, dass man derzeit, vielleicht forever, gar nicht mit den Öffentlichen fahren kann, wenn man nicht getestet, geboostert oder genesen ist. Da entgeht einem wirklich so einiges, wie beschrieben, oder noch besser. Ich bin froh, dass ich nicht mehr fahren muss, da ich dank diesem Impfterror in den Ruhestand gegangen bin. Wenn ich irgendwo hin muss, fahre ich mit dem Auto, so lang ich es mir noch leisten kann.

  7. Ich habe 10 Jahre „nachhaltige“ Fortbewegung mit Fahrrad, ÖPNV, Bahn (BC50), ab und zu Mietwagen für größeren Einkauf, zelebrert.

    Gedankt wurde es mit miesen Radwegen, hohen ÖPNV Fahrpreisen, Bettlern, Siff, zu späten oder ganz ausgefallenen Zügen, zum Teil absurden Fahrzeiten/Umstiegen für kurze Strecken, nachts fährt fast gar nichts, seit 2015 befremdliche Mitfahrer.

    Mit der Coronaschaizze hat es dann endgültig gereicht und wieder ein Auto gekauft. Neu, klein, fein, unter 5l/100Km, somit auch kaum teurer als vorher, dafür erheblcihe rKomfortgewinn. Und es gilt die 0G-Regel 😀

    Dieses ÖPNV-Bahn-Rad-blabla, wer kann, tut sich das nicht an.

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