Von der Freiheit, die sie meinen

Freiheit in Coronazeiten (Symbolbild: shutterstock.com)

Die Debatte um die Corona-Epidemie nimmt immer bedenklichere Züge an. Im harmlosesten Fall mag man sich damit trösten, dass das, was da so alles vom Stapel gelassen wird, nicht auf die Goldwaage gelegt werden sollte; man solle ja „schwätzen dürfen, wie einem der Schnabel gewachsen ist”, sagte einst Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Dies könnte Sätze von ihm entschuldigen wie jenen, mit der Impfpflicht könne man „den Konflikt aus der Gesellschaft herausziehen” – was immer man in einen solchen Wortsalat auch hineininterpretieren mag. Unmissverständlicher hingegen ist Kretschmanns folgender Satz von dieser Woche: „Damit wir unsere Freiheit wiedergewinnen, ist eine Impfpflicht nötig”.

Er räumt damit immerhin offen ein, dass uns tatsächlich Freiheiten genommen wurden – bis hin zur Bewegungsfreiheit (Ausgangssperren, Bundesnotbremse). Und damit ist sicher etwas anderes gemeint als der Trost in der Bergpredigt, dass die Mühseligen und Beladenen im Jenseits Gerechtigkeit erfahren werden. Nein, im aktuellen Fall nehmen sich Kretschmann und seinesgleichen gottähnlich heraus, Menschen ins Fegefeuer schicken zu dürfen und ihnen dafür die himmlische Freiheit zu versprechen.

Diese fast schon religiöse Ideologie ist zu erklären mit dem politischen Werdegang von Kretschmanns, aber auch mit der „Philosophie” Angela Merkels, wonach der unbestimmte Begriff der Freiheit zu definieren sei als beharrliche Bearbeitung der Köpfe, und damit das Denken der Untergebenen, bis diese alles herrschaftliche Tun als Notwendigkeit erkennen –  was schließlich vom lästigen Nachdenken-Müssen befreie. Es ist ein Freiheitsverständnis, wie es sich im berüchtigten Satz von Friedrich Engels manifestierte: „Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit”. Der machte freilich auf einem anderen Gebiet verdient – etwa beim „Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats”, so der Titel von Engels Hauptwerk. Hegel vertiefte diese Glaubenslehre und philosophierte darüber trefflich, doch richtig salonfähig wurde diese Sichtweise schließlich in der DDR, wo sie im Rahmen der Lehre des „dialektischen Materialismus“ zum Dogma wurde. Durch diese Schule ging übrigens die spätere Kanzlerin Merkel.

Lehre der Alternativlosigkeit

Die inflationär bemühte „Alternativlosigkeit“ von Merkels Politik ist der Ausfluss bzw. eine Variante der undemokratisch missbrauchten These bzw. Gleichung, der Glaube an die Notwendigkeit bedeute „Freiheit”. So gelang es Merkel auch, die Zentralsteuerung der Coronapolitik – entgegen den Bestimmungen des lange vor der Pandemie bestehenden Infektionsschutzgesetzes – an sich zu ziehen, obwohl diese Ländersache war. Dabei hätte ausgerechnet in dieser Krise, bei den doch sehr unterschiedlich betroffenen Regionen Deutschlands mit nicht vergleichbaren Belastungssituationen, die föderale Handhabung statt bundeseinheitlichem Gießkannen-Autoritarismus segensreich gewirkt. Doch nichts da; was kam, war die Bundesnotbremse mit dem Ergebnis eines durchweg kontraproduktiven zentral-autoritären Denkens und Handelns. Die Bescherung haben wir heute.

Kretschmann war (schon altersbedingt) kein Schüler von Merkel, aber er ist unzweifelhaft ein Fan von ihr. Von ihr konnte er viel lernen – kein Wunder, denn sie gingen beide durch die marxistische Schule. Wobei es doch einen kleinen Unterschied gibt: Kretschmann, als der dienstältere Marxist, war einst im Kommunistischen Bund Westdeutschlands, der streng maoistisch orientiert war. Man kann ihm zugute halten, dass er nicht einmal drei Jahre dort wirkte, bevor er dann Gründungsmitglied bei den Grünen wurde. Angela Merkel von der FDJ-Jugend hingegen hatte mit den Maoisten Westdeutschlands nichts am Hut, denn die SED war stalinistisch geprägt. Im Westen hassten und kloppten sich die beiden Gruppierungen – nicht nur rhetorisch. Ich bekam dies in den 1970er Jahren als aktiver Juso in der Arbeiterjugend live mit.

Diese alte Schule hat auch vor SPD-Granden nicht haltgemacht: Auch in sozialdemokratischen Reihen wurden die Absolutisten zahlreicher und rigoroser – und auch hier wirkt Corona entlarvend: Unerbittlich zeigen sich die Genossen sogar gegenüber der eigenen Klientel. “Wir schaffen eine 3G-Pflicht für den Arbeitsplatz – das ist eine weitreichende Maßnahme, weil jetzt jeder, der ungeimpft ist und sich nicht testen lässt, Lohneinbußen riskiert, und wir schaffen die gleiche Regelung auch für Busse und Bahnen. Jeder, der jetzt ungeimpft Bahn fährt und keinen Testnachweis dabei hat, wird aus der Bahn geworfen, und dem droht auch noch ein saftiges Bußgeld.

Freiheit ist Definitionssache

Wir lernen: Der Freiheitsbegriff wird immer wieder neu definiert. Es gab auch einmal eine Zeit in Deutschland, in der der behauptet wurde „Arbeit macht frei“. Die meisten, die ein Tor durschritten, an dem diese Drohung prangte, sahen die Inschrift nur noch von hinten und schließlich gar nicht mehr. Damals waren andere Sozialisten am Werk – die nationalen. Heute ist es nicht mehr die Arbeit, die zur Freiheit führt, sondern: „Impfen, impfen, impfen“. Die Erwachsenen, die selbst darüber entscheiden können, haben dies bereits zu 80 Prozent befolgt – aber eben noch nicht ALLE. Immerhin sind vier Fünftel schon fast eine Quote, wie man sie in einem absolutistischen Gemeinwesen erwarten kann. Auch das Volkslied „Freiheit, die ich meine” begann mit der Sehnsucht nach Freiheit; sie nimmt ab der elften Strophe jedoch eine jähe Wende und verkehrt sich in ihr Gegenteil.

Jetzt bilden sich wieder Schlangen vor den Impfzentren, wo „vollständig Geimpfte“ zur noch vollständigeren Impfung anstehen. Aber nicht nur sie; auch viele „noch nicht Geimpfte” wollen jetzt schnell ihren Stich, weil sie der Diskriminierung nicht mehr standhalten oder sich ebenfalls nach der neuen (alten?) „Freiheit” sehnen. Sie alle werden mit dem Impfstoff gegen die Alpha-Variante gespritzt – auch wenn es diese so gut wie gar nicht mehr gibt -, aber mit keinem wirksamen Impfstoff gegen die Delta-Variante, die längst dominant ist und sich weltweit ausgebreitet hat. Und die, die ganz „ohne“ Schutz bleiben wollen, die sich nicht in die „Freiheit“ impfen möchten? Sie werden faktisch weggesperrt. Nun wird alles gut.

Wird es? Was passiert, wenn diese Strategie ebenso erfolglos bleibt (und dies liegt durchaus im Bereich des Möglichen liegt oder ist gar höchst wahrscheinlich)? Was, wenn die Inzidenzen trotz Volldurchimpfung weit über 80 Prozent – sofern diese nicht schon längst erreicht ist – weiter steigen und sich die Krankenhausbetten weiter füllen? Die Ungeimpften taugen dann nicht mehr als Sündenböcke; denn es gibt sie nicht mehr, oder sie sind viel zu rar. Wer wird dann an ihre Stelle treten?

Steigende Übersterblichkeit

Seit 15 Wochen steigt, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, die Übersterblichkeit gegenüber den Vorjahren an – um bislang gut zehn Prozent. Die wenigsten dieser zusätzlichen Toten gehen auf das Konto der „an oder mit Corona“ Gestorbenen. Es sind Verstorbene mit Thrombosen, Infarkten, Herzmuskelentzündungen, alle „plötzlich und unerwartet” oder „auf unerklärliche Weise” verschieden, oft mitten im Leben stehend und weit vor ihrer Zeit. Dass dieser Anstieg eindeutig zeitlich einhergeht mit dem Beginn der Drittimpfungen könnte Zufall sein, muss es aber nicht. Eine Korrelation muss nicht kausal bedingt sein – doch dies ist hier gut möglich bis wahrscheinlich. Was kommt da noch ans Licht?

Gnade Gott denen, die als Nächste dem Trommelfeuer der Medien und Politiker ausgesetzt sein werden – wenn die Stimmung kippt und so etwas wie ein Tag der Abrechnung, der schonungslosen Krisenbilanz kommt. Allerdings gilt dann auch: Es werfe der den ersten Stein, der keine „Leichen im Keller” hat und „an oder mit” Corona nichts verdient, nicht irgendwie von der Pandemie profitiert hat. Sei es am Maskengeschäft, an Aktiengewinnen der Pharmabranche, als Teilhaber der Herstellerfirmen von Schnelltesten, in der amtlichen Zertifizierung und Durchführung privater Tester, als Helfer oder Spritzarzt in Impfzentren, als Teilhaber der 200 Labore, die PCR-Teste auswerten, oder auch nur beim „Lorbeeren ernten“ für die inflationären, angeblich lebensrettenden Gesetze und Verordnungen und vieles mehr. Das Corona-Tätervolk übersteigt zahlenmäßig die Corona-Opfer wohl schon um ein Vielfaches. So besehen fällt die Steinigung ja vielleicht aus.

 

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7 Kommentare

  1. eine religiös orientierte Diktatur – bin gespannt, wie Merkel aus ihrem neuen Amt auftritt !
    Aber die Corona-Sekte wird bald aufgelöst und durch ein anderes Terrorsystem ersetzt werden !

  2. Noch ein weiser Spruch, der durchaus bis heute gilt:

    »Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.«

    Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

    Schau ich in meinen Bekannten-Verwandten-Kreis, so hör ich halt meistens:
    „Blos ein kleiner Pieks – und wir können wieder reisen, ins Restaurant . . .
    Und wegen deiner Unbeugsamkeit gibt’s die Lockdowns und harte Einschränkungen.
    Lass dich endlich impfen!“
    (Neulich nannte mich einer – im Zorn – sogar Volksschädling!)

    • „(Neulich nannte mich einer – im Zorn – sogar Volksschädling!)“

      Nimm es als Auszeichnung. Du zeigst diesen Menschen doch täglich, wie falsch sie liegen.
      Sie können nicht mehr zurück. Und das ist der Frust darüber, der sich dann entlädt.

      Es gibt keine Unsterblichkeit in der 3. Dimension. Unsere Körper sterben. Aber wir sind nicht diese Körper. Wir sind die Seele, die den Körper steuert. Der Körper wird hier sterben. Die Seele wird es nicht.

  3. “ „Damit wir unsere Freiheit wiedergewinnen, ist eine Impfpflicht nötig”.“
    Ein echter Orwell.Zwang ist Freiheit ,Lüge ist Wahrheit etc.

  4. Die Inzidenz ist bei Gespritzten und Gesunden gleich. Gespritzte wiegen sich lediglich in Sicherheit und lassen sich sehr viel seltener testen. Gut vorstellen kann ich mir auch, dass die Positiv-Ergebnisse von Gespritzen gerne und regelmässig unterschlagen werden. Wer glaubt, dass eine Spritzquote von 100% zum Ende der „Pandemie“ führt, glaubt auch an Osterhasen und Weihnachtsmann.

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