
Dass Julia Klöckner von Format und Charakter her nicht ansatzweise zum Amt der Bundestagspräsidentin taugt, aber umso mehr dafür beklatscht wird, angeblich doch einen so “guten Job“ zu machen, entspricht so ganz der Neigung zur Verherrlichung von Underperformance und Mittelmaß unserer Zeit. Erst letzte Woche bestätigte sie ihre Nichteignung wieder mit ihrer selbstherrlichen Machtanmaßung nach einer Rede des AfD-Abgeordneten Martin Sichert, als sie der größten Oppositionspartei in gouvernantenhaft-autoritärer Manier mit Entfernung aus dem Plenum drohte. Dass sie die Unsouveränität der Bad Kreuznacher Provinzpolitikerin nie abgelegt hat, zeigt sie aktuell auch mit ihrer persönlichen Strafanzeige gegen den Blogger Julian Adrat, der in einem emotionalen Tweet auf X Politiker, die das Hissen der Regenbogenflagge auf dem Reichstag zu verantworten haben, als “Verbrecher“ bezeichnete, da untrem dieser Flagge ”auch verurteilte Pädokriminelle marschieren“ – eine drastische, aber völlig legitime Meinungsäußerung.
Wer Klöckners Sitzungsleitung verfolgt, stellt eine zwar scheinheilig kaschierte, aber unübersehbare Einseitigkeit zuungunsten der AfD fest – bei Ordnungsrufen, maliziösen Bemerkungen und Messen mit zweierlei Maß, was Zwischenrufe und Störungen anbelangt. Ihr Mangel an eigentlich amtsgebotener Überparteilichkeit und Neutralität ist wahrlich atemberaubend; mit dieser Präsidentin schließt sich gewissermaßen der Kreis zu einem berüchtigten früheren Präsidenten im Berliner Reichstag – Hermann Göring. Aber es gab Unterschiede: Göring war handwerklich deutlich besser als Klöckner. Er galt als wirkungsvoller „unparteiischer“ Sitzungsleiter (obwohl er natürlich das Gegenteil war) mit natürlicher Autorität, Ausstrahlung und protokollarischer Ernsthaftigkeit. Seine Stärke lag weniger in parlamentarischer Fairness als in Präsenz, Schlagfertigkeit, Lautstärke und taktischer Beherrschung der Geschäftsordnung. Er verstand den Reichstag als politische Kampfbühne und nutzte das Präsidentenamt gezielt für die Interessen „unserer Demokratie“ nach damaligem Verständnis.
Bewusster Verfahrenstrick
Besonders deutlich wurde das am 12. September 1932: Reichskanzler Franz von Papen wollte die bereits unterzeichnete Auflösungsverfügung des Reichspräsidenten verkünden und hatte nach Artikel 33 der Weimarer Reichsverfassung grundsätzlich Anspruch darauf, jederzeit im Reichstag gehört zu werden. Göring ignorierte jedoch demonstrativ Papens Wortmeldung, eröffnete sofort die Abstimmung über den Misstrauensantrag und berief sich anschließend darauf, dass während einer laufenden Abstimmung keine Wortmeldungen mehr zulässig seien. Das Kabinett Papen erlitt daraufhin mit 513 gegen 42 Stimmen eine spektakuläre Niederlage.
Rechtlich blieb die Auflösung des Reichstags wirksam, politisch hatte Göring Papen aber öffentlich bloßgestellt. Historisch wird dies häufig als bewusster Verfahrenstrick beziehungsweise als missbräuchliche Anwendung der Geschäftsordnung bewertet – doch zeitgenössisch wirkte Göring auf viele Abgeordnete, nicht nur in der NSDAP, durchaus souverän und durchsetzungsstark. Er verfügte über eine kräftige Stimme, reagierte schnell auf Zwischenrufe und konnte turbulente Sitzungen beherrschen. Diese formalen Fähigkeiten darf man ihm wohl zugestehen. Allerdings fehlte ihm völlig das Amtsverständnis eines Parlamentspräsidenten, der die Rechte aller Fraktionen schützt. Im Unterschied etwa zu Paul Löbe verstand Göring sich nicht als überparteilicher Hüter des Parlaments, sondern als nationalsozialistischer Machtpolitiker im Präsidentenstuhl.
Zum bösen Witz mutiert
Nach dem 30. Januar 1933 verlor die Frage nach einer fairen Sitzungsführung ohnehin ihren Sinn; kommunistische Abgeordnete wurden verfolgt oder an der Teilnahme gehindert, die Mandate der SPD später beseitigt und der Reichstag zum Akklamationsorgan der Regierung gemacht. Göring leitete nun keine echten parlamentarischen Beratungen mehr, sondern inszenierte politische Kundgebungen. Bei der Reichstagssitzung nach den Morden vom 30. Juni 1934 stellte er beispielsweise nach Hitlers Rechtfertigungsrede selbst den Antrag, Hitler für die angebliche „Rettung des Vaterlandes“ zu danken; abgestimmt wurde per Akklamation. Das könnte in gar nicht allzu ferner Zukunft vielleicht auch unter Klöckner auch so kommen – denn dieses Parlament ist, auch ohne ein (nach wie vor herbeigefiebertes) AfD-Verbot, erneut zum bösen Witz mutiert.
Übrigens, was kaum bekannt ist: Hermann Göring war länger als die eigentliche NS-Herrschaft Reichstagspräsident – von 1932 bis zum Ende des Dritten Reiches.
Am 30. August 1932 erfolgte seine korrekte Wahl zum Reichstagspräsidenten; er erhielt die Stimmen von NSDAP und KPD gegen den Kandidaten des Zentrums. Der Reichstag wurde am 26. April 1942 letztmals einberufen, formell bestand er jedoch fort bis zum Ende des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945. Erst dann endete auch Görings Amt.
Soviel Zeit für ein neues Tausendjähriges Reich wollen wir dem Klöcknerschen Weingeist gar nicht geben…
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8 Kommentare
Julia Klöckner hat auch im Bösen nicht das Format eines Hermann Göring. Von dieser eher nebensächlichen Feststellung abgesehen (denn stumpfwütige Funktionäre sind auf eine andere Art genauso gefährlich wie extremistische Ideologen), gehen mir die endlosen NS-Vergleiche inzwischen sogar dann auf den Keks, wenn sie berechtigt sind oder jedenfalls „etwas dran“ ist.
Wir schreiben das Jahr 2026.
Das Thema, das die Deutschen am heutigen Tag beschäftigt, sind Reichstagssitzungen aus den 1930ern.
Na, dann macht mal schön weiter damit. Ich mache erst mal ein Schläfchen.
😜
und nach diesen Sitzungen kam der 2.Weltkrieg angezettelt von Hitler und den Vorgängern der heutigen Wichserparteien
Dass man aus der Geschichte nichts gelernt hat, beweist unsere politische Führung täglich aufs Neue. Zwei (verlorene) Weltkriege haben nicht gereicht, dauerhaft friedentüchig zu werden und aus dem ,,nie wieder Krieg“ wurde nix in diesem Deutschland, dass mit Millardenbeträgen eine neue Kriegstüchtigkeit herbeifinanzieren will. Wer aus der Historie nichts lernen will oder kann, wird immer wieder die gleichen Fehler machen. Echt dumm ist das.
es gibt in Deutschland keine überparteilichkeit…..alle vereint gg die AFD.
das ist deutsche Demokratie…..
der Erfindergeist dieser etablierten Möchtegern die das Land in die Ruin getrieben haben sind sich da einig🖕
Drohnen, Orden & Milliarden: Von der Leyen wieder mal in Kiew zu Besuch
Zum zweiten Mal in diesem Jahr ist die umstrittene EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in der Ukraine zu Gast. Und der Besuch in Kiew hat einiges zu bieten. So wird die EU noch tiefer in den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hineingezogen: durch ein milliardenschweres Abkommen für die Produktion von Drohnen. Und für ein Geschenk gibt es immer ein Gegengeschenk. So bekommt von der Leyen vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenski gleich einen ganz neuen Orden verliehen.
https://derstatus.at/politik/drohnen-orden-milliarden-von-der-leyen-wieder-mal-in-kiew-zu-besuch-5122.html
DIe hirnamputierten linbksliberlaen Idioten weidersprechn sich wieder einmalo selbst
Kein Frauenknast für Neonazi
Chemnitz/Meißen (Sachsen) – Neonazi Marla Svenja Liebich (Im Januar 2025 wurde Liebichs Änderung des Vornamens und des Geschlechtseintrages auf „weiblich“ gültig und öffentlich )
soll seine Haftstrafe in einem Gefängnis für Männer absitzen. Das habe die Anstaltsleitung im Frauengefängnis Chemnitz entschieden, teilte das sächsische Justizministerium der Deutschen Presse-Agentur mit.
https://www.bild.de/news/inland/neonazi-liebich-in-maennergefaengnis-verlegt-6a587e6668b3d6515268a5e3
von einem ist das ende schon bekannt…