
Ich gehe am Kudamm entlang. Prächtig gestaltete Schaufenster, Armbanduhren ab 40.000 Euro. Ob sie unsere Lebenszeit anhalten können? Weiter geht es, ohne Eile. Dann sehe ich dieses Plakat: “Vortrag: Wie das Universum dein Schicksal bestimmt. Eintritt 12 Euro. Donnerstag, 19.30 Uhr.” Ich bleibe stehen. Nicht, weil ich an Astrologie glaube, sondern weil ich wissen will, welchen Botschafter das Universum diesmal nach Berlin entsandt hat. Diese Neugier macht das Leben immer wieder überraschend spannend. Und da ich am Donnerstagabend tatsächlich Zeit habe, denke ich mir: Warum nicht hingehen?
Zwei Stationen mit der U-Bahn, dann ein kurzer Fußweg. Ich lande vor einem evangelischen Gemeindesaal mit Neonlicht. Es mutet an wie aus einer vergangenen Zeit. Der Eingang steht offen, der Raum ist gut gefüllt, sicher zweihundert Menschen. An der Abendkasse zahle ich meine 12 Euro und rechne im Kopf. Zweihundert mal zwölf ergibt 2.400 Euro – für einen einzigen Abend, und das laut Programm drei Mal die Woche. In diesem Moment wird klar: Das Universum arbeitet offenbar mit Kassenbon.
Nicht die Sterne bewegen die Menschen
Ich setze mich in die letzte Reihe. Weil ich beobachten möchte. Dann tritt die Rednerin auf. Eine warme Stimme, ein einstudiertes Lächeln und alle zehn Sekunden der Blick ins Manuskript. Ich frage mich, wie jemand das Schicksal der Menschheit erklären will, wenn er nicht einmal zehn Sätze frei sprechen kann. Doch niemand im Saal stört sich daran. Die Menschen nicken. Sie saugen jedes Wort auf, als hätten sie seit Wochen nach einer Botschaft gesucht, der ihnen endlich Orientierung geben kann. Und während ich in die vielen Gesichter schaue, wird mir klar, was hier eigentlich passiert: Nicht die Sterne bewegen die Menschen – ihre eigene Sehnsucht tut es. Ihre Unsicherheit. Ihre Müdigkeit, ihre stille Angst, dass ihnen niemand mehr erklärt, wie sie sich in dieser Welt zurechtfinden sollen. Und was ist nach dem Tod?
Und genau hier bäumt es sich in mir auf, hier setzt mein Vorwurf an diese Veranstaltung und an die Astrologie insgesamt an. Ich werfe der Referentin nicht nur das Geschäftsmodell vor. Ich werfe ihr vor, dass sie die Zuhörer verführt. Alles, was um uns passiert, soll angeblich an irgendwelchen Sternzeichen, Aszendenten und Ephemeren liegen. Wir sind also hilflos ausgeliefert, wenn uns Pluto Schnupfen bekommt. Dieses ganze System, das vorgibt, inneren Frieden zu bringen, ersetzt nur Substanz und Inhalte. Statt echter Fragen liefert man Sternbilder. Statt einer Antwort: Ein Haus im Jupiter. Statt Mut eine Zeitenwende. Die Menschen wollen Wahrheit – aber sie bekommen Nebel. Die Menschen wollen Halt – doch sie bekommen Horoskop-Poesie.
Schwarze Löcher in den Seelen
Es sind nicht die Sterne, die hier leuchten. Es sind die schwarzen Löcher in den Seelen der Zuhörer. Diese Löcher, die das Leben irgendwann schlägt, politische Enttäuschungen, kaputte Versprechen, Krankheit, ein Alltag, der zu viel verlangt. Die Suche nach Sinn, nach höherer Ordnung, nach spirituellem Erleben, nach innerer Einkehr. Es sind die Kirchen, die nicht mehr liefern – und genau dort, bei dieser Gottlosigkeit, setzt man an und liefert das Ersatzprogramm. Man gießt in die entstandene Leere den Zuckersirup des Universums hinein. Nicht um zu heilen – um zu füllen. Kurz. Oberflächlich. Gegen Eintrittsgeld.
Je länger ich zuhöre, desto klarer sehe ich: Falsche Propheten tragen heute keine Sandalen. Sie haben Mikrofone. Sie kennen ihre Zielgruppe besser als jeder Marktforscher. Sie wissen, dass Menschen nach Sinn hungern. Sie wissen, dass jede Krise einen Markt hat. Sie wissen ganz genau, was sie tun. Falsche Propheten erkennt man daran, dass sie verschwurbelte Antworten verkaufen, die niemand prüfen kann. Und dass sie ihre Macht nicht aus Wahrheit ziehen, sondern aus der Verletzlichkeit ihrer Zuhörer. Sie versprechen einen Weg, doch sie führen nirgendwohin. Sie stopfen Löcher zu wie Amalgam, das glänzt, ohne zu heilen. Deshalb: Hütet euch vor falschen Propheten. Weil sie euch benutzen.
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13 Antworten
there’s a lady who’s sure, all that glitters is gold..
Natürlich gibt es Scharlatane und sogenannte clevere Geschäftemacher, die aus der Not ihrer Opfer Profit ziehen. Aber entwertet das einen ganzen -ich sag’s mal so- Berufsstand?
Anders gefragt:
Wer würde die Heilkunst in Frage stellen, nur weil es Quacksalber und Schlangrnöl-Verkäufer gibt?
Das Wort ‚Beruf‘ ist ja nur die Kurzform von ‚Berufung‘ – und wer seiner Berufung folgt, der folgt dem Ruf seines Herzens, und geht voll in seiner Arbeit auf. Wer mit so einem zu tun hat, wird das auch bemerken. Und ein solcher wird einem niemals vom ‚Schicksal in den Sternen‘ erzählen, sondern von der Qualität ser Zeit… von dem, was in der Luft liegt, und was sich manifestieren könnte (aber weder muß noch unabwrndbar wird).
Astrologie ist ein wesentlich seriöseres Feld als man gemeinhin annimmt. Daran ändern auch die Scharlatane nichts. Und auch die seriösen Vertreter müssen beim Bäcker mit Geld bezahlen.
Ein bißchen weniger Sarkasmus hätte es schon sein dürfen.
Astrologie ist und bleibt Mumpitz!
Die Sternbilder sehen von einem anderen Ort im Weltall auf Grund des veränderten Stadpunktes völlig anders aus.
Hier ein astronomisches Programm sowol für Linux (in den Quellen/Anwendungsverwaltung) als auch Windows und MAC.
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Stellarium
Stellarium ist ein kostenloses, quelloffenes Planetarium für ihren Rechner. Es zeigt einen realistischen 3D-Himmel, so wie man ihn mit bloßem Auge, Fernglas oder Teleskop sehen kann.
https://stellarium.org/de/
…but we are not on a stairway to heaven, but on the highway to hell….
hello darkness, my old friend..
Danke für den Text. Das eigentliche Problem ist aber nicht die Manipulatorin am Pult, sondern die ungebildeten Nichtwisser ,aka „Gläubige“ !
Genau das gleiche passiert in jedem „Gotteshaus“ oder bei Sektentreffen (z.B. Klimacamps) Das Mittelalter ist wieder da, nur in Bunt und in Digital!
Aus einem Land mit Dichtern und Denkern
wurde ein Staat mit Richtern und Henkern!
nach dem Kulturschock kamen
das Gelichter und deren Lenker
Ignoranz ist die Dummheit intell . . enter Menschen.
Es gibt in der tat Viele, die nicht das geben können, was sie versprechen. Es gibt aber einen , der es wirklich kann. Und zwar diesseits und in Bezug auf Ewigkeit.
Jesus Christus spricht:
„Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht“ (Mt. 11,28-30).
„Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluss haben“. (Joch.10,10)
Da darf ich mal ein Zitat von Uta Ranke-Heinemann einwerfen: „Wenn einer seinen eingeborenen Sohn auf so grausame Weise ans Kreuz nageln lässt, dann ist der doch erlösungsbedürftiger als wir!“
Was hat denn den „Allmächtigen“ gehindert, einfach mit dem Finger zu schnippen und zu sagen: „Komm schon, mein Sohn, erspare uns dieses blöde Drama, ich erlöse diese Penner auch so. Ich weiß deinen guten Willen zu würdigen, aber das geht dann doch etwas zu weit.“
Und wieso fragt der „Allwissende“ den Kain – hinterfotzig, wie man im Schwäbischen sagen würde – wo sein Bruder Abel wäre? Hm …
Und wieso lässt er im Paradies das dicke Kind auf die Bonbons aufpassen, nachdem er es mit der Nase drauf gestoßen hat? Als ob das noch nicht genug wäre, schickt er auch noch einen Verführer, dem dicken Kind gut zuzureden, doch von den Bonbons zu naschen?
Nein, nein, da stimmt ja aber auch gar nichts, an dieser ganzen Geschichte. Da kann ich ja gleich glauben, dass Corona eine ganz, ganz schlimme Pandemie war, die nur dank Wieler und Spahn und ganz vielen Masken und Ausgangsverboten verhindert wurde.
Sorry, ich glaube, ich werden jetzt doch Moslem. Wenn ich es mir recht überlege, steht im Koran doch erheblich weniger Unfug als in der Bibel. Noch Fragen?
„Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit“ (2. Kor. 1,18a). Könnte auch mit „Wahnsinn“ übersetzt werden. Kann Sie gut verstehen, wenn ich auch anderer Überzeugung bin.
Herr Müller,
Sie haben exakt 12,- € zu viel bezahlt.
Ganz nebenbei: Dass die Evangelische Kirche dafür einen Raum zur Verfügung gestellt hat, zeigt, der Verein, der sich „Evangelische Kirche“ nennt, hat nichts mit Christentum, schon gar nichts mit Evangelium zu tun. Die sind antichristlich, antievangelisch, und deren Funktion ist, die Gläubigen vom Evangelium wegzuführen. Ich war nie ein Fan von Luther, aber wenn er (von der Hölle aus) sieht, was er angerichtet hat, würde er – wenn er könnte – alles bereuen.
Unsere Monate stimmen sowieso nicht mit den Sternbildern überein.
Nehmen wir Sept(ember) = siebte , Okto(ber) = acht , Dez(ember) = 10.
Ursprünglich waren der September der 7. Monat, Oktober der 8. Monat und Dezember der 10. Monat.
Und: Wenn ein Mensch zur Welt kommt ist er 9 Monate ! alt.
Und erst 3 Monate später 1 Jahr alt !
In den hebräischen Schriften, und auch in den christlich griechischen Schriften (AT-NT) wird Astrologie
und Wahrsagerei verurteilt.
Damals wurden die Juden dafür gesteinigt, heute werden Menschen für diese Werke von Gott
verurteilt. ( Kommt in Kürze )
Die jetzige Zeit, wo das Leben immer beschwerlicher, brutaler und ungerechter wird, wird in der
Bibel in 2. Timotheus, 3. Kapitel, Verse 1 bis 5 beschrieben.
„Ich setze mich in die letzte Reihe. Weil ich beobachten möchte. … Und während ich in die vielen Gesichter schaue, …“
Ach ja, von hinten schaut man also in Gesichter, in viele Gesichter? Interessant. Ab da hat mich der Artikel nicht mehr interessiert.